Olivia de Havilland

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Olivia de Havilland mit George W. Bush bei der Verleihung der National Medal of Arts (2008)

Olivia Mary de Havilland (* 1. Juli 1916 in Tokio, Japan) ist eine US-amerikanische Filmschauspielerin. Die Schwester der Schauspielerin Joan Fontaine zählt zu den wenigen noch lebenden Stars ihrer Generation.

Entdeckt von Max Reinhardt für Ein Sommernachtstraum, bildete sie mit Errol Flynn zwischen 1935 und 1941 in acht Filmen ein Leinwandpaar. Die beiden traten unter anderem in den Abenteuerfilmen Unter Piratenflagge und Robin Hood, König der Vagabunden gemeinsam auf. 1939 verkörperte sie die Rolle der Melanie Hamilton im Filmklassiker Vom Winde verweht und erhielt für ihren Auftritt eine Nominierung für den Oscar als beste Nebendarstellerin. Ihr Rechtsstreit mit Warner Brothers über die Laufzeit von Studioverträgen endete mit einer der wichtigsten Grundsatzentscheidung zu dem Thema. Ihre dramatischen Rollen in Mutterherz (1946) und Die Erbin (1949) brachten der Schauspielerin jeweils den Oscar als beste Hauptdarstellerin ein. Seit den 1960er-Jahren lebt sie weitgehend zurückgezogen in Paris.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Jugend[Bearbeiten]

Olivia de Havilland wurde in Tokio als Tochter britischer Eltern geboren. Ihr Vater Augustus de Havilland (1872–1968) war ein in Japan tätiger Patentanwalt und ein Cousin des Flugpioniers Geoffrey de Havilland. De Havillands Mutter Lillian Fontaine war eine Theaterschauspielerin. Joan Fontaine wurde gut ein Jahr später geboren. Die Eltern trennten sich bereits 1919 und ließen sich 1925 scheiden. Die Mutter zog mit den beiden Töchtern nach Kalifornien. Ihre Töchter wurden von ihr schon früh für eine Bühnenkarriere ausgebildet und auf entsprechende Schulen geschickt. 1933 gab Olivia de Havilland ihr Theaterdebüt in einer Bühnenfassung von Alice im Wunderland.

Filmkarriere[Bearbeiten]

Ihre Filmkarriere begann 1935 mit einem Studiovertrag bei Warner Brothers. Olivia de Havilland gab ihr Leinwandebut als Hermia in der Max Reinhardt- und William Dieterle-Verfilmung von Ein Sommernachtstraum. Sie hatte die Rolle bereits kurze Zeit vorher in der Reinhardts Bühnenproduktion des Shakespearestückes in der Hollywood Bowl gespielt. Unmittelbar danach war sie an der Seite von Joe E. Brown in Alibi Ike und als Leading Lady von James Cagney in The Irish In Us zu sehen. Ihren Durchbruch schaffte de Havilland schließlich neben Errol Flynn in Captain Blood, der Ende des Jahres 1935 in den Verleih kam. Aufgrund der positiven Resonanz von Publikum und Presse setzte die Studios die beiden als Leinwandpaar in den nächsten Jahren noch in sieben weiteren Filmen ein, darunter Der Verrat des Surat Khan von 1936 und in Robin Hood, König der Vagabunden aus dem Jahr 1938 als Maid Marian. Flynn und de Havilland wurde häufig eine Liebschaft unterstellt, was de Havilland jedoch stets verneinte. Während die Rollen an der Seite von Flynn eher eindimensional waren, spielte sie auch in Dramen, unter anderem in der Literaturverfilmung Anthony Adverse von 1936.

Ihren Durchbruch als dramatische Schauspielerin schaffte sie 1939 in Vom Winde verweht. Für ihre Leistung erhielt Olivia de Havilland 1939 eine Nominierung für den Oscar als beste Nebendarstellerin, verlor jedoch gegen Hattie McDaniel. Bei diesem Film hatte de Havilland ab 1938 den ersten von vielen Konflikten mit dem Studio, nachdem sich das Management zunächst geweigert hatte, sie an David O. Selznick auszuleihen. Olivia de Havilland wandte sich schließlich an die Ehefrau von Studioboss Jack L. Warner, um die Rolle zu bekommen. 1941 wurde die Schauspielerin für ihren Auftritt in Mitchell Leisen in Das goldene Tor für den Oscar als beste Hauptdarstellerin nominiert, verlor jedoch auf der Oscarverleihung 1942 gegen ihre Schwester Joan Fontaine für deren Auftritt in Verdacht. Der letzte gemeinsame Auftritt neben Flynn war ebenfalls 1941 in Sein letztes Kommando. In der Zwischenzeit eskalierte der Streit mit dem Studio um bessere Rollen. Am Ende eines langen Rechtsstreits entschied ein kalifornisches Berufungsgericht 1944 zu Gunsten der Schauspielerin. Die bislang gängige Praxis, die Laufzeit eines Studiovertrages automatisch um die Zeit zu verlängern, in denen Schauspieler suspendiert waren, wurde verboten. Das Urteil wurde Teil der des sogenannten de Havilland Law, einer arbeitsrechtlichen Regelung für die Unterhaltungsindustrie in Kalifornien, die die Laufzeit von Verträgen neu regelte.

Die Schauspielerin arbeitete seitdem ohne festes Studioengagement und vollzog einen Rollenwechsel. Nachdem sie zuvor fast ausschließlich gutmütige und damenhaften Figuren gespielt hatte, spielte sie nun auch häufig dramatische Rollen mit düsteren Facetten. Sie gewann ihren ersten Oscars als beste Hauptdarstellerin für Mutterherz wieder unter der Regie von Mitchell Leisen. Zwei Jahre später wurde Olivia de Havilland erneut für einen Oscar nominiert, diesmal für ihre Leistung in Die Schlangengrube. Unter der Regie von Anatole Litvak thematisiert der Film die damaligen Zustände in den amerikanischen Nervenheilanstalten. Für ihre Darstellung in Die Erbin, der Verfilmung des gleichnamigen Theaterstücks von Ruth und Augustus Goetz, das auf Henry James Roman Washington Square basiert, gewann de Havilland auf der Oscarverleihung 1950 ihren zweiten Oscar als beste Hauptdarstellerin. Regie führte William Wyler. Ab Anfang der 1950er-Jahre kümmerte sich de Havilland immer mehr um ihre Familie und drehte weniger Filme. Ihren Auftritt in Lady in a Cage, der sie 1962 als hilfloses Opfer von Einbrechern zeigte, kommentierte ein Kritiker mit den Worten:

“Add Olivia to the name of actresses who would rather be freaks than forgotten.” (deutsch: „Zählen Sie Olivia zu der Sorte von Schauspielerinnen, die lieber Narren sind, als vergessen zu werden.“)

1964 ersetzte Olivia de Havilland die erkrankte Joan Crawford in Robert Aldrichs Grand-Guignol-Film Wiegenlied für eine Leiche. Sie spielte die bösartige Cousine von Bette Davis, welche diese um den Verstand bringen will, damit sie an ihr Geld gelangt. 1965 war sie die erste weibliche Jurypräsidentin der Filmfestspiele von Cannes. In den 70er-Jahren spielte sie sporadisch noch in einigen Filmen wie Papst Johanna oder Der tödliche Schwarm. Für den Fernsehfilm Anastasia erhielt sie in den 1980er-Jahren den Golden Globe und eine Emmy-Nominierung. Nach einem Auftritt in dem Fernsehfilm König ihres Herzens zog sie sich 1988 ganz aus dem Filmgeschäft zurück. 2004 machte Turner Classic Movies ein Interview mit de Havilland über Vom Winde verweht. 2006 wurde sie von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences mit einer Gala geehrt. Zwei Jahre später erhielt sie die National Medal of Arts von George W. Bush überreicht. 2009 fungierte de Havilland als Erzählerin in der Fernsehdokumentation I Remember Better When I Paint, die sich mit den Auswirkungen der Alzheimer-Krankheit beschäftigt. Olivia de Havilland wurde 2010 von Nicolas Sarkozy zum Ritter der Ehrenlegion ernannt.

Privatleben[Bearbeiten]

Olivia de Havilland und Joan Fontaine sind das einzige Geschwisterpaar, das jemals einen Oscar als Schauspieler erhalten hat. In der Presse wird seit jeher über das angespannte Verhältnis zwischen den beiden Schwestern spekuliert. Zum Zerwürfnis soll es auf der Oscarverleihung 1942 gekommen sein, als Fontaine auf ihrem Weg zum Podium den Versuch de Havillands, ihr zu gratulieren, abgewehrt haben soll. Fontaine hielt ihre ältere Schwester für neidisch: „Ich habe zuerst geheiratet, habe den Oscar vor Olivia gewonnen, und wenn ich vor ihr sterben sollte, wird sie zweifellos wütend sein, weil ich wieder schneller war.“[1] Nach dem Tod von Joan im Dezember 2013 teilte de Havilland mit, sie sei „bestürzt und traurig“ über den Tod ihrer Schwester.[2]

Vom Dezember 1939 bis zum März 1942 war de Havilland in einer Beziehung mit James Stewart, der sogar eine Hochzeit mit ihr geplant hatte. Die Beziehung zerbrach, während Stewart im Krieg war und de Havilland sich in Regisseur John Huston verliebte.[3] 1946 heiratete die Schauspielerin den Kriegsveteran und Schriftsteller Marcus Goodrich (1897-1991). Ihr Sohn Benjamin wurde 1949 geboren und starb am 1. Oktober 1991. De Havillands Ehe mit Goodrich wurde 1952 geschieden. 1955 heiratete sie Pierre Galante (1909-1998), einen Mitarbeiter von Paris Match. 1956 wurde die Tochter Gisele geboren. 1962 trennten sie sich, allerdings ließen Galante und de Havilland sich erst 1979 scheiden. Sie blieb jedoch mit Galante befreundet und pflegte ihn über einige Jahre bis zu seinem Tod an Krebs. Die Schauspielerin lebt heute zurückgezogen in Paris.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Oscar[Bearbeiten]

New York Film Critics Award[Bearbeiten]

  • 1948: Die Schlangengrube – gewonnen
  • 1949: Die Erbin – gewonnen

Internationale Filmfestspiele von Venedig[Bearbeiten]

  • 1949: Die Schlangengrube – Volpi Cup

Filmografie[Bearbeiten]

Olivia de Havillands Stern auf dem Walk of Fame
Hand- und Schuhabdrücke am Grauman’s Chinese Theatre

Fernsehauftritte (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1965: Big Valley – 1 Folge
  • 1966: ABC Stage 67
  • 1968: The Danny Thomas Hour
  • 1969: The Screaming Woman
  • 1979: Roots – Die nächsten Generationen (Roots: The Next Generations) – 2 Folgen
  • 1981: Love Boat – 1 Folge
  • 1982: Mörderische Leidenschaft (Murder Is Easy)
  • 1982: Die Romanze von Charles und Diana (The Royal Romance of Charles and Diana)
  • 1985: Fackeln im Sturm (North and South) – 6 Folgen
  • 1986: Anastasia (Anastasia: The Mystery of Anna)
  • 1988: König ihres Herzens (The Woman He Loved)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.spiegel.de/kultur/kino/rebecca-hitchcock-schauspielerin-joan-fontaine-gestorben-a-939253.html
  2. http://www.cbsnews.com/news/olivia-de-havilland-shocked-and-saddened-by-sister-joan-fontaines-death/
  3. Fishgall, James. Pieces of Time: The Life of James Stewart. New York: Scribners, 1997. ISBN 978-0-684-82454-3.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Olivia de Havilland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien