Ordovizium
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| System | Serie | Stufe | ≈ Alter (mya) |
|---|---|---|---|
| höher | höher | höher | jünger |
| Ordovizium | Oberordovizium | Hirnantium | 443,7–445,6 |
| Katium | 445,6–455,8 | ||
| Sandbium | 455,8–460,9 | ||
| Mittelordovizium | Darriwilium | 460,9–468,1 | |
| Dapingium | 468,1–471,8 | ||
| Unterordovizium | Floium | 471,8–478,6 | |
| Tremadocium | 478,6–488,3 | ||
| tiefer | tiefer | tiefer | älter |
Das Ordovizium ist ein erdgeschichtliches System des Paläozoikums, also des Erdaltertums, und wird in drei chronostratigraphische Serien (Unter-, Mittel- und Oberordovizium) unterteilt. Das Ordovizium begann vor etwa 488 Millionen Jahren und endete vor ca. 444 Millionen Jahren mit dem Beginn des Silur.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Namensgebung
Der Begriff Ordovizium wurde 1879 von dem britischen Geologen Charles Lapworth eingeführt. Er leitete ihn von den Ordovicern ab, einem keltischen Volksstamm, der in Wales ansässig war. Im 19. Jahrhundert wurde das heutige Ordovizium meist als untere Einheit dem Silur zugerechnet.
[Bearbeiten] Geschichte
Um einen Streit zwischen den Anhängern Adam Sedgwicks, dem Entdecker des Kambriums, und Roderick Murchisons, dem Beschreiber des Silurs, zu schlichten, führte Charles Lapworth 1879 für die Schichten, die von beiden beansprucht wurden, den Begriff Ordovizium ein. Er hatte erkannt, dass sich diese Schichten, auch durch ihre Fossilien, ziemlich deutlich von den anderen beiden Systemen unterschieden. Aber die neue Systembezeichnung zwischen Kambrium und Silur setzte sich nur langsam durch und wurde erst 1960 durch den Internationalen Geologischen Kongress weltweit anerkannt.
[Bearbeiten] Definition
Die Basis des Ordoviziums ist durch das Erstauftreten der Conodonten-Art Iapetognathus fluctivagus definiert. Diese Grenze liegt etwas oberhalb der Cordylodus lindstromi-Conodonten-Zone und etwas unterhalb des Erstauftretens der ersten planktonischen Graptolithen (Staurograptus dichotomus und Rhabdinopora praeparabola). Die Obergrenze wurde mit dem Erstauftreten der Graptolithen-Art Akidograptus ascensus festgelegt; das Erstauftreten der Graptolithen-Art Parakidograptus acuminatus liegt nur geringfügig höher und damit schon in der untersten Stufe des Silur.
[Bearbeiten] Gliederung
Die chronostratigraphische Gliederung des Ordovizium erfolgt heute in drei Serien: Unterordovicium (Unteres Ordovizium), Mittelordovizium (Mittleres Ordovizium) und Oberordovizium (Oberes Ordovizium). Diese Serien sind weiter in insgesamt 7 chronostratigraphischen Stufen unterteilt:
- System: Ordovizium
- Serie: Oberordovizium (Oberes Ordovizium)
- Stufe: Hirnantium
- Stufe: Katium
- Stufe: Sandbium
- Serie: Mittelordovizium (Mittleres Ordovizium)
- Stufe: Darriwilium
- Stufe: Dapingium
- Serie: Unterordovizium (Unteres Ordovizium)
- Stufe: Floium
- Stufe: Tremadocium
- Serie: Oberordovizium (Oberes Ordovizium)
Davon abweichend wurden in Europa folgende lokale Stufen für das Ordovizium benutzt, die in der älteren Literatur und häufig noch in der jetzigen populärwissenschaftlichen Literatur zu finden sind:
- Ordovizium
- Oberordovizium
- Mittelordovizium
- Llanvirnium (unterteilt in Abereiddium und Llandeilium)
- Unterordovizium
Diese Einteilung war stark an der britischen Gliederung des Systems orientiert. Vor allem in der älteren deutschsprachigen Fachliteratur wird das Ordovizium auch als Untersilur bezeichnet. Dadurch kann es zu Verwirrungen kommen!
[Bearbeiten] Gesteinsbildung
Wegen der Überflutung weiter Teile der Landmassen waren der Erosion Grenzen gesetzt. Es kam daher hauptsächlich zur marinen Sedimentation. Charakteristisch für das Ordovizium sind Kalkablagerungen, unter anderem in weiten Teilen des heutigen Skandinaviens (z.B. Schweden) und des Baltikums (z.B. Estland). Es kam jedoch auch zur Bildung von Erdöl und Erdgas. Ein Beispiel für einen ordovizischen Ölschiefer ist der estnische Kukersit.In Deutschland finden sich hauptsächlich Tonablagerungen (Tonschiefer) aus dem Ordovizium. Vor allem in Thüringen enthalten diese Sedimentgesteine auch Fossilien. Eine Besonderheit unter ihnen stellt der Lederschiefer dar. Er enthält als drop-stones gedeutete Klasten (oft Quarzite), die Fossilien enthalten während der umgebende Schiefer mindestens als fossilarm gilt.
[Bearbeiten] Paläogeographie
[Bearbeiten] Kontinente
Von der Größe der Kontinente her gab es im Ordovizium beträchtliche Unterschiede: Einigen „Mikrokontinenten“ (Terranes) wie Avalonia und Armorika sowie kleineren Kratonen wie Laurentia, Baltika und Sibiria stand der Großkontinent Gondwana gegenüber, der fast die gesamte Landmasse der heutigen südlichen Kontinente Afrika, Australien, Antarktis und Südamerika sowie Indien umfasste.
Der Südkontinent Gondwana befand sich zu Beginn des Ordoviziums in der Nähe des Äquators, driftete jedoch in Richtung Südpol. Gegen Ende der Periode kam es zu einer großflächigen Vereisung, ihre Spuren findet man heute in Nordafrika im Hoggar und in Marokko („Sahara-Eiszeit“) sowie in Südafrika und Südamerika. Ablagerungen dieses Eiszeitalters findet man auch in Spanien, Frankreich, dