Olivier Besancenot

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Olivier Besancenot, 2007.

Olivier Besancenot (* 18. April 1974 in Levallois-Perret) ist ein französischer Politiker und Postbote. Er gehört dem linksradikalen Spektrum an. Er war Sprecher und Präsidentschaftskandidat der trotzkistischen Ligue Communiste Révolutionnaire (LCR, Revolutionär-Kommunistische Liga) und im Februar 2009 Gründungsmitglied der Nouveau Parti Anticapitaliste (NPA, Neue Antikapitalistische Partei). Zeitweise war er der Politiker mit den besten Sympathiewerten des Landes, direkt nach Staatspräsident Nicolas Sarkozy. Besonders bei Jugendlichen ist er populär.[1]

Leben[Bearbeiten]

Besancenot, als Sohn eines Physiklehrers und einer Schulpsychologin im Département Hauts-de-Seine im Großraum Paris geboren, ist studierter Historiker und arbeitet seit 1997 als Postbote in Neuilly-sur-Seine. Er ist lediger Vater und bekennender Atheist.

Er begreift sich als altermondialistischer Kommunist und bezieht sich stärker auf Rosa Luxemburg und Che Guevara als auf Leo Trotzki.

Politischer Werdegang[Bearbeiten]

Besancenot wurde zum ersten Mal als Vierzehnjähriger bei SOS Racisme politisch aktiv. Er trat den Jeunesses communistes révolutionnaires, der Jugendorganisation der LCR, bei und wurde 1988 Mitglied deren Nationalbüros. 1991 wird er Mitglied der LCR. In dem Supermarkt, in dem er während seines Studiums arbeitete, gründete er eine Ortsgruppe der kommunistischen Gewerkschaft CGT und ist heute Mitglied der Postgewerkschaft Sud-PTT. 1999 bis 2000 war er parlamentarischer Referent des EU-Parlamentariers Alain Krivine und arbeitet seitdem offiziell wieder als Briefträger bei der staatlichen französischen Post La Poste.

Olivier Besancenot im Gespräch mit José Bové und Jean-Luc Mélenchon, 2005

Zeit seiner politischen Laufbahn hat er das bekämpft, was er den „Modernen Kapitalismus“ nennt. Dieser charakterisiert sich dadurch, dass sich der Besitz des Kapitals von Unternehmen nicht mehr auf einen einzelnen Kapitalisten konzentriere, sondern auf eine Vielzahl von Aktionären verteilt sei, wobei das Proletariat nicht in nennenswerter Weise Anteil an diesem Besitz habe. Die Unternehmensprofite würden immer stärker zwischen Staat und dem Unternehmen selbst (Selbstfinanzierung) aufgeteilt zu Lasten der Beschäftigten, denen der Mehrwert vorenthalten werde. Nach seiner Ansicht habe der „Moderne Kapitalismus“ heute erheblichen Einfluss auf politische Entscheidungen erlangt. Er tritt für eine allgemeine Erhöhung der Löhne und des sozialen Existenzminimums ein, für ein Kündigungsverbot in Betrieben, die Gewinne machen, sowie für eine höhere Besteuerung von Gewinnen und des spekulativen Kapitals.

Im April 2002 kandidierte er als bisher jüngster Kandidat bei den französischen Präsidentschaftswahlen und erreichte rund 1.210.000 Stimmen, was einem Anteil von 4,25 % der abgegebenen Stimmen entsprach. Im Juni 2004 kandidierte er an der Spitze einer gemeinsamen Liste mit der Lutte Ouvrière in der Region Île-de-France erfolglos für einen Sitz im Europäischen Parlament.

Als fundamentaloppositionelle Partei verweigerte die LCR im Jahr 2006 den Beitritt zum Appell für eine anti-neoliberale Sammlung und gemeinsame Kandidaturen, wegen der darin enthaltenen Formulierungen, welche „die Tür offen lassen zur Bildung einer neuen Pluralistischen Linken“, das heißt für ein Regierungsbündnis einer möglichen Präsidentin Ségolène Royal oder eine parlamentarische Unterstützung ihrer Politik. Infolgedessen kündigte die LCR Besancenots Kandidatur zur Präsidentschaftswahl 2007 an, mit dem Zusatz, die Kandidatur zugunsten eines gemeinsamen Kandidaten mit anderen Parteien fallen zu lassen, falls es zu einer gemeinsamen Distanzierung zur Parti socialiste komme. Die für die Kandidatur notwendige Hürde von mindestens 500 Unterstützungsunterschriften der 47.289 Bürgermeister und Mandatsträger Frankreichs bewältigte Besancenot am 16. März 2007.

Bei den Präsidentschaftswahlen 2007 konnte Besancenot mit 1.498.581 Stimmen respektive 4,08 % sein Ergebnis von 2002 auch bei einer deutlich höheren Wahlbeteiligung bestätigen. Die anderen Kandidaten der extremen Linken erreichten jeweils weniger als die Hälfte seiner Wählerstimmen. Nach der Wahl rief Besancenot zusammen mit anderen linken Kandidaten die Wähler dazu auf, gegen Nicolas Sarkozy zu stimmen, was einer indirekten Wahlempfehlung für Ségolène Royal gleichkam.[2]

Im Oktober 2008 wurden Antoine Di Zazzo, ein Importeur von Elektroschock-Waffen, mehrere Polizeibeamte und zwei Privatdetektive unter dem Verdacht der Spionage festgenommen. Ihnen wurde Verletzung der Privatsphäre, des Datenschutzes und des Berufsgeheimnisses vorgeworfen. Sie sollen Besancenot wegen seiner Aktivitäten gegen die Einführung von Tasern im Polizeidienst von Oktober 2007 bis Januar 2008 bespitzelt haben.[3]

Werke[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Meister des Protests, die tageszeitung, Ausgabe vom Sonntag, dem 2. Mai
  2. Umfragen: Sarkozy gewinnt Stichwahl
  3. Bespitzelungsaffäre um Linksaußenpolitiker Besancenot, derStandard.at, abgerufen am 14. Oktober 2008

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Olivier Besancenot – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien