Olivia de Havilland

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Olivia de Havilland mit George W. Bush (2008)

Olivia Mary de Havilland (* 1. Juli 1916 in Tokio, Japan) ist eine US-amerikanische Filmschauspielerin.

Olivia de Havilland ist die Schwester der Schauspieliern Joan Fontaine. Mit Errol Flynn bildete de Havilland zwischen 1935 und 1941 in acht Filmen ein Leinwandpaar. Die beiden traten unter anderen in Unter Piratenflagge und Robin Hood, König der Vagabunden gemeinsam auf. Olivia de Havilland erhielt für ihren Auftritt in Vom Winde verweht eine Nominierung für den Oscar als beste Nebendarstellerin. Ihre Rollen in Mutterherz und Die Erbin brachten der Schauspielerin jeweils den Oscar als beste Hauptdarstellerin ein. Ihr Rechtsstreit mit Warner Brothers über die Laufzeit von Studioverträgen endet mit einer der wichtigsten Grundsatzentscheidung zu dem Thema. Olivia de Havilland ist neben Joan Fontaine und Luise Rainer einer der wenigen noch lebenden Stars der 1930er und 1940er.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk [Bearbeiten]

Jugend [Bearbeiten]

Olivia de Havilland wurde in Tokio als Tochter britischer Eltern geboren. Ihr Vater Augustus de Havilland (1872-1968) war ein in Japan tätiger Patentanwalt und ein Cousin des Flugpioniers Geoffrey de Havilland. De Havillands Mutter Lilian Fontaine (1886-1975) war eine Theatherschauspielerin. Joan Fontaine wurde gut ein Jahr später geboren. Die Eltern trennten sich bereits 1919 und ließen sich 1925 scheiden. Die Mutter zog mit den beiden Töchtern nach Kalifornien. Ihre Töchter wurden von ihr schon früh für eine Bühnenkarriere ausgebildet und auf entsprechende Schulen geschickt. 1933 gab Olivia de Havilland ihr Theaterdebüt in Alice im Wunderland.

Filmkarriere [Bearbeiten]

Ihre Filmkarriere begann 1935 mit einem Studiovertrag bei Warner Brothers. Olivia de Havilland gab ihr Leinwandebut als "Hermia" in der Max Reinhardt- und William Dieterle-Verfilmung von Ein Sommernachtstraum. Unmittelbar danach war sie an der Seite von Joe E. Brown in Alibi Ike und als Leading Lady von James Cagney in The Irish In Us zu sehen. Ihren Durchbruch schaffte de Havilland schließlich neben Errol Flynn in Captain Blood, der Ende des Jahres 1935 in den Verleih kam. Aufgrund der positiven Resonanz von Publikum und Presse setzte Studie die beiden als Leinwandpaar in den nächsten Jahren noch in sieben weiteren Filmen ein, darunter Der Verrat des Surat Khan von 1936 und Robin Hood, König der Vagabunden aus dem Jahr 1938. Flynn und de Havilland wurde häufig eine Liebschaft zugesponnen, was die Schauspielerin jedoch stets verneinte.

Während die Rollen an der Seite von Flynn eher eindimensional waren, spielte sie auch in Dramen, unter anderem in der Literaturverfilmung Anthony Adverse von 1936. Ihren Durchbruch als dramatische Schauspielerin schaffte sie 1939 in Vom Winde verweht als Melanie Hamilton. Für ihre Leistung erhielt Olivia de Havilland 1939 eine Nominierung für den Oscar als beste Nebendarstellerin, verlor jedoch gegen Hattie McDaniel. Bei diesem Film hatte de Havilland ab 1938 den ersten von vielen Konflikten mit dem Studio, nachdem sich das Management zunächst geweigert hatte, sie an David O. Selznick auszuleihen. Olivia de Havilland wandte sich schließlich an die Ehefrau von Studioboss Jack L. Warner, um die Rolle zu bekommen.

1941 erhielt de Havilland nicht nur die amerikanische Staatsbürgerschaft. Im selben Jahr bewies sie sich erneut als dramatische Schauspielerin unter der Regie von Mitchell Leisen in Das goldene Tor. Sie wurde für ihre schauspielerische Leistung mit einer Nominierung für den Oscar als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet, verlor jedoch gegen ihre Schwester Joan Fontaine für deren Auftritt in Verdacht. Der letzte gemeinsame Auftritt neben Flynn war ebenfalls 1941 in Sein letztes Kommando. In der Zwischenzeit eskalierte der Streit mit dem Studio um bessere Rollen. Am Ende eines langen Rechtsstreits entschied ein kalifornisches Berufungsgericht 1944 zu Gunsten der Schauspielerin. Die bislang gängige Praxis, die Laufzeit eines Studiovertrages automatisch um die Zeit zu verlängern, in denen Schauspieler suspendiert waren, wurde verboten. Das Urteil wurde Teil der des sogenannten de Havilland Law, einer arbeitsrechtlichen Regelung für die Unterhaltungsindustrie in Kalifornien, die die Laufzeit von Verträgen neu regelte .

