Orania

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zur Beschreibung der Palmengattung siehe Orania (Gattung).
Orania
Orania (Südafrika)
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Koordinaten 29° 49′ S, 24° 25′ O-29.81444444444424.412222222222Koordinaten: 29° 49′ S, 24° 25′ O
Basisdaten
Staat Südafrika

Provinz

Nordkap
Distrikt Pixley Ka Seme
Gemeinde Thembelihle
Einwohner 892 (2011)
Gründung Dezember 1990
Webauftritt www.orania.co.za (afrikaans)

Orania ist eine Siedlung in der südafrikanischen Provinz Nordkap. Sie liegt in der Wüstenregion Karoo im Distrikt Pixley Ka Seme. Nach der Volkszählung von 2011 lebten zu diesem Zeitpunkt hier 892 Menschen.[1] In diesem Ort dürfen seit 1990 nur Buren und Menschen, die sich mit den Buren identifizieren, leben. Orania versteht sich als Keimzelle eines neuen, burischen Staates entsprechend dem Volkstaat-Ideal. Die Einwohner sollen so selbständig wie möglich leben und arbeiten und nicht, wie in Südafrika üblich, Handarbeit etwa von schwarzen Arbeitern verrichten lassen.

Gründung und Status[Bearbeiten]

Im Dezember 1990 kauften etwa 40 burische Familien für etwa 1,4 Millionen Rand den damals baufälligen Ort, der aus 170 Baracken bestand, die das Wasserwirtschaftsamt der südafrikanischen Regierung einst für die Arbeiter eines Staudamms errichtet hatte. Die umgebende Fläche ist rund 3000 Hektar groß und gehört ebenfalls zu Orania. Angeführt wurden sie von Carel Boshoff, einem Schwiegersohn des früheren Premierministers Hendrik Verwoerd. Dies geschah einige Monate nach dem faktischen Ende der Apartheid und der Freilassung Nelson Mandelas. Als Motiv wurde die zunehmende Kriminalität im restlichen Südafrika angegeben, die auch zu Morden an weißen Farmern führte. 2004 brachte Orania mit der Ora eine eigene Währung heraus.

Bei den südafrikanischen Parlamentswahlen 2009 erzielte die Vryheidsfront Plus in Orania 243 von 279 Stimmen, während die Partei landesweit nur auf 0,83 % kam.[2]

Orania ist keine offizielle Kommune, sondern es handelt sich um Privatland der dort lebenden Menschen. Die Verwaltung der Siedlung obliegt der Aktiengesellschaft Vluyteskraal Aandeleblok. Die Lebenshaltungskosten sind etwa doppelt so hoch wie im Rest Südafrikas.[3]

Der Ort wird basisdemokratisch geleitet. Die Aktionäre wählen jährlich eine Direktion von sieben Personen mit einem Vorsitzenden. Dies ist zurzeit (2012) Carel Boshoff jr., Sohn des Gründers von Orania. Die Direktion funktioniert wie die Stadtverordnetenversammlung und stellt den Dorfmanager an, der wie ein Stadtkämmerer arbeitet. 2012 ist dies Frans de Klerk.

2012 wohnen 560 Familien in Orania. Der Ort verfügt über die modernsten Bewässerungsanlagen der Region, so dass Landwirtschaft, etwa der Anbau von Pekannussbäumen, möglich wurde. Zudem bestehen fast einhundert unternehmerische Einheiten in Orania.[4]

Die Orania Beweging (deutsch: „Orania-Bewegung“), eine Stiftung, die das Ideal des Burenstaates ausgehend von Orania verkünden soll und für den Kontakt mit Besuchern, Interessenten und Journalisten zuständig ist, wird von Jaco Kleynhans geleitet.[5] Laut Eigendarstellung hat die Orania Beweging rund 3000 Mitglieder[3] und unterhält Kontakte zu einer Gruppe von Xhosa in der Provinz Ostkap[6] sowie zu regionalistischen Bewegungen in Europa.[7][8] In Südtirol gibt es die Gruppe „Südtiroler Freundeskreis der Afrikaaner - Amici sudtirolesi del popolo Afrikaaner“, die das Orania-Projekt ideell und finanziell unterstützt.[8]

Ziel ist die Errichtung eines autonomen Gebietes, in denen Buren die Mehrheit stellen und in dem ihre kulturelle Identität überleben kann (Volkstaat). Dieses Gebiet soll zwischen der Upper Karoo und der westlich gelegenen Atlantikküste liegen.[9]

Filme[Bearbeiten]

Der deutsche Regisseur Tobias Lindner drehte 2012 den Dokumentarfilm Orania über die Siedlung und ihre Menschen. Der Film wurde im Juni 2013 veröffentlicht.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Volkszählung 2011, abgerufen am 18. November 2013
  2. Pressemeldung bei iol.co.za am 23. April 2009 (englisch), abgerufen am 12. Juli 2013
  3. a b Thomas Scheen: In der Wagenburg. faz.net, 1. Juni 2013, abgerufen am 1. Juni 2013
  4. Offizielle Website (englisch), abgerufen am 11. September 2012
  5. Offizielle Website von Orania (afrikaans), abgerufen am 22. März 2012
  6. Vertragsunterzeichnung mit einer Xhosa-Gemeinschaft (englisch), abgerufen am 2. Juli 2013
  7. The New Observer, Orania Delegation Received by Members of the Dutch and Flemish Parliaments(englisch), abgerufen am 26. Juni 2013
  8. a b Buren zu Gast bei Südtiroler Volkspartei, abgerufen am 26. Juni 2013
  9. Offizielle Website (englisch), abgerufen am 12. Juli 2013