Online-Community

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Eine Online-Community (englisch für Netzgemeinschaft) ist eine Sonderform der Gemeinschaft; hier von Menschen, die einander via Internet begegnen, um sich dort auszutauschen. Findet die Kommunikation in einem Sozialen Netzwerk statt, das als Plattform zum gegenseitigen Austausch von Meinungen, Eindrücken und Erfahrungen dient (oft in Form von User-Generated-Content), spricht man auch von Sozialen Medien. Der kaum abzugrenzende Begriff Netzgemeinde (auch Netzcommunity, Internet-Community, Internetgemeinde) wird hingegen eher von Außenstehenden als mediales Schlagwort verwendet, um Menschen in der Gesamtheit zu bezeichnen, von denen sie lediglich annehmen, dass diese eine Gemeinschaft bilden, indem sie regelmäßig einen Internetzugang nutzen.

Bedeutung[Bearbeiten]

Eine Community-Plattform im Internet bietet die grundlegenden Werkzeuge zur Kommunikation wie z. B. E-Mail, Foren, Chatsysteme, Instant-Messenger, Newsboards, Tauschbörsen, etc., um die Kommunikation zwischen den Mitgliedern zu ermöglichen. Anfangs wurde die Online-Community oft mit der Technik gleichgesetzt, die von der Online-Community genutzt wird. Eine Gemeinschaft definiert sich jedoch nicht über die Technik, sondern durch den Inhalt, der sie zusammenführt. Soziologisch betrachtet handelt es sich um ein soziales Phänomen.

Struktur[Bearbeiten]

Die meisten Online-Communitys sind dem Grunde nach basis-demokratisch organisiert. Online-Communitys müssen aufgebaut, gepflegt und betreut werden, womit auch Mitglieder aus der Online-Community betraut werden. Je nach Zielgruppe werden die Funktionen abgestimmt und auf die Interessen der Benutzer zugeschnitten. Hierbei sind Rückmeldungen von Nutzern (Wünsche, Anfragen, Ideen) sinnvoll, da sie zur Steigerung der Attraktivität und Akzeptanz beitragen. Im crossmedial arbeitenden Journalismus bspw. spielen ausgehend vom Online-Journalismus Leser-, Hörer- und Zuschauer-Communitys bei der Leser-Blatt-Bindung eine wichtige Rolle. Online-Communitys entwickeln sich vor allem dann erfolgreich, wenn ihre treibende Kraft nicht die Marketingidee eines Unternehmens ist, sondern sie aus sich selbst, also den Wünschen der Gemeinschaft zu wachsen verstehen. Vereinzelt zeichnet sich eine steigende Tendenz zu Hierarchisierung und Institutionen ab. Im Idealfall gibt sich die Community eigene Regeln. Sogar gerichtsbarkeitsähnliche, parlamentarische oder polizeiähnliche Institutionen wurden – meist auf Wunsch der Benutzer – eingeführt. Insoweit wird auch eine Entwicklung zu „Gesetzen“ und starren Regularien – oder wenigstens der Wunsch danach – erkennbar. Juristische Begriffe wie „unzulässig“, „Angeklagter“, „unrechtmäßig“ usw. finden mit zunehmender Tendenz Verwendung in den Diskussionen.

Kontext[Bearbeiten]

Die Bezeichnung Netzcommunity wird je nach Kontext vorwiegend von Politikern und Medien aus eher passiver Sicht genutzt, so etwa in politischen Diskussionen um Themen wie die Sperrung von Webseiten oder die Privatkopie. Dabei werden insbesondere in Online-Communitys aktive Menschen als zur Netzcommunity gehörend betrachtet. Netzaktivisten wie Markus Beckedahl gelten als Vertreter und Sprecher der Netzcommunity. Überwiegend würde der Begriff Netzcommunity von Menschen genutzt werden, die sich selbst ihr nicht zugehörig fühlen.[1][2]

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahre 1985 konstituierte sich in Sausalito, San Francisco, Nordkalifornien, ein netzbasierter Debattierclub namens „The Well“ (the Whole Earth 'Lectronic Link). Die von Stewart Brand und Larry Brilliant gegründete Community kann als eine der ersten Communitys des Internets angesehen werden. Allerdings lassen sich auch die ersten Mailinglisten als Communitys auffassen. Howard Rheingold verwendete als erster in seinem Buch den Begriff ‚virtuelle Gemeinschaften’, die heute als Online-, Net-, Cyber- oder E-Communitys bezeichnet werden.

Schreibweise[Bearbeiten]

Der Duden (23. Auflage) empfiehlt „Onlinecommunity“ (ohne Bindestrich), respektive als Mehrzahl „Onlinecommunitys“, da der Begriff inzwischen ein Lehnwort darstelle und entsprechend den Regeln der deutschen Grammatik dekliniert werde.

In der Literatur finden sich die Termini Virtuelle oder Online-Community, vor allem im Englischen ist „Virtual Community“ weit verbreitet. Eine Suche in der ACM Digital Library zeigt eine etwa gleiche Verteilung der beiden Begriffe in vorhandenen Publikationen. Der Begriff Virtualität ist allerdings missverständlich: Virtuell kann „der Möglichkeit nach vorhanden“ oder „so tun, als ob“ bedeuten. Demnach wäre eine virtuelle Community keine vollwertige Gemeinschaft. Eine Online-Community soll aber als Teilmenge aller echten Gemeinschaften verstanden werden, deren Mitglieder sich online anstatt Face-To-Face austauschen. Daher empfiehlt es sich, den Begriff „Online-Community“ konsequent zu verwenden.

Arten von Online-Communitys[Bearbeiten]

Kommerziell[Bearbeiten]

Eine kommerzielle Online-Community ist eine Online-Community, die unter Aufsicht eines Unternehmens steht. Die Gemeinschaft nutzt dabei zur Kommunikation die Infrastruktur des Unternehmens. Auch die Moderation wird meist von dem Unternehmen übernommen.

Kommerzielle Online-Communitys erlauben im Unterschied zu nicht-kommerziellen Online-Communitys meist nicht die freie Wahl eines Vorstands und lassen Werbeeinnahmen nicht nur Gemeinschaftszwecken zugutekommen, sondern nutzen diese, um Gewinn auszuschütten.

Eine besondere Form einer kommerziellen Online-Community ist das Kundenforum, das den Kunden die Kommunikation untereinander über die angebotenen Produkte und Dienstleistungen ermöglicht. Es erspart den Kunden den Aufbau einer eigenen Kommunikationsplattform.

Viele kommerzielle „Social-Network“-Dienste sind mit einer kommerziellen Online-Community verbunden. Diese geschlossenen Online-Communitys erlauben über ihr System keine Kommunikation mit Mitgliedern anderer Communitys. Dazu zählen Myspace, Facebook, StayFriends, wer-kennt-wen und Lokalisten sowie studiVZ, schülerVZ und meinVZ. Zu Diensten mit beruflicher Ausrichtung zählen die Netzwerke von XING und LinkedIn - hier haben die Gruppen eher thematischen Bezug zum beruflichen Alltag.

Online-Dienstleistungsanbieter verbinden ihre Dienstleistung mit einer kommerziellen Online-Community, um Kunden an sich zu binden. Kunden müssen bei einem Wechsel des Anbieters auf diese Weise nicht nur die Qualität der Dienstleistung, sondern auch die mit der Dienstleistung verbundene Community beachten. Ein bekannter Anbieter ist der Foto-Hoster Flickr.

Der Mikroblogging-Dienst Twitter ist mit einer geschlossenen kommerziellen Online-Community verbunden. Andere Mikroblogging-Dienste wie Identi.ca erlauben über den offenen OStatus-Standard (vormals OpenMicroBlogging) die Kommunikation mit beliebigen Personen.

Seit 2002 erschienen im Internet auch kommerzielle, geschlossene Shopping-Communitys, die man erst durch eine Einladung eines Mitgliedes oder mit Hilfe eines so genannten Club-Schlüssels betreten konnte.

Themenorientiert[Bearbeiten]

Themenorientierte Communitys bekommen ihre Anziehungskraft aus einem Thema, welches alle Nutzer eint. Dies kann ein Hobby sein, wie bei Sci-Fi-Communitys und Sport-Communitys oder der Glaube, wie bei religiösen Communitys, oder politische Netzwerke bzw. Politcommunitys.

Methodenorientiert[Bearbeiten]

Wiki Community

Eine Wiki Community ist eine Online-Community, die sich um ein Wiki-Projekt herum bildet. Den Nutzern hier geht es im Gegensatz zu denen von anderen Untergruppen von Online-Communitys darum, gemeinsam – zumeist textliche – Inhalte online zu erstellen und sie anderen Nutzern zur Verfügung zu stellen. So verfolgt beispielsweise die Wikipedia das Ziel, „die Gesamtheit des Wissens unserer Zeit in lexikalischer Form anzubieten“. Es finden über diese Inhaltserstellung teilweise heftige Diskussionen statt. Sie benutzen dafür eine spezielle Software und sind daher eher weniger über Chat oder Foren organisiert, es finden aber auch Offline-Treffen statt.

Voting Community oder Rating Community

Eine Voting Community bzw. eine Rating-Community ist eine Online-Community, deren Mitglieder sich einer Bewertung durch andere Mitglieder stellen. Einige dieser Communitys lassen auch Bewertungen durch Nichtmitglieder zu. In den meisten Fällen werden ausschließlich Fotos der Mitglieder zur Bewertung gestellt, die üblicherweise mit null bis zehn Punkten bewertet werden können. Einige wenige Communitys dieser Art legen jedoch bewusst Wert darauf, dass die Bewertungen nicht nur die Bilder betreffen sollen, sondern den Gesamteindruck aus Fotos, Vorstellungstexten, Beiträgen in eventuell vorhandenen Foren, privatem Kontakt und so weiter.

In den meisten Voting Communitys laufen die Abstimmungen ununterbrochen, und es werden höchstens Wochen- oder Monatsbeste gekürt und dann auf der Hauptseite der Community entweder direkt oder per Link präsentiert. Einige wenige Voting Communitys führen allerdings tatsächlich ein Jahr lang laufende Runden durch und küren am Ende dieser Runden eine Siegerin und/oder einen Sieger, ganz ähnlich wie bei Misswahlen.

Entwicklungs-Community[Bearbeiten]

Eine Entwicklungs-Community oder Entwickler-Community ist eine Online-Community deren Mitglieder zusammen ein Projekt bilden, das eine technische Produktentwicklung vorantreibt. Das Ziel eines solchen Projekts kann Software, elektronische Hardware, Geräte, Maschinen oder ein Bauwerk sein. Die meisten Entwicklungs-Communities stellen das Ergebnis ihrer Arbeit unter einer Lizenz, die den Prinzipien von Open Source, respektive Freier Software entspricht, der Öffentlichkeit zur Verfügung.[3]

Entwicklungs-Communities sind meist sehr interdisziplinär und durch das Hinarbeiten auf bestimmte Meilensteine, die in einem Lebenszyklus definiert sind, ausgereichtet. Koordiniert wird die Arbeit meist durch eine Projektleitung die aus einer oder mehreren Personen besteht und nur über eine beschränkte Entscheidungsberechtigung verfügt. Wichtige Entscheidungen sowie die Wahl der Projektleitung werden von den meist weltweit verteilten Mitgliedern in Online-Abstimmungen demokratisch bestimmt.[4]

Quellcode, technische Zeichnungen, Entwürfe, Reviews, Testergebnisse oder technische Simulationen werden in der Regel auf einem per Internet zugänglichen Versionsverwaltungssystem (z. B. Subversion) zentral gespeichert. Sitzungen und der Gedankenaustausch zwischen einzelnen Mitgliedern erfolgt meist über ein Instant-Messaging-System (z. B. IRC) oder eine Mailingliste.

Die Finanzierung der Infrastruktur (z. B. Server, Werkstätten, Testlabors) erfolgt entweder durch Spenden von Privatpersonen oder durch Unternehmen, die an den Resultaten der Arbeit einer Entwicklungs-Community interessiert sind. Teilweise stellen Unternehmen von ihnen angestellte Mitarbeiter oder Teile ihrer Infrastruktur einer Entwicklungs-Community gratis zur Verfügung.

Bekannte Beispiele für Entwicklungs-Communities sind:

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Bächle: Virtuelle Communities als Basis für ein erfolgreiches Wissensmanagement. In: HMD. Praxis der Wirtschaftsinformatik. Nr. 246, Dezember 2005, S. 76–83.
  • Ulrich Dolata/Jan-Felix Schrape (2013): Zwischen Individuum und Organisation. Neue kollektive Akteure und Handlungskonstellationen im Internet. Stuttgarter Beiträge zur Organisations- und Innovationssoziologie 2013-02. Volltext Online (PDF-Datei; 1117 kB)
  • Christian Eigner, Helmut Leitner, Peter Nausner: Online-Communities, Weblogs und die soziale Rückeroberung des Netzes. Nausner & Nausner, 2003. ISBN 3-901402-37-3.
  • Gabriele Hooffacker: Online-Journalismus. Schreiben und Konzipieren für das Internet. Ein Handbuch für Ausbildung und Praxis. 3. Auflage. Econ, Berlin 2010, ISBN 978-3-430-20096-7
  • Amy Jo Kim: Community Building on the Web: Secret Strategies for Successful Online Communities. Peachpit Press, 2000. ISBN 0-201-87484-9. (Anmerkung: mehr erfahrungsbasiertes HowTo, keine wissenschaftliche Arbeit)
  • Christian Jakubetz: Crossmedia. UVK, Konstanz 2008. ISBN 978-3-86764-044-2.
  • Erik Möller: Die heimliche Medienrevolution – Wie Weblogs, Wikis und freie Software die Welt verändern. Heise, 2004 ISBN 3-936931-16-X.
  • Derek M. Powazek: Design for Community – The Art of Connecting Real People in Virtual Places. ISBN 0-7357-1075-9.
  • Howard Rheingold: Virtuelle Gemeinschaften: Soziale Beziehungen im Zeitalter des Computers. Addison-Wesley, Bonn/Paris 1994.
  • Howard Rheingold: The Virtual Community: Homesteading on the Electronic Frontier. 2. Auflage. MIT Press, 2000, ISBN 0-262-68121-8.
  • Rosenkranz, C., Feddersen, C. (2010). Managing viable virtual communities: an exploratory case study and explanatory model. International Journal of Web Based Communities. Volume 6, Number 1: 5-14.
  • Marc Smith, Peter Kollock (Hrsg.): Communities in Cyberspace. Routledge, 1998. ISBN 0-415-19140-8.
  • Claudia Verstraete: Virtuelle Marken-Communities. Newsgroups und Chats als Instrumente der Markenbindung. Josef Eul Verlag, Lohmar/Köln 2004. ISBN 3-89936-193-8.
  • Chris Werry, Miranda Mowbray: Online Communities. Prentice Hall, 2001. ISBN 0-13-032382-9.
  • Christian Stegbauer: Grenzen virtueller Gemeinschaft. Strukturen internetbasierter Kommunikationsformen. Verlag für Sozialwissenschaften, 2001. ISBN 3-531-13644-5.
  • Jan Milz: Instant-Online-Communities (Diplomarbeit, http://www.dir-info.de/autor/jan-milz/diplomarbeit/)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatThomas Knüwer: Kapuzenträger. In: Handelsblatt. 17. August 2009, abgerufen am 5. Mai 2010.
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatWolf Schmidt: Netzcommunity und FDP enttäuscht. In: die tageszeitung. 28. April 2010, abgerufen am 5. Mai 2010.
  3. Jakob Lochner: Open Source auf freiem Fuss. Die meisten denken, wenn sie Open Source hören, zuerst an Linux oder ähnlich freie Softwareprojekte. Doch auch draußen in der nicht-digitalen Welt gibt es Projekte, die nach den Prinzipien von freier Software handeln. In: Heise Open Source. Heise Zeitschriften Verlag, 12. September 2013, abgerufen am 20. September 2013.
  4. Walt Scacchi: Software Development Practices in Open Software Development. Communities: A Comparative Case Study. University of California, Irvine, 10. Mai 2001, abgerufen am 20. September 2013 (PDF; 106 kB, englisch).