Olympische Geschichte Ägyptens

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Olympische Ringe

EGY

EGY
Goldmedaillen Silbermedaillen Bronzemedaillen
7 9 10

Die olympische Geschichte Ägyptens beginnt im Jahre 1910 mit der Gründung des ägyptischen NOKs, dem Egyptian Olympic Committee. Noch im gleichen Jahr wurde das NOK vom IOC anerkannt. Vor der Gründung des NOKs nahmen zwei ägyptische Sportler an den Olympischen Zwischenspielen 1906 in Athen teil.

Insgesamt konnten ägyptische Sportler 26 Medaillen bei Sommerspielen gewinnen. Alle Medaillengewinner waren Männer. Mit sieben Gold-, neun Silber- und zehn Bronzemedaillen belegt Ägypten Platz 49 im Ewigen Medaillenspiegel der Olympischen Spiele.

Teilnahme an Olympischen Spielen[Bearbeiten]

Vor dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Zu den Olympischen Spielen 1920 in Antwerpen schickte das ägyptische NOK erstmals Athleten. Eine Delegation von 23 Sportlern nahm in sechs Sportarten teil, wobei der größte Teil von der ägyptischen Fußball-Nationalmannschaft gestellt wurde. Besondere Erfolge waren nicht zu verzeichnen. Bei den Olympischen Spielen vier Jahre später in Paris gingen 34 Athleten in acht Sportarten an den Start, dazu kam noch ein Teilnehmer an einem Kunstwettbewerb. Beachtung fanden hier die vierten Plätze des Gewichthebers Ahmed Samy im Mittelgewicht und des Halbschwergewichtsringers Ibrahim Moustafa, der im griechisch-römischen Stil kämpfte. Krikor Agathon war der erste Ägypter, der in zwei verschiedenen Sportarten (Fechten und Schiessen) teilnahm.

1928 in Amsterdam gab es die ersten Medaillengewinne und Olympiasiege zu feiern. Am 29. Juli 1928 wurde der Gewichtheber Sayed Nosseir mit seinem Sieg im Halbschwergewicht der erste ägyptische Medaillengewinner und Olympiasieger. Nosseir erkämpfte sich seine Goldmedaille mit einem neuen Olympischen Rekord. Die ägyptische Fußball-Nationalmannschaft sorgte mit dem Erreichen des Halbfinales für eine Überraschung. Nach Siegen über die Türkei im Achtelfinale (7:1) und Portugal im Viertelfinale (2:1) unterlagen die Ägypter im Halbfinale mit 0:6 Argentinien. Im Spiel um die Bronzemedaille gab es gegen Italien eine 3:11-Niederlage, bis heute das mit 14 Toren torreichste Finalspiel aller Olympischen Fußballwettbewerbe.

Zu den Spielen von Los Angeles 1932 wurden keine Sportler geschickt. Vier Jahre später in Berlin nahmen 60 Sportler teil und sorgten mit fünf Medaillen, darunter zwei Olympiasiege, für das bis heute, neben dem Ergebnis von London 1948, beste Abschneiden einer ägyptischen Olympiamannschaft. Bemerkenswert ist, dass alle fünf Medaillen durch Gewichtheber gewonnen wurden.

1940er und 1950er Jahre[Bearbeiten]

Das ägyptische NOK entsandte 1948 insgesamt 99 Teilnehmer zu den ersten Sommerspielen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nach London. Die Mannschaft war mit fünf Medaillen, wiederum zwei Olympiasiege darunter, ebenso erfolgreich wie 1936. Diesmal holten die Gewichtheber die zwei Goldmedaillen, aber auch die Ringer im griechisch-römischen Stil waren mit je einer Silber- und Bronzemedaille erfolgreich.

Zu den Sommerspielen 1952 in Helsinki fuhr mit 114 Teilnehmern die bislang größte ägyptische Delegation. Die Zahl sollte erst 2012 übertroffen werden. Eine Bronzemedaille im Ringen wurde gewonnen. Hervorzuheben ist zudem die Halbfinalteilnahme der Fechtmannschaft mit dem Florett. Im Gewichtheben, bis dato erfolgreichste Sportart, konnte nur Mohamed Ibrahim Saleh im Mittelschwergewicht mit Platz 4 überzeugen.

Wegen der Suezkrise boykottierte Ägypten die Sommerspiele in Melbourne 1956. Jedoch wurden drei Teilnehmer zu den fünf Monate vorher ausgetragenen Reiterspielen nach Stockholm geschickt.

1960er und 1970er Jahre[Bearbeiten]

Ägypten, das Königreich Jemen und Syrien hatten sich 1958 zu den Vereinigten Arabischen Staaten zusammengeschlossen. Zu den Sommerspielen 1960 in Rom wurde eine nur aus Ägyptern bestehende Olympiamannschaft geschickt, die unter der Bezeichnung Vereinigte Arabische Republik mit dem Länderkürzel UAR auflief. Neben zwei Medaillen, Silber im Ringen und Bronze im Boxen, gab es einen überraschenden vierten Platz der Springreiter-Equipe. Auch der Gewichtheber Mohamed Mahmoud Ibrahim erreichte im Schwergewicht den vierten Rang.

Trotz der Auflösung des Staatenbundes behielt Ägypten die Bezeichnung UAR bis 1968 bei. In den folgenden Spielen nach Rom gab es für 24 Jahre keine Medaillengewinner. Die ägyptische Fußballmannschaft wurde 1964 in Tokio Vierte. Im Spiel um die Bronzemedaille unterlag man der deutschen Mannschaft mit 1:3.

1970er und 1980er Jahre[Bearbeiten]

Wie schon in Mexiko-Stadt 1968 blieb die ägyptische Olympiamannschaft 1972 in München, diesmal wieder mit der Bezeichnung Ägypten (EGY) angetreten, ohne Medaillengewinn.

Erst drei Tage nach Eröffnung der Sommerspiele von Montreal 1976 zog das ägyptische NOK seine Sportler von den Wettkämpfen zurück, um sich dem Boykott der afrikanischen Länder anzuschließen. Vier der Athleten, drei Boxer und ein Gewichtheber, hatten zu diesem Zeitpunkt ihre Wettkämpfe schon bestritten. Auch die Basketball-Mannschaft hatte ihr erstes Spiel absolviert. Ägyptens NOK folgte dem Boykottaufruf der USA und blieb den Spielen von Moskau 1980 ebenso fern.

1984 nahm mit dem alpinen Skirennfahrer Jamil El-Reedy zum ersten und bislang (Stand 2014) einzigen Mal ein ägyptischer Athlet an Winterspielen teil.

Bei den Sommerspielen in Los Angeles im gleichen Jahr gab es den ersten Medaillengewinn nach 24 Jahren zu feiern. Der Judoka Mohamed Ali Rashwan gewann die Silbermedaille in der offenen Klasse. Das ägyptische NOK entsandte nach Los Angeles erstmals Frauen. Die Schwimmerinnen Sherwite Hafez und ihre Schwester Nevine Hafez starteten am 29. Juli 1984 über 100 Meter Freistil als erste ägyptische Sportlerinnen bei Olympischen Spielen.

Die Spiele 1988 in Seoul waren für Ägypten ein Misserfolg. Nur ein vierter Platz im Superschwergewicht des Ringers Hassan El-Haddad im griechisch-römischen Stil stach heraus.

1990er Jahre[Bearbeiten]

Die Spiele von Barcelona 1992 gestalteten sich ebenso erfolglos für die ägyptische Mannschaft. Im Alter von 14 Jahren und 286 Tagen trat am 26. Juli 1992 mit der Schwimmerin Rania El-Wani im Vorlauf über 100 Meter Freistil die bislang jüngste ägyptische Teilnehmerin an.

Auch bei den Spielen 1996 in Atlanta gab es nichts zu feiern. Mit drei Siegen und drei Niederlagen erreichte die Handballmannschaft der Männer einen beachtlichen sechsten Platz.

2000 bis heute[Bearbeiten]

Auch 2000 in Sydney blieben ägyptische Teilnehmer chancenlos. Mit 49 Jahren und 329 Tagen trat am 23. September 2000 mit dem Sportschützen Mohamed Khorshed im Skeet der bis heute älteste ägyptische Starter an. Khorshed nahm in Sydney zum fünften Mal an Olympischen Spielen teil.

In Athen 2004 gewann der Ringer Karam Ibrahim mit seiner Goldmedaille im griechisch-römischen Stil die erste Medaille nach 20 Jahren. Sein Olympiasieg war zugleich der erste Sieg nach 56 Jahren. Eine Silber- und drei Bronzemedaillen liessen diese Spiele zu den dritt-erfolgreichsten Sommerspielen für Ägypten werden.

2008 in Peking kam eine Bronzemedaille hinzu. Eine gute Platzierung erreichte auch die Gewichtheberin Abir Abdulrahman mit ihrem fünften Rang im Halbschwergewicht.

Zu den Sommerspielen 2012 in London entsandte das ägyptische NOK mit 119 Teilnehmern, davon 36 Frauen, das bislang stärkste Kontingent. In London konnte Karam Ibrahim Silber im Halbschwergewicht im griechisch-römischen Stil erringen. Nach Gold 2004 ist Ibrahim damit der erfolgreichste ägyptische Sportler bei Olympischen Spielen. Neben einer weiteren Silbermedaille durch den Florettfechter Alāʾ ad-Dīn Abū l-Qāsim sorgte besonders die Gewichtheberriege für Top-Platzierungen. So gab es einen vierten und einen fünften Platz bei den Herren und zwei fünfte Plätze bei den Damen zu feiern.

Allgemeine Übersicht[Bearbeiten]

Sommerspiele[Bearbeiten]

Jahr Teilnehmer Männer Frauen Flaggenträger Gold Silber Bronze Gesamt Platz
1896 - 1904 nicht teilgenommen
1906 Athen[1] 2 2 0
1908 London nicht teilgenommen
1912 Stockholm nicht teilgenommen
1920 Antwerpen 18 18 0
1924 Paris 24 24 0
1928 Amsterdam 32 32 0 2 1 1 4 17
1932 Los Angeles nicht teilgenommen
1936 Berlin 53 53 0 Fathallah Abdel Rahman 2 1 2 5 15
1948 London 85 85 0 2 2 1 5 16
1952 Helsinki 106 106 0 1 1 40
1956 Melbourne 3 3 0
1960 Rom 74 74 0 1 1 2 30
1964 Tokio 73 73 0
1968 Mexiko Stadt 30 30 0
1972 München 23 23 0 Kamel Kamel Mohammed
1976 Montreal 26 26 0
1980 Moskau nicht teilgenommen
1984 Los Angeles 114 108 6 Mohamed Sayed Soliman 1 1 33
1988 Seoul 49 48 1 Mohamed Khorshed
1992 Barcelona 75 72 3
1996 Atlanta 29 27 2 Hosam Abdallah
2000 Sydney 89 74 15 Yahia Rashawan
2004 Athen 97 81 16 Ali Ibrahim 1 1 3 5 46
2008 Peking 101 74 27 Karam Gaber 1 1 80
2012 London 109 75 34 Hesham Misbah 2 2 58
Gesamt 7 9 10 26 54

Winterspiele[Bearbeiten]

Jahr Teilnehmer Männer Frauen Flaggenträger Gold Silber Bronze Gesamt Platz
1924 - 1980 nicht teilgenommen
1984 Sarajewo 1 1 0 Jamil El-Reedy
1988 - 2014 nicht teilgenommen
Gesamt 0 0 0 0 -

Medaillen[Bearbeiten]

Medaillen nach Sportart[Bearbeiten]

Sportart Gold Silber Bronze Gesamt
Gewichtheben 5 2 2 9
Ringen 2 3 2 7
Boxen 0 1 3 4
Wasserspringen 0 1 1 2
Judo 0 1 1 2
Fechten 0 1 0 1
Taekwondo 0 0 1 1
Gesamt 7 9 10 26

Medaillengewinner[Bearbeiten]

Goldmedaillen[Bearbeiten]

Der Ringer Ibrahim Moustafa wird, nach einem vierten Platz 1924, Olympiasieger 1928
Olympiasieg 1948 für den Gewichtheber Mahmoud Fayad (hier in der Mitte bei der Siegerehrung)
Name Spiele Sportart Disziplin
Sayed Nosseir 1928 Amsterdam Gewichtheben Halbschwergewicht
Ibrahim Moustafa 1928 Amsterdam Ringen Halbschwergewicht, griechisch-römisch
Anwar Misbah 1936 Berlin Gewichtheben Leichtgewicht
Khadr Sayed El Touni 1936 Berlin Gewichtheben Mittelgewicht
Mahmoud Fayad 1948 London Gewichtheben Federgewicht
Ibrahim Shams 1948 London Gewichtheben Leichtgewicht
Karam Ibrahim 2004 Athen Ringen Schwergewicht, griechisch-römisch

Silbermedaillen[Bearbeiten]

Silber 2012 im Florettfechten für Alāʾ ad-Dīn Abū l-Qāsim
Name Spiele Sportart Disziplin
Farid Simaika 1928 Amsterdam Wasserspringen Turmspringen
Saleh Soliman 1936 Berlin Gewichtheben Federgewicht
Attia Hamouda 1948 London Gewichtheben Leichtgewicht
Mahmoud Hassan Ali 1948 London Ringen Bantamgewicht, griechisch-römisch
Osman Sayed 1960 Rom Ringen Fliegengewicht, griechisch-römisch
Mohamed Ali Rashwan 1984 Los Angeles Judo offene Klasse
Mohamed Aly 2004 Athen Boxen Superschwergewicht
Alāʾ ad-Dīn Abū l-Qāsim 2012 London Fechten Florett Einzel
Karam Ibrahim 2012 London Ringen Halbschwergewicht, griechisch-römisch

Bronzemedaillen[Bearbeiten]

Name Spiele Sportart Disziplin
Farid Simaika 1928 Amsterdam Wasserspringen Kunstspringen
Ibrahim Shams 1936 Berlin Gewichtheben Federgewicht
Ibrahim Wasif 1936 Berlin Gewichtheben Halbschwergewicht
Ibrahim Orabi 1948 London Ringen Halbschwergewicht, griechisch-römisch
Abdel Al-Rashid 1952 Helsinki Ringen Federgewicht, griechisch-römisch
Abdelmoneim El-Guindi 1960 Rom Boxen Fliegengewicht
Mohamed Elsayed 2004 Athen Boxen Schwergewicht
Ahmed Ismail 2004 Athen Boxen Halbschwergewicht
Tamer Bayoumi 2004 Athen Taekwondo Fliegengewicht
Hesham Mesbah 2008 Peking Judo Mittelgewicht

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vom IOC nicht als Olympische Spiele anerkannt