Olympischer Friede

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Der Olympische Frieden (griech. Ὀλυμπιακή Ἐκεχειρία:, „Ekecheiria – Olympisches Hände halten“) war ein Abkommen griechischer Stämme 884 v. Chr. zur Gewährleistung des sicheren Ablaufs der Olympischen Spiele. In der schriftlichen Übereinkunft der Könige Iphitos von Elis, Kleosthenes von Pisa und Lykurgos von Sparta wurde festgehalten, dass alle Athleten, Künstler, Familien und einfachen Reisenden in Sicherheit anreisen, die Wettkämpfe miterleben und wieder abreisen können. Der Waffenstillstand begann zehn Monate vor den eigentlichen Spielen mit der Ankündigung der Spiele durch die Region Elis und dauerte bis zum Ende der Wettkämpfe und der Heimreise.[1] Um den Gedanken des Olympischen Friedens zu erneuern, wurde im Jahre 2000 vom Internationalen Olympisches Komitee (IOC) die Stiftung für den Olympischen Frieden gegründet.[2]

Vertragsverletzungen[Bearbeiten]

Der Vertrag wurde mehrfach verletzt, da andere Regionen hofften, die Olympischen Spiele auf ihrem Gebiet ausrichten zu können. Pisa griff Elis in den Jahren 748 v. Chr., 644 v. Chr. und 588 v. Chr. an, jedes Mal ohne Erfolg. Beim letzten Versuch überfielen die Bürger Elis' Pisa und unterwarfen es. Bei einem neuerlichen Angriff aus Pisa schlugen die Truppen von Elis die Pisaner im Kampf und rissen Pisa bis auf die Grundmauern nieder.

Auch die Arkadier verletzten den Frieden durch einen Angriff 365 v. Chr., wurden jedoch zurückgeschlagen. Die Spartaner griffen Elis ebenfalls an, um das Recht, die Spiele bei sich beherbergen zu können, zu erlangen. Von 421 v. Chr. kämpften sie dafür drei Jahre unter König Agis II., und wurden im Gegenzug von den Spielen ausgeschlossen und mit einer Geldstrafe belegt. 404 v. Chr. versuchten sie es noch einmal und gewannen.

Der Vertrag hatte bis zum Verbot der Olympischen Spiele durch den römischen Kaiser Theodosius I. 394 n. Chr. bestand und war ein bedeutendes Symbol panhellenischer Autorität. Aufgrund des Vertrages war Elis eine der wenigen griechischen Städte, die ohne Stadtmauer existieren konnte.

Wiederaufnahme des Friedensgedanken[Bearbeiten]

Auf Betreiben des Franzosen Pierre de Coubertin wurde im Jahr 1894 das Comité International Olympique (CIO oder IOC) gegründet. Dahinter steckte die Idee Coubertins die nationalen Egoismen zu überwinden und für internationale Verständigung einzutreten. Nach seiner Auffassung sollte sich die „Jugend der Welt“ lieber in sportlichen Wettkämpfen messen als sich auf dem Schlachtfeld zu bekriegen. Die Olympischen Spiele der Neuzeit begannen im Jahr 1896 in Athen und werden seither zweijährigen Wechsel als Sommer- und Winterspiele ausgetragen.[3]

Ereignisse der Neuzeit

Dass der Olympische Friede nicht immer eingehalten wird, zeigt sich deutlich an Beispielen wie die Absagen der Olympischen Spiele etwa im Verlauf der zwei Weltkriege (Berlin 1916, Tokio 1940 und Helsinki 1944), der Ausschluss oder den Boykott der Spiele durch einige Länder.[4]

  • 1920, 1924 und 1948: Ausschluss Deutschlands von den Spielen
  • 1936: Missbrauch der Sommerspiele in Berlin zum Zwecke der Propaganda durch die Nationalsozialisten
  • 1956: Boykott der Spiele in Melbourne durch die Niederlande, Spanien und die Schweiz, aus Protest gegen die Niederschlagung des Ungarischen Volksaufstandes durch die Sowjetunion
  • 1972: Attentat auf israelische Sportler durch palästinensische Terroristen bei den Spielen in München
  • 1980: Einmarsch nach Afghanistan durch sowjetische Truppen führte zum Boykott der Spiele in Moskau

Literatur[Bearbeiten]

  • Manfred Lämmer: „Der sogenannte Olympische Friede in der griechischen Antike“. in: Manfred Lämmer (Hrsg.): STADION. Band 8/9 (1982/83), S. 47–83.
  • Ole Bartussek: Olympische Idee, Olympische Bewegung und Olympischer Friede. GRIN Verlag, München 2009, ISBN 978-3-640-40733-0.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Olympische Spiele – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „Rein von Mord und still von Waffengeklirr“ in: Der Stern. vom 12. August 2004, abgerufen am 15. Mai 2014.
  2. Sport für den Frieden auf olympic.org, abgerufen am 15. Mai 2014. (PDF, S. 14.)
  3. Olympische Spiele der Neuzeit auf olympia-lexikon.de, abgerufen am 15. Mai 2014.
  4. Der olympische Friede war schon immer deutungsfähig in: Die Welt. vom 11. Februar 1998, abgerufen am 15. Mai 2014.