Operation Sommerregen

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Dieser Artikel beschreibt eine israelische Militäroperation. Die vom Bundesnachrichtendienst unter dem Decknamen „Operation Sommerregen“ geführte Geheimoperaton steht unter Operation Sommerregen (Bundesnachrichtendienst).
Operation Sommerregen
Karte des Gazastreifens
Karte des Gazastreifens
Datum 25. Juni 200628. August 2006[1]
Ort Gaza-Streifen
Casus Belli Entführung der Gebrüder Muamar durch Israel, Tötung zweier israelischer Soldaten sowie Entführung von Gilad Schalit durch militante Palästinenser.
Ausgang Abbruch während des Libanonkrieges 2006.
Konfliktparteien
Flag of Hamas.svg Hamas
Volkswiderstandskomitee
al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden
Armee des Islam
IsraelIsrael Israel
Befehlshaber
Chalid Maschal (Anführer der Hamas[2])
Muhammad Daif (Führer der Qassam-Brigaden)
Dan Chalutz (Stabschef)
Jo'aw Galant (Regional)
Verluste
202 Militante getötet
70 Zivilisten getötet
4 Polizisten getötet
2 Angehörige der Präsidentengarde getötet
800+ verletzt [3]
4 Soldaten getötet
16 Soldaten verwundet
1 Soldat gefangen
18 Zivilisten verletzt [3]

Operation Sommerregen (hebräisch ‏מבצע גשמי קיץ‎, Miwtza gischmei kaitz) ist der militärische Codename einer Aktion der israelischen Streitkräfte (Tzahal) Ende Juni 2006 im Gazastreifen, die nach der Gefangennahme eines 19-jährigen Soldaten durch militante Palästinenser begann.

In der Nacht zum 28. Juni überschritten die israelischen Truppen die Demarkationslinie und besetzten erneut Teile des Gazastreifens, nachdem zwischen August und September 2005 Israels einseitiger Abkoppelungsplan unter der Leitung von Ariel Scharon durchgesetzt worden war.

Eine Resolution des UN-Sicherheitsrates mit dem Ziel einer Verurteilung Israels wegen unverhältnismäßigen Gewalteinsatzes scheiterte am 13. Juli 2006 am Veto der Vereinigten Staaten.[4]

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Am 28. März schossen Militante der Bewegung Palästinensischer Islamischer Dschihad eine 122-mm-Katjuscha-Rakete aus dem Gazastreifen auf Israel ab.[5] Diese Raketen werden sonst regelmäßig von der Hisbollah verwendet und wurden nie zuvor aus dem Gazastreifen abgeschossen. Eine größere Zahl von Qassam-Raketen schlagen in dem westlichen Negev ein; 49 im März, 64 im April, 46 im Mai und über 83 im Juni. Vor dem Wahlsieg der Hamas wurden die meisten Raketenabschüsse durch den Islamischen Dschihad ausgeführt. Seitdem werden auch andere Gruppen bezichtigt, diese Raketen abzuschießen.

Strandzwischenfall von Bait Lahiya[Bearbeiten]

Die israelische Armee nimmt regelmäßig Stellungen unter Beschuss, die nach ihren Angaben von militanten Palästinensern zum Abschuss von Raketen verwendet werden.[6][7]

Am 9. Juni wurden bei einer Explosion an einem Strand in der Nähe von Bait Lahiya im Gazastreifen acht Palästinenser getötet. Mindestens dreißig weitere wurden verletzt.[8] Human Rights Watch und das palästinensische Innenministerium beschuldigen die Tzahal, den Zwischenfall durch Artilleriebeschuss verursacht zu haben. Die israelische Armee weist die Verantwortung von sich und macht eine Mine oder einen älteren, nicht explodierten Blindgänger für die Explosion verantwortlich. Hamas beendete nach dem Zwischenfall offiziell die 16-monatige Waffenruhe und übernahm die Verantwortung für auf Israel abgeschossene Qassam-Raketen.[9]

Gefangennahme von Usama und Mustafa Muamar[Bearbeiten]

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Betrifft den 2. Absatz

Am frühen Morgen des 24. Juni 2006 drangen Kommandoeinheiten der israelischen Streitkräfte erstmals seit dem israelischen Abzug im Jahre 2005 wieder in den Gazastreifen ein.[10] Im Haus der Familie Muamar in der Nähe von Rafah, in der Ortschaft Umm al-Nasser, nahmen sie um 3.30 Uhr Ortszeit (0.30 Uhr GMT) Osama und Mustafa Muamar gefangen und schafften beide nach Israel.[11]

Ein Hamas-Sprecher erklärte später, dass die beiden Brüder keine Hamasmitglieder seien. Örtliche Hamasangehörige sagten dagegen aus, dass der Vater der beiden ein bekanntes Mitglied der Organisation sei. Über das weitere Schicksal der Muamar-Brüder gibt es bisher keine Informationen.

Tötung zweier israelischer Soldaten und Gefangennahme von Gilad Schalit[Bearbeiten]

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Am 25. Juni 2006 drangen Militante auf israelisches Gebiet vor. Sie benutzten für diese Aktion einen Tunnel, der zuvor in monatelanger Arbeit zum Schmuggel von Waffen gegraben worden war. Nach Überrumpelung eines Wachpostens der israelischen Armee bei Kerem Schalom wurden im Zuge des nachfolgenden Gefechts zwei israelische Soldaten getötet und der 19-jährige Korporal Gilad Schalit gefangengenommen. (Die israelische Regierung gab später an, diese Aktion sei der Anlass für den Beginn ihrer Militäroffensive im Gazastreifen gewesen. Sie berief sich aber auch darauf, den Beschuss der westlichen Negev-Wüste mit Qassam-Raketen vom Gazastreifen aus stoppen zu wollen).

Das radikalislamische Volkswiderstandskomitee, die bisher unbekannte Gruppe Armee des Islam sowie die als militärischer Arm der Hamas geltenden Izz-ad-Din-al-Qassam-Brigaden bekannten sich gleichermaßen zur Verschleppung des Soldaten und forderten für seinen Austausch die Freilassung aller weiblicher und jugendlicher palästinensischer Gefangener. Unter den 8500 in Israels Gefängnissen einsitzenden Palästinensern, befinden sich ca. 100 Frauen und 330 Jugendliche. Der Finanzminister der von der Hamas geführten palästinensischen Regierung bezeichnete die Forderungen der Entführer als „folgerichtig“.

Militärische Operation[Bearbeiten]

Eindringen in den südlichen Gazastreifen[Bearbeiten]

Am 28. Juni warf die israelische Luftwaffe (IAF) über dem Gazastreifen Flugblätter ab, die die Bevölkerung vor der bevorstehenden Militäraktion warnen sollten. Anschließend zerstörte die IAF mehrere Brücken‘ – angeblich um den Geiselnehmern etwaige Fluchtwege abzuschneiden‘ – sowie das einzige Elektrizitätswerk des Gazastreifens. Danach rückten 3000 israelische Soldaten bei Chan Yunis in den südlichen Gazastreifen einQuelle?. Israelische Truppen besetzten auch den internationalen Flughafen von Gaza.[12]

Das Volkswiderstandskomitee reagierte auf die Kampfhandlungen mit der Bekanntgabe der Entführung des 18-jährigen Siedlers Elijahu Ascheri aus Itamar im Westjordanland. Die Organisation drohte mit der Ermordung Ascheris, falls die Invasion nicht gestoppt würde.[13] (Am 29. Juni fanden Einheiten der Tzahal Ascheri erschossen in einem verlassenen Auto auf einem Feld bei Ramallah. Nach israelischen Angaben war der Student bereits kurz nach seiner Entführung am 25. Juni mit einem Kopfschuss getötet worden.[14] – Die Organisation hatte sich zu Ascheris Entführung bekannt, aber Einheiten der Tzahal nahmen später vier Verdächtige fest, die Aktivisten der zur Fatah gehörenden al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden und Angehörige palästinensischer Sicherheitseinheiten sind.[15])

Durch die al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden wurde später bekanntgegeben, dass sie einen weiteren Israeli entführt hätten. Noach Moskowich aus Rischon leTzion wurde allerdings in der Nähe der Stelle tot aufgefunden, an der er zuletzt gesehen worden war. Sein Tod hatte offensichtlich natürliche Ursachen.[16][17]

Bei Einbruch der Nacht begannen israelische Einheiten damit, den Gazastreifen mit Mörsergranaten zu beschießen, und zerstörten israelischen Angaben zufolge zwei Lagerhäuser, in denen sich Waffen befanden.[18]

Eindringen in den nördlichen Gazastreifen[Bearbeiten]

Am Abend des 28. Juni 2006 marschierten Panzer und Truppen der Tzahal an der nördlichen Grenze des Gazastreifens auf und nahmen strategische Positionen für die zweite Phase der Operation ein, deren Ziel nach israelischen Angaben die Abschussbasen der Qassam-Raketen waren.[19] Der Qassam-Raketenbeschuss wurde kontinuierlich fortgesetzt und in den frühen Morgenstunden des 29. Juni begannen israelische Kriegsschiffe damit, Mörsergranaten auf die Stellen abzufeuern, von denen Raketen aufgestiegen waren.[20]

Darstellungen von Augenzeugen zufolge wurde auch die Islamische Universität Gaza von einer Rakete getroffen.[21] Weiter wurde berichtet, dass israelische Panzer, Truppen und Planierraupen in den nördlichen Gazastreifen eingedrungen seien. Ägypten appellierte, mehr Zeit für Verhandlungen zu ermöglichen. Daraufhin gab die israelische Armee eine Unterbrechung der zweiten Phase bekannt, um den Militanten die Herausgabe Schalits zu ermöglichen.[22]

Gefangennahme von Mitgliedern der Hamas[Bearbeiten]

Am 29. Juni nahmen israelische Truppen im Westjordanland 64 führende Hamas-Mitglieder fest, unter ihnen acht Regierungsmitglieder der Palästinensischen Autonomiebehörde und bis zu zwanzig Abgeordnete des Palästinensischen Legislativrates.[23] Unter den Verhafteten waren Finanzminister Abed Rayek, Arbeitsminister Muhammad Barghuti[12], der Minister für religiöse Angelegenheiten Nayif ar-Radschub (sein Bruder Dschibril ar-Radschub ist Mitglied der rivalisierenden Fatah), ferner die Nummer zwei der Hamas-Wahlliste Muhammad Abu Tir und einige Vorsitzende von Regionalräten, sowie der Bürgermeister von Qalqiliya und sein Stellvertreter. In der Folge gingen Repräsentanten der Hamas in den Untergrund. Nach Aussage der Tzahal seien die gefangenen Minister kein Faustpfand für die Freilassung von Schalit, sondern einfach eine Operation gegen eine terroristische Organisation.[24] Die israelische Armee und Regierungsmitglieder kündigten an, dass die Festgenommenen in Israel angeklagt und vor Gericht gestellt werden sollten.[25]

Die Operation war nach Presseberichten bereits Wochen zuvor geplant und mit dem israelischen Generalstaatsanwalt Menachem Matzutz abgestimmt worden. Matzutz wolle die Verhafteten anklagen, weil sie es versäumt hatten, Terroranschläge zu verhindern und weil sie Mitglieder in einer Terrororganisation seien. Die Höchststrafe für diese Vergehen beläuft sich in Israel auf zwanzig Jahre Gefängnis und das Verfahren findet, wie bei Einwohnern des Gazastreifens und des Westjordanlands üblich, vor einem Militärgericht statt.[26] – Im späteren Verlauf des Konfliktes wurde am 6. August Abd al-Aziz Duwaik, der Sprecher des Palästinensischen Legislativrates, in seinem Haus im Westjordanland unter Hausarrest gestellt.[27]

Israelische Luftangriffe auf Gaza[Bearbeiten]

Am 30. Juni begann die israelische Luftwaffe im Gazastreifen mit einer Reihe von Bombenangriffen auf verschiedene Ziele. In der Nacht attackierten israelische Kampfflugzeuge unter anderem auch ein Büro der Fatah, sowie das Innenministerium in Gaza-Stadt. Die Tzahal meldete auch einen Angriff auf das Büro des Innenministers Said Sizam. Nach Ansicht der Tzahal handelte es sich bei dem Büro um einen Treffpunkt zur Planung und Steuerung von Terroraktivitäten. In einem getrennten Luftschlag trafen drei Raketen das Büro von Chalid Abu Ilal, einen Beamten des Innenministeriums, der ebenfalls einer Pro-Hamas-Miliz vorsteht.[28]

In der Nacht zum 1. Juli zerstörte Israel sieben wichtige Straßen im Gazastreifen durch Luftangriffe. Das israelische Militär erklärte, so sollte die Bewegungsfreiheit der Entführer Schalits weiter eingeschränkt werden. Diese wiederum weiteten ihre Forderung nach der Freilassung aller weiblichen und jugendlichen palästinensischen Gefangenen in Israel auf alle älteren und kranken aus. Quelle?

Nachdem die israelische Armee den palästinensischen Ministerpräsidenten Ismail Haniyya gewarnt hatte, er könne zu einem Angriffsziel werden, falls Schalit nicht freigelassen werde[29], feuerte die IAF am frühen Morgen des 2. Juli 2006 zwei Raketen auf das Büro des palästinensischen Regierungschefs.[30]

Raketenfeuer nach Israel und die israelische Reaktion[Bearbeiten]

Der 4. Juli 2006 bedeutet einen neuen Höhepunkt des Raketenfeuers von Gaza aus auf israelisches Gebiet, da erstmals eine offenbar verbesserte Qassam-Rakete das Zentrum von Aschkelon erreichte. Die Rakete traf einen leeren Schulhof und verursachte nur Sachschaden.[31]

Am nächsten Tag schlugen zwei weitere Raketen in südlichen Stadtvierteln von Aschkelon ein und verletzten 8 Zivilisten. Daraufhin erhielt die Tzahal den Befehl, die Offensive im nördlichen Gazastreifen auszuweiten. Das erklärte Ziel der Operation war es, die Milizen weiter nach Süden abzudrängen, um dadurch Aschkelon und andere Küstenorte aus der Reichweite des Raketenbeschusses zu bringen.[32]

Das israelische Sicherheitskabinett hatte am 5. Juli 2006 für eine längere und gründlichere Militäraktion im Gazastreifen verlangt. In einer Verlautbarung hieß es, dass „Vorbereitungen getroffen werden, eine Änderung der Spielregeln und der Verfahrensweise mit der Palästinensischen Autonomiebehörde und Hamas herbeizuführen.“

Am selben Tag haben israelische Soldaten in der sich im Westjordanland befindlichen Stadt Barkan, in der Nähe von Ariel, einen Palästinenser festgenommen, der einen Gürtel mit Explosivstoffen trug. Nach Angaben der Tzahal hätte der Mann einen Anschlag in einer israelischen Großstadt geplant.[33]

Am 6. Juli 2006 besetzte die Golani-Brigade mit Unterstützung durch die Luftwaffe und Artilleriefeuer die ehemaligen israelischen Siedlungen Dugit, Nisanit und Elei Sinai im nördlichen Gazastreifen. Zur Errichtung einer Sicherheitszone rückten israelische Panzer am 6. Juli 2006 bis in die Außenbezirke von Bait Lahiya vor. Dabei verloren sechs palästinensische Zivilisten und ein israelischer Soldat ihr Leben. 55 Palästinenser, darunter 15 Kinder, wurden bei dem Vorstoß verletzt.[34]

In einem Artikel in dem israelischen Nachrichtenportal Ynetnews wird die Situation in den Augen eines palästinensischen Einwohners lebhaft beschrieben:

„Es ist ein verrücktes Bild – jeder schießt auf jeden. … Soldaten tauchen aus den Bäumen auf, von Häuserdächern. Die Bewohner wissen nicht, ob sie ihre Wohnungen verlassen sollten oder sich verstecken.“[35]

Qassam-Raketen schlug auch bei Netiwot,[36] Sa'ad[37] und einigen anderen kleineren Ortschaften und Kibbutze in der Negev ein.[38]

Weitere Ereignisse[Bearbeiten]

Die israelische Armee rückte weiterhin nicht weiter in den nördlichen Gaza-Streifen ein; nach Informationen der Zeitungen Haaretz und Jedi’ot Acharonot beruhte diese Taktik auf Befürchtungen des israelischen Regierungschefs Ehud Olmert, in dem eng besiedelten Gebiet zahlreiche Opfer in Armee und Zivilbevölkerung hinnehmen zu müssen. Die Meinungen der israelischen Zeitungen in Hinblick auf die vermehrt gegen die palästinensische Hamas-Regierung gerichtete Operation Sommerregen waren gespalten: einerseits wurde die Chance gesehen, endgültig mit Hamas aufzuräumen, andererseits war von einer militärischen Eskalation frei von jeder Logik die Rede.[39]

Am 3. Juli forderten die Entführer ultimativ die Freilassung 1.000 palästinensischer Gefangener binnen 24 Stunden, anderenfalls werde Schalit getötet. Der arabischen Zeitung al-Hayat zufolge habe ein ägyptisches Vermittler-Team Schalit besucht, der zwar verletzt, aber in ärztlicher Behandlung sei. Israel weitete seine Offensive aus: 25 Panzer drangen in den nördlichen Gazastreifen ein; bei Angriffen auf Räume der al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden wurden drei Palästinenser getötet und vier weitere verletzt.[40] Das dezimierte palästinensische Parlament beschloss, Israel wegen der Verhaftungen von 30 Abgeordneten und Ministern beim Internationalen Gerichtshof in Den Haag zu verklagen.[41]

30 Panzer der israelischen Armee rückten am 4. Juli bis nach Bait Hanun im nördlichen Gazastreifen vor. Bei mehreren Zwischenfällen wurden zwei Palästinenser getötet und vier weitere verletzt. Der Sprecher der Gruppe Islamische Armee deutete trotz Ablauf des Ultimatums an, dass Schalit noch am Leben sei. Der internationale Grenzübergang Erez wurde gesperrt, so dass zahlreiche Ausländer, darunter vor allem Journalisten, im Gazastreifen festsitzen.[42][43]

In der Nacht zum 8. Juli rückten israelische Bodentruppen in Vororte von Gaza-Stadt ein, wobei es zu heftigen Gefechten kam. Israel zog sich aus den in den Vortagen besetzten Gebieten im nördlichen Gaza-Streifen zurück, schloss aber eine Rückkehr nicht aus.[44]

Situation im Gazastreifen während des Libanonkrieges 2006[Bearbeiten]

Nachdem am 12. Juli 2006 der Beschuss Nordisraels durch Katjuscha-Raketen und die Gefangennahme zweier israelischer Soldaten die israelische Militäraktion ausgelöst hat, die zum Libanonkrieg 2006 führte, ist der Konflikt im Gazastreifen aus dem Brennpunkt des internationalen Medieninteresses geraten. Daran hat auch der spätere Waffenstillstand nichts geändert und manche Beobachter merken an, dass es sich bei dem Konflikt im Gazastreifen um einen „vergessene[n] Krieg“ handelt.[45]

Anschließende Militäraktionen[Bearbeiten]

Obwohl Israel die Operation Sommerregen während des Libanonkrieges beendet hat, haben israelische Truppen danach wiederholt örtlich und zeitliche beschränkte Militäroperationen im Gazastreifen durchgeführt. Hierzu gehören die Operation Regenmann, die Operation Vier Arten, sowie die Operation Fußspuren im Sand, die vor allem das Ziel hatte, von Militanten gegrabene Tunnels zum Schmuggel von Waffen unter der Philadelphi-Route hindurch zu zerstören. Keine dieser Aktionen kam allerdings den militärischen Zielen der Tzahal – die Befreiung von Gilad Schalit und die Beendigung des Beschusses durch Qassam-Raketen – näher.

Die israelische Armee hat allerdings ihre Taktik geändert und ist vom eher planlosen Beschuss des Gazastreifens mit Mörsergranaten abgerückt, um – so die Tzahal – Opfer unter den Zivilisten zu verringern. (Trotzdem kam es am 8. November 2006 zu einem folgenschweren Granatangriff in Bait Hanun, bei dem mindestens 19 Zivilisten getötet wurden[46]).

Mit der Verhaftung von Abd ar-Rahman Zaidan, des palästinensischen Ministers für Wohnungsbau und öffentliche Arbeiten, in seinem Haus bei Ramallah wurde am 4. November 2006 bereits der zehnte Minister seit dem Beginn der Krise festgenommen.[47]

Nebenschauplatz Westjordanland[Bearbeiten]

Gleichwohl das Westjordanland gemeinsam mit dem Gazastreifen das Gebiet der Palästinensischen Autonomiebehörde bildet, ist es bisher dort nicht zu größeren Auseinandersetzungen zwischen der Tzahal und Palästinensern gekommen. Im Gegensatz zum Gazastreifen ist die Westbank allerdings weitgehend unter Kontrolle israelischer Truppen. Nur vereinzelt kommt es hier zu Zwischenfällen zwischen der israelischen Armee und militanten Palästinensern.