Die Schauspielerin arbeitete seitdem ohne festes Studioengagement und konzentrierte sich auf dramatische Rollen. Nach dem Gewinn ihres ersten Oscars als beste Hauptdarstellerin für Mutterherz aus dem Jahr 1946, wieder unter der Regie von Mitchell Leisen, wurde sie zwei Jahre später erneut nominiert, diesmal für ihre Leistung in Die Schlangengrube. Unter der Regie von Anatole Litvak wirft der Film einen besorgten Blick auf die damals schockierenden Zustände in den amerikanischen Nervenheilanstalten. 1949 gewann die Schauspielerin ihren zweiten Oscar als beste Hauptdarstellerin für ihren Auftritt in Die Erbin, der Verfilmung von Henry-James-Erzählung Washington Square. Regie führte William Wyler unter auf Basis des gleichnamigen Theaterstücks. Ab Anfang der 1950er-Jahre kümmerte sich de Havilland immer mehr um ihre Familie und drehte weniger Filme. Ihren Auftritt in Lady in a Cage, der sie 1962 als hilfloses Opfer von Einbrechern zeigte, kommentierte ein Kritiker mit den Worten:

“Add Olivia to the name of actresses who would rather be freaks than forgotten.” (deutsch: „Zählen Sie Olivia zu der Sorte von Schauspielerinnen, die lieber Freaks wären, als vergessen zu werden.“)

1964 ersetzte Olivia de Havilland die erkrankte Joan Crawford an der Seite von Bette Davis in Robert Aldrichs Grand-Guignol-Film Wiegenlied für eine Leiche. 1965 war sie die erste weibliche Jurypräsidentin der Filmfestspiele von Cannes. In den 70er-Jahren spielte sie sporadisch noch in einigen Filmen wie Papst Johanna oder Der tödliche Schwarm. Für den Fernsehfilm Anastasia erhielt sie in den 1980er-Jahren den Golden Globe und eine Emmy-Nominierung. Nach einem Auftritt in dem Fernsehfilm König ihres Herzens zog sie sich 1988 ganz aus dem Filmgeschäft zurück.

Privatleben [Bearbeiten]

In der Presse wird seit jeher über das angespannte Verhältnis zwischen den beiden Schwestern de Havilland und Joan Fontaine spekuliert. Zum Zerwürfnis soll es auf der Oscarverleihung 1942 gekommen sein, als Fontaine auf ihrem Weg zum Podium den Versuch de Havillands, ihr zu gratulieren, abgewehrt haben soll.

1946 heiratete die Schauspielerin den Kriegsveteran und Schriftsteller Marcus Goodrich († 1991). Ihr Sohn Benjamin wurde 1949 geboren und starb am 1. Oktober 1991 kurz vor seinem Vater. De Havillands Ehe mit Goodrich wurde 1952 geschieden. 1955 heiratete sie Pierre Galante, einen Mitarbeiter von Paris Match. 1956 wurde die Tochter Gisele geboren. 1962 trennten sie sich, allerdings ließen Galante und de Havilland sich erst 1979 scheiden.

Die Schauspielerin lebt heute zurückgezogen in Paris. Einer ihrer bislang letzten großen öffentlichen Auftritte war bei der 75. Oscar-Verleihung 2003. Im Jahre 2004 machte Turner Classic Movies ein Interview mit de Havilland über Vom Winde verweht. 2006 wurde sie von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences mit einer Gala geehrt. Zwei Jahre später erhielt sie die National Medal of the Arts von George W. Bush überreicht (siehe Foto). 2009 fungierte de Havilland als Erzählerin in der Fernsehdokumentation I Remember Better When I Paint, die sich mit den Auswirkungen der Alzheimer-Krankheit beschäftigt.

Olivia de Havilland wurde 2010 von dem damaligen französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Bei der Verleihung des Cesar wurde sie 2011 mit minutenlangem Applaus bedacht. Beim Verlag HarperCollins hat sie einen Vertrag unterschrieben, um gemeinsam mit Maureen O’Hara ihre Memoiren zu schreiben.

Auszeichnungen [Bearbeiten]

Oscar [Bearbeiten]

New York Film Critics Award [Bearbeiten]

  • 1948: Die Schlangengrube – gewonnen
  • 1949: Die Erbin – gewonnen

Internationale Filmfestspiele von Venedig [Bearbeiten]

  • 1949: Die Schlangengrube – Volpi Cup

Filmografie [Bearbeiten]

Olivia de Havillands Stern auf dem Walk of Fame
Hand- und Schuhabdrücke am Grauman’s Chinese Theatre

Fernsehauftritte (Auswahl) [Bearbeiten]

  • 1965: Big Valley - 1 Folge
  • 1966: ABC Stage 67
  • 1968: The Danny Thomas Hour
  • 1969: The Screaming Woman
  • 1979: Roots – Die nächsten Generationen (Roots: The Next Generations) - 2 Folgen
  • 1981: Love Boat - 1 Folge
  • 1982: Mörderische Leidenschaft (Murder Is Easy)
  • 1982: Die Romanze von Charles und Diana (The Royal Romance of Charles and Diana)
  • 1985: Fackeln im Sturm (North and South) - 6 Folgen
  • 1986: Anastasia (Anastasia: The Mystery of Anna)
  • 1988: König ihres Herzens (The Woman He Loved)

Literatur [Bearbeiten]

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Olivia de Havilland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien