Oranger Wein

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Bei einem orangen Wein handelt es sich um einen Weißwein, der wie ein Rotwein hergestellt wird. Die Weißweintrauben werden mit den Beerenschalen (Maische) vergoren und extrahieren dadurch mehr Tannine und Farbstoffe aus den Beerenschalen. Oranger Wein ist gekennzeichnet durch eine dunkelgelbe bis orange Farbe. Ein Beispiel für einen traditionellen maischevergorenen Weißwein ist der Quevriwein aus Georgien. Einem internationalen Trend folgend wird Orange Wine auf vielfältig unterschiedliche Weise hergestellt – mit dem gemeinsamen Merkmal der Maischestandzeit.

Die Weine präsentieren sich extrem unterschiedlich in Aussehen, Geruch und Geschmack und können sehr gewöhnungsbedürftig sein. Orange Wine wird oft in begriffliche Nähe zum Naturwein (natural wines) gesetzt. Beide Weintypen sind voneinander unabhängig, aber vereinbar. Es wird eine sehr kleine Marktnische bedient (2014).

Geschichte[Bearbeiten]

Vom Weintyp gleichen orange Weine den Weinen, die in Quevris nach dem kachetischen Stil, d. h. durch Maischegärung, produziert werden. Historisch betrachtet ist die Weinherstellung in großen, in die Erde vergrabenen Tongefäßen wahrscheinlich die älteste Form der Weinherstellung.[1][2] Dieser Ausbau mittels Maischegärung in Quevris ist bis in die Antike in Georgien zurück verfolgbar und rund 4500 bis 5000 Jahre alt.[3][4] Amphoren waren das damals übliche Aufbewahrungs- und Transportgefäße für Flüssigkeiten. Quevris wurden speziell für die Weinerzeugung und Lagerung eigens erzeugt. Sie wurden aus statischen und klimatischen Gründen in den Boden vergraben.

Diese Art der Weinbereitung hat sich bis heute in Georgien gehalten und seit dem späten 20. Jahrhundert auch international wieder verbreitet, unter anderem in Italien, Slowenien, Kroatien, Deutschland, Österreich und Frankreich. Dabei haben sich beide charakterischtischen Merkmale, sowohl die Amphoren als auch die Maischegärung (Orange Wine), als voneinander unabhängige, eigenständige Methoden auf niedrigem quantitativen Niveau etabliert.

Herstellung[Bearbeiten]

Im Vordergrund eine leere und im Hintergrund mehrere im Boden eingegrabene Quevri zur Herstellung von Amphorenwein

Die Weinherstellung erfolgt mittels Maischegärung (Zeitdauer einige Wochen bis Monate) in Quevri, Fässern oder Tanks.[4][5][6] Durch den langen Kontakt mit der Maische extrahiert der Wein mehr Tannine und Farbstoffe, daher auch die dunkelgelbe bis orange Färbung und der Name. Die so erzeugten Weine sind oxidativ und besitzen eine starke und komplexe Textur, oft trüb und sind sehr gewöhnungsbedürftig. Sie haben weit mehr Gerbstoffe als gewöhnliche Weißweine. Der bei Qualitätswein geforderte und erkennbare Sortencharakter der Rebsorten geht bei dieser Weinherstellung vollkommen verloren. Nach der Maischegärung wird erst nach Wochen oder Monaten abgepresst. Die extrem lange Maischestandzeit prägt den Weincharakter stärker als der Lagerbehälter.[4][7]

Außerhalb Georgiens findet dieses Verfahren seit einigen Jahren Verwendung. Das Verfahren wird dabei sowohl traditionell verwendet als auch mit Methoden moderner Weinbereitung kombiniert.[8]

Abgrenzung[Bearbeiten]

Da es noch keine gesetzlichen Regelungen gibt und maischevergorene Weißweine nicht zur Tradition der meisten Weinanbaugebiete gehören, wird der Begriff gelegentlich sowohl in der Vermarktung als auch in der Kritik mit anderen Trends vermengt.[9][10] Der georgische Quevri[11] ist sowohl Orange Wine als auch Amphorenwein – es gibt jedoch sowohl Orange Weine ohne Amphore, als auch Amphorenweine, die nicht orange sind. Der Begriff Orange Wine ist dabei weniger etabliert als Amphorenwein.[12] Der Begriff Oranger Wein wird häufig auch als Überbegriff für diese Weine verwendet.

Beide Produktionsmethoden werden auch, jedoch weder zwangsläufig noch ausschließlich, von Winzern verwendet, die eine sogenannte Naturwein-Philosophie verfolgen.[13] Daher werden gelegentlich auch andere weinbauliche Methoden, die dem Spektrum des Naturweins zuzuordnen sind, dem Orange Wine zugeschrieben. Beispiele sind der Verzicht auf Schwefel.[14] Verwendung von Holzfässern oder eben Amphoren, Spontanvergärung (Verzicht auf Reinzuchthefen), keine Temperatursteuerung der Gärung oder oxidativer Ausbau. Dies sind jedoch weder notwendigen noch alleinige Eigenschaften eines Orange Wine, sondern sind weitere Methoden neben der Maischvergärung des Weißweins.

Diese Methode der Weinherstellung begünstigt das Entstehen von Weinfehlern. Maischstandzeit alleine ist jedoch bei den meisten Rebsorten beim Weißwein ebenso unkritisch wie beim Rotwein. Ein ungeschwefelt umgekippter und oxidierter Weißwein mag von der Farbe her einem Orange Wine ähneln, ist jedoch einfach ein umgekippter und oxidierter Wein.[15] Weinfehler sind häufig anzutreffen (im Sinne einer Qualitätsweinbeurteilung). Gerade Weine eines kleinen Teils der Erzeuger, für die Chemie und Mikrobiologie kaum von Interesse sind, unter Umständen mit einer bedenklichen Kellerhygiene, schädigen den Ruf des Marktsegmentes. Es seien eben authentische Weine und bestehen auf lokale Tradition. Betriebe vermarkten sich auch in der Form, dass sie sehr innovativ, individuell und experimentell sind. Sie erweitern mit diesen sehr unterschiedlichen Weinen die Diversität der Weinwelt. Sie wollen ein ganzheitliches Naturverständnis erkunden, welches zu einem neuen Lebensstil und Weinstil führt bzw. führen soll. Sie wollen unverwechselbare Unikatsweine erzeugen.[16]

Ähnlichkeit nur dem Namen nach besteht bei folgenden Getränken:

  • Obstwein, welcher aus Orangen hergestellt wird, wird auch als Orangenwein (englisch Orange wine) bezeichnet. Solche Weine werden in den Orangen-Anbaugebieten erzeugt. Ein Beispiel ist das Produkt eines spanischen Weinbauers, der aus ökologisch angebauten Orangen einen echten Orangenwein im klassischen Fermentierungsprozess herstellt und diesen Tarongino nennt. Die Orange wird in Valencia als „Taronja“ bezeichnet und ist ein Symbol für Tradition und ländliche Kultur von Valencia. Tarongino ist ein Kunstwort aus dem Wort „Taronja“ (span. Orange) und „Vino“ (span. Wein). [17] Da der Tarongino in verschiedenen Zitrusklassen (Tarongino, die klassische Orange, Clemetina (Mandarinen) und Sanguina (Blutorangen)) hergestellt wird, sind die Geschmacksrichtungen sehr unterschiedlich.
  • In Spanien werden süße Weißweine mit Orangenschalen 12 Monate in Holzfässern gelagert. Der so aromatisierte Süßwein hat eine dunkel-orange Farbe und einen komplexen, süßen und zarten, nach Orangen geprägten Geschmack.
  • Von der Herkunft her gibt es auch Weine, die mit dem Begriff Oranger Wein aber nichts zu tun haben. Weine aus dem Weinbaugebiet Châteauneuf-du-Pape (Weinbaugebiet), in dem auch die Stadt Orange liegt, kommen mit der Ortsangabe der Stadt Orange auf dem Markt.

Gesetzliche Regelung[Bearbeiten]

Bei den Bezeichnungen Orange Wein, naturbelassener Wein, Naturwein, (Natural wines), Amphorenwein oder Quevriwein handelt es sich um keine geschützten und klar definierten Begriffe. Grundlage der Erzeugung liefern die Erzeugervorschriften des Bio-Weinbaues speziell des biologisch-dynamischen Weinbaues. Dazu gibt es in den Ländern Zertifizierungsstellen Der Wein kann als Bio- oder Öko-Wein bezeichnet und vermarktet werden. Laut den derzeit gültigen gesetzlichen Reglungen der EU können diese Weine nicht als Qualitätswein in den Verkehr gebracht werden, sondern nur als Wein.

