Oliver Bierhoff

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Oliver Bierhoff

Oliver Bierhoff im August 2006

Spielerinformationen
Geburtstag 1. Mai 1968
Geburtsort KarlsruheDeutschland
Größe 191 cm
Position Stürmer
Vereine in der Jugend
1974–1978
1978–1985
1985–1986
Essener SG 99/06
Schwarz-Weiß Essen
Bayer 05 Uerdingen
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
1986–1988
1988–1990
1990
1990–1991
1991–1995
1995–1998
1998–2001
2001–2002
2002–2003
Bayer 05 Uerdingen
Hamburger SV
Borussia M'gladbach
SV Austria Salzburg
Ascoli Calcio
Udinese Calcio
AC Mailand
AS Monaco
AC Chievo Verona
31 0(4)
34 0(6)
8 0(0)
32 (23)
117 (48)
86 (57)
91 (37)
18 0(5)
26 0(7)
Nationalmannschaft
0
0
1988–1990
1996–2002
Deutschland U-18
Deutschland U-19
Deutschland U-21
Deutschland
8 0(4)
4 0(2)
10 0(7)
70 (37)
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.

Oliver Bierhoff (* 1. Mai 1968 in Karlsruhe) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler und seit Juli 2004 Manager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Der kopfballstarke Stürmer gewann mit der deutschen Nationalmannschaft die Europameisterschaft 1996 und wurde im Jahr 1998 Torschützenkönig der italienischen Serie A sowie 1999 mit dem AC Mailand italienischer Meister.

Spielerkarriere[Bearbeiten]

Verein[Bearbeiten]

Bierhoffs erster Jugendverein war die Essener SG 99/06. Später spielte er unter anderem zusammen mit Jens Lehmann, mit dem er bis heute eine Freundschaft unterhält, bei Schwarz-Weiß Essen in der Jugendabteilung. 1985 wechselte er in die erfolgreiche A-Jugend von Bayer Uerdingen (heute KFC Uerdingen 05), wo er ab 1986 als Profi in der 1. Bundesliga spielte. Nach sportlich durchwachsenen Jahren beim Hamburger SV und Borussia Mönchengladbach wechselte Bierhoff 1990 nach Österreich zum SV Austria Salzburg, wo er mit 23 Saisontreffern einen Vereinsrekord aufstellte.

Durchbruch in Italien[Bearbeiten]

Nach nur einer Saison bei Salzburg wurde Bierhoff von Inter Mailand gekauft, jedoch gleich in die italienische Serie B zu Ascoli Calcio weiterverliehen. Nach vier Jahren, er hatte bis dahin 48 Tore erzielt, wechselte er 1995 in die Serie A zu Udinese Calcio, wo ihm der Durchbruch gelang: in insgesamt 86 Pflichtspielen gelangen ihm 57 Treffer. In der Saison 1997/98 wurde er mit 27 Toren Torschützenkönig der Serie A. 1998 wurde Bierhoff aufgrund dieser Erfolge zum Fußballer des Jahres in Deutschland gewählt. Im selben Jahr wurde er vom AC Mailand verpflichtet, wo er 1999 italienischer Meister wurde. Bierhoff blieb drei Jahre bei Milan und erzielte insgesamt 37 Tore.

2001 wechselte er zum AS Monaco und beendete schließlich seine Laufbahn als aktiver Fußballer 2003 bei AC Chievo Verona.

Insgesamt schoss er in der Serie A 103 Tore, eine der besten Torquoten für einen Ausländer, der je in Italien gespielt hat. Bierhoff erzielte auch die meisten Kopfballtore in der italienischen Serie A.

Nationalmannschaft[Bearbeiten]

Oliver Bierhoff im Trikot der Nationalmannschaft (1999)

1987 nahm Bierhoff mit der Bundeswehr-Nationalmannschaft an der Militär-Weltmeisterschaft in Italien teil und belegte den zweiten Rang.[1] Von 1988 bis 1990 bestritt er zehn Partien für die U-21-Nationalmannschaft. Bierhoff gab mit 27 Jahren sein Debüt in der Nationalmannschaft, als er am 21. Februar 1996 im Spiel gegen Portugal eingewechselt wurde (2:1).[2]

Vier Monate nach seinem Debüt schaffte er den Sprung in den Kader für die Fußball-Europameisterschaft 1996 in England unter Bundestrainer Berti Vogts. Im Finale gegen Tschechien wurde er beim Stand von 0:1 in der 69. Minute eingewechselt. Knapp vier Minuten später gelang ihm der Ausgleichstreffer per Kopfballtor. In der anschließenden Verlängerung schoss er mit dem ersten Golden Goal der Herren in der Turniergeschichte Deutschland zum Titel.

Bei der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1998 gelang Bierhoff beim Spiel gegen Nordirland der schnellste Hattrick in der Geschichte des DFB, als er beim Stand von 0:1 in der 69. Minute eingewechselt wurde und binnen sechs Minuten drei Tore zum 3:1-Endstand erzielte.[3] Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich schoss er insgesamt drei Tore, schied aber mit der Mannschaft im Viertelfinale gegen Kroatien durch eine 0:3-Niederlage aus dem Turnier aus.

Bei der Europameisterschaft 2000 in den Niederlanden und Belgien führte er die Nationalmannschaft zunächst als Kapitän an. Bei einem (auf Wunsch des damaligen DFB-Präsidenten Egidius Braun auf dem Platz von dessen Heimatverein SV Breinig ausgetragenen) öffentlichen Training nach dem ersten Gruppenspiel zog er sich jedoch beim Aufwärmen einen Muskelfaserriss zu und fiel für den Rest des Turniers aus.[4]

2002 nahm er mit der Nationalmannschaft an der Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea teil, wo er Vize-Weltmeister wurde. Das Finalspiel gegen Brasilien am 30. Juni 2002, das mit 0:2 verloren wurde, war zugleich sein letztes Spiel in der Nationalmannschaft.

Bierhoff trug in 70 A-Länderspielen das Trikot der Deutschen Nationalmannschaft und erzielte dabei 37 Treffer, davon 12 nach Einwechslungen, womit er der Spieler mit den meisten Toren nach einer Einwechslung ist.

Teammanager der Nationalmannschaft[Bearbeiten]

Nachdem Bierhoff gemeinsam mit Oliver Welke einige Spiele der UEFA Champions League für den TV-Sender Sat.1 kommentiert hatte, trat er zwei Jahre nach seinem letzten Länderspiel mit dem Dienstantritt von Jürgen Klinsmann als Cheftrainer der Deutschen Nationalmannschaft am 29. Juli 2004 die Stelle des Teammanagers der Nationalmannschaft an. Diese Stelle wurde eigens für Bierhoff geschaffen und gab es in dieser Art und Weise zuvor nicht. Auch unter Trainer Joachim Löw behielt er den Posten des Managers.

Bierhoffs Auftreten als Teammanager der Nationalmannschaft war von Anfang an nicht unumstritten. Bis heute werden ihm von Fans und den Medien teilweise Arroganz und Besserwisserei zugeschrieben.[5][6] Vorgeworfen wurde ihm auch, dass er parallel zu seinem Vertrag mit dem DFB einige private Werbeverträge und damit auch Nebentätigkeiten nicht sofort gekündigt habe.[7]

2007 wurde ein Disput zwischen Bierhoff und Rudi Völler über die Medien ausgetragen. Völler wehrte sich mit teils derben Ausdrücken gegen Bierhoffs Aussagen, der die Arbeit der Bundesligavereine kritisierte und empfahl, diese sollten sich an der Trainingsphilosophie der Nationalelf orientieren.[8]

Nach dem verlorenen EM-Finale gegen Spanien 2008 (0:1) ging Michael Ballack noch auf dem Spielfeld auf Bierhoff zu und beschimpfte ihn mit offenbar obszönen Worten, weil Bierhoff ihn aufgefordert hatte, mit einem Danke-Transparent zu den Fans in die Kurve zu gehen. Beobachter werteten dies als Ausdruck von Kritik an der Arbeit Bierhoffs, der unter den Spielern auch als Eventmanager betitelt wurde.[9]

Als im Februar 2010 die Verträge von Bierhoff und Joachim Löw mit dem DFB verlängert werden sollten, wurden die Gespräche mit Theo Zwanziger nach einer gescheiterten Verhandlung abgebrochen und bis auf weiteres verschoben. Grund waren die Forderungen von Löw und Bierhoff, auf die Zwanziger nicht eingehen wollte. So habe Bierhoff u. a. ein Vetorecht für eine etwaige Neubesetzung des Bundestrainerpostens gefordert.[10] Am 20. Juli 2010 gab Bierhoff gemeinsam mit Joachim Löw seine Vertragsverlängerung bis 2012 bekannt. Am 15. März 2011 gab der DFB bekannt, dass der Trainerstab um Joachim Löw und auch Oliver Bierhoff ihre Verträge um weitere zwei Jahre bis zum 31. Juli 2014 verlängert haben.[11]

Kontroverse um Aussagen zu Homosexualität im Fußball[Bearbeiten]

Am 25. März 2011 äußerte sich Bierhoff in einem Interview der Bild-Zeitung[12] kritisch über eine ausgestrahlte Folge der Fernsehserie Tatort, die sich mit der Thematik Homosexualität im Fußball auseinandersetzte. In der Sendung fielen unter anderem Sätze wie „Wissen Sie, die halbe Nationalmannschaft ist angeblich schwul, einschließlich Trainerstab. Das ist doch schon so eine Art Volkssport, das zu verbreiten.“[12] Bierhoff wertete die Aussagen in dem Film „als einen Angriff auf [...] die Familie der Nationalelf.“[13] Ihm wird vorgeworfen, damit indirekt festgestellt zu haben, der Fußball müsse vor homosexuellen Einflüssen geschützt werden.[13]

Das schwul-lesbische Fußballnetzwerk Queer Football Fanclubs äußerte sich hierzu in einem offenen Brief, Bierhoff habe der Homophobie im Fußball sein Gesicht gegeben.[14] Die heftige Reaktion Bierhoffs sowie die Nutzung des Begriffs Familie als vermeintlichen Gegensatz zu Homosexualität sei entlarvend, hieß es in der Erklärung.[14]

Erfolge/Titel[Bearbeiten]

Im Verein:

In der Nationalmannschaft:

Individuelle Ehrungen/Erfolge:

Erfolge als Manager der Deutschen Fußballnationalmannschaft[Bearbeiten]

Privates[Bearbeiten]

Der Vater von Oliver Bierhoff, Rolf Bierhoff, war Torwart bei der SG Düren 99, bei der zur gleichen Zeit auch Karl-Heinz Schnellinger spielte. Außerdem war sein Vater mehrere Jahre Vorstandsmitglied bei der Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerk AG. Oliver Bierhoffs Großvater Eduard Bierhoff war Oberkreisdirektor im damaligen Kreis Düren. Nicole Bierhoff ist Oliver Bierhoffs ältere Schwester. Oliver Bierhoff wuchs in Düren und Essen auf. Zwischenzeitlich lebte er mit seiner Familie in Essen, als er bei der Essener Sportgemeinschaft 99/06 sowie dem ETB Schwarz Weiß Essen spielte und auch bei den Essener Domsingknaben sang. Sein Abitur legte er ebenfalls dort am Humboldt-Gymnasium ab.

Im Jahr 2002 hat Bierhoff neben seiner Profilaufbahn ein wirtschaftswissenschaftliches Studium an der Fernuniversität in Hagen nach 26 Semestern erfolgreich als Diplom-Kaufmann abgeschlossen. Das Thema seiner Diplomarbeit war: Die Bestimmung des Platzierungspreises von Aktien im Vorfeld einer Börsenneueinführung – Eine vergleichende ökonomische Analyse am Beispiel des Börsenganges von Fußballvereinen.[15] Seit dem 22. Juni 2001 ist Bierhoff mit Klara Szalantzy verheiratet. Das Paar hat eine Tochter.

Bierhoff gründete im März 2007 gemeinsam mit dem Sportwissenschaftler und ehemaligen Sportartikel-Manager Marc Kosicke die Projekt B GmbH, deren Geschäftszweck die Vermarktung von Sportlern, insbesondere von Fußballtrainern, ist. Zu den Kunden des Unternehmens gehören neben Bierhoff selbst unter anderem Holger Stanislawski, Jürgen Klopp, Michael Oenning und Bruno Labbadia.[16][17][18]

Am 3. März 2010 verklagte die Kölner Beratungsagentur Sportsfirst, deren Geschäftsführer der ehemalige Nationaltorwart Toni Schumacher ist, Oliver Bierhoff wegen offener Provisionszahlungen.[19]

Bierhoff ist seit 2003 Bürger der Gemeinde Berg am Starnberger See und hat sich am 25. Juli 2013 ins Goldene Buch der Gemeinde eingetragen.[20]

Pro Atomenergie[Bearbeiten]

Im August 2010 machte Oliver Bierhoff durch die Mitunterzeichnung des Energiepolitischen Appells, einer Lobbyinitiative der vier großen Stromkonzerne gegen einen deutschen Ausstieg aus der Atomenergie auf sich aufmerksam. In die Kritik geriet Bierhoff dabei, weil er die in verschiedenen Tageszeitungen abgedruckte ganzseitige Zeitungsanzeige im Namen seiner Funktion als Manager der Nationalmannschaft unterzeichnet hat. Der DFB distanzierte sich später jedoch von diesem energiepolitischen Appell. Bierhoff habe seine Meinung lediglich unter Angabe seiner Berufsbezeichnung Manager der Fußball-Nationalmannschaft, und nicht im Namen des DFB geäußert.[21]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Oliver Bierhoff – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. kicker Sportmagazin Nr. 53/26. Wo., 25. Juni 1987, S. 2
  2. Statistik bei www.dfb.de
  3. Statistik bei www.dfb.de
  4. „Er verletzte sich beim "Kirmes-Training"“, spiegel-online vom 14. Juni 2000
  5. „Besserwisser Bierhoff überschreitet Kompetenzen“, welt-online vom 21.November 2007
  6. „Eitel, aber zielsicher“, spiegel-online vom 19. November 2007
  7. „Bierhoff bleibt die Reizfigur im deutschen Fußball“, welt-online vom 18. November 2008
  8. „Völler geht auf Bierhoff los“,spiegel-online vom 19. November 2007
  9. „Ballack contra Bierhoff“, kicker-online vom 3. Juli 2008
  10. Löw sauer und loyal zu Bierhoff, kicker-online vom 7. Februar 2010
  11. Löw bleibt bis 2014 Bundestrainer In: dfb.de, 27. Juni 2012.
  12. a b Bierhoff: Nationalelf wird missbraucht. bild.de. 25. März 2011. Abgerufen am 31. März 2011.
  13. a b Bierhoff und die ewig gestrigen Schlagzeilen über schwule Fußballer. zeit.de. 29. März 2011. Abgerufen am 31. März 2011.
  14. a b Schwul-lesbische Fanclubs werfen Bierhoff Homophobie vor. spiegel.de. 31. März 2011. Abgerufen am 31. März 2011.
  15. Eintrag auf der Webseite der Fernuniversität Hagen
  16. Impressum von projektb.biz
  17. Fußball/Nationalmannschaft: Bierhoff – der Zeugwart; Westdeutsche Zeitung, wz-newsline.de vom 5. Februar 2007
  18. Trainerberater Kosicke ist für Klopp auch ein Freund; derwesten.de von 16. August 2011
  19. Rechtsstreit: Klage gegen Oliver Bierhoff
  20. [1]
  21. Manager-Brandbrief: DFB rüffelt Bierhoff wegen Energieappell