Ordo Templi Orientis

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Ordo Templi Orientis, kurz OTO (‚Orden des östlichen Tempels‘ oder ‚Orientalischer Templerorden‘), war eine esoterische Gemeinschaft mit rosenkreuzerisch-templerischen Zügen, die 1901 von Carl Kellner, Heinrich Klein sowie Franz Hartmann gegründet wurde und sich unter Leitung von Theodor Reuß intensiv mit Ritualmagie auseinandersetzte. Erklärtes Ziel des Ordens war die Vervollkommnung des Menschen durch Ritualmagie. Nach dem Tod von Reuß 1923 gelang es seinen Nachfolgern in der Folgezeit nicht, den Zerfall zu verhindern. Zwei Organisationen, der Caliphat-OTO und OTOA, beanspruchten für sich die rechtmäßige Nachfolge des OTO. Derzeit existiert nur eine Organisation mit Namen OTO, die im Folgenden zur besseren Lesbarkeit Caliphat-OTO heißt.

Geschichte[Bearbeiten]

Entstehung[Bearbeiten]

Der OTO wurde ganz im geheimen am 1. September 1901 vom Wiener Industriellen Carl Kellner, Heinrich Klein und vom deutschen Theosophen und Freimaurer Franz Hartmann gegründet. Der Orden wurde als Geheimgesellschaft konzipiert und von Kellner maßgeblich finanziert und wohl auch geleitet. Als „äußeren“ Orden beabsichtigte man den von Reuß und Hartmann übernommenen Memphis-Misraïm-Ritus auszubauen, weshalb Kellner im September 1902 im höchsten Grad 90 bzw. 95 beitrat. Nach Kellners Tod 1905, übernahm Reuß die Leitung und machte den OTO ab 1906 öffentlich bekannt.[1] Der OTO gilt bis in die Gegenwart als bedeutende Quelle esoterischer Ideen und Praktiken. Zum Kern der OTO-Lehre zählt die Ausübung der Sexualmagie,[2] die der Schlüssel sei, um alle maurerischen und hermetischen Geheimnisse zu erschließen. Der Besitz der sexualmagischen Kenntnisse versetze den OTO in die Lage „restlos alle Rätsel der Natur, alle freimaurerische Symbolik und alle Religions-Systeme“ zu erklären.[3]

Bis 1905 wurde der Orden noch nicht als OTO bezeichnet, sondern hieß einfach nach seiner freimaurerischen Lehrart Memphis-Misraïm-Ritus (MMR). Nach diesem Ritus war der Orden ursprünglich als Erweiterung zur blauen Freimaurerei gedacht und man hoffte auf die Anerkennung durch die Vereinigte Großloge von England. MMR war eine synkretistische Lehrart, die neben freimaurerischen und rosenkreuzerischen Elementen ebenfalls templerisches und gnostisches Gedankengut mit einbezog. Zudem kam Reuß' bereits 1880 erfolgloser Versuch neu auf, eine Wiederherstellung des Adam Weishauptschen Illuminatenordens in München zu bewerkstelligen. Reuß' inhaltlich absurde Idee der Nähe ausgerechnet dieses Ordens mit der Tradition des aufklärerischen bayerischen Illuminaten-Ordens, der zum damaligen Zeitpunkt längst Geschichte war, setzte sich durch. Die Darstellung einer Illuminaten-Wiederbelebung im OTO wird seitdem offiziell vom OTO vertreten. Franz Hartmann beabsichtigte, als Bindeglied dieser Lehrart einen - selbst die Vereinigte Großloge von England umfassenden - neuen freimaurerischen Dachverband zu gründen, der Academia Masonica heißen sollte. Theodor Reuß schlug vor, die Lehren von Hartmann in den inneren Kreis des Ordens zu verlegen. Als OTO wurde der Orden erst 1906 mit der englischen OTO-Konstitution von Theodor Reuß bekannt. Kellner war zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben und Hartmann hatte 1904 sämtliche Bindungen aufgegeben. Reuß wurde somit alleiniges Oberhaupt des neuen Ordens bis zu seinem Tode und gab sich den Ordensnamen Peregrinus.

Weiterentwicklung[Bearbeiten]

Der OTO wurde durch Theodor Reuß neu strukturiert. Er entwickelte ein System von zehn Graden. Die Rituale des OTO waren ursprünglich freimaurerisch mit Betonung auf Hermetik („irreguläre“ Lehrart Memphis-Misraim). Diese wurden durch Aleister Crowley 1915 komplett überarbeitet und beinhalten nunmehr Crowleys Buch des Gesetzes. Crowley fügte einen elften Grad ein, zu dessen sexualmagischer Arbeit Analverkehr zwischen den männlichen Ordensmitgliedern gehört.[4] Die Anerkennung als reguläre Freimaurerorganisation blieb auch in den Folgejahren durch die Vereinigte Großloge von England aus. Der OTO erlangte durch die Mitgliedschaft Crowleys skandalumwitterte Popularität. Nach sexuellen Skandalen um Crowleys Abtei Thelema schloss Reuß ihn am 25. Oktober 1921 zunächst aus dem OTO aus. Bekannte Esoteriker waren zeitweise Mitglieder oder standen in Verbindung mit dem OTO (Rudolf Steiner, L. Ron Hubbard, John Whiteside Parsons und Gerald B. Gardner).

1905 trat Rudolf Steiner dem von Reuß geführten OTO bei, erlangte rasch den IX° und wurde zügig in die höchsten Grade des Memphis-Misraim-Ritus erhoben. Um 1906 wurde Steiner durch Reuß zum X° ernannt (ein rein administrativer Grad, der zur Wahl des O.H.O. befähigt), zwecks Leitung des OTO in Deutschland.[5] Die deutsche Sektion des OTO wurde von 1906 bis 1914 von Steiner, dem Begründer der Anthroposophie geleitet, der den höchsten Grad („Summus Rex“) erreicht hatte.[6] Steiner leitete etwa 1906 bis 1914 den „inneren“ Kreis des OTO, der sich in Deutschland „Mysteria Mystica Aeterna“ (MMA) nannte, als Großmeister und Supremus Magus, was lange geheim blieb. Er vollzog dabei die von Reuß in Deutschland angebahnte (und später von Crowley in England fortgeführte) Wandlung des OTO in einen pantheistisch-gnostisch-magischen Geheimbund nicht nach, sondern baute den von ihm geleiteten deutschen OTO-Zweig im Sinne eines christlich-abendländischen Rosenkreuzertums aus.[5] Kraft eines Reuß-Patents aus dem Jahre 1906 zur Gründung einer OTO-Loge,[7] leitete Steiner in Berlin eine innere Rosenkreuzergemeinschaft des OTO. Gegen Steiners Willen veröffentlichte ein dänisch-amerikanischer Schüler unter dem Pseudonym Max Heindel Teile aus Steiners geheim gehaltenen Rosenkreuzerlehren und gründete auf dieser Basis 1909 die Rosicrucian Fellowship.[8] Der OTO-Forscher Peter-Robert König bestreitet, dass Steiner je Mitglied im Orden war, da ihm keinerlei schriftliche Primärquellen dafür vorlägen.[9] Er kenne lediglich einen Brief Crowleys, in dem dieser sich über den Unsinn ausliess, „den Steiner, der ‚in relation with the O.T.O.‘ sei, rauslasse.“ Noch heute behaupten viele OTO-Oberhäupter, Steiner habe dem OTO angehört.[10]

1920 wurde der OTO auf dem Zürcher Internationalen Freimaurerkongress definitiv als irregulär deklariert.[11]

Im Juli 1921 wurde Harvey Spencer Lewis, der Gründer des AMORC, von Reuß zum VII° („Honory Member ... for Swizerland, Germany and Austria“) ernannt. Nachdem der in den U.S.A. wohnende Lewis dem in München ansässigen Reuß eröffnete, er würde sich von einem gemeinsam geplanten Projekt distanzieren, wenn er Crowley nicht aus dem OTO verstoße, wurde Crowley am 25. Oktober 1921 von Reuss aus dem OTO ausgeschlossen. Postwendend ernannte sich Crowley selber zum Oberhaupt des OTO, während Reuss neue Rosenkreuzer-Organisationen in Zusammenarbeit mit dem AMORC und Krumm-Hellers Rosenkreuzer-Orden Fraternitas Rosicruciana Antiqua (F.R.A.) plante. In der Folge zerfiel der OTO in unzählige Zweige.[11] 1922 legte Reuß aus gesundheitlichen Gründen seine OTO-Ämter nieder. 1923 starb Reuß ohne einen Nachfolger bestimmt zu haben.[11]

Abspaltungen[Bearbeiten]

1925 erweckte die von Heinrich Tränker (der seine Autorität z.T. von Reuß ableitete) geführte Pansophische Gesellschaft, beziehungsweise „Pansophia“, Crowlews Interesse. Der von Tränker in die Pansophische Gesellschaft initiierte Eugen Grosche fungierte als Generalsekretär und gilt als eigentlicher Begründer der Pansophischen Loge, aus der später die von Grosche aufgebaute Fraternitas Saturni hervorging.[12] Arnold Krumm-Heller gründete in Südamerika den bis heute existierenden Rosenkreuzerorden Fraternitas Rosicruciana Antiqua. Neben diesen Neugründungen ist bereits 1921 der Haitianische Ordo Templi Orientis Antiqua (OTOA) von Lucien-Francois Jean-Maine begründet worden.

Der Caliphat-OTO begreift sich als rechtmäßiger Vertreter der Lehren des Crowley-OTOs. Der Caliphat-OTO finanziert sich weniger durch Mitgliedsbeiträge, sondern mehr durch die Tantiemen des Crowley-Tarots. So wurde 1998 von der Schweizer Spielkartenfirma Mueller AG in Schaffhausen ein diesbezüglicher Vertrag mit dem Caliphat-Geschäftsführer William Breeze unterzeichnet.[13][14]Caliph“ dieses OTO ist seit 1985 William Breeze unter dem Ordensnamen Frater Hymenäus Beta. Weltweit hat der Caliphat-OTO 2014 etwa 3.000 initiierte Mitglieder.

Die lokalen Körperschaften unterteilen sich in Camps, Oasen und Logen. Camps sind die kleinsten Gruppen und initiieren keine neuen Mitglieder. Oasen haben mehr Mitglieder als Camps und initiieren bis zum III°. Logen übertreffen Oasen an Mitgliederstärke und initiieren bis zum IV°/P∴I∴-Grad. Es gibt durchaus Ausnahmen von dieser Regel. Generell sind dies die Richtlinien des Caliphat-OTO, welche der deutsche Caliphat-OTO von der US-Großloge übernahm.

In Deutschland zählt der in Aachen eingetragene Verein rund 100 Mitglieder.[15] Diese organisieren sich in:

  • Berlin (Astarte Oase)
  • Hannover (Spiritus Sanctus Oase)
  • Paderborn (Hoori-Sakhmet Oase)
  • St. Blasien (Aswa-O Loge)
  • Stuttgart (L.V.X Aeterna Oase)

Gradstruktur[Bearbeiten]

Das Gradsystem des heutigen Caliphat-OTO besteht aus zwölf Graden.[16] Der siebte Grad soll nach Darstellung des OTO gleichwertig mit dem 32° des Alten und Angenommenen Schottischen Ritus sein. Im achten und neunten Grad werden sexualmagische Geheimnisse gelehrt. Der elfte Grad ist eine Variante des neunten Grades, in dem sexualmagische Energien umgekehrt werden, wie durch die Verdrehung der Buchstaben von IX° zu XI° veranschaulicht.[17] Das Gradsystem des Caliphat-OTO wird in drei Stufen (Triaden) unterteilt: den Einsiedler, den Liebenden und den Menschen der Erde nach dem Vers I/40 des Liber AL vel Legis. Die Grade sollen den Probanden unterstützen, seine wahre Identität zu finden. Im ersten Grad (Minerval 0°) entscheidet der Strebende, ob er ordentliches Mitglied werden will. Ein solches steht immer in spiritueller Verbindung mit dem Orden, selbst wenn es die aktive Mitgliedschaft niedergelegt hätte.

Tabellarischer Überblick

Gradsystem des Caliphat-OTO
Gradformel Bezeichnung
1. Triade des Menschen der Erde
Minerval (M) (das Ego, ein Gott auf Wanderschaft, wird vom solaren System angezogen)
Mann und Bruder (oder Frau und Schwester) (M.) (als Kind wird die Geburt erlebt)
II° Magier (M..) (der Mann oder die Frau erfahren das Leben)
III° Meister Magier (M∴) (der Tod des Individuums)
IV° Vollkommener Magier (P∴M∴) und Kompanion vom Heiligen Königlichen Gewölbe von Enoch
Vollkommener Initiierter oder Prinz von Jerusalem (P∴I∴)
(Die Welt jenseits des Todes wird repräsentiert, ein verherrlichter Zustand des Initiierten)
Ritter des Ostens und Westens (Knight of the East and West (K∴E∴W∴)) (außerhalb aller Triaden)
2. Triade der Liebenden
Souveräner Prinz Rose-Croix und Ritter vom Pelikan und Adler
Ritter vom Roten Adler, und Mitglied des Senats der Ritter der hermetischen Philosophie
VI° Erhabener Ritter (Templer) des Ordens von Kadosch, und Kompanion des Heiligen Graals
Groß Inquisitor Kommandant und Mitglied des Groß Tribunals
Prinz des Königlichen Geheimnisses
VII° Sehr Erhabener Souveräner General Groß Inspektor
Mitglied des Höchsten Groß Rates
3. Triade des Einsiedlers
VIII° Perfekter Oberpriester der Illuminaten
Epopt der Illuminaten
IX° Initiierter des Gnostischen Sanktuariums
Rex Summus Sanctissimus (Höchster und Heiligster König)
XI° Initiierter des elften Grades (technischer Grad)
XII° Frater Superior und Outer Head of the Order

OTO-Ableger[Bearbeiten]

Neben dem „Caliphat-OTO“ gibt es noch einige andere OTO-Gruppen, die diesem oftmals das Crowley-Copyright und den Anspruch als offizieller OTO streitig gemacht haben:

  • Die Abtei Thelema, die von Hermann Metzger in der Schweiz gegründet wurde, jedoch ebenfalls so gut wie nicht mehr existiert.
  • Den OTO Antiqua (OTOA), der von Lucien-Francois Jean Maine gegründet wurde und zusätzlich Voodoo-Einflüsse in sein System integriert hat.
  • Die Society OTO (SOTO), die nach dem Tode ihres Leiters, des Brasilianers M. R. Motta kaum mehr existent ist.
  • Den Typhonian OTO (TOTO) des Engländers Kenneth Grant mit seiner Mischung aus UFO-Glauben, Thelema und H.P. Lovecraft. Dieser weist „ausdrücklich keine Struktur“ auf.[18] Es gibt „keine Ordenstitel, keine Hierarchien, keine festgeschriebenen Rituale, keinen Personenkult.“[19] Von Mitgliedern kann keine Rede sein, die Anhänger treffen sich „selten bis nie“, sondern korrespondieren nur miteinander und besuchen hin und wieder Treffen mit Grants Stellvertreter Michael Staley.[20]

Gnostisch-Katholische Kirche[Bearbeiten]

Die Gnostisch-Katholische Kirche (Ecclesia Gnostica Catholica, EGC, E.G.C.) ist eine Schwesterorganisation des OTO und seit 1908 fester Bestandteil des damaligen OTO unter Reuss. Die Gruppe verwendet gelegentlich auch die Eigenbezeichnung „Brüder des Lichts der sieben Gemeinden in Asien“ oder „Orden der Templer vom Orient“.[21] Die Gnostisch-Katholische Kirche erkennt das Liber AL vel Legis 1920 formell an und ist für das Ritual der Gnostischen Messe und verwandte ecclesische Rituale zuständig, das die Lehren aller Initiationsrituale des OTO vereint. Sie wurde 1890 von Jules Doinel, einem Archivar und Freimaurer aus dem Département Loiret, gegründet. Jules Doinel nannte sich Valentin II und erhielt von einem Bischof der katholischen Kirche der Union von Utrecht eine apostolische Filiation. Daraufhin weihte er unter anderem Papus als Bischof der EGC. Nachfolger von Valentin II war Leonce Fabre des Essarts, der 1902 sein Amt weiter führte. 4 Jahre später spaltete sich die EGC, woraufhin Fabre des Essarts Patriarch der Gnostisch-Katholischen Kirche in Frankreich wurde und Jean Bricaud der Patriarch der EGC. Theodor Reuß traf sich 1908 mit Papus und ermächtigte ihn den OTO und den Memphis-Misraïm-Ritus in Frankreich einzuführen. Dafür wurde Reuß die Bischofswürde der EGC von Papus verliehen. 1918 wird Reuß als Carolus Albertus Theodorus Peregrinus „Souveräner Patriarch“ und Primat der Gnostisch-Katholischen Kirche, Vicarius Solomonis und Caput Ordinis OTO. Im selben Jahr veröffentlichte Reuß die deutsche Übersetzung der „Gnostischen Messe“ von Aleister Crowley. 1920 stellte Reuß das „Aufbauprogramm und die Leitsätze der Gnostischen Neo-Christen OTO“ fertig und proklamierte neben dem Gesetz von Thelema die Abschaffung des Privateigentums und des Bargeldes. Als weitere Ziele wurden u. a. genannt: Die Einführung einer zwangsweisen Arbeitspflicht, die Sicherung kostenlosen Unterrichts, Gesundheitsdienstes und Kulturangebotes sowie die Schaffung einer sexuell lustbetonten Gesellschaft ohne Sündenbewusstsein.[22]

Lehre[Bearbeiten]

Die auf Aleister Crowleys Ideen basierende Lehre der Gnostisch-Katholische Kirche ist ein Konglomerat aus neugnostischem Geheimwissen, altägyptischen Traditionselementen und indischem Geistesgut.[23] Das Ziel der Gnostisch-Katholischen Kirche sei es, das reine Urchristentum in einer der Gegenwart angepassten Form wiederherzustellen. Nach eigenen Aussagen will die Gruppe die geheimen Heilswunder des Sakraments der Eucharistie enthüllen und die Heilsbotschaft des wahren Christos, des Gesalbten verkünden.[24] F. W. Haack weist auf den Unterschied zwischen dem „Christus“ der Bibel und dem „Christos“ der GKK hin, und erläutert, dass Crowley den Glauben an Jesus Christus als eine lebensverneinende und weltfeindliche Religion betrachtete und stattdessen als Gegenpart den so genannten „Mithras-Christos“ propagierte, den er auch „Siegenden Horus“ nannte. Im „Liber OZ: sub figura LXXVII“ heißt es zum Gottverständnis. „Es gibt keinen Gott außer dem Menschen.“. Die christliche Lehre der Erbsünde und deren Rechtfertigung durch den zentralen christlichen Schlüsselbegriff der Gnade ist in der GKK verpönt, da es des Menschen Bestimmung sei schon zu Lebzeiten sein Schicksal auf Basis des Gesetzes von Ursache und Wirkung zu lenken um gottähnlich zu werden. Die Gottähnlichkeit des Menschen käme auf Grundlage des bewussten Erlebens der Einheit mit Gott durch ein Aufrechterhalten der Willenskontrolle während des Zeugungsaktes zustande, weil daraus die Erkenntnis erwachse, dass der vollzogene Liebesakt gleichzeitig als Parallelakt des göttlichen Zeugungsaktes begriffen werden könne.[25]

Umbenennung in „Gnostische Kirche“[Bearbeiten]

Wegen des rufschädigenden „Gnostic Catholic Church Scandal“ sei in den neuen Kirchenstatuten vom 23. April 1994/ 2. Juni 1994 eine Veränderung bezüglich des Eigennamens eingebracht worden. So nenne sich die „Gnostisch Katholische Kirche“ des „Caliphats“ ab sofort nur noch „Gnostische Kirche“. Weiterhin wurde beschlossen, dass zukünftig mit dem „Ordens-Ausschluss“ automatisch auch der „Verlust der kirchlichen Zugehörigkeit“ einher geht. Peter-Robert König weist diesbezüglich darauf hin, dass die gnostischen Weihen durch diese Beschlüsse offenkundig an die pseudo-freimaurerischen Crowley-OTO-Initiationsrituale gebunden seien. Die Umbenennung sei gemäß König offenbar in historischer Unkenntnis des „Caliphats“ von einer bereits unter dem Namen „Gnostische Kirche“ existierenden Organisation vorgenommen worden, womit König auf Joanny Bricauds „Eglise Gnostique“ (=Gnostische Kirche) anspielt. [26]

Quelle[Bearbeiten]

  1. Karl R. H. Frick: Licht und Finsternis. Gnostisch-theosophische und freimaurerisch-okkulte Geheimgesellschaften bis zur Wende des 20. Jahrhunderts. Band II. Marix Verlag, Wiesbaden 2005, ISBN 3-86539-044-7, S. 462.
  2. Marco Pasi: Ordo Templi Orientis. In: Wouter J. Hanegraaff (Hrsg.): Dictionary of Gnosis & Western Esotericism. Brill, Leiden/Boston 2006, S. 898.
  3. Thomas Höfer: Wasch mich, aber mach mich nicht naß! In: Flensburger Hefte Nr. 33 (6/91). S. 167-168
  4. Lawrence Sutin: Do What Thou Wilt. A Life of Aleister Crowley. St Martin's Press, New York 2000, S. 228.
  5. a b Karl R. H. Frick: Licht und Finsternis. Gnostisch-theosophische und freimaurerisch-okkulte Geheimgesellschaften bis zur Wende des 20. Jahrhunderts. Band II. Marix Verlag, Wiesbaden 2005, ISBN 3-86539-044-7, S. 524–526.
  6. Kompaktlexikon Religionen/ Rüdiger Hauth (Hrsg.). Brockhaus Verlag Wuppertal 1998, ISBN 3-417-24677-6. Seite 255.
  7. Stephen Flowers: Feuer und Eis. Die magischen Geheimlehren des deutschen Geheimordens Fraternitas Saturni. Ins Deutsche übertragen von Michael DeWitt. Edition Ananael, Wien 1993, ISBN 3-901134-03-4. S. 28.
  8. Gerd-Klaus Kaltenbrunner (Hrsg.): Geheimgesellschaften und der Mythos der Weltverschwörung. Herder, Freiburg (Breisgau) u. a. 1987, ISBN 3-451-09569-6, (Herderbücherei 9569), (Initiative 69), S. 126-127.
  9. Peter-Robert König: Rudolf Steiner (1861-1925): niemals Mitglied irgendeines O.T.O. auf parareligion.ch, Zugriff am 1. Januar 2014.
  10. Peter R. König: Der O.T.O. Phänomen RELOAD. Band 1. Arbeitsgemeinschaft für Religions- und Weltanschauungsfragen, München 2011. S. 119.
  11. a b c Peter R. König: Der O.T.O. Phänomen RELOAD. Band 1. Arbeitsgemeinschaft für Religions- und Weltanschauungsfragen, München 2011. S. 99.
  12. Stephen Flowers: Feuer und Eis. Die magischen Geheimlehren des deutschen Geheimordens Fraternitas Saturni. Ins Deutsche übertragen von Michael DeWitt. Edition Ananael, Wien 1993, S. 26 und 31
  13.  Andreas Huettl, Peter-Robert König: SATAN – Jünger, Jäger und Justiz. Kreuzfeuer Verlag, Augsburg 2006, ISBN 3-937611-01-0, S. 416.
  14.  Andreas Huettl, Peter-Robert König: SATAN – Jünger, Jäger und Justiz. Kreuzfeuer Verlag, Augsburg 2006, ISBN 3-937611-01-0, S. 202.
  15. Gerald Willms: Die wunderbare Welt der Sekten: Von Paulus bis Scientology. Vandenhoeck & Ruprecht; Auflage: 1. Auflage 2012, S. 260.
  16. Gradstruktur der US Großloge des OTO (zuletzt abgerufen am 6. November 2012)
  17. Richard Kaczynski: Perdurabo North Atlantic Books, 2. Auflage, Berkeley 2010, S. 274.
  18.  Andreas Huettl, Peter-Robert König: SATAN – Jünger, Jäger und Justiz. Kreuzfeuer Verlag, Augsburg 2006, ISBN 3-937611-01-0, S. 272.
  19.  Andreas Huettl, Peter-Robert König: SATAN – Jünger, Jäger und Justiz. Kreuzfeuer Verlag, Augsburg 2006, ISBN 3-937611-01-0, S. 286.
  20.  Andreas Huettl, Peter-Robert König: SATAN – Jünger, Jäger und Justiz. Kreuzfeuer Verlag, Augsburg 2006, ISBN 3-937611-01-0, S. 261.
  21. Horst E. Miers: Lexikon des Geheimwissens. Goldmann Verlag, München 1993, ISBN 3-442-12179-5. Seite 252
  22. Rudolf Passian: Licht und Schatten der Esoterik. Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. München 1991, Seite 167
  23. Friedrich-Wilhelm Haack: Geheimreligion der Wissenden. Neugnostische Bewegungen Arbeitsgemeinschaft für Religions- und Weltanschauungsfragen, 7. Auflage, München 1989, S. 31.
  24. Horst E. Miers: Lexikon des Geheimwissens. Goldmann Verlag, München 1993, ISBN 3-442-12179-5. Seite 252
  25. Friedrich-Wilhelm Haack: Geheimreligion der Wissenden. Neugnostische Bewegungen Arbeitsgemeinschaft für Religions- und Weltanschauungsfragen, 7. Auflage, München 1989, S. 30-32.
  26. Peter-Robert König: Ein Leben für die Rose (Arnoldo Krumm-Heller), München 1995, ISBN 3-927890-21-9. Seite 45

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]