Online-Community

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Beispiel eines mit der Software phpBB erstellten Internet­forums als technische Grundlage einer Online-Community
Kontaktliste eines Instant Messenger-Systems mit Community-Teilnehmern, zu denen persönlicher Kontakt gepflegt wird
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Eine Online-Community (englisch für Internet-Gemeinschaft) ist eine organisierte Gruppe von Menschen, die im Internet miteinander kommunizieren und teilweise im virtuellen Raum interagieren. Auf der technischen Grundlage eines sozialen Mediums (Social Media), das als Plattform zum wechselseitigen Austausch von Meinungen, Erfahrungen und Informationen eingesetzt wird, ergibt sich ein abgrenzbares soziales Netzwerk von Nutzern mit von ihnen erzeugten Inhalten (englisch user-generated content).

Eine Community-Plattform im Internet stellt grundlegende Werkzeuge wie E-Mail, Forum, Chatsystem, Instant Messaging, Schwarzes Brett oder Tauschbörse bereit, um den Austausch zwischen ihren Mitgliedern zu ermöglichen und zu organisieren. Vorbedingung zur Nutzung ist fast immer eine Registrierung als Mitglied. Zur angemeldeten Teilnahme wird ein Benutzerkonto angelegt; in den meisten Fällen werden selbstgewählte Pseudonyme als Benutzernamen verwendet. Teilweise erhalten auch nicht angemeldete Gäste einen Zugang, aber meist sehr eingeschränkt.

Die Internetsoziologie sieht das Internet als gesellschaftlichen Raum und Online-Communitys als Teil der Netzkultur und der Cybergesellschaft (siehe auch Cyberanthropologie), sie erforscht die sozialen Auswirkungen der digitalen Kommunikation auf die Nutzer, vor allem im Hinblick auf Gruppenbildung. Im Marketingbereich werden Konsumverhalten und Produktbindungen in Online-Communitys untersucht (siehe auch Netnographie).

Schreibweise[Bearbeiten]

In der Fachliteratur findet sich überwiegend die Bezeichnung Online-Community, seltener virtuelle Community (im Englischen online community mit rund 60 Prozent gegenüber 40 Prozent virtual community[1]). Der Duden online verzeichnet nur das Grundwort Community und gibt bei der Mehrzahl die Schreibweise Communitys an.[2] Eine deutsche Wortschatzsuche im Mai 2014 ergibt rund 70 Prozent Vorkommen für die Puralform Communities gegenüber 30 Prozent für Communitys.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Als eine der ersten Communitys im Internet kann der netzbasierte Debattierclub The Well (the Whole Earth ’Lectronic Link) angesehen werden, der 1985 in Sausalito in Nordkalifornien von Stewart Brand und Larry Brilliant gegründet wurde.[4] Allerdings lassen sich auch die ersten Mailinglisten und Newsgroups als abgegrenzte Communitys auffassen (siehe auch Geschichte der sozialen Netzwerke). Der amerikanische Sozialwissenschaftler Howard Rheingold verwendete als erster in seinem Buch The Virtual Community 1993 die Bezeichnung virtuelle Gemeinschaften, die heute als Online-, Net-, Cyber- oder E-Communitys bekannt sind. Mit der Entwicklung zum interaktiven Web 2.0 nahmen ab 2005 die Möglichkeiten zur Communitybildung erheblich zu.

Strukturen[Bearbeiten]

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--Chiananda (Diskussion) 18:05, 13. Mai 2014 (CEST)

Die meisten Online-Communitys sind dem Grunde nach basis-demokratisch organisiert. Online-Communitys müssen aufgebaut, gepflegt und betreut werden, womit auch Mitglieder betraut werden (siehe Community Management). Je nach Zielgruppe werden die Funktionen abgestimmt und auf die Interessen der Benutzer zugeschnitten. Hierbei sind Rückmeldungen, Anfragen und Ideen von Nutzern erwünscht, da sie zur Steigerung der Attraktivität und Akzeptanz beitragen. Online-Communitys entwickeln sich vor allem dann erfolgreich, wenn ihre treibende Kraft nicht die Marketingidee eines Unternehmens ist, sondern sie aus sich selbst, aus den Wünschen der Gemeinschaft wachsen. Vereinzelt zeichnet sich eine steigende Tendenz zu Hierarchisierung und festen Institutionen ab. Im Idealfall gibt sich die Community eigene Regeln. Sogar gerichtsbarkeitsähnliche, parlamentarische oder polizeiähnliche Institutionen wurden – meist auf Wunsch der Benutzer – eingeführt. Insoweit wird auch eine Entwicklung zu starren Regeln und „Gesetzen“ erkennbar, zumindest der Wunsch danach. Rechtliche Begriffe wie „unzulässig“, „unrechtmäßig“ oder sogar „Angeklagter“ finden immer mehr Verwendung in den Diskussionen.

Arten von Online-Communitys[Bearbeiten]

Kommerziell[Bearbeiten]

Eine kommerzielle Online-Community ist ein geschlossenes Netzwerk, das unter Aufsicht eines Unternehmens steht. Die Gemeinschaft nutzt dabei zur Kommunikation die Infrastruktur des Unternehmens. Auch die Moderation und Administration wird meist von dem Unternehmen übernommen. Geschäftliche Online-Communitys erlauben im Unterschied zu nicht-kommerziellen meist nicht die freie Wahl eines Vorstandes und lassen Werbeeinnahmen nicht nur Gemeinschaftszwecken zukommen, sondern nutzen diese, um Gewinn auszuschütten. Eine besondere Form einer kommerziellen Online-Community ist das Kundenforum, das den Kunden die Kommunikation untereinander über die angebotenen Produkte und Dienstleistungen ermöglicht und ihnen den Aufbau einer eigenen Kommunikationsplattform erspart.

Viele kommerzielle Social Network-Dienste sind mit einer kommerziellen Online-Community verbunden. Diese geschlossenen Netzwerke erlauben über ihr System keine Kommunikation mit Mitgliedern anderer Communitys. Dazu zählen Myspace, Facebook und StayFriends sowie die deutschen Werkenntwen, Lokalisten, studiVZ, schülerVZ und meinVZ. Zu Diensten mit beruflicher Ausrichtung zählen die Netzwerke von XING und LinkedIn, hier haben die Gruppen eher thematischen Bezug zum beruflichen Alltag.

Online-Dienstleistungsanbieter verbinden ihr Angebot mit einer kommerziellen Online-Community, um Kunden an sich zu binden. Bei einem Wechsel des Anbieters müssen Kunden auf diese Weise nicht nur die Qualität der jeweiligen Dienstleistung, sondern auch die mit der Dienstleistung verbundene Community beachten. Ein bekannter Anbieter ist der Foto-Hoster Flickr.

Der Mikroblogging-Dienst Twitter ist mit einer geschlossenen kommerziellen Online-Community verbunden. Ähnliche Dienste wie Identi.ca erlauben über den offenen OStatus-Standard die Kommunikation mit beliebigen Personen.

Im Online-Journalismus spielen Leser-, Hörer- und Zuschauer-Communitys bei der Leser-Blatt-Bindung eine wichtige Rolle.

Ab 2002 erscheinen im Internet auch kommerzielle, geschlossene Shopping-Communitys, die erst durch eine Einladung eines Mitgliedes oder mit Hilfe eines so genannten Club-Schlüssels betreten werden können.

Themenorientiert[Bearbeiten]

Themenorientierte Communitys erhalten ihre Anziehungskraft aus einem Thema, das alle Nutzer eint. Dies kann ein Hobby sein, wie bei Science-Fiction- und Sport-Communitys, oder der Glaube bei religiösen Communitys, oder politische Diskussionen bei Politcommunitys. Die englischsprachige Plattform TES Teaching Resources ist nach eigenen Angaben die weltweit größte Lehrercommunity.

Methodenorientiert[Bearbeiten]

Wiki-Community

Eine Wiki-Community ist eine Online-Community, die sich um ein Wiki-Projekt herum bildet. Den Nutzern hier geht es im Unterschied zu Nutzern anderer Untergruppen von Online-Communitys darum, gemeinsam – zumeist textliche – Inhalte online zu erstellen und sie anderen Nutzern zur Verfügung zu stellen. So verfolgt beispielsweise die Wikipedia seit ihrer Gründung 2001 das Ziel der „Erstellung eines freien Onlinelexikons in zahlreichen Sprachen“. Über diese Inhaltserstellung finden teilweise heftige Diskussionen statt. Wikis benutzen dafür eine spezielle Wiki-Software und sind weniger über Chat oder Foren organisiert, es finden aber auch Offline-Treffen im „Realleben“ statt.

