Olympische Sommerspiele 1908/Schwimmen

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Schwimmen bei den
IV. Olympischen Sommerspielen
Olympische Ringe
Schwimmen
Informationen
Teilnehmer: 100 Athleten
Datum: 13. Juli-25. Juli
Austragungsort: Vereinigtes Konigreich 1801Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland White City Stadium
Wettkampfort: London
Entscheidungen: 6
St. Louis 1904 Stockholm 1912
Olympische Sommerspiele 1908
(Medaillenspiegel Schwimmen)
Platz Mannschaft Goldmedaillen Silbermedaillen Bronzemedaillen Total
01 Vereinigtes Konigreich 1801Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland Großbritannien 4 2 1 7
02 Vereinigte Staaten 46Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten 1 1 2
03 Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich 1 1
04 Ungarn 1867Ungarn Ungarn 2 2
05 AustralasienAustralasien Australasien 1 1 2
06 DanemarkDänemark Dänemark 1 1
07 SchwedenSchweden Schweden 2 2
08 Osterreich KaisertumKaisertum Österreich Österreich 1 1

Bei den IV. Olympischen Sommerspielen 1908 in London wurden im Schwimmen sechs Wettbewerbe ausgetragen. Zum ersten Mal überhaupt stand den Schwimmern ein Schwimmbecken zur Verfügung. Dieses befand sich im Innenfeld des White City Stadium, war 100 Meter lang und hatte vier Bahnen (die heute üblichen 50 Meter-Becken mit acht Bahnen kamen erstmals 1924 zur Anwendung). 1896 in Athen war noch im offenen Meer geschwommen worden, 1900 in Paris in der Seine und 1904 in St. Louis in einem künstlichen See.

Für die Organisation zuständig war die English Amateur Swimming Association. Nachdem es bei der Regelauslegung zu einigen Missverständnissen gekommen war, gründeten am 19. Juli 1908, also noch während der Wettkämpfe, Vertreter von zehn nationalen Verbänden im Manchester Hotel den internationalen Schwimmverband FINA.

WR = Weltrekord
OR = Olympischer Rekord
DNF = did not finish (Rennen nicht beendet)

Männer[Bearbeiten]

100 m Freistil[Bearbeiten]

Platz Land Athlet Zeit (min)
1 Vereinigte Staaten 46Vereinigte Staaten USA Charles Daniels 1:05,6 (WR)
2 Ungarn 1867Ungarn HUN Zoltán von Halmay 1:06,2
3 SchwedenSchweden SWE Harald Julin 1:08,0
4 Vereinigtes Konigreich 1801Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland GBR Leslie Rich k. A.

Datum: 17. und 20. Juli

An diesem Wettbewerb nahmen 34 Schwimmer aus zwölf Ländern teil. Zunächst standen neun Vorläufe auf dem Programm. Bei diesen Rennen schwankte die jeweilige Teilnehmerzahl enorm, da die Gruppen bereits vor Beginn der Spiele ausgelost worden waren und zahlreiche Sportler später ihre Anmeldung zurückzogen. So starteten in einem der Vorläufe sechs Schwimmer, während in einem anderen nur einer anwesend war.

Theoretisch hätten sich die Sieger der neun Vorläufer und der schnellste Zweitplatzierte qualifiziert. Doch drei Teilnehmer zogen sich danach vom Wettkampf zurück, weshalb es zu zwei Zwischenläufen mit je vier Teilnehmern kam.

Olympiasieger wurde Charles Daniels. Er hatte in seinem Vorlauf bereits Zoltán von Halmays Weltrekord (1:05,8 min; aufgestellt am 3. Dezember 1905 in Wien) egalisiert und verbesserte diese Zeit im Finale um weitere 0,2 Sekunden.

400 m Freistil[Bearbeiten]

Platz Land Athlet Zeit (min)
1 Vereinigtes Konigreich 1801Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland GBR Henry Taylor 5:36,8 (OR)
2 AustralasienAustralasien ANZ Frank Beaurepaire 5:44,2
3 Osterreich KaisertumKaisertum Österreich AUT Otto Scheff 5:46,0
4 Vereinigtes Konigreich 1801Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland GBR William Foster k. A.

Datum: 13. bis 16. Juli

Es nahmen 25 Schwimmer aus zehn Ländern teil. Wie schon beim 100-Meter-Rennen gab es auch hier höchst unterschiedlich besetzte Vorläufe, die Teilnehmerzahl schwankte zwischen eins und fünf. Für die beiden Zwischenläufe qualifizierten sich die neun Vorlaufsieger.

Zum Finale schließlich starteten jeweils die zwei Schnellsten der Zwischenläufe. Bis zur letzten Wende lagen Taylor und Beaurepaire praktisch gleichauf, doch dann konnte der Brite den Australier entscheidend distanzieren.

1500 m Freistil[Bearbeiten]

Platz Land Athlet Zeit (min)
1 Vereinigtes Konigreich 1801Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland GBR Henry Taylor 22:48,4 (WR)
2 Vereinigtes Konigreich 1801Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland GBR Thomas Battersby 22:51,2
3 AustralasienAustralasien ANZ Frank Beaurepaire 22:56,2
DNF Osterreich KaisertumKaisertum Österreich AUT Otto Scheff

Datum: 21., 23. und 25. Juli

Es nahmen 19 Schwimmer aus acht Ländern an diesem Wettbewerb teil. Auch hier waren die Vorläufe aus den bereits genannten Gründen unterschiedlich besetzt (drei Rennen mit drei Teilnehmern, zwei Rennen mit vier Teilnehmern und zwei Rennen mit nur einem Teilnehmer). Für die Zwischenläufe qualifiziert waren die sieben Vorlaufsieger.

Im Finale führte während 13 Längen Thomas Battersby, der dann jedoch vom späteren Sieger Henry Taylor überholt wurde. Das Rennen ging eigentlich über eine Meile (1609,34 m), doch die Zeit wurde bereits nach 1500 Metern gestoppt. Taylors Siegeszeit gilt als erster Weltrekord überhaupt auf dieser Distanz. Battersby schwamm weiter und versuchte, den britischen Meilenrekord zu unterbieten, was ihm auch gelang.

100 m Rücken[Bearbeiten]

Platz Land Athlet Zeit (min)
1 Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich GER Arno Bieberstein 1:24,6
2 DanemarkDänemark DEN Ludwig Dam 1:26,6
3 Vereinigtes Konigreich 1801Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland GBR Herbert Haresnape 1:27,0
4 Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich GER Gustav Aurisch k. A.

Datum: 16. und 17. Juli

An diesem Wettbewerb nahmen 21 Schwimmer aus elf Ländern teil. Das Teilnehmerfeld in den Vorläufen war etwas ausgeglichener, dennoch kam ein Schwimmer eine Runde weiter. Für die Zwischenläufe qualifizierten sich die Sieger der sieben Vorläufe und der schnellste Zweitplatzierte.

Für das Finale qualifizierten sich die besten zwei der beiden Zwischenläufe. Der Deutsche Arno Bieberstein dominierte das Rennen klar und gewann mit zwei Sekunden Vorsprung.

200 m Brust[Bearbeiten]

Platz Land Athlet Zeit (min)
1 Vereinigtes Konigreich 1801Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland GBR Frederick Holman 3:09,2 (WR)
2 Vereinigtes Konigreich 1801Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland GBR William Robinson 3:12,8
3 SchwedenSchweden SWE Pontus Hanson 3:14,6
4 Ungarn 1867Ungarn HUN Ödön Toldy 3:15,2

Datum: 15., 16. und 18. Juli

Am Start zu den Vorläufen waren 27 Schwimmer aus zehn Ländern. Es war der einzige Einzelwettbewerb, bei dem die Vorläufe einigermaßen gleichmäßig besetzt waren (jeweils drei oder vier Schwimmer). Die sieben Vorlaufsieger und der schnellste Zweitplatzierte kamen in die Zwischenläufe. Für das Finale qualifizierten sich die besten zwei der beiden Zwischenläufe.

Im Finale lagen bis zur Hälfte des Rennens Pontus Hansson und William Robinson in Führung. Doch Frederick Holman überholte die beiden nach 150 Metern und schwamm neuen Weltrekord.

4 x 200 m Freistil[Bearbeiten]

Platz Land Athlet Zeit (min)
1 Vereinigtes Konigreich 1801Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland GBR John Derbyshire, Paul Radmilovic, William Foster, Henry Taylor 10:55,6 (WR)
2 Ungarn 1867Ungarn HUN József Munk, Imre Zachár, Béla von Las-Torres, Zoltán von Halmay 10:59,0
3 Vereinigte Staaten 46Vereinigte Staaten USA Harry Hebner, Leo Goodwin, Charles Daniels, Leslie Rich 11:02,8
4 AustralasienAustralasien ANZ Frank Beaurepaire, Frank Springfield, Reginald Baker, Theodore Tartakover k. A.

Datum: 24. Juli

Die Freistil-Staffel stand in London zum ersten Mal auf dem olympischen Programm. Es nahmen sich Länder mit je vier Schwimmern teil. Da auch hier die Auslosungen gleich nach Eingang der Anmeldungen durchgeführt worden waren und einzelne Länder sich später zurückzogen, schwammen die Ungaren in ihrem Vorlauf alleine. In den beiden anderen Vorläufen starteten zwei bzw. drei Staffeln. Für das Finale qualifizierten sich die Vorlaufsieger und die schnellsten Zweitplatzierten.

Zoltán von Halmay, der vierte ungarische Schwimmer, hatte im Finale bei der letzten Wende etwa 14 Meter Vorsprung. Er war das Rennen aber zu schnell angegangen und musste sich von Henry Taylor ein- und überholen lassen, der schließlich mit deutlichem Vorsprung die englische Staffel zum Sieg führte. Die Briten stellten auch einen neuen Weltrekord auf.