Omphacit

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Omphacit
Eclogite Norway.jpg
Norwegischer Eklogit mit grünem Omphacit, rotem Pyrop, milchigem Quarz und blauem Disthen
Andere Namen
  • Omphazit
Chemische Formel

(Ca,Na)(Mg,Fe,Al)Si2O6 [1]

Mineralklasse Silicate und Germanate
9.DA.20 (8. Auflage: VIII/F.01) nach Strunz
65.01.03b.01 nach Dana
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin monoklin-prismatisch; 2/m[2]
Raumgruppe (Raumgruppen-Nr.) C2/c, P2/n (Raumgruppen-Nr. 15, 13)
Farbe Grasgrün, Smaragdgrün, Dunkelgrün
Strichfarbe grünlichweiß
Mohshärte 5 bis 6
Dichte (g/cm3) 3,16 bis 3,43 (gemessen), 3,36 (berechnet)[1]
Glanz Glasglanz oder Seidenglanz
Transparenz durchscheinend
Spaltbarkeit gut nach {110}, (110) oder (110) ~87°
Bruch uneben bis muschelig; spröde
Habitus meist xenomorph, körnige oder derbe Masse
Zwillingsbildung häufig einzelne und polysynthetische Zwillinge auf {100}
Kristalloptik
Brechungsindex nα = 1,662 bis 1,701; nβ = 1,670 bis 1,712; nγ = 1,685 bis 1,723[2]
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ = 0.023; zweiachsig positiv
Optischer Achsenwinkel 2V = 58° bis 83° (gemessen), 74° bis 88° (berechnet)
Pleochroismus schwach: X = farblos, Y = sehr hellgrün, Z = sehr hellgrün bis bläulichgrün[1]
Weitere Eigenschaften
Besondere Kennzeichen hohes Relief und schlecht löslich in Salzsäure

Das Mineral Omphacit, veraltet auch Omphazit geschrieben, ist ein eher selten vorkommendes Kettensilikat aus der Gruppe der Pyroxene innerhalb der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“. Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung (Ca,Na)(Mg,Fe,Al)[Si2O6][3]. Die in den runden Klammern angegebenen Elemente Calcium und Natrium bzw. Magnesium, Eisen und Aluminium können sich in der Formel jeweils gegenseitig vertreten (Substitution, Diadochie), stehen jedoch immer im selben Mengenverhältnis zu den anderen Bestandteilen des Minerals.

Omphacit entwickelt nur selten grobe Kristalle bis etwa fünf Zentimeter Größe und glasähnlichem Glanz auf den Oberflächen. Meist tritt er in Form unregelmäßiger, xenomorpher Körner oder massiger Mineral-Aggregate auf. In reiner Form ist Omphacit von grasgrüner oder smaragdgrüner bis dunkelgrüner Farbe und weist eine grünlichweiße Strichfarbe auf. Er ist ein Hauptbestandteil des Metabasits Eklogit.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals entdeckt wurde das Mineral in einem ehemaligen Steinbruch bei Silberbach in der Gemeinde Konradsreuth in der bayerischen Region Oberfranken[4] und beschrieben 1815 durch Abraham Gottlob Werner, der das Mineral in Anlehnung an seine Farbe nach dem altgriechischen Wort ὄμφαξ [omphax] für unreife Traube als Omphazit bezeichnete. Diese Schreibweise wurde allerdings in späteren mineralogischen Publikationen zu Omphacit korrigiert und setzte sich allgemein durch.

Typmaterial des Minerals wird in der Mineralogischen Sammlung der Technische Universität Bergakademie Freiberg (Katalog-Nr. 100568 / K 103) aufbewahrt.[4]

Klassifikation[Bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Omphacit zur Abteilung der „Ketten- und Bandsilikate (Inosilikate)“, wo er zusammen mit Aegirin, Augit, Diopsid, Esseneit, Hedenbergit, Jadeit, Jervisit, Johannsenit, Kanoit, Klinoenstatit, Klinoferrosilit, Kosmochlor, Namansilit, Natalyit, Petedunnit, Pigeonit und Spodumen die „Pyroxengruppe, Untergruppe Klinopyroxene“ mit der System-Nr. VIII/F.01 innerhalb der Pyroxengruppe bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Omphacit ebenfalls in die Abteilung der „Ketten- und Bandsilikate (Inosilikate)“ ein. Diese Abteilung ist allerdings weiter unterteilt nach der Art der Kettenbildung, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Ketten- und Bandsilikate mit 2-periodischen Einfachketten Si2O6; Pyroxen-Familie“ zu finden ist, wo es zusammen mit dem Aegirin-Augit und Chromomphacit die „Ca-Na-Klinopyroxene, Omphacitgruppe“ mit der System-Nr. 9.DA.20 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Omphacit in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Kettensilikatminerale“ ein. Hier ist er zusammen mit dem Aegirinaugit in der Gruppe der „C2/c Klinopyroxene (intermediäre Klinopyroxene)“ mit der System-Nr. 65.01.03b innerhalb der Unterabteilung „Kettensilikate: Einfache unverzweigte Ketten, W=1 mit Ketten P=2“ zu finden.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Omphacit (grün) und Almandin (rot) aus Nordfjord, Norwegen (Größe: 1,5″ × 1,5″ × 1,5″, entspricht 3,81 cm × 3,81 cm × 3,81 cm)

Omphacit bildet sich in basischen bis ultrabasischen, metamorphen Gesteinen wie dem Metabasit Eklogit, zu dessen Hauptbestandteilen er zählt. Dieser entsteht bei hohen Drücken ab ca. 10 kbar (entspricht ca. 35 km Tiefe) und mittleren bis hohen Temperaturen (500 bis 1000 Grad Celsius). Omphacit findet sich häufig auch in Kimberliten und Granuliten, aber auch in einigen Ophiolithen und glaukophanhaltigen Blauschieferfazien.

Als eher seltene Mineralbildung kann Omphacit an verschiedenen Fundorten zum Teil reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Als bekannt gelten bisher (Stand 2014) rund 190 Fundorte.[5] Als Begleitminerale treten in Eklogiten unter anderem Granat, Korund, Kyanit und Quarz, in Blauschiefern dagegen eher Epidot, Glaukophan, Hornblende und Skapolith, auf.

In Deutschland konnte Omphacit neben seiner Typlokalität Silberbach noch an mehreren Orten in der Münchberger Gneismasse in Bayern, in der Grube Clara bei Oberwolfach in Baden-Württemberg, am Nickenicher Weinberg in Rheinland-Pfalz sowie an mehreren Orten im sächsischen Erzgebirge gefunden werden.

In Österreich fand man das Mineral unter anderem am Hüttenberger Erzberg sowie an verschiedenen Fundorten in der Koralpe und Saualpe in Kärnten, bei Gansbach (Gemeinde Dunkelsteinerwald) und bei Altenburg in Niederösterreich, bei Krumbach (Gemeinde Sankt Oswald ob Eibiswald) und Wernersdorf in der Steiermark sowie im Sulztal (Stubaier Alpen) in Tirol.

In der Schweiz trat Omphacit bisher nur auf der Alpe Arami nahe der Gemeinde Gorduno im Kanton Tessin und am Allalinhorn (kurz Allalin) in der Gemeinde Saas-Almagell im Kanton Wallis auf.

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Afghanistan, Australien, Brasilien, China, Frankreich, Griechenland, Guatemala, Indien, Italien, Japan, Lesotho, Kanada, Kolumbien, Kuba, Mexiko, Neukaledonien, Nigeria, Norwegen, Pakistan, Polen, Russland, Slowenien, Südafrika, Tschechien, Türkei, im Vereinigten Königreich (UK), in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) und in Venezuela.[6]

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Omphacit kristallisiert monoklin in den Raumgruppen C2/c (Raumgruppen-Nr. 15) oder P2/n (Raumgruppen-Nr. 13) mit den Gitterparametern a = 9,59 Å; b = 8,78 Å; c = 5,26 Å; β = 106,8° sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle.[7]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Abraham Gottlob Werner: Abraham Gottlob Werner's letztes Mineral-System. Aus dessen Nachlasse auf oberbergamtliche Anordnung herausgegeben und mit Erläuterungen versehen. Freiberg und Wien 1817. S. 33 (online verfügbar in der Google-Buchsuche)
  •  Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 772.
  •  Hans Jürgen Rösler: Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S. 526.
  •  Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 234 (Dörfler Natur).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Omphacite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Omphacit. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (PDF kB).
  2. a b Mindat - Omphacit
  3. IMA/CNMNC List of Mineral Names; March 2014 (PDF 1,5 MB)
  4. a b Typmineral-Katalog der Universität Hamburg
  5. Mindat - Anzahl der Fundorte für Omphacit
  6. Fundortliste für Omphacit beim Mineralienatlas und bei Mindat
  7.  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 620.