Operation Herbstwolken[Bearbeiten]

Hauptartikel: Operation Herbstwolken

Am 1. November 2006 startete das israelische Militär unter dem Namen Operation Herbstwolken eine neue Offensive im Norden des Gazastreifens.[48] Ziel waren zunächst palästinensische Stellungen in der Nähe von Bait Hanun, von denen in den vergangenen Wochen Raketen auf israelische Dörfer abgeschossen wurden. In den folgenden Tagen wurden erneut gezielt Mitglieder des bewaffneten Arms der Hamas sowie der al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden getötet.[49]

Da nach palästinensischen Angaben auch zahlreiche zivile Opfer bei der Militäroperation zu beklagen sind, rief Palästinenserpräsident Abbas den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zum Eingreifen auf.[50] Der Sicherheitsrat befasst sich mit einem Resolutionsentwurf, der von Katar eingebracht worden war, aber der Entwurf scheiterte am Veto der Vereinigten Staaten.[51]

Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung[Bearbeiten]

Der Uno-Menschenrechtsrat kritisierte das israelische Vorgehen als „unverhältnismäßig“ und warf Israel eine Missachtung der Menschenrechte vor.[52]

Die Zerstörung des einzigen Elektrizitätswerks des Gaza-Streifens bedeutete neben dem Stromausfall, der 750000 Menschen betraf, auch die Gefährdung der Trinkwasserversorgung, da diese vor allem durch elektrische Pumpen gewährleistet ist. Das Zerstören von Wasser- und Elektrizitätswerken gilt als Kriegsverbrechen. Ebenso ist die Medikamentenversorgung in den Krankenhäusern wegen Israels restriktiver Grenzkontrollen und dem internationalen Wirtschaftsboykott gefährdet.

Reaktionen[Bearbeiten]

Außenminister der Staaten der Europäischen Union sowie die USA und die UNO äußerten Besorgnis angesichts der Eskalation.

Regierungsmitglieder von Russland, USA, Deutschland und die UNO forderten erneut zu Verhandlungen auf. Der palästinensische Ministerpräsident Ismail Haniyya forderte die Freilassung der Geisel, kritisierte aber zugleich die israelische Offensive als gegen die Hamas-Regierung gerichtet.[53]

