Ritterorden
Die ersten geistlichen Ritterorden sind während der Kreuzzüge entstandene Ordensgemeinschaften, die ursprünglich zu Schutz, Geleit, Pflege der Pilger ins Heilige Land und Verteidigung der heiligen Stätten gegen den Islam gegründet wurden. Voraussetzungen für die Ordensmitglieder waren ursprünglich Armut, Keuschheit, Gehorsam und Waffendienst.
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Überblick [Bearbeiten]
Bernhard von Clairvaux bezeichnete die Ordensritter als „Ritter neuen Typs“, da sie die Kampfkraft des dekadenten Ritterstandes mit der Disziplin und der Enthaltsamkeit der Mönchsorden verbanden. Während die einzelnen Mitglieder der Armut verpflichtet blieben, wurden die Orden durch Erbschaften, Schenkungen und Eroberung mit zu den reichsten Organisationen ihrer Zeit.
Der Templerorden war die älteste Institution, die seit ihrem Beginn als ritterlicher Orden bezeichnet werden kann.[1][2][3] Der Johanniter/Malteserorden ist zwar älter als der Templerorden; er wurde aber erst in einem langsamen Prozess in den 1130er Jahren aus einem reinen Hospitalorden zum Ritterorden, als seine Ritter zum Schutz der Pilger durch Burgenübernahme und Landesausbau zu Grundherren wurden, die dadurch militärische Aufgaben zu erfüllen hatten. Dafür rekrutierten sie adelig-ritterliche Söldner, bis sie schließlich, durch die Eigenrekrutierung von waffenfähigen Brüdern, zu einer gleichermaßen karitativen und militärischen Gemeinschaft wurden.
Geistliche Orden im Sinne des Kirchenrechts wurden diese Gemeinschaften nur durch päpstliche Anerkennung einer eigenen, verbindlichen, Ordensregel und durch die Lösung aus der kirchlichen Diözesanorganisation, die Exemtion (Befreiung von der Zehntabgabe und der kirchlichen Strafgewalt). Einige Ritterorden wie z. B. die Templer existieren als kirchlich anerkannte Gemeinschaften nicht mehr. Daneben besteht eine Vielzahl von katholischen[1][2][3], evangelischen (Bruderschaften) und ökumenischen Ritterorden bis in die Gegenwart fort. Während manche Ritterorden wie der Johanniter/Malteserorden noch heute internationale Bedeutung haben und sogar völkerrechtlich anerkannt sind, haben andere nur historische, nationale oder regionale Bedeutung.
Neben den geistlichen Ritterorden entstanden ab der Mitte des 14. Jahrhunderts auch nicht-kirchliche höfische Ritterorden, mittels derer sich die Monarchen eine zuverlässige Hausmacht verschaffen wollten. Als politisches Gegengewicht zu den mächtiger werdenden Landesfürsten bildeten sich außerdem ab dem Spätmittelalter, vor allem in Südwestdeutschland, diverse Adelsgesellschaften und Ritterbünde.
Ritterorden als Gemeinschaften verleihen ihren Mitgliedern zwar Orden und Ehrenzeichen; ihr Hauptzweck ist aber eine ideelle, z. B. karitative, Aufgabe. Die hier behandelten historischen Ritterorden grenzen sich auch deshalb scharf ab gegen nicht anerkannte zeitgenössische Orden mit ähnlich klingenden Bezeichnungen oder Ehrenzeichen.
Bestehende Ritterorden mit Anerkennung der römischen Kurie [Bearbeiten]
| Wappen | Name | Bemerkung |
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| Hospitaliter- oder Johanniterorden (Orden vom Spital des heiligen Johannes zu Jerusalem) | später auf Rhodos dann auch Rhodesier und auf Malta dann auch Malteser genannt. Gegründet 1099 in Jerusalem als Laienbruderschaft zur Armen- und Krankenpflege in einem bereits zuvor bestehenden Hospiz/Hospital, offizielle Umwandlung in einen geistlichen Orden 1113 durch die Anerkennung als neuer autonomer Orden durch Papst Paschalis II., zwischen 1120 und 1153 schrittweise Umwandlung in einen geistlichen Ritterorden nach dem Vorbild der Templer. Der neue Status als geistlicher Ritterorden wird 1153 durch Papst Eugen III. bestätigt. Heute nennt sich der katholische Zweig Malteserorden, der protestantische Zweig Johanniterorden. Sitz des Ordens und des Großmeister des Malteserordens ist Rom. | |
| Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem | gegründet in Palästina im 11. Jahrhundert als Ritter vom Heiligen Grab, päpstliche Rekonstitution im Jahre 1847, Sitz des Ordens und des Kardinal-Großmeister ist im Palazzo Della Rovere in Rom, Großprior ist der Lateinische Patriarch in Jerusalem. | |
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Deutscher Orden | Orden der Brüder vom Deutschen Haus St. Mariens in Jerusalem, gegründet 1190 als Krankenpflegeorden, ab 1198 in einen Ritterorden umgewandelt. |
| Christusorden | Kein geistlicher Ritterorden, sondern vom Heiligen Stuhl verliehener Auszeichnungs- und Verdienstorden; 1319 gestiftet von Johannes XXII. | |
| Orden vom Goldenen Sporn | Kein geistlicher Ritterorden, sondern vom Heiligen Stuhl verliehener Auszeichnungs- und Verdienstorden; Stifter und Stiftungsjahr unbekannt, 1905 erneuert von Pius X. | |
| Piusorden | Kein geistlicher Ritterorden, sondern vom Heiligen Stuhl verliehener Auszeichnungs- und Verdienstorden; 1847 gestiftet von Pius IX. | |
| Gregoriusorden | Kein geistlicher Ritterorden, sondern vom Heiligen Stuhl verliehener Auszeichnungs- und Verdienstorden; 1831 gestiftet von Gregor XVI. | |
| Silvesterorden | Kein geistlicher Ritterorden, sondern vom Heiligen Stuhl verliehener Auszeichnungs- und Verdienstorden; 1841 gestiftet von Gregor XVI. |
Sonstige historische geistliche Ritterorden [Bearbeiten]
Templerorden (Arme Ritter Christi und des Tempels von Salomon zu Jerusalem), gegründet 1118 oder 1119 von neun französischen Rittern, an ihrer Spitze Hugo von Payns und Gottfried von Saint-Omer; aufgelöst 1312. Heutige Orden dieses Namens sind vom Heiligen Stuhl nicht autorisiert.[2][3]
Orden St. Salvator, etwa um 1118 gestiftet als aragonischer Ritterorden. Zeichen war ein rotes Ankerkreuz.
Mercedarierorden (Orden unserer Lieben Frau vom Loskauf der christlichen Gefangenen), 1218 vom Hl. Petrus Nolascus, dem König von Aragon und St. Raimund von Peñafort als königlicher, militärischer und religiöser Orden gegründet. Im Jahre 1318 wurde dieser Ritterorden zu einem rein religiösen Männerorden umstrukturiert. Die Priester und Nonnen waren und sind sehr in der Mission aktiv. Als Laiengemeinschaft wurde ein ritterlicher Zweig im Jahre 2002 von der Ordensleitung anerkannt.
Orden von Montjoie spanischer Ritterorden, benannt nach einem Berg vor den Toren Jerusalems, der nach den Zisterzienserregeln lebte, bei dem der karitative Zweck im Vordergrund stand und der bald im Templerorden aufging.
Religiöser und Militärischer Constantinischer St.-Georgs-Orden (Constantinischer Orden), gegründet im 4. Jahrhundert zur Wahrung des Glaubens, Verteidigung der Heiligen Katholischen Kirche und Unterstützung des Heiligen Stuhls.
Lazarus-Orden (Militärischer und Hospitalischer Orden des Heiligen Lazarus von Jerusalem), gegründet im 11. Jahrhundert um die Kranken, Bedürftigen, Sterbenden, Leprakranken und Reisenden aufzunehmen und zu pflegen.
Ritterorden der Kreuzherren mit dem roten Stern (lat. Ordo militaris Crucigerorum cum rubea stella), gegründet im 13. Jahrhundert aus einer Laienbruderschaft, die in der Böhmen caritativen Aufgaben nachging.
Kreuzherren mit dem doppelten roten Kreuz (Fratres cruciferorum ordinis canonicorum regul. custodum ss. sepulchri Hierosolymitani cum duplici rubea cruce), gegründet 1114 vom Jerusalemer Patriarchen Arnold; seit 1163 in Miechów (Kleinpolen) ansässig. 1239 wurde der Orden vom Breslauer Bischof Thomas I. in seiner Residenzstadt Neisse eingeführt. 1810 aufgelöst.
