Operation Faustschlag

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Operation Faustschlag
Gebietsgewinn und Besetzungen durch die Operation Faustschlag
Gebietsgewinn und Besetzungen durch die Operation Faustschlag
Datum 18. Februar bis 3. März 1918
Ort Ukraine, Weißrussland, Baltikum, Südwestrussland
Ausgang Sieg der Mittelmächte
Konfliktparteien
Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich
Osterreich-UngarnÖsterreich-Ungarn (Handelsflagge) Österreich-Ungarn
SowjetrusslandSowjetrussland Sowjetrussland
Befehlshaber
Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Max Hoffmann SowjetrusslandSowjetrussland Nikolai Krylenko


Als Operation Faustschlag (auch: Unternehmen Faustschlag) wird eine Großoffensive der Mittelmächte im Ersten Weltkrieg bezeichnet, die mit Schwerpunkt im Südabschnitt der Ostfront am 18. Februar 1918 als Resultat des gescheiterten Versuches zum Waffenstillstand mit Sowjetrussland begann. Der Offensive konnten die Truppen Sowjetrusslands, die zu großen Teilen aus Überresten der Armee des Zarenreiches und bewaffneten Bauern bestanden, keinen nennenswerten Widerstand entgegensetzen und wurden rasch zurückgedrängt. Somit wurde ein Waffenstillstand mit den Mittelmächten für das noch junge revolutionäre Sowjetrussland zwingend.

Hintergrund[Bearbeiten]

Die Führung der Bolschewiki war bezüglich des weiteren Vorgehens gegenüber den Mittelmächten gespalten. Nur ein kleiner Teil der Partei sprach sich für einen Frieden um jeden Preis aus. Zu der kleinen Gruppe, die einen Diktatfrieden akzeptieren wollte, gehörte auch Wladimir Iljitsch Uljanow (Kampfname Lenin), der sich rasch für einen unverzüglichen Frieden einsetzte. Der größte Teil der Bolschewiki hielt es allerdings für unannehmbar, den Imperialisten weitere Teile des ehemaligen Kaiserreiches abzutreten. Leo Trotzki sprach sich, um beide Seiten zu befriedigen, bei den Verhandlungen mit dem Deutschen Kaiserreich und Österreich-Ungarn dafür aus, dass die Kommunisten weder einen Frieden noch einen Krieg mit den Mittelmächten wollten. Er verließ die Verhandlungen so mit einem Eklat.

Offensive[Bearbeiten]

Die Oberste Heeresleitung (OHL) des Kaiserreiches unter Erich Ludendorff entschied sich deshalb für ein unverzügliches Fortführen der Kampfhandlungen, vor allem im wirtschaftlich wichtigen Süden der Ostfront. An dem Unternehmen war etwa eine halbe Million Mann beteiligt. Die kampfkräftigsten der an der Ostfront stehenden deutschen Verbände waren allerdings zuvor bereits für die Frühjahrsoffensive an die Westfront abgezogen worden. Die Offensive begann am 18. Februar 1918 mit rund 50 deutschen Divisionen.[1] Den deutschen Truppen wurde kaum Widerstand geleistet, daher ging deren Vormarsch in hoher Geschwindigkeit vonstatten. Das am 18. Februar noch 250 Kilometer von der Front entfernte und nur schwach verteidigte Minsk konnte nach nur drei Tagen eingenommen werden. Am 24. Februar fiel die wichtige Kreisstadt Schytomyr im Nordwesten der heutigen Ukraine. Am 3. März fiel die ukrainische Hauptstadt Kiew nach kurzer Belagerung in deutsche Hände. So konnten die nur mit schwachen Kontingenten ausgerüsteten Mittelmächte in knapp zwei Wochen rund 500 Kilometer zurücklegen, was einem Tagespensum von 35 Kilometern entspricht.