In einer Umfrage zwischen dem 4. und 7. Juli unter mehr als 1000 Palästinensern stimmten 96,3 % der Befragten den Forderungen nach „Gegenleistungen“ für eine Freilassung des entführten israelischen Soldaten zu, nur 2,9 % sind für eine bedingungslose Befreiung Schalits. Knapp die Hälfte der Befragten bevorzugte eine Freilassung der in Israel inhaftierter Frauen und Jugendlichen gegenüber anderen durch die Entführer aufgebrachten Forderungen.[54]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Y-net.com:Gaza: IDF kills 4 Hamas members 28. August 2006
  2. Ynetnews:PM: No Hamas member is immune 2. Juli 2006
  3. a b 2006 Israel-Gaza conflict casualities timeline (englisch)
  4. Reuters: US vetoes UN resolution urging end to Israeli attacks in Gaza, 13. Juli 2006
  5. BBC: Katyusha rocket fired from Gaza, 28. März 2006
  6. The Independent: Israel steps up attacks on Gaza military bases, 11. Juni 2006
  7. Al-Jazeera: Israeli air strike kills two Hamas men, 11. Juni 2006
  8. BBC: Hamas militants vow to end truce, 10. Juni 2006
  9. BBC: Hamas breaks truce with rockets, 10. Juni 2006
  10. The Observer: World in brief : Gaza Strip arrests, 25. Juni 2006 (abgerufen am 8. Oktober 2006)
  11. BBC: Israel captures pair in Gaza raid, 24. Juni 2006
  12. a b CNN: Settler's body believed found, 29. Juni 2006
  13. Ynetnews: Abductors present Eliyahu Asheri's ID card, 28. Juni 2006
  14. BBC: Seized Israeli settler found dead, 29. Juni 2006
  15. Ynetnews: Ramallah: IDF encircles Asheri murderers, 3. Juli 2006
  16. Arutz Schewa: Fatah Group Announces it Kidnapped 62-Year-Old Israeli, 28. Juni 2006
  17. Associated Press via Houston Chronicle: Israeli Police Find Body of Missing Man, 29. Juni 2006
  18. Haaretz: IAF strikes south Gaza in bid to press militants to free soldier, 29. Juni 2006
  19. Haaretz: IDF to launch anti-Qassam operation in northern Gaza, 29. Juni 2006
  20. Hanan Greenberg: Israeli navy fires shells on northern Gaza Strip, Ynetnews, 29. Juni 2006
  21. Reuters: Israel bombs Islamic University in Gaza-witnesses, 29. Juni 2006
  22. WPXI: Israel Turns Up Heat On Palestinian Militants, 29. Juni 2006
  23. United Nations: Israelis, Palestinians urget to 'step back from the brink', avert full-scale conflict, as Securitz Council debates events in Gaza, 30. Juni 2006
  24. BBC: Israel justifies Hamas detentions, 29. Juni 2006
  25. The Guardian: Israelis Arrest Dozens of Hamas Officials, 29. Juni 2006
  26. Haaretz: משרד המשפטים: ישראל תמשיך במעצר בכירי חמאס / IDF beginnt mit Festnahmen von Funktionären im Gazastreifen , 29. Juni 2006 (hebräisch)
  27. BBC: Airstrikes and artillery pound Gaza, 6. August 2006
  28. The Guardian: Israeli jets pound Gaza targets, 30. Juni 2006
  29. The Australian: Israel warns: free soldier or PM dies, 1. Juli 2006
  30. BBC: Airstrike on Palestinian PM's HQ, 2. Juli 2006
  31. Haaretz: Qassam rocket hits school in center of Ashkelon, 5. Juli 2006
  32. Haaretz: Large IDF force prepared to capture deep swath of northern Gaza, 5. Juli 2006
  33. Jerusalem Post: Would-be bomber caught in West Bank, 5. Juli 2006
  34. Spiegel: Tote bei Kämpfen im Gaza-Streifen, 6. Juli 2006
  35. Ynetnews: Gaza:2 Killed, 12 Hurt in IAF Strike, 6. Juli 2006
  36. Haaretz: Three people lightly wounded in weekend Qassam barrage, 10. Juli 2006
  37. Ynetnews: Qassam lands in Kibbutz Saad in western Negev, 7. Juli 2006
  38. Haaretz: Qassam fire increases on first day of IDF operation, 9. Juli 2006
  39. Spiegel Aksa-Brigaden brüsten sich mit neuer Entführung, 30. Juni 2006
  40. Spiegel: Militante Palästinenser stellen Israel Ultimatum, 3. Juli 2006
  41. Spiegel: Palästinenser wollen Israel in Den Haag verklagen, 3. Juli 2006
  42. Spiegel: Israels Panzer rücken vor, 3. Juli 2006
  43. Spiegel: Nervenkrieg nach Ablauf des Ultimatums, 4. Juli 2006
  44. Spiegel: Israel dringt in Gaza-Stadt ein, 8. Juli 2006
  45. Berliner Zeitung: Der vergessene Krieg, 16. August 2006
  46. Haaretz: How a Beit Hanun family was destroyed, 13. November 2006
  47. Haaretz: 26 Palestinians killed in IDF Gaza raids over weekend, 4. November 2006
  48. Der Tagesspiegel: Offensive im Gazastreifen, 2. November 2006
  49. Die Zeit: Gaza: Offensive wird fortgesetzt, 3. November 2006
  50. Kölner Stadt-Anzeiger: Abbas ruft UN zum Eingreifen in Gaza auf, 4. November 2006
  51. Vereinte Nationen: Security Council fails to adopt draft resolution on Middle East, owing to negative Vote by United States, 11. November 2006
  52. Spiegel: Uno wirft Israel Verstoß gegen Menschenrechte vor, 5. Juli 2006
  53. Spiegel: Hanija um Freilassung israelischer Geisel bemüht, 30. Juni 2006
  54. AsiaNews.it: Most Palestinians want release of kidnapped Israeli soldier, 17. Juli 2006