Patriarchalischer Orden vom Heiligen Kreuz zu Jerusalem, gegründet zwischen 1947 und 1976.- St. Georgsritter zu Millstatt (Militärischer Orden zum Schutz vor der Türkengefahr), gegründet 1469 durch Kaiser Friedrich III.
- Ritterorden vom Allerheiligsten Erlöser und der Heiligen Brigitta von Schweden, 1366 gegründet und 1367 durch Papst Urban VI. anerkannt.
Orden von Dobrin, Lat. fratribus militiae Christi in Prussia, polnischer Ritterorden, 1228 vom polnischen Herzog Konrad von Masowien gegründet. Er wurde 1234 in den Deutschen Orden eingegliedert.
Schwertbrüderorden (Die Brüder der Ritterschaft Christi zu Livland) (lateinisch: Fratres miliciae Christi de Livonia) war ein von Kreuzrittern aus dem Gebiet zwischen Soest und Kassel 1204 oder 1205 gegründeter Ritterorden, der den Schutz Livlands übernahm. Er wurde 1237 als Livländischer Orden in den Deutschen Orden eingegliedert.
In Spanien und Portugal entstanden im Rahmen der Reconquista weitere Ritterorden, zu denen ebenfalls Ritter aus ganz Europa stießen, um an dem vom Papst zum Kreuzzug erklärten Kampf gegen die Mauren auf der iberischen Halbinsel teilzunehmen:
Orden von Calatrava, spanischer Ritterorden, der 1158 im Kampf gegen die Mauren gegründet wurde und sein Hauptquartier lange Zeit in Calatrava in der südlichen Mancha unterhielt.
Ritterorden von Avis, portugiesische Abspaltung des Calatravaordens.
Alcántaraorden, der erste der spanischen Ritterorden, der 1156 im Kampf gegen die Mauren gegründet wurde und sein Hauptquartier lange Zeit in Alcántara in Extremadura unterhielt.
Santiagoorden, spanischer Ritterorden, der seit 1170 dem Heiligen Jakobus gewidmet ist.
Orden von Montesa, spanischer Ritterorden, 1316 im Kampf gegen die Mauren gegründet, auf den bei Auflösung der Templer ein Teil ihres Vermögens auf dem spanischen Festland überging.- Orden von San Jorge de Alfama, spanischer Ritterorden, 1201 im Kampf gegen die Mauren gegründet, 1400 mit dem Orden von Montesa vereinigt.
Orden vom Flügel des heiligen Michael, portugiesischer Ritterorden „Ordem de Sao Miguel da Ala“, im Kampf gegen die Mauren gegründet.- Orden von San Salvador de Monreal, spanischer Ritterorden.
Höfische Ritterorden [Bearbeiten]
Ab der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts entstanden höfische Ritterorden, die König Artus' legendärer Tafelrunde nachempfunden waren. Die bedeutendsten unter ihnen waren:
- der Sankt-Georg-Ritterorden (ungar. Szent György Lovagrend) gegründet 1326 vom ungarischen König Karl I. Robert.
- der Hosenbandorden, gegründet 1348 vom englischen König Eduard III. (siehe auch Liste der Ritter des Hosenbandordens).
- der Annunziaten-Orden, gegründet 1362 von Amadeus VI. von Savoyen.
- der Drachenorden, gegründet 1408 von König Sigismund von Ungarn.
- der Orden vom Goldenen Vlies, gegründet 1430 vom burgundischen Herzog Philipp dem Guten (siehe auch Liste der Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies).
- der Hubertusorden gegründet 3. November 1444 von Herzog Gerhard II. von Jülich-Berg.
- der Ordre de Saint-Michel, gegründet 1469 vom französischen König Ludwig XI..
- der Orden vom heiligen Geist, gegründet 1578 vom französischen König Henri III. (siehe auch Liste der Ritter des Ordens vom Heiligen Geist).
- der Orden vom Stern, gegründet im August 1066 vom französischen König Robert II., dann von Philipp VI. stillgelegt und 1352 von Johann II. neu gegründet.
- der St. Heinrichs Orden, gegründet durch Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen König August III. von Polen – Litauen am 7. Oktober 1736 ist der älteste deutsche Verdienstorden
- der Orden der goldenen Stola (oder Stola d'oro), war ein venezianischer Ritterorden.
Der älteste Orden des preußischen Hauses war der Schwanenorden, der 1440 gestiftet wurde, um der Entsittlichung des märkischen Adels entgegenzuwirken und die Rauf- und Fehdelust einzudämmen.
Rittergesellschaften [Bearbeiten]
Im späten Mittelalter entstanden, vor allem in Südwestdeutschland, diverse (reichsritterlicher) Adelsgesellschaften. Als politische Interessenverbünde versuchten sie - mit unterschiedlichem Erfolg, aber in Form der Reichsritterschaft bis zum Ende des Alten Reiches - ein Gegengewicht zur aufstrebenden Macht der Städte und Landesfürsten zu bilden.
Moderne Ritterbünde [Bearbeiten]
Mit der Romantik kam es zur Wiederbelebung des mittelalterlichen Ritterideals. 1790 gründete der österreichische Hofrat Anton David Steiger als „Hainz am Stein der Wilde“ die „Wildensteiner Ritterschaft auf blauer Erde“. Die Altritterliche Gesellschaft wurde 1823 auf Betreiben von Fürst Metternich aufgelöst. Vermutlich trafen sich die Mitglieder fortan im Geheimen. Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden vermehrt Ritterbünde in Bayern und Österreich; 1884 sollen 32 derartige Vereinigungen existiert haben.
Nach der Auflösung der meisten Ritterorden in der Zeit des Nationalsozialismus kam es in den 1950er Jahren zu einer Wiederbelebung einiger Bünde sowie zu Neugründungen, vor allem in Deutschland (derzeit 20 Bünde) und Österreich (etwa 21 Bünde).
Siehe auch [Bearbeiten]
Literatur [Bearbeiten]
- Abbildungen und Beschreibung aller hoher Geistlichen, Weltlichen, und Frauenzimmer Ritter-Orden in Europa. Bürglen, Augsburg 1792 (Nachdruck: Reprintverlag Leipzig, ISBN 3-8262-1807-8); weitere Ausgabe: Stage, Augsburg 1792 (Digitalisat)
- Alain Demurger: Die Ritter des Herrn. Geschichte der geistlichen Ritterorden. C. H. Beck, München 2003, ISBN 3-406-50282-2
- Giorgio Falco: Geist des Mittelalters - Kirche, Kultur, Staat. Verlag Heinrich Scheffler, Frankfurt am Main 1958
- Feliciano Novoa Portela, Carlos de Ayala Martínez (Hrsg.): Ritterorden im Mittelalter. Theiss, Stuttgart 2006, ISBN 3-8062-1974-5 (Aufsatzsammlung)
Weblinks [Bearbeiten]
- Informationsseite zu Orden in Deutschland, Österreich und der Schweiz
- private Seite "Das Land des Deutschen Orden".
- ordo gladii fraternitas santi urielis Gemeinschaftsprojekt ogfu, Arbeitskreis historische Saar und Schülerinnen aus den Saarlouiser Gymnasien
- Ritterorden zum Tempel zu Jerusalem Deutsches Grosspriorat des Templerorden
- Geschichte der Priester des Deutschen Orden
- Patriarchalischer Orden vom Heiligen Kreuz zu Jerusalem
- Militärischer und Hospitalischer Orden des Heiligen Lazarus von Jerusalem - Lazarus-Orden
- Militärischer und Hospitalischer Orden des Heiligen Johannes von Jerusalem - Malteser-Orden
- St. Heinrichs Orden des sächsischen Königshauses
- Religiöser und Militärischer Constantinischer Orden des Heiligen Georg | Constantinischer Orden
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ a b „Vatikan warnt vor nicht-anerkannten Ritterorden“, Katholische Internationale Presseagentur kipa/apic, 21. Oktober 2012
- ↑ a b c La Santa Sede e gli Ordini Cavallereschi: doverosi chiarimenti (Prima parte), 16. Oktober 2012 (italienisch)
- ↑ a b c La Santa Sede e gli Ordini Cavallereschi: doverosi chiarimenti (Seconda parte), 22. Oktober 2012 (italienisch)