Kaiser Karl I. hatte vorerst die Zustimmung zur Beteiligung der k.u.k. Armee verweigert, stimmte aber auf Drängen von Generalstabschef Arz, der einen Einflussverlust in der Ukraine fürchtete, am 24. Februar 1918 doch zu. Am 28. Februar setzten sich auch österreichische Truppen schließlich Richtung Odessa in Bewegung.[2]

Folgen[Bearbeiten]

Durch das schnelle Vorrücken der Mittelmächte und die großen Gebietsverluste in Weißrussland und der Ukraine wurden die Bolschewiki in einen Waffenstillstand gezwungen. Sowjetrussland war bereits im revolutionären Strudel eingesunken, als die Offensive begann, weshalb keine geordnete Verteidigung gebildet werden konnte. Die wenigen ehemaligen Truppen des ehemaligen Zarenreiches, die sich noch an der Front befanden waren kriegsmüde und dazu nicht ausreichend ausgerüstet, um der vereinten Kraft der Truppen aus Österreich-Ungarn und dem Deutschen Kaiserreich entgegenzuwirken. Dazu kam, dass die kommunistische Führung in Petrograd und Moskau schnell bewaffnete Bauern an die Front schickte und den Mittelmächten so alles entgegen warf, was zur Verfügung stand. Dass diese nicht ausgebildeten irregulären Hilfstruppen schnell fielen, schwächte die Verteidigungskraft und die Kampfmoral der Russen entscheidend. Aufgrund der Operation Faustschlag musste die sowjetrussische Regierung den Diktatfrieden von Brest-Litowsk am 3. März 1918 unterzeichnen, in dem sie große Gebiete in Weißrussland und der Ukraine verlor.

Eine weitere wichtige Folge der Offensive war, dass die deutsche Besatzung als eine Art Katalysator zwischen den einzelnen Konfliktparteien im revolutionären Sowjetrussland diente. In allen Gebieten des ehemaligen Zarenreiches, in die deutsche Truppen einmarschierten, wurde die Macht der Bolschewiki gebrochen. Die Besetzung gab den Fraktionen, die gerade während der Konsolidierungsphase der Roten an den Rand gedrängt worden waren, neues Potential. So kam es beim deutschen Vormarsch auf der Halbinsel Krim zu einer Erhebung der muslimischen Krimtataren. Diese gipfelte in der Ermordung des Rates der Volkskommissare der örtlichen Sowjetrepublik. In der Ukraine lebte der Nationalismus nach dem Einmarsch der k. u. k. und der deutschen Truppen wieder auf. So bekamen die Invasoren bereits bei der Eroberung Schytomyrs am 24. Februar 1918 Hilfe von ukrainischen Eisenbahnarbeitern und kurz nach der Eroberung der ukrainischen Hauptstadt kehrte die Rada wieder ins Parlament zurück. Im Baltikum hatte die deutsche Besetzung weitgehendere Folgen. In Estland war die Popularität der Bolschewiki sehr gering und den Revolutionären misslang unter der deutschen Besatzung der Aufbau einer politischen Organisation, die dies hätte ändern können. Ebenso konnten die Konservativen die Bauernschaft durch die Enteignung deutschstämmiger Gutsbesitzer auf ihre Seite ziehen. Infolgedessen bildete sich eine nationalistische Regierung unter der Führung der estnischen Sozialdemokraten, die sich auch militärisch im Folgejahr gegen die Roten behaupten konnte.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Vejas Gabriel Liulevicius: Kriegsland im Osten. Eroberung, Kolonisierung und Militärherrschaft im Ersten Weltkrieg 1914–1918. Hamburger Edition, Hamburg 2002, ISBN 3-930908-81-6.
  • William C. Fuller jr.: The Eastern Front. In: Jay Winter, Geoffrey Parker, Mary R. Habeck: The Great War and the twentieth century. Yale University Press, New Haven/London 2000, ISBN 0-300-08154-5.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gerhard Hirschfeld (Hrsg.): Enzyklopädie Erster Weltkrieg. Schöningh, Paderborn 2003, ISBN 3-506-73913-1, S. 266.
  2. Elisabeth Kovács: Untergang oder Rettung der Donaumonarchie? Band 1: Kaiser und König Karl I. (IV.) und die Neuordnung Mitteleuropas (1916–1922). Böhlau, Wien 2004, ISBN 3-205-77237-7, S. 310.