Olsztynek

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Olsztynek
Wappen von Olsztynek
Olsztynek (Polen)
Olsztynek
Olsztynek
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Landkreis: Olsztyn
Fläche: 7,69 km²
Geographische Lage: 53° 35′ N, 20° 17′ O53.58333333333320.283333333333Koordinaten: 53° 35′ 0″ N, 20° 17′ 0″ O
Einwohner: 7708
(30. Jun. 2014)[1]
Postleitzahl: 11-015
Telefonvorwahl: (+48) 89
Kfz-Kennzeichen: NOL
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 7(E 77) DanzigWarschauKrakauChyżne/Slowakei
GrudziądzMyszyniec
Schienenweg: PKP-Linie 216: DziałdowoNidzicaOlsztyn
Nächster int. Flughafen: Danzig
Gemeinde
Gemeindeart: Stadt- und Landgemeinde
Fläche: 372,03 km²
Einwohner: 13.982
(30. Jun. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 38 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2814093
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Mirosław Stegienko
Adresse: ul. Ratusz 1
11-015 Olsztynek
Webpräsenz: www.olsztynek.pl

Olsztynek [ɔlˈʃtɨnɛk] (deutsch Hohenstein) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren im Powiat Olsztyński.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Der Westteil der Masurischen Seenplatte und die südlichen bis zu 200 Meter ansteigenden Erhebungen des preußischen Oberlandes prägen die Landschaft. Unmittelbar vor den Toren der Stadt befindet sich der kleine Mispelsee, während etwa zehn Kilometer östlich mit dem Plautziger See (Jez. Pluszne) einer der größten Seen der Seenplatte liegt. Mit dem Ameling durchquert ein Nebenfluss der Passarge den Ort. Um ihn herum erstrecken sich zahlreiche kleinere Waldgebiete. Die Verkehrssituation ist günstig, es besteht Anschluss an eine Bahnlinie nach Olsztyn (Allenstein), dazu kreuzen sich in der Stadt die beiden Fernstraßen 7 (Elbląg – Warschau) und 51 (Olsztynek – Kaliningrad).

Geschichte[Bearbeiten]

Hauptartikel: Ordensburg Hohenstein

Um die Besiedelung des im Südwesten des späteren Ostpreußen gelegenen Sassenlandes voranzutreiben, errichtete der Deutsche Orden dort mehrere Burgen, so auch eine um 1350 durch den Osteroder Komtur Günter von Hohenstein nördlich des Mispelsees. Bei der Burg Hohenstein wurde eine Siedlung angelegt, die nach dem Erbauer der Burg benannt wurde. Bereits 1359 verlieh ihr der Ordens-Hochmeister Winrich von Kniprode das Stadtrecht und überließ ihr 30 abgabenfreie Hufen. Die Einwohner erhielten das Fischereirecht auf dem Mispelsee. Zu dieser Zeit war auch schon eine Kirche vorhanden, die nach unbestätigten Quellen 1348 errichtet worden war. Die Komturei Osterode richtete in der Stadt zur Verwaltung der Region ein Kammeramt ein.

In der Schlacht bei Tannenberg beim nahe gelegenen Tannenberg erlitt der Deutsche Orden 1410 die historische Niederlage gegen Polen. Weitere Kämpfe gegen Polen führten 1414 dazu, dass der Orden Hohenstein selbst niederbrannte, um die Stadt nicht in polnische Hände fallen zu lassen. Der Wiederaufbau konnte jedoch durch die Unterstützung des Komtur Wolf von Sansheim bald darauf begonnen werden. Als der Orden begann, seine Kriegsschulden auf die Städte abzuwälzen, trat Hohenstein 1440 dem Preußischen Bund bei, der sich gegen die Repressalien wehren wollte. Ein Jahr nach dem 1454 ausgebrochenen Dreizehnjährigen Krieges zwischen Bund und Orden kündigte die Stadt ihre Mitgliedschaft und unterstellte sich wieder dem Orden. Während der letzten militärischen Auseinandersetzung zwischen Orden und Polen, dem Reiterkrieg von 1519 bis 1526, blieb Hohenstein längere Zeit von polnischen Truppen besetzt.

Nachdem der Ordensstaat 1525 in das weltliche Herzogtum Preußen umgewandelt worden war, wurde die Stadt dem neugeschaffenen Oberländischen Kreis zugeordnet und erhielt den Sitz eines Hauptamtes. Erster Amtshauptmann war Friedrich von der Oelsnitz, dem das Amt auch verpfändet wurde. Die Reformation wurde in Hohenstein nach 1525 durch den Erzpriester Matthias Bienwald vollzogen. Er wurde später zu einem der bedeutendsten Theologen in Preußen. 1610 wurde das Hauptamt aufgelöst und dem Hauptamt Osterode zugeschlagen. In Hohenstein verblieb ein Kammeramt, auf das die immer noch bestehende Pfandschaft übertragen wurde. Unter anderen war von 1643 bis 1682, der Gesandte des preußischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm I. in Warschau, Johann von Hoverbeck Pfandinhaber. Mit der Auflösung des Kammeramtes endete 1704 die Pfandschaft. Der 1709 im Land ausgebrochenen Pest fielen auch in Hohenstein zahlreiche Einwohner zum Opfer. Nach einer Verwaltungsform gehörte die Stadt ab 1752 zum Kreis Mohrungen. Mehrere große Stadtbrände richteten immer wieder große Schäden an. Nach 1651 und 1685 wurde beim letzten Großfeuer 1804 das Rathaus zerstört. Auch die napoleonische Besetzung der Stadt in den Jahren 1806 und 1807 zog die Stadt so sehr in Mitleidenschaft, dass die durch die Lasten entstandenen Schulden erst 1832 getilgt waren.

Hohenstein um 1900

Mit der preußischen Verwaltungsreform von 1815 kam es erneut zu einem Wechsel der Kreiszugehörigkeit, die Stadt gehörte nun zum Kreis Osterode. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die beiden späteren Reichsstraßen 130 (Danzig – Hohenstein – Allenstein) und 389 (Hohenstein – Neidenburg) gebaut, ihnen folgte 1894 der Bau der Eisenbahnstrecke Allenstein – Soldau, die ebenfalls über Hohenstein verlief. Die neuen Verkehrswegen brachten jedoch keinen nennenswerten industriellen Aufschwung. Lediglich eine Wollweberei war vor Ort.

1845 wurde in der alten Ordensburg ein Progymnasium eingerichtet. 1857 wurde die Lehranstalt zu einem vollständigen Gymnasium erweitert, das über lange Zeit das Einzige im Umkreis von hundert Kilometern war. Die erste Abiturientenprüfung fand 1858 statt.[2] Bekanntester Schüler war der Bakteriologe und Serologe Emil von Behring.

Im Ersten Weltkrieg lieferten sich im Rahmen der zweiten Tannenbergschlacht vom 27. bis 29. August 1914 deutsche und russische Soldaten in der Stadt Straßenkämpfe, in deren Folge das Rathaus und 189 weitere Gebäude zerstört wurden. Mit Hilfe der Patenstadt Leipzig begann noch während des Krieges der Wiederaufbau unter Anwendung der Erkenntnisse moderner Stadtplanung, der 1923 mit der Einwohnung des neuen Rathauses abgeschlossen war. Bereits 1920 hatten sich die Einwohner beim durch den Versailler Vertrag aufgezwungenen Volksentscheid bei nur zwei Gegenstimmen für den Verbleib bei Ostpreußen ausgesprochen. Am 18. September 1927 wurde nahe der Stadt durch Generalfeldmarschall Hindenburg vor 70.000 Teilnehmern das Tannenberg-Denkmal eingeweiht. Nach seinem Tod wurde Hindenburg am 7. August 1934 in einer in das Denkmal eingebauten Krypta beigesetzt.

Nahe dem Tannenberg-Denkmal wurde während des Zweiten Weltkrieges das größte Kriegsgefangenenlager auf ostpreußischem Boden eingerichtet. In Baracken und Erdhöhlen wurden durchschnittlich 20.000 polnische, französische und sowjetische Soldaten untergebracht. Insgesamt starben hier 55.000 Kriegsgefangene, die auf dem Friedhof Schwenteinen begraben wurden. Mit Wirkung zum 1. April 1941 wurden Teile der Stadt, die durch eine Flussregulierung auf das östliche Ufer der Passarge geraten waren, in den Landkreis Allenstein umgegliedert.

Im Januar 1945 wurde Hohenstein, das zu Kriegsbeginn 4236 Einwohner hatte, von der Roten Armee eingenommen und anschließend der polnischen Verwaltung übergeben. Es begann nun die Zuwanderung von Polen und Ukrainern aus Gebieten östlich der Curzon-Linie, die dort von der zuständigen sowjetischen Kommandantur im Allgemeinen vor die Wahl gestellt worden waren, entweder eine andere Staatsangehörigkeit anzunehmen oder auswandern zu müssen. Die nicht geflohene deutsche Bevölkerung wurde bis 1947 aus ihren Wohnungen und Häusern gedrängt, enteignet und vertrieben. Die teilweise zerstörte Stadt erhielt den polnischen Namen Olsztynek.

Löwe des zerstörten Gefallenen-Denkmals, heute auf dem Marktplatz

Museen[Bearbeiten]

Freilichtmuseum der Volksbauweise, in dem auch einige Häuser des ersten deutschen Freilichtmuseums in Königsberg zu besichtigen sind.

Gemeinde[Bearbeiten]

Zur Stadt- und Landgemeinde Olsztynek gehören die folgenden kleineren Ortschaften:

polnischer Name deutscher Name
(bis 1945)
polnischer Name deutscher Name
(bis 1945)
polnischer Name deutscher Name
(bis 1945)
Ameryka Amerika
1917-45 Pagelshof
Lipowo Kurkowskie Leip Smolanek Jugendfelde
Cichogrąd Mortzfeld Lutek Luttken Spogany Spogahnen
Czarci Jar Łutynówko Wenigsee Stare Gaje
Czerwona Woda Rothwasser Łutynowo Lautens Sudwa Sauden
Dąb Dembenofen Makruty Makrauten Swaderki Schwedrich
Dębowa Góra Eichberg Malinowo Amalienhof Świerkocin Schwirgstein
Drwęck Dröbnitz Mańki Manchengut Świętajny Schwenteinen
Elgnówko Gilgenau Marązy Forsthaus Maransen Świętajńska Karczma
Gaj Gay am Wittigwalde
1932-45 Neuhain
Maróz Groß Maransen Tolejny Tolleinen
Gąsiorowo Olsztyneckie Ganshorn bei Hohenstein Marózek Klein Maransen Tolkmity Tolkemüth
Gębiny Heinrichsdorf Mierki Mörken Tomaszyn Thomascheinen
Gibała Giballen Mycyny Meitzen Waplewo Waplitz
Jadamowo Adamsheide Nadrowo Nadrau Warglewo
Jagiełek Forsthaus Jagielleck
1938-45
Forsthaus Hohenstein
Nowa Wieś Ostródzka Neudorf Warlity Małe Warglitten bei Hohenstein
Jemiołowo Mispelsee Olsztynek Hohenstein Waszeta Waschetta
1938-45 Waschette
Juńcza Julienhof Orzechowo Nußtal Wigwałd Wittigwalde
Kąpity Kompitten Pawłowo Paulsgut Wilkowo Wilken
Kolatek Schlagamühle Platyny Platteinen Witramowo Wittmannsdorf
Królikowo Königsgut Ruda Waplewska Witułty Witulten
Kunki Kunchengut Rybaczówka Ząbie Sombien
Kurki Kurken Samagowo Sabangen Zawady Sawadden
1938-45 Jungingen
Łęciny Langstein Selwa Sellwa
1938-45 Sellwen
Zezuty Sensutten
Lichtajny Königlich Lichteinen
1931-39
Lichteinen bei Hohenstein
1939-45
Köllmisch Lichteinen
Sitno Seythen

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

chronologisch

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Olsztynek – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2014. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 22. November 2014.
  2. L. Wiese: Das höhere Schulwesen in Preußen. Historisch-statistische Darstellung. Berlin 1864, S. 61