Olivenbaum

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Olivenbaum als Pflanze. Einen Artikel über das politische Bündnis in Italien finden Sie unter L’Ulivo (italienisch für Ölbaum / Olivenbaum).
Olivenbaum
Olea europaea – Illustrationaus „Köhler’s Medicinalpflanzen“ von 1887.  A: Blühender Zweig  1: Geschlossene Blüte = Blütenknospe  2: Staubblätter, Vorder- und Rückseite in geöffneter Blüte  3: Blütenstempel in Blüte ohne Blütenhüllblätter  4: Olivenkern = Same der Steinfrucht, rechts Längsschnitt  5: Staubblatt  6: Blüte und Fruchtknoten: Längsschnitt  7: Olive im Querschnitt, Fruchtfleisch und Samen darstellend  8: Steinfrucht (Olive)  9: Sternhaar
Olea europaea – Illustration
aus „Köhler’s Medicinalpflanzen“ von 1887.

 A: Blühender Zweig
 1: Geschlossene Blüte = Blütenknospe
 2: Staubblätter, Vorder- und Rückseite in geöffneter Blüte
 3: Blütenstempel in Blüte ohne Blütenhüllblätter
 4: Olivenkern = Same der Steinfrucht, rechts Längsschnitt
 5: Staubblatt
 6: Blüte und Fruchtknoten: Längsschnitt
 7: Olive im Querschnitt, Fruchtfleisch und Samen darstellend
 8: Steinfrucht (Olive)

 9: Sternhaar
Systematik
Asteriden
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Ölbaumgewächse (Oleaceae)
Gattung: Ölbäume (Olea)
Art: Olivenbaum
Wissenschaftlicher Name
Olea europaea
L.

Der Olivenbaum (Olea europaea), auch Echter Ölbaum genannt, ist ein mittelgroßer, im Alter oft knorriger Baum aus der Gattung der Ölbäume (Olea), die zur Familie der Ölbaumgewächse (Oleaceae) gehört. Er wird seit dem 4. Jahrtausend v. Chr. als Nutzpflanze kultiviert.

Beschreibung

Echte Ölbäume (Olea europaea subsp. europaea)

Die Rinde junger Zweige, die Blattstiele und Blattspreite sind intensiv silber-grau oder rostfarben beschuppt.

Habitus und Stamm

Stamm eines alten Olivenbaums.

Der Olivenbaum wächst als reich verzweigter, immergrüner Baum oder Strauch und erreicht (je nach Sorte) Wuchshöhen von 10 bis zu 20 Meter. Die wilden Olivenbäume sind kleiner als die Züchtungen. Der Olivenbaum benötigt viel Zeit zum Wachsen, kann jedoch mehrere hundert Jahre alt werden. Das Holz ist langsam wachsend. Junge Zweige sind etwas kantig. Die grüngraue, glatte Rinde wird im Alter zu einer rissigen Borke.

Die Olivenbäume in den Olivenhainen werden zur besseren Ernte beschnitten, damit sie kleiner bleiben. Dabei gilt im Allgemeinen die Regel: je krummer und knorriger, desto besser der Ertrag.

Wurzel

Die Entwicklung und der Wuchs der Wurzeln hängt maßgeblich von der Lockerheit des Bodens ab. Ein lockerer Boden bewirkt ein nahezu senkrechtes Wachstum, bis zu 7 m in die Erde, ist der Nährboden jedoch fest und felsig, entwickeln sich die Wurzeln eher flach und bilden ein verzweigtes Netzwerk um den Stamm herum. Im Allgemeinen befinden sich die meisten Wurzeln, unabhängig von der Bodenbeschaffenheit, jedoch in etwa 1 m Tiefe.[1] Jede Hauptwurzel der Olive kann einem bestimmten Hauptast zugeordnet werden, entfernt man diesen Ast, degeneriert im Boden der gesamte Wurzelabschnitt.

Blatt

Vorder- und Rückseite der Laubblätter des Europäischen Olivenbaumes.

Der Olivenbaum ist eine immergrüne Pflanze, das heißt, er verliert zu keiner Jahreszeit all sein Laub, sondern mehrere Jahre alte Blätter werden jahreszeitunabhängig abgeworfen. Die gegenständigen, kleinen Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Der Blattstiel ist 2 bis 5 mm lang. Die einfache, ledrige Blattspreite ist schmal lanzettlich bis elliptisch, selten schmal eiförmig, 1,5 bis 10 cm lang, 0,5 bis 2 cm breit, ganzrandig und läuft lanzettenförmig spitz nach vorne zu. Auf beiden Seiten der Mittelrippe befinden sich 5 bis 11 Hauptseitennerven. Die Blattoberseite ist graugrün. Die silbrig glänzende und grau gefärbte Blattunterseite besitzt kleine Härchen; sie sind als Sternhaare oder sternförmige Schuppenhaare ausgebildet, die die Wasserabgabe des Baumes vermindern, indem sie die Diffusion von Wasserdampf aus den Spaltöffnungen vermindern.

Blütenstand und Blüte

Abhängig vom Verbreitungsgebiet blühen Olivenbäume von Ende April bis Anfang Juni. An end- oder seitenständigen, 2 bis 4 cm langen, rispigen Blütenständen stehen zwischen 10 und 40 Blüten.

Die fast sitzenden, vierzähligen Blüten des Olivenbaumes sind zwittrig, können aber funktional eingeschlechtig sein und besitzen eine doppelte Blütenhülle (Perianth). Die vier Kelchblätter sind 1 bis 1,5 mm lang. Die vier weißen bis gelblichen, 2,5 bis 4 mm langen Kronblätter sind zu einer etwa 1 mm langen Kronröhre verwachsen, die in vier elliptisch-länglichen, involuten, 1,5 bis 3 mm langen Kronlappen endet. Jede Blüte enthält vier Staubblätter und zwei Fruchtblätter.

Wird der Baum durch Trockenheit oder Nährstoffmangel etwa sechs Wochen vor der Blüte gestresst, verringert sich der Ertrag, weil die Blütenzahl vermindert wird und Blüten nicht zum Fruchten kommen. Die meisten Sorten sind selbstbefruchtend, wobei Fremdbestäubung meist den Ertrag steigert. Einige Sorten sind jedoch auf Fremdbestäubung angewiesen und brauchen ein genetisch verschiedenes Exemplar zur Bestäubung. Die Blüte wird über den Wind bestäubt.

Frucht und Samen

Querschnitt eines Olivenkerns.

Es wird eine einsamige Steinfrucht, die Olive, gebildet. Die ellipsoide bis fast kugelige Steinfrucht weist eine Länge von 0,7 bis 4 cm und einen Durchmesser von 1 bis 2 cm auf. Der harte „Kern“, der Samen, ist von weichem Fruchtfleisch umgeben. Die Farbe der unreifen Oliven ist grün, die der reifen schwarz oder violett/braun. Am ertragreichsten ist ein Olivenbaum nach etwa 20 Jahren.

Die durchschnittliche Zusammensetzung des Fruchtfleisches einer Olive besteht aus:[2]

in Gewichts-% frische Oliven grüne, milchsaure Oliven
Wasser 50–70 61–81
Fette 6–30 9–28
red. Zucker 2–6
Rohprotein 1–3 1–1,5
Rohfaser 1–4 1,4–2,1
Asche 0,6–1 4,2–5,5

Die Olive ist eine mediterrane Steinfrucht. Sie ist wegen ihrer Bitterkeit roh nicht genießbar, aber nach mehrmaligem Einlegen in Wasser, bei dem die Bitterstoffe ausgeschwemmt werden, essbar. Echte Schwarze Oliven sind voll ausgereifte grüne (olivgrüne) Oliven. Oft werden jedoch grüne, mit Eisengluconat schwarz gefärbte Oliven verkauft.

90 % der Oliven werden zu Olivenöl gepresst.

Im Handel erhältlich sind Oliven vor allem in modifizierter Form. Üblich ist dabei die Füllung der grünen Olive (mit Paprika, Mandeln) sowie das Einlegen/Marinieren der ganzen oder entkernten Früchte.

In Öl eingelegte Oliven sind ohne weitere Konservierungsstoffe relativ lange haltbar und werden auch nicht von Schädlingen befallen, was zumindest zum Teil ihre große Bedeutung für die mediterrane Küche erklärt.

Der Olivenbaum zeigt, wie andere fruchtende Bäume auch, das Phänomen der Alternanz; sein Fruchtertrag schwankt also in zweijährigem Rhythmus.

Chromosomen

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 46.

Heimat

Fossile Blattabdrücke von Olea europaea. FO: Fira/Santorin (GR). Alter 54 000 a BP.

Die wilde Olive hat ein hat ein weit auseinanderliegendes, nicht zusammenhängendes natürliches Vorkommen (Disjunktion): Mittelmeergebiet, Naher Osten und Südafrika. Davon stark verschieden ist das Anbaugebiet der heutigen Kultursorten (siehe Anbau/Verbreitung). In der Forschung stand lange die Theorie im Raum, dass die Olive von Menschen in den Mittelmeerraum gebracht worden sei. Fossile Funde von Blattabdrücken von Olea europea auf der Insel Santorin widerlegen diese These. Die Blätter wurden von den Ascheablagerungen des Vulkans Thera bei einem Ausbruch vor 54.000 Jahren eingeschlossen.

Ökologie

Der Olivenbaum ist ein wichtiges Element der mediterranen Vegetation und Kulturlandschaft.

Der Olivenbaum gedeiht im mediterranen Klima, also bei Jahresmitteltemperaturen von 15 bis 20 °C und Jahresniederschlägen 500 bis 700 mm am besten, mindestens sind 200 mm nötig.

Beispiele für mediterrane Pflanzengesellschaften mit Olivenbäumen:

Ägäischer Ölbaum-Pistazien-Hartlaubwald (Oleo-Ceratonion): Von der Ölbaum-Pistazien-Hartlaubwald-Formation gibt es klimaabhängige Variationen. Überall sind neben der Wildform des Ölbaums (Olea europaea var. sylvestris) aber folgende Arten vertreten: Johannisbrotbaum (Ceratonia siliqua), Wilde Pistazie (Pistacia lentiscus). Die Pflanzengesellschaften dieses Verbandes besiedeln meist den Küstenbereich und kommen nur bis in einer Höhenlage von etwa 200 m NN auf tiefgründigen Böden und bei einem subhumiden Klima vor. In Lagen mit Luveffekten werden diese Waldgesellschaften jedoch schon ab 100 m NN von Quercus pubescens verdrängt.
Auch in der Türkei ist der Olivenbaum (Olea europaea) Bestandteil des Hartlaubwaldes der Tiefenlagen, weitere wichtige Arten sind Stein-Eiche (Quercus ilex), Kermes-Eiche (Quercus coccifera), Johannisbrotbaum (Ceratonia siliqua) und Pinus brutia.

Systematik

Olea europaea subsp. cuspidata
Olea europaea var. sylvestris

Die Erstveröffentlichung des Artnamens Olea europaea erfolgte 1753 durch Carl von Linné.[3]

Von der Art Olea europaea unterscheidet man mehrere Unterarten:

  • Olea europaea L. subsp. europaea: Heimat des Echten Olivenbaumes, auch Europäischer Olivenbaum genannt, ist der gesamte Mittelmeerraum und die Kanaren. Mit dieser Unterart beschäftigt sich der restliche Teil des Artikels, es ist der Olivenbaum im engeren Sinn. Aus dieser Unterart wurden alle Olivenbaumsorten gezüchtet.
    • Olea europaea L. subsp. europaea var. europaea: die Kultursorten des Olivenbaums
    • Olea europaea L. subsp. europaea var. sylvestris (Mill.) Lehr (Syn.: Olea oleaster Hoffmans. & Link): die Wildform, charakterisiert durch oft strauchförmigen Wuchs, etwas breitere Blätter und kleinere Früchte.[4]
  • Olea europaea subsp. africana (Mill.) P.S.Green (Syn.: Olea africana Mill., Olea chrysophylla Lam.) kommt natürlich in Jemen und im Gebel Elba-Gebiet im äußersten Süden Ägyptens vor. Es ist ein 9 bis 12 m hoher immergrüner Baum, der heute in Afrika, Madagaskar, Arabien, Indien bis China verbreitet ist. Die süßen bis sauren Früchte sind beliebt bei Mensch und Tier. Von den Blättern kann man einen Tee machen, und aus den Früchten wird eine Tinte hergestellt. Das harte, schön goldbraune Holz wird verwendet zur Herstellung von Möbeln und Kunstgegenständen. In der Volksheilkunde gewinnt man von dem Baum Augentropfen und ein Mittel gegen Nierenleiden. Die Früchte wurden früher gegen Durchfall verwendet. Der Anbau ist auch in sehr trockenen Gebieten möglich.[5]
  • Olea europaea subsp. cerasiformis G.Kunkel & Sunding: beheimatet in Madeira, auch auf den Kanaren vorkommend.
  • Olea europaea subsp. cuspidata (Wallich ex G.Don) Ciferri: verbreitet in Afrika und Asien, kleinfruchtig, rostbraune Blattunterseite.
  • Olea europaea subsp. guanchica P.Vargas: beheimatet auf den Kanaren.
  • Olea europaea subsp. laperrinei (Batt. & Trab.) Cif.: beheimatet in Algerien, Sudan, Niger.[6]
  • Olea europaea subsp. maroccana (Greuter & Burdet) P.Vargas: beheimatet in Marokko

Anbau

Verbreitung

Olivenhain auf Sizilien.
Oliven-Anbaugebiet bei Jaén in Spanien

Der Olivenbaum wächst in allen Gebieten um das Mittelmeer und zum Teil auch um das Schwarze Meer, die keine extremen Klimabedingungen aufweisen. Er kann hohe Hitze ertragen, leidet aber leicht durch Frost in kalten Wintern, wodurch nicht nur die Ernte einzelner Jahre, sondern der Bestand ganzer Plantagen bedroht ist. Er gilt als Charakterpflanze der mediterranen Pflanzenwelt und weist die Gebiete, in denen er gedeiht, als Gebiete mit mediterranem oder Mittelmeerklima aus. Es wurde immer wieder versucht, das Anbaugebiet des Olivenbaums nach Norden und in rauere Gebiete zu erweitern. Diese oft über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte erfolgreichen Versuche schlugen letztendlich aber immer wieder fehl, das letzte Mal im Februar 1956, als ein Kälteeinbruch aus Osteuropa Millionen von Olivenbäumen in Südfrankreich, Italien und Spanien vernichtete. Derzeit befindet sich die nördlichste Anpflanzung Europas in Köln. Hier wurden seit 2008 über 170 Olivenbäume gesetzt.[7] Seit der neuzeitlichen Kolonisation wird der Olivenbaum auch in entsprechenden Klimaten Nord- und Südamerikas, wo er erstmals im Jahr 1560 in Lima durch die spanischen Eroberer angepflanzt wurde, sowie in Australien, Südafrika und Japan angebaut. Alle Anbaugebiete des Olivenbaums liegen zwischen dem 30. und dem 45. Grad nördlicher bzw. südlicher Breite, mit Ausnahme einiger äquatornäherer Höhenlagen, etwa in Peru, wohin er von den spanischen Konquistadoren im 16. Jahrhundert gebracht wurde. Von dort aus gelangte er über Mexiko bis Kalifornien und Hawaii.

Vermehrung

Die Olivenkerne werden durch Vögel verbreitet, die die Früchte fressen. Olivenbäume in Kultur werden allerdings meist über Stecklinge vermehrt. Die so entstehenden Pflanzen sind genetisch identisch (siehe Klonen). Damit haben die Jungpflanzen alle Eigenschaften der für die Vermehrung ausgewählten Mutterpflanze, sind aber auch alle auf gleiche Weise anfällig für Krankheiten und Schädlinge.

Ernte

Olivenbaum in Südfrankreich
Olivenernte
Oliven im Sammelnetz

Von der Jungpflanze bis zum ersten Ertrag dauert es oft sieben Jahre. Die Ernte findet je nach Gebiet ab Mitte Oktober, teilweise bis in den März statt. Wer nach Kalabrien kommt, wird aus der Ferne immer wieder rote Flächen sehen; dies sind feine Netze, die ausgelegt werden, um die Oliven aufzufangen. In Sizilien z. B. werden die Netze immer wieder verschoben, da traditionell von Hand gepflückt wird oder mit einer Art Kamm und man nicht wartet, bis die Oliven von selbst zu Boden fallen.

Auch in Griechenland verwendet man Netze, um die herabgefallenen oder herabgeschlagenen Oliven aufzufangen. Die Ernte der Öloliven erfolgt teilweise durch Absägen ganzer Äste, von denen anschließend die Oliven maschinell abgeschlagen werden. Größere Stücke des Holzes dienen dabei traditionell als Brennholz, dünne Äste werden später an Ort und Stelle verbrannt. Diese Erntemethode geht mit dem starken Rückschnitt der Bäume, die überwiegend an den zweijährigen Trieben Früchte tragen, einher, der den Baum auf einer erntegerechten Größe hält.

Krankheiten und Schädlinge

  • Olivenfliege (Bactrocera oleae): Die Olivenfliege ist der gefürchtetste Schädling der Olivenhaine, sie legt ihre Eier in die reifenden Früchte, die so durch ihre Maden verdorben werden. Außerdem überträgt sie die Tuberkelkrankheit (s. u.).
  • Stammfäule (Fomitiporia punctata): Ein Pilz, der nach und nach das Stamminnere des Baumes zersetzt. Meist wird die betroffene Stelle ausgeschnitten oder ausgeschabt, allerdings infizieren diese „Pflegemaßnahmen“ meist das freigelegte gesunde Gewebe erneut.
  • Feuerbakterien (Xylella fastidiosa): Ein Bakterium, welches die Rebstockkrankheit (Pierce’s disease) verursacht, infiziert Olivenbäume. Die Übertragung erfolgt durch Zikaden. [8]
  • Tuberkelkrankheit (Pseudomonas syringae subsp. savastanoi pv. oleae): Eine Bakterienkrankheit, sie verursacht extreme Wucherungen, das Absterben von Zweigen und Ästen und mindert die Qualität und Menge der Ernte. Sie wird übertragen durch die Olivenfliege.
  • Olivenschildlaus: Der Befall der Bäume durch diese spezielle Schildlaus kann sowohl die Menge als auch die Qualität der Ernte erheblich mindern.
  • Blattläuse: Der Befall im Frühjahr an jungen Trieben kann zur Verkümmerung von Trieben, Blättern oder Blüten und so zu späteren Ernteverlusten führen.

Sorten

Es gibt allein im Mittelmeerraum über 1.000 Sorten von Olivenbäumen. Je nach Klima und Bodenbeschaffenheit hat sich der Olivenbaum über hunderte Jahre anders entwickelt, manche Olivenbaumsorten sind auf einzelne Dörfer beschränkt.

Spanien

Spanien ist der größte Olivenproduzent der Welt. Die heute angebauten Sorten gehen noch immer auf den Beginn der Kultivierung zurück. Das spanische Sortenspektrum heute entspricht dem im 15. Jahrhundert. In Spanien werden etwa 200 Olivensorten kultiviert; nachfolgend eine Auswahl:

Sorten für die Ölproduktion:

  • Picual (auch Marteña, Lopereña oder Nevadillo Blanco genannt): Bedeutendste Sorte, macht etwa 50 % der spanischen und 20 % der Weltproduktion aus. Das Heimat- und Hauptanbaugebiet ist die Provinz Jaén in Andalusien (dort 91 % des Anbaus), außerdem die Provinzen Badajoz, Granada und Córdoba. Sie liefert ein hochqualitatives Öl von sehr großer Stabilität und hohem Säuregehalt. Picual besitzt einen kräftigen, fruchtigen Geschmack nach Oliven und enthält besonders viel Vitamin E. Der kräftige Geschmack unterscheidet sie von anderen Sorten.
  • Picudo: Stammt aus der Provinz Córdoba, im Besonderen aus Priego de Córdoba und wird außerdem auch in Granada und Málaga angebaut.
  • Hojiblanca: Ursprungsgebiet ist Lucena (Provinz Córdoba). Hauptanbaugebiet sind die Provinzen Córdoba, Málaga und Sevilla. Sie wird sowohl für die Ölproduktion als auch als Tischolive verwendet. Das Öl zeichnet sich durch einen vollen, aber milden Geschmack ohne Schärfe aus.
  • Verdial: Heimatregion ist Vélez-Málaga, die Sorte wird aber auch im übrigen Andalusien und in der Extremadura angebaut.
  • Arbequina: Wird in Lleida, Tarragona und Córdoba angebaut. Die Oliven sind klein und fallen nicht leicht vom Baum ab, so dass sie meist in Handarbeit abgeerntet werden.
  • Empeltre: Stammt aus der Provinz Saragossa und wird im gesamten Ebrotal angebaut. Sie gibt ein mildes Öl von klarer, gelber Farbe mit süßlicher, aromatischer Geschmacksrichtung.
  • Cornicabra: Stammt aus Mora in der Provinz Toledo und macht ca. 12 % der spanischen Produktion aus.
  • Lechín: Wird in den Provinzen Córdoba, Cádiz, Sevilla und Granada kultiviert.
  • Royal de Cazorla: autochthone Sorte der Region Sierra de Cazorla.

Tischoliven:

  • Manzanilla: Wichtigste Tischolive Spaniens. Sie stammt aus dem Ort Dos Hermanas (Provinz Sevilla) und wird im Wesentlichen auch dort angebaut.
  • Gordal: Ebenfalls eine typische Tischolive aus der Provinz Sevilla.
  • Morona: Ähnlich wie die Gordal
  • Cornezuelo: Sehr beliebt in Teilen des südlichen Spanien. Sie hat einen sehr scharfen und spitzen Kern und wird in traditioneller Weise mit Wasser, Salz, Thymian, Knoblauch und Orangenschalen eingelegt.

Italien

Eine große Sortenvielfalt gibt es in Italien, wo es alleine zwischen Sizilien und Ligurien an die 80 verschiedene Sorten gibt. Die italienischen Hauptsorten sind Leccino, Frantoio und Carolea. Da die Oliven der verschiedenen Sorten unterschiedlich im Geschmack sind, gibt es eine Vielzahl verschiedener Öle.

Griechenland

Griechische Sorten sind z. B. Athinolia, Kalamata und Koroneiki.

Tunesien

Tunesien ist einer der größten Olivenölproduzenten außerhalb der Europäischen Union und blickt auf eine der ältesten Traditionen im Olivenanbau, die bis ins 8 Jahrhundert vor Christus zurückreicht. Die tunesische Sortenvielfalt beinhaltet 21 Olivensorten.[9]

Sorten für die Olivenölproduktion:

Chemlali: beheimatet in Südtunesien, zeichnet sich durch eine hohe Widerstandskraft und einen sehr geringen Wasserbedarf aus. Die kleine Chemlali trägt mit einem durchschnittlichen Gewicht von nur 1,2 g zu etwa 30 % der tunesischen Olivenölproduktion bei. Genetisch lässt sich Chemlali nach vier Regionen unterscheiden: Sfax, Zarzis, Djerba und Tataouine. Der Geschmack des Olivenöls reicht je nach Herkunft von sanft bis kräftig, hat jedoch immer ein leichtes Aroma grünen Mandeln.

Chetoui: zweithäufigste Sorte in Tunesien mit Hauptanbaugebiet im niederschlagsreicheren Norden. Die Chetoui wird 2,8 g schwer und ergibt ein fruchtiges Olivenöl mit dominanter Bitterkeit.

Weitere Olivensorten, die zur Olivenölproduktion beitragen sind Zalmati, Zarrazi, Chemchali, Oueslati, El Horr, Gerboui, Toffehi, Fakhari, Jemri.

Sorten für Tischoliven:

Meski und Besbessi werden primär im Norden Tunesiens angebaut, während Tounsi eher im Süden zwischen Chemlali wachsen. Sie erreichen ein Gewicht zwischen 7 und 10 g.[10]

Nutzung

Olivenmühle im antiken Pompeji
Olivenholz: Dunkler gemaserter Kern und heller homogener Splint

Der Olivenbaum wird genutzt:

  • Wirtschaftlich am bedeutsamsten ist die Gewinnung von Olivenöl. Es wird zum Braten, Kochen, und als Öl für Salate und kalte Gerichte, aber auch für kosmetische Zwecke, zum Beispiel Hautcreme, verwendet. Industriell werden die Oliven für das Öl entweder von Hand gepflückt oder mit der Maschine herabgeschüttelt, gehackt, mit Wasser gemischt und hydraulisch gepresst, teils (je nach Zweck) auch mit chemischen Lösungsmitteln oder thermischen Verfahren extrahiert. Top-Qualitäten für die Küche hingegen werden mit schonenderen Verfahren gewonnen, z. B. dem Tropf-Verfahren, bei dem nur das Eigengewicht der Früchte ohne weiteren Druck die Frucht presst. Anschließend wird das Öl vom Wasser bei modernen Verfahren in der Zentrifuge, sonst mittels Ruhenlassen getrennt. Die Reste die bei der Erstpressung entstehen werden von den Ölpressereien weiterverarbeitet mit Hitze und speziellen Verfahren. Die weiteren Reste werden teilweise zu Kosmetika und Medizin verarbeitet.
  • Die Früchte werden auch direkt als Nahrungsmittel in den Handel gebracht. Direkt vom Baum ist die Olive jedoch wegen ihrer Bitterkeit kaum genießbar. Sie wird in eine Salzlake eingelegt, die ihr die Bitterstoffe entzieht. In der mediterranen Küche wird sie häufig in Brot, Ragouts, Salaten und Saucen verwendet. Im Handel finden sich schwarze und grüne Oliven. Dabei sind die schwarzen Oliven ausgereift, die grünen wurden unreif geerntet. Auch die grünen Oliven würden schwarz, ließe man sie am Baum ausreifen. In der Regel handelt es sich auch um verschiedene Sorten: Einige Sorten eignen sich besser für die Gewinnung von grünen, andere für die von schwarzen Oliven. Teilweise sind auf dem Markt auch unreife, mit Eisengluconat schwarz gefärbte Oliven erhältlich – die Kenntlichmachung auf der Zutatenliste ist vorgeschrieben. Die unreifen Oliven sind nach dem Einlegen nicht weniger genießbar, schmecken jedoch anders, weswegen der Unterschied der oxidierten zu echten schwarzen für den Kenner deutlich ist.
  • Das Holz wird zu Möbeln, Blasinstrumenten (besonders Blockflöten), Küchengeräten und anderen Gebrauchsgegenständen verarbeitet.
  • als Brennstoff. Die bei der Ölproduktion anfallenden Reste (Kerne und Trester) können für die Herstellung von Biomasse-Brennstoffen verwendet werden. Die Kerne sind eine Alternative zu Holzpellets, welche als Energieträger in Holz-Blockheizkraftwerken und industriellen Wärmekraftwerken Verwendung finden. Der Trester kann als Beimischung für Biomasseöfen und Biogasanlagen benutzt werden.[11]

Wirtschaftliche Bedeutung

Weltproduktion

Olivenbaumpflanzungen nahmen 2012 auf der Welt 10,2 Millionen Hektar an Fläche ein, auf denen jährlich 16,5 Millionen Tonnen Oliven geerntet wurden. Spanien ist der größte Olivenproduzent. Die zehn wichtigsten Länder erstellen 91,3 % der weltweiten Olivenproduktion.

Die größten Olivenproduzenten (2012)[12]
Rang Land Produktion (in t) Anteil
1 SpanienSpanien Spanien 3.626.600 21,9 %
2 ItalienItalien Italien 3.017.537 18,2 %
3 GriechenlandGriechenland Griechenland 2.080.800 12,6 %
4 TurkeiTürkei Türkei 1.820.000 11,0 %
5 MarokkoMarokko Marokko 1.315.794 7,9 %
6 SyrienSyrien Syrien 1.049.761 6,3 %
7 TunesienTunesien Tunesien 963.000 5,8 %
8 AgyptenÄgypten Ägypten 465.000 2,8 %
9 AlgerienAlgerien Algerien 393.840 2,4 %
10 PortugalPortugal Portugal 389.900 2,4 %
weltweit 16.555.375 100,0 %

Die Vermarktung wird dabei von italienischen Firmen dominiert, auch bei nichtitalienischem Öl. Nimmt in Europa die Beliebtheit des Olivenöls auch stetig zu, so nimmt es wegen seines vergleichsweise hohen Preises weltweit im Gegensatz zur Ölpalme oder Sojaöl nur einen geringen Anteil der Speiseölproduktion ein.

Produktion in der Europäischen Union

Die Produktionsfläche in der Europäischen Union macht etwa 4,9 Mio. Hektar aus, entsprechend 48 % der Welterntefläche. In der EU wurden 2012 etwa 55 % der Welternte an Oliven eingebracht. [12] Die EU ist nicht nur der größte Olivenölproduzent, sondern auch der größte Verbraucher. Da die Nachfrage nach Olivenöl auch in nördlichen Ländern stetig zugenommen hat, wurde der Anbau von Olivenbäumen erheblich ausgeweitet. In vielen Regionen der Hauptproduzenten ist der Olivenbaum Grundlage der ländlichen Wirtschaft.

Produktion außerhalb der Europäischen Union

Die Türkei, Marokko und Syrien sind die größten Olivenproduzenten außerhalb der EU. In diesen Ländern macht die Olivenölproduktion einen höheren Teil am BIP aus, und der Olivenanbau bindet viele Arbeitskräfte, so dass er die Lebensgrundlage vieler Menschen ist.

Oliven
Verschiedenartig eingelegte Oliven
Olivenhändler in der Türkei

Kulturgeschichte des Olivenbaumes

Mehrere Jahrhunderte alter Olivenbaum.

Die Geschichte des Ölbaums reicht bis in die Antike zurück. Erste archäologische Funde von Olivenkernen sind über 9000 Jahre alt, dabei handelt es sich aber um von Menschen gesammelte Oliven von wilden Olivenbäumen. Wann die Wildform zur fruchtbaren Gartenolive kultiviert wurde, ist unbekannt. Archäologische Funde deuten jedoch darauf hin, dass dies um 4000 v. Chr. in Kreta und Syrien geschah. Auch der häufige Hinweis in der Bibel auf den Baum und seine Erzeugnisse, auf seinen Überfluss im Land von Kanaan und den wichtigen Platz, den er in der Wirtschaft von Syrien hat, lässt vermuten, dass dort der Ursprung des kultivierten Olivenbaumes liegt. In frühbyzantinischer Zeit bedeutete für hunderte Dörfer im Gebiet der Toten Städte der Export von Olivenöl die wirtschaftliche Grundlage für ihre Blütezeit ab dem 4. Jahrhundert.

Der Baum wurde schnell zum Zeichen des Friedens. Im trockenen Klima des Nahen Ostens stellte das Öl bald ein wichtiges und gesundes Grundnahrungsmittel dar. In der Wirtschaft, Religion und Kunst, sowie den vielen Mythen spiegelt sich diese wichtige Rolle des Olivenbaums wider. Der Bibel nach war die Ölfrucht den Juden im gelobten Land verheißen, bildete einen bedeutenden Teil des Reichtums und war neben dem Feigenbaum und Rebstock das Bild des Wohlstandes und bürgerlichen Glückes. Die eingewanderten Israeliten fanden den Olivenbaum schon vor. Die Könige David und Salomo förderten seinen Anbau. Man benutzte das Öl zu Speisen, bei Opfergaben, als Brennöl und zum Salben des Haars und des ganzen menschlichen Körpers.

Zu Homers Zeiten benutzte man in Griechenland das Holz des wilden Ölbaums wegen seiner großen Festigkeit zur Anfertigung von Axtstielen. Das Öl diente zum Salben des Körpers, war aber den Reichen und Edlen als Luxusgut vorbehalten, wie es in der Ilias beschrieben wird. In der Akademie standen die der Athene geweihten unantastbaren Ölbäume; sie stammten der Sage nach von der Mutterolive auf der Burg, die von der Göttin selbst geschaffen und später nach der Verbrennung durch die Perser von selbst aus der Wurzel wieder aufgesprossen sein soll. Nach einer griechischen Sage hatten die Götter Athene und Poseidon einen Wettstreit ausgetragen. Als Gewinner sollte derjenige gelten, der den Bewohnern von Athen das sinnvollere Geschenk überbringt. Athene setzte sich mit dem von ihr erschaffenen Olivenbaum durch, der den antiken Griechen als heilig galt. In zahlreichen griechischen Stadtstaaten war es gesetzlich verboten, Olivenbäume zu fällen.

Flagge der UNO. Trotz der Ähnlichkeit handelt es sich nicht um Lorbeerzweige, sondern um Zweige des Ölbaums als Zeichen des Friedens.[13]

Im 6. Jahrhundert v. Chr. kam der Olivenbaum nach Italien. Wie schon in Griechenland war ein Kranz aus Ölzweigen die höchste Auszeichnung des um das Vaterland hochverdienten Bürgers, sowie der höchste Siegespreis (Kranz aus Zweigen vom kotinos kallistephanos) bei den Olympischen Spielen. Der Ölzweig war das Symbol des Friedens, und Besiegte, die um Frieden baten, trugen Ölzweige in den Händen.

Auch im alten Christentum ist die Taube mit dem Ölzweig ein Symbol des Friedens. Der Bibel zufolge schickte Noah nach der Sintflut eine Taube los. Sie kehrte mit einem Ölzweig im Schnabel zurück: die Erde grünte wieder, das Leben war zurück. Jesus hielt zwischen Olivenbäumen im Garten Getsemani kurz vor seiner Kreuzigung Zwiesprache mit Gott. Paulus illustrierte das Verhältnis zwischen Heidentum und Judentum mit einem wilden und einem edlen Ölbaum.[14] Wilde Oliven (Olea europea subsp. oleaster oder Olea europea var. sylvestris) wachsen an der Küste des Mittelmeeres. Eine afrikanische Variante (Olea africana Mill. oder Olea chrysophylla Lam.) kommt in Jemen und im Gebel Elba-Gebiet im äußersten Süden Ägyptens vor (siehe auch Heimat).

In Ägypten wurden Oliven an der Mittelmeerküste, den Oasen Baħrija, Dachla, Karga und Siwa sowie auf dem Sinai angebaut. Der erste Nachweis stammt aus der 18. Dynastie. Im Grab des Pharao Tutanchamun wurden Blätter des Ölbaums gefunden.[15] In Ptolemäischer Zeit wird die Pflanze häufiger angebaut, in römischer Zeit ist sie sehr geläufig. Nach Theophrast war der Ölbaum in der Thebais zu finden, nach Strabo auch im Fajum.

Karte des Olivenanbaus in Südeuropa

Zitate

Der Ölbaum bei Homer

„Doch der Atreid’, ausziehend das Schwert voll silberner Buckeln,
Sprang auf Peisandros hinan. Der hob die schimmernde Streitaxt
Unter dem Schild, die ehrne, geschmückt mit dem Stiele von Ölbaum,
Schöngeglättet und lang; und sie drangen zugleich aneinander.“
(Homer: Ilias, 13. Gesang, 610–613)

„Innerhalb des Gehegs war ein weitumschattender Ölbaum,
Stark und blühenden Wuchses; der Stamm glich Säulen an Dicke.
Rings um diesen erbaut’ ich von dichtgeordneten Steinen
Unser Ehegemach, und wölbte die obere Decke,
Und verschloß die Pforte mit festeinfugenden Flügeln.
Hierauf kappt’ ich die Äste des weitumschattenden Ölbaums,
Und behaute den Stamm an der Wurzel, glättet’ ihn ringsum
Künstlich und schön mit dem Erz, und nach dem Maße der Richtschnur;
Schnitzt’ ihn zum Fuße des Bettes, und bohrt’ ihn rings mit dem Bohrer,
Fügete Bohlen daran, und baute das zierliche Bette,
Welches mit Gold und Silber und Elfenbeine geschmückt war;
Und durchzog es mit Riemen von purpurfarbener Stierhaut.“
(Odyssee, 23. Gesang, 190–201)

Der Ölbaum in der Bibel

„Einst machten sich die Bäume auf, um sich einen König zu salben, und sie sagten zum Ölbaum: ‚Sei du unser König.‘ Der Ölbaum sagte zu ihnen: ‚Soll ich mein Fett aufgeben, mit dem man Götter und Menschen ehrt und hingehen, um über den anderen Bäumen zu schwanken?‘“ (Buch der Richter, 9, 8-9)

„Gegen Abend kam die Taube zu ihm zurück, und siehe da: In ihrem Schnabel hatte sie einen frischen Olivenzweig. Jetzt wusste Noah, dass nur noch wenig Wasser auf der Erde stand.“ (Genesis, 8, 11)

„Ob aber nun etliche von den Zweigen ausgebrochen sind und du, da du ein wilder Ölbaum warst, bist unter sie gepfropft und teilhaftig geworden der Wurzel und des Safts im Ölbaum, so rühme dich nicht wider die Zweige. Rühmst du dich aber wider sie, so sollst du wissen, daß du die Wurzel nicht trägst, sondern die Wurzel trägt dich.“ (Römerbrief, 11, 17-18)

Die Olive als Symbol der Jungfrau Maria wurde von den Malern der Sieneser Schule verwandt, da sie das traditionelle Symbol der Lilie, das auch Symbol und Wappen der Konkurrentin Florenz war, vermeiden wollten. Ein Beispiel hierfür ist das Verkündigungsbild von Simone Martini von 1333 in den Uffizien, in dem der Erzengel Gabriel einen Olivenzweig anstatt der sonst üblichen Lilie in der Hand hält.

Der Ölbaum im Koran

„Und ER ist es, Der aus dem Himmel Wasser niedersendet; damit bringen Wir alle Arten von Pflanzen hervor; … und Oliven- und Granatapfel-(Bäume) …“ (Die ungefähre Bedeutung des Al-Qur’an Al-Karim, Sure 6:99 „Das Vieh“)

„Allah ist das Licht der Himmel und der Erde. Sein Licht ist gleich einer Nische, in der sich eine Lampe befindet: Die Lampe … Angezündet (wird die Lampe) von einem gesegneten Ölbaum, der weder östlich noch westlich ist, dessen Öl beinahe leuchten würde, auch wenn das Feuer es nicht berührte.“ (Die ungefähre Bedeutung des Al-Qur’an Al-Karim, Sure 24:35 „Das Licht“)

„Alsdann spalteten Wir die Erde in wunderbarer Weise und ließen Korn in ihr wachsen … und Ölbäume…“ (Die ungefähre Bedeutung des Al-Qur’an Al-Karim, Sure 80:26–29 „Er runzelte die Stirn“)

Der Ölbaum in der Neuzeit

„Die Ölbäume sind sehr charakteristisch, und ich gebe mir große Mühe, das einzufangen. Es ist Silber, das mal ins Blaue, mal ins Grüne spielt, bronzefarben und beinah weiß auf gelbem, rosa, violettem oder orange Boden, der bis zum stumpfroten Ocker geht … Eines Tages mache ich vielleicht etwas ganz Persönliches daraus, wie ich es mit den Sonnenblumen für die gelben Töne gemacht habe.“ (Vincent van Gogh an seinen Bruder Theo, Brief 608)

Quellen

  • Mei-chen Chang, Lien-ching Chiu, Zhi Wei, Peter S. Green: Olea europaea. In:  Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China. Volume 15: Myrsinaceae through Loganiaceae, Science Press/Missouri Botanical Garden Press, Beijing/St. Louis 1996, ISBN 0-915279-37-1, S. 296., PDF-Datei (Abschnitt Beschreibung).
  •  Fritz Grohmann: Flora of West Pakistan 59: Oleaceae. Stewart Herbarium, Gordon College (u. a.), Rawalpindi 1974, S. 10 (online). (Abschnitt Beschreibung).
  • Der Olivenbaum bei Plant for the Future. (Abschnitt Nutzung).
  • René T. J. Cappers: Roman foodprints at Berenike. Archaeobotanical evidence of subsistence and trade in the Eastern Desert of Egypt. Cotsen Institute of Archaeology, University of California, Los Angeles 2006, ISBN 1-931745-26-9.
  • Victor Hehn: Olive, Wein und Feige. Kulturhistorische Skizzen. Hrsg. von Klaus von See unter Mitwirkung von Gabriele Seidel-Leimbach. Insel, Frankfurt am Main 1992, ISBN 3-458-33127-1.
  • Alexander von Lingelsheim: Oleaceae. Oleolidae. Fraxinae et Syringeae. In: Adolf Engler: Das Pflanzenreich. Band 72, W. Engelmann, Leipzig 1920, online.
  • Charles R. Metcalfe, L. Chalk: Anatomy of the Dicotyledons. 3 Bände, Oxford University Press, Oxford ²1987-1989, ³1998, ISBN 0-19-854593-2.
  • D. B. Sandy: The production and use of vegetable oils in Ptolemaic Egypt. In: Bulletin of the American Society of Papyrologists. Suppl. 6, 1989, S. 1–136.

Einzelnachweise

  1. Diego Barranco, Ricardo Fernández-Escobar, Luis Rallo: El cultivo del olivo. 3. Auflage. Junta de Andalucía. Consejería de Agricultura y Pesca; Ediciones Mundi-Prensa, Sevilla/Barcelona 1999, ISBN 84-7114-819-6.
  2. Hans-Dieter Belitz & W. Grosch: Lehrbuch der Lebensmittelchemie. 4., überarb. Auflage, korrigierter Nachdruck. Springer, Berlin 1995, ISBN 3-540-55449-1.
  3. Carl von Linné: Species Plantarum. Band 1, Impensis Laurentii Salvii, Holmiae 1753, S. 8, Digitalisat
  4. P. S. Green: A revision of Olea L. (Oleaceae). In: Kew Bulletin. Band 57, Nr. 1, 2002, S. 91–140, JSTOR.
  5. Pitta Joffe: Olea europaea subsp. africana. Pretoria National Botanical Garden 2002 (Beschreibung und Bilder, engl.).
  6. Djamel Baali-Cherif, Guillaume Besnard: High Genetic Diversity and Clonal Growth in Relict Populations of Olea europaea subsp. laperrinei (Oleaceae) from Hoggar, Algeria. In: Annals of Botany. Band 96, Nr. 5, 2005, S. 823–830, DOI:10.1093/aob/mci232 (engl.).
  7. Bernd Imgrund: 111 Kölner Orte die man gesehen haben muss. emons, Köln 2008, ISBN 3-89705-618-6, S. 146.
  8. Spiegel online: Baumsterben: Feuerbakterium zerstört Süditaliens Olivenhaine, abgerufen am 28. November 2013.
  9. http://www.tunisia-oliveoil.com/index.php
  10. Ezzaitouna, Institut de l’Olivier, N. Grati Kammoun & M. Khlif, 2001
  11. http://www.biomass-center.com/olivenkerne.htm
  12. a b Statistik der FAO 2014, Landwirtschaftsorganisation der UN, aufgerufen am 14. April 2014
  13. Flaggenlexikon.de, abgerufen am 1. September 2010.
  14. Brief des Paulus an die Römer 11, 17 bis 24.
  15. René T. J. Chappers, Roman Footprints at Berenike. Los Angeles 2006, S. 15.

Weblinks

 Commons: Olivenbaum (Olea europaea) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


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Dieser Artikel wurde am 23. Oktober 2006 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.