Oradour-sur-Glane

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Oradour-sur-Glane
Wappen von Oradour-sur-Glane
Oradour-sur-Glane (Frankreich)
Oradour-sur-Glane
Region Limousin
Département Haute-Vienne
Arrondissement Rochechouart
Kanton Saint-Junien-Est
Koordinaten 45° 56′ N, 1° 2′ O45.9319444444441.0316666666667Koordinaten: 45° 56′ N, 1° 2′ O
Höhe 227–312 m
Fläche 38,16 km²
Einwohner 2.325 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 61 Einw./km²
Postleitzahl 87520
INSEE-Code

Blick auf das „neue Dorf“
.

Oradour-sur-Glane (okzitanisch Orador de Glana) ist eine französische Gemeinde mit 2325 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011) im Département Haute-Vienne in der Region Limousin. Sie liegt 200 Kilometer nordöstlich von Bordeaux im nordwestlichen Teil des Zentralmassivs, 22 km nordwestlich von Limoges. Der Ortsname leitet sich vom lateinischen oratorium „Gebetsstätte“ ab.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Auf dem Gemeindegebiet gelten kontrollierte Herkunftsbezeichnungen (AOC) für Butter (Beurre Charentes-Poitou, Beurre des Charentes und Beurre des deux Sevres) sowie geschützte geographische Angaben (IGP) für Kalbfleisch (Veau du Limousin), Lammfleisch (Agneau du Limousin und Agneau du Poitou-Charentes), Schweinefleisch (Porc du Limousin), Schinken (Jambon de Bayonne) und Wein (Haute-Vienne blanc, rosé oder rouge).[1]

Das Massaker von Oradour[Bearbeiten]

Hauptartikel: Massaker von Oradour

Bekannt wurde der Ort vor allem durch ein während des Zweiten Weltkrieges am 10. Juni 1944 von der Waffen-SS verübtes Kriegsverbrechen, bei dem der komplette Ort zerstört und fast alle seine Einwohner ermordet wurden.

Nach dem Krieg wurde neben dem zerstörten alten ein neuer Ort aufgebaut. Den Überresten des alten Dorfes ist heute eine Mahn- und Gedenkstätte mit einem Dokumentationszentrum angeschlossen, das Centre de la mémoire. Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck besuchte am 4. September 2013 als erster deutscher Spitzenpolitiker diese Gedenkstätte und hielt eine Rede. Hand in Hand mit dem französischen Staatspräsidenten François Hollande gedachten beide Präsidenten der Gräueltaten der Waffen-SS. Diese Geste wird auch dadurch bedeutsam, dass die Hinterbliebenen in Oradour jahrzehntelang jeden offiziellen Kontakt zu Deutschland ablehnten[2] und selbst französisch-staatliche Erinnerungsmale lange Zeit systematisch ignoriert bzw. durch ein eigenes „Privat“-Mahnmal ergänzt hatten.[3] In einem Prozess vor einem französischen Gericht wurden die aus dem Elsass stammenden Täter der Einheit 1953 zu Haftstrafen verurteilt; durch ein Amnestiegesetz kamen sie aber frei.[4]

Friedhof[Bearbeiten]

Der Friedhof von Oradour-sur-Glane, auf französisch Cimetière d'Oradour-sur-Glane, liegt zwischen dem nach dem Massaker von Oradour 1946 zum historischen Denkmal erklärten Ruinendorf und dem von 1947 bis 1953 wiederaufgebauten Ort. Er ist mit Ausnahme eines Gebäudes, dem so genannten Maison d'Oradour, die einzige Infrastruktur-Einrichtung des Ortes, welche ihre Auslöschung am 10. Juni 1944 durch die Waffen-SS unbeschadet überstanden hat und noch heute ihre Funktion ausübt.

Aufgrund der vielen Besucher, die das Ruinendorf und das 1999 eröffnete Centre de la mémoire jedes Jahr zählen, ist der Friedhof der kleinen Gemeinde einer der meistbesuchten in Frankreich. Er bildet meist den Abschluss der Besichtigungen des Ruinendorfes.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2011
Einwohner 1.671 1.759 1.941 1.998 2.025 2.188 2.325

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Oradour-sur-Glane – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Fußnoten[Bearbeiten]

  1. La ville d'Oradour-sur-Glane. In: Annuaire-Mairie.fr. Abgerufen am 7. Juli 2012 (französisch).
  2. Gauck besucht das Dorf der SS-Schande. In: n-tv.de. Abgerufen am 4. September 2013.
  3. Die Ursachen hängen mit der Aufarbeitung des Massakers durch den französischen Staat in den Jahren nach dem Kriegsende zusammen. Ein nicht geringer Teil der auf deutscher Seite beteiligten SS-Soldaten waren Elsässer (Elsass-Lothringen wurde nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1871 deutsch; es wurde am Ende des Ersten Weltkrieges von französischen Truppen besetzt und im Versailler Vertrag von Frankreich zurückverlangt; von Juni 1940 bis zur Rückeroberung durch Truppen der Westalliierten 1944/45 (Kämpfe um Elsass und Lothringen (1944)) war es vom Deutschen Reich bzw. vom NS-Regime annektiert worden).
  4. Rheinische Post vom 5. September 2013, Seite A5: Gaucks Versöhnungsgeste in Oradour (ein Vor-Ort-Bericht von Sylvie Stephan)