Optokinetischer Nystagmus

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Optokinetischer Nystagmus

Als Optokinetischer Nystagmus (OKN) wird ein natürlicher Bewegungsreflex der Augen bezeichnet, ein Nystagmus (Augenzittern), der nicht krankhaft ist, sondern eine normale Reaktion des visuellen Systems zur Bildstabilisierung darstellt.

Der Reflex setzt sich aus zwei Phasen zusammen. Eine langsamen Phase, bei der die sich bewegende Umwelt mit einer Folgebewegung betrachtet wird, deren Geschwindigkeit in etwa derjenigen des bewegten Reizes entspricht, sorgt für eine relative Stabilisierung der Bildposition im foveolaren Bereich der Netzhaut (Retina). Eine schnelle Sakkade bringt die Blicklinien entgegen der retinalen Bildverschiebung wieder in die Ausgangslage zurück. Die Schlagrichtung des Nystagmus wird nach der schnellen Rückstellbewegung benannt. Ein beispielsweise rechtsschlägiger OKN besteht also aus einer langsamen Bewegung der Augen nach links und einer schnellen Rückstellbewegung nach rechts. Der Reflex kann unter anderem beobachtet werden, wenn aus einem Zugfenster heraus die vorbeigleitende Landschaft betrachtet wird („Eisenbahnnystagmus“).

Für die Auslösung dieser Reaktion gibt es zwei Verarbeitungspfade: einen kortikalen und einen subkortikalen. Beim kortikalen Pfad wird die visuelle Information von der Retina über das Corpus geniculatum laterale in den visuellen Kortex (MT, mediotemporales Areal) geleitet. Von dort gibt es Projektionen zum Praetektum, von welchem wiederum die Kerne der Augenmuskelnerven im Hirnstamm angesteuert werden können. Der subkortikale Pfad projiziert direkt in das Praetektum, wo beide Systeme gekoppelt werden.

Für den kortikalen Pfad reichen bereits kleinere bewegte Bildausschnitte. Um den subkortikalen Pfad anzusprechen, muss eine großflächige Bewegung der Umwelt gegeben sein. Dies am Beispiel des „Eisenbahnnystagmus“ erläutert: Schaut man gedankenverloren aus dem Fenster, so führen die Augen den sogenannten Stiernystagmus aus. Er zeichnet sich durch relativ kurze Folgephasen aus. Sieht man plötzlich etwas Interessantes, oder versucht man herauszufinden, wo man sich befindet, so führen die Augen den Schau-Nystagmus aus, bei dem die Folgephasen sehr lang sind und die Augengeschwindigkeit sehr gut mit der Reizgeschwindigkeit übereinstimmt.

Im Gegensatz hierzu dienen vestibuläre Kompensationsbewegungen wie bspw. der vestibulo-okuläre Reflex dem Ausgleich kurzfristiger und schneller Drehbeschleunigungen zur Vermeidung von "Wackelbildern". Das optokinetische und vestibuläre System bilden deshalb untereinander eine ideale Ergänzung zur Bildstabilisierung.

Bei niederen Säugern kann der OKN bei monokularer Betrachtung nur in temporo-nasaler Richtung (von außen nach innen) ausgelöst werden, beim Menschen z.B. kann er sowohl in temporo-nasaler als auch in naso-temporaler Richtung ausgelöst werden. Die naso-temporale Richtung muss allerdings erst gelernt werden, so dass sie bei Säuglingen noch nicht beantwortet wird.

Störungen des optokinetischen Nystagmus können Anzeichen neurologischer Erkrankungen darstellen oder auch Symptome einer supranukleären Augenbewegungsstörung sein.

Literatur[Bearbeiten]

  • Herbert Kaufmann (Hrsg.): Strabismus. Unter Mitarbeit von Wilfried de Decker u. a. Enke, Stuttgart 1986, ISBN 3-432-95391-7.
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