Offene Fragen[Bearbeiten]

Inwieweit sind solche Weine noch Terroirweine? Sollen sie nach den gleichen Kriterien beurteilt werden wie Weine nach den bestehenden gesetzlichen Regelungen? Sind diese Weine repräsentativere Jahrgangsvertreter? Sind diese andersartigen Weine dem Konsumenten vermittelbar?[16] Derzeit wird eine sehr kleine Marktnische bedient. Die Zukunft wird zeigen, wie sich dieser Weg weiterentwickelt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Quevris – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Quevri Methode zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt
  2. G. Binder, S. Ghvanidze: "Georgiens Weinwirtschaft im Umbruch", Deutsches Weinbau Jahrbuch 2012, Verlag Ulmer Stuttgart, ISBN 978-3-8001-7678-6, S 170 - 184
  3. Hugh Johnson: Hugh Johnsons Weingeschichte, Hallwag Verlag, 1989, S 14, ISBN 3-444-10370-0
  4. a b c Die ganze Welt des Weines - Nein, Georgien ist nicht die Wiege des Weinbaus ...
  5. Erzeugung der Tonamphoren in Georgien
  6. Ancient Georgian traditional Qvevri wine-making method - Altes traditionelles georgisches Qvevri Weinherstellungsmethode; mit englischen Untertiteln
  7. [1] Orange Wines? Pro & Kontra, Der Winzer 12/2012, Österreichischer Agrarverlag, Wien
  8. Bernd Weik: Alternative Behälter – andere Weinstile? In: Der Deutsche Weinbau. 29. November 2013. Nr. 24, S. 16–19.
  9. Egon J. Berger: Meine Erfahrungen bei der Vermarktung von Orange und Natural Wines, Vortrag beim Symposium der Vereinigung Österreichischer Önologen und Weinforscher Orange & Co - neue Weine begeistern die Konsumenten - begeistern sie auch die Experten?, 13. Dezember 2013, Kompetenzzentrum Weinbau der Höhere Bundeslehranstalt und Bundesamt für Wein- und Obstbau, Klosterneuburg
  10. Regionalinfo Franken, Orange – die vierte Farbe des Weins?, Der Deutsche Weinbau, 2/2014, S 35
  11. Robert Steidl: Amphorenweine - gestern und heute, Vortrag beim Symposium der Vereinigung Österreichischer Önologen und Weinforscher Orange & Co - neue Weine begeistern die Konsumenten - begeistern sie auch die Experten?, 13. Dezember 2013, Kompetenzzentrum Weinbau der Höhere Bundeslehranstalt und Bundesamt für Wein- und Obstbau, Klosterneuburg
  12. Josef Glatt: Orange Wine – eine neue Weinkategorie?, Der Winzer Nr. 12/2013, Österreichischer Agrarverlag, Wien, S 5
  13. Sepp Muster: Meine Erfahrungen mit der Herstellung von biodynamischen und Orangen Weinen, Vortrag beim Symposium der Vereinigung Österreichischer Önologen und Weinforscher Orange & Co - neue Weine begeistern die Konsumenten - begeistern sie auch die Experten?, 13. Dezember 2013, Kompetenzzentrum Weinbau der Höhere Bundeslehranstalt und Bundesamt für Wein- und Obstbau, Klosterneuburg
  14. Reinhard Eder: Möglichkeiten zur Einsparung von schwefeliger Säure bei der Weinbereitung, Vortrag beim Symposium der Vereinigung Österreichischer Önologen und Weinforscher Orange & Co - neue Weine begeistern die Konsumenten - begeistern sie auch die Experten?, 13. Dezember 2013, Kompetenzzentrum Weinbau der Höhere Bundeslehranstalt und Bundesamt für Wein- und Obstbau, Klosterneuburg
  15. Nina Prasnikar: Studie über Zusammensetzung von handelsüblichen Orange Weinen, Vortrag beim Symposium der Vereinigung Österreichischer Önologen und Weinforscher Orange & Co - neue Weine begeistern die Konsumenten - begeistern sie auch die Experten?, 13. Dezember 2013, Kompetenzzentrum Weinbau der Höhere Bundeslehranstalt und Bundesamt für Wein- und Obstbau, Klosterneuburg
  16. a b Andreas Essl: Naturwein – eine Auseinandersetzung, Österreichische Weinakademie.
  17. Tarongino aus fermentierten Orangen.