Voting- oder Rating-Community

Eine Voting- oder Rating-Community ist eine Online-Community, deren Mitglieder sich einer Bewertung durch andere Mitglieder stellen. Einige dieser Communitys lassen auch Bewertungen durch Nichtmitglieder zu. In den meisten Fällen werden ausschließlich Fotos der Mitglieder zur Bewertung gestellt, die üblicherweise auf einer Rating-Skala mit 0 bis 10 Punkten bewertet werden können. Einige wenige Communitys dieser Art legen jedoch bewusst Wert darauf, dass die Bewertungen nicht nur die Bilder betreffen sollen, sondern den Gesamteindruck aus Fotos, Vorstellungstexten, Beiträgen in eventuell vorhandenen Foren, privatem Kontakt und anderem.

In den meisten Voting-Communitys laufen die Abstimmungen ununterbrochen, es werden höchstens Wochen- oder Monatsbeste gekürt und dann auf der Hauptseite der Community entweder direkt oder per Link präsentiert. Einige wenige Voting-Communitys führen allerdings tatsächlich ein Jahr lang laufende Runden durch und küren am Ende eine Siegerin und/oder einen Sieger, ähnlich zu Schönheitswettbewerben.

Entwickler-Community[Bearbeiten]

Eine Entwickler-Community oder Entwicklungs-Community ist eine Online-Gemeinschaft, deren Mitglieder zusammen ein Projekt bilden, das durch E-Collaboration (elektronische Zusammenarbeit) eine technische Produktentwicklung vorantreibt. Das Ziel eines solchen Projekts kann Software, elektronische Hardware, Geräte, Maschinen oder ein Bauwerk sein. Jakob Lochner weist darauf hin, dass es „auch draußen in der nicht-digitalen Welt“ Projekte gibt, die ähnlich wie die Entwicklung von freier Software funktionieren. Die meisten Entwickler-Communitys stellen das Ergebnis ihrer Arbeit der Öffentlichkeit unter einer Lizenz zur Verfügung, die den Prinzipien von Open Source entspricht.[5]

Entwicklungs-Communitys sind meist sehr interdisziplinär und ausgerichtet auf das Hinarbeiten auf bestimmte Meilensteine, die in einem Lebenszyklus definiert sind. Koordiniert wird die Arbeit meist durch eine Projektleitung, die aus einer oder mehreren Personen besteht und nur über eine beschränkte Entscheidungsberechtigung verfügt. Wichtige Entscheidungen sowie die Wahl der Projektleitung werden von den meist weltweit verteilten Mitgliedern in Online-Abstimmungen demokratisch bestimmt.[6]

In der Regel werden auf einem per Internet zugänglichen Versionsverwaltungssystem Teile wie Quelltext, technische Zeichnungen, Entwürfe, Softwaretests oder technische Computersimulationen zentral gespeichert. Sitzungen und der Gedankenaustausch zwischen einzelnen Mitgliedern erfolgt meist über ein Instant Messaging-System wie dem Internet Relay Chat (IRC) oder über eine Mailingliste.

Die Finanzierung der Infrastruktur (Server, Werkstätten, Testlabors) erfolgt entweder durch Spenden von Privatpersonen oder durch Unternehmen, die an den Resultaten der Arbeit einer Entwicklungs-Community interessiert sind. Teilweise stellen Unternehmen von ihnen angestellte Mitarbeiter oder Teile ihrer Infrastruktur einer Gemeinschaft kostenlos zur Verfügung.

Bekannte Beispiele für Entwicklungs-Communitys sind:

Internetgemeinde[Bearbeiten]

Die Bezeichnungen Internetgemeinde oder „die Netzcommunity“ (Netzgemeinschaft, Internet-Community, Internet-Szene) werden zum Beispiel von Politikern und Massenmedien genutzt, etwa in politischen Diskussionen um Themen wie Sperrungen von Webseiten oder Privatkopien.[7] Dabei werden entweder alle Mitglieder aller Online-Communitys als zur umfassenden Netzcommunity gehörend betrachtet – oder die Online-Communitys eines Staates beziehungsweise einer Sprachgemeinschaft werden als Gemeinschaft verstanden: die deutsche Netzgemeinschaft.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Bächle: Virtuelle Communities als Basis für ein erfolgreiches Wissensmanagement. In: HMD. Praxis der Wirtschaftsinformatik. Nr. 246, Dezember 2005, S. 76–83.
  • Ulrich Dolata, Jan-Felix Schrape: Zwischen Individuum und Organisation. Neue kollektive Akteure und Handlungskonstellationen im Internet. In: Stuttgarter Beiträge zur Organisations- und Innovationssoziologie. Nr. 2, Institut für Sozialwissenschaften, Universität Stuttgart 2013 (SOI Discussion Paper 2013-02; PDF-Datei; 1 MB; 52 Seiten auf uni-stuttgart.de).
  • Christian Eigner, Helmut Leitner, Peter Nausner: Online-Communities, Weblogs und die soziale Rückeroberung des Netzes. Nausner, Graz 2003, ISBN 3-901402-37-3.
  • Jan Georg Milz: Instant-Online-Communities. Universität Hamburg 2009 (Diplomarbeit Informatik: online).
  • Erik Möller: Die heimliche Medienrevolution. Wie Weblogs, Wikis und freie Software die Welt verändern. Heise, Hannover 2004, ISBN 3-936931-16-X (stellvertretender Geschäftsführer Wikimedia Foundation).
  • Derek M. Powazek: Design for Community. The Art of Connecting Real People in Virtual Places. New Riders, Indianapolis 2002, ISBN 0-7357-1075-9 (englisch).
  • Howard Rheingold: The Virtual Community. Homesteading on the Electronic Frontier. 2. Auflage. MIT Press, 2000, ISBN 0-262-68121-8 (US-Original 1993: Online-Version; deutsch: Virtuelle Gemeinschaften. Soziale Beziehungen im Zeitalter des Computers. Addison-Wesley, Bonn/Paris 1994, ISBN 3-8931-9671-4).
  • Christoph Rosenkranz, Christoph Feddersen: Managing Viable Virtual Communities. An Exploratory Case Study and Explanatory Model. In: International Journal of Web Based Communities. Band 6, Nr. 1, 2010, doi:10.1504/IJWBC.2010.030014, S. 5–24 (englisch; deutsche Autoren).
  • Marc Smith, Peter Kollock (Hrsg.): Communities in Cyberspace. Routledge, London/New York 1999, ISBN 0-415-19139-4 (englisch; Leseprobe in der Google-Buchsuche).
  • Christian Stegbauer: Grenzen virtueller Gemeinschaft. Strukturen internetbasierter Kommunikationsformen. Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2001, ISBN 3-531-13644-5.
  • Claudia Verstraete: Virtuelle Marken-Communities. Newsgroups und Chats als Instrumente der Markenbindung. Eul, Lohmar/Köln 2004, ISBN 3-89936-193-8.
  • Chris Werry, Miranda Mowbray: Online Communities. Prentice Hall, Upper Saddle River 2001, ISBN 0-13-032382-9 (englisch).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Association for Computing Machinery (ACM) findet im Mai 2014 (2.235.203 Gesamteinträge) zum Stichwort online community 75.966 Einträge und 48.697 zu virtual community (61 zu 39 Prozent; Schreibweisen gleichbedeutend: community, communitys, communities).
  2. Duden online: Community. Abgerufen am 14. Mai 2014: „Community […] Plural: die Communitys“.
  3. Die deutsche Wortschatzsuche der Universität Leipzig zeigt im Mai 2014 insgesamt 3433 Treffer für Community sowie 151 Treffer für Online-Community, die Suche nach Pluralformen zeigt 185 Treffer für Communitys (31 %) und 406 für Communities (69 %) sowie 47 Treffer für Online-Communitys und 65 für Online-Communities; keinen Treffer ergibt die Suche nach virtuelle Community.
  4. Selbstdarstellung: Learn About The WELL. The Well Group, Inc., Kalifornien, abgerufen am 14. Mai 2014 (englisch).
  5. a b Jakob Lochner: Open Source auf freiem Fuß. In: Heise Open Source. 12. September 2013, abgerufen am 14. Mai 2014.
  6. Walt Scacchi: Software Development Practices in Open Software Development. Communities: A Comparative Case Study. University of California, Irvine, April 2001, abgerufen am 14. Mai 2014 (PDF; 106 kB, englisch, 9 Seiten; Positionspapier).
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatWolf Schmidt: De Maizière will Internetsperren: Netzcommunity und FDP enttäuscht. In: die tageszeitung. 28. April 2010, abgerufen am 14. Mai 2014: „Gleichzeitig zog sich de Maizière mit seinem Vorstoß den Unmut der Internetgemeinde auf sich – dabei wollte er eigentlich mit einer Reihe von Netzdialogen auf diese zugehen.“