Olympische Sommerspiele 1936/Leichtathletik – Stabhochsprung

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Nishida Shūhei (vor 1935)

Der Olympische Stabhochsprungwettbewerb von 1936 ging wegen des langen Kampfes von zwei Japanern um die Silbermedaille in die Sportgeschichte ein. Da die Entscheidung darüber extrem knapp war, ließen die Japaner ihre Olympia-Medaillen in ihrer Heimat halbieren und zu je einer aus Silber und Bronze bestehenden zusammensetzen.

Wettkampf[Bearbeiten]

Abbildung einer Medaille der Olympischen Sommerspiele von 1936

Im Stabhochsprungwettbewerb im Olympiastadion Berlin am 5. August 1936 hatten nur vier Stabhochspringer, die US-Amerikaner Earle Meadows (1913–1992) und William Sefton (1915–1982) und die Japaner Ōe Sueo (1914–1941) und Nishida Shūhei (1910–1997) 4,25 m übersprungen. Meadows kam als einziger über 4,35 m und gewann Gold. Die drei übrigen Springer mussten nun im Stechen 4,15 m überwinden. Sefton schaffte diese Höhe nicht und verfehlte eine Medaille. Die japanischen Stabhochspringer erreichten in dem mittlerweile fünf Stunden dauernden Wettkampf jeweils die Sprunghöhe von 4,25 m. Als es um 21.00 Uhr dunkel wurde, hatte keiner von beiden eine weitere Verbesserung erreichen können, deshalb brach die Wettkampfleitung ab. Sie überließ dem japanischen Team die Entscheidung über die Verteilung der Medaillen. Die Mannschaftsleitung legte sich auf Nishida fest, da er in seinem ersten Versuch 4,25 m überwunden hatte. Ōe, der diese Sprunghöhe erst im zweiten Versuch erreichte, erhielt Bronze. Laut einer anderen Version soll die Entscheidung für Nishida gefallen sein, weil er älter war.[1]

Beide Sportler waren mit dieser Entscheidung unzufrieden. Sie waren befreundet und als sie nach Japan zurückkamen, ließen sie ihre Medaillen in je zwei gleiche Hälften teilen und diese als Kombination aus Silber und Bronze wieder aneinanderfügen.[2][3]

Dieser einmalige Vorgang in der olympischen Sportgeschichte wurde als wahrer Teamgeist und wahre Freundschaft bezeichnet und weltweit bekannt. Die zwei Medaillen werden im japanischen als Yūjō no Medal (友情のメダル Yūjo no Medaru)[3] bzw. im englischsprachigen Raum als Medal of Friendship[2] (deutsch Medaille der Freundschaft) oder als Medal of eternal Friendship[4] (dt. Medaille der ewigen Freundschaft) bezeichnet.

Nachbetrachtung[Bearbeiten]

Ōe Sueo, der während seiner Sportkarriere an der Keiō-Universität studierte, fiel Ende Dezember 1941 während des Zweiten Weltkriegs. Nishida Shūhei war ein Student der Waseda-Universität. Am 21. Juni 2005 überreichte seine älteste Tochter Amano Kiyoko diese Medaille und weitere Sporttrophäen anlässlich einer Universitätsfeier. Diese Silber-Bronzemedaille wurde anschließend im Aizu-Museum auf dem Gelände der Universität ausgestellt.[5] Ōes Medaille befindet sich im Sportmuseum Chichibu-no-Miya Kinen Sports Hakubutsukan.[3]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. sports-reference.com: Athletics at the 1936 Berlin Summer Games, in englischer Sprache, abgerufen am 4. August 2012
  2. a b waseda.jp: Bonds of Friendship Tied Rivals- Waseda and Keio. Medal of Friendship, vom 1. August 2011, in englischer Sprache, abgerufen am 2. August 2012
  3. a b c 友情のメダル. In: オリンピック・メモリアルグッズ. Japanisches Olympisches Komitee, abgerufen am 3. August 2012 (japanisch).
  4. atheteoutreach.com: Sueo Oe and Shuhei Nishida: Friendship on the Field, in englischer Sprache, abgerufen am 2. August 2012
  5. waseda.jp: Medal of Friendship Donated to Waseda University - A donation ceremony for Syuhei Nishida, in englischer Sprache, abgerufen am 2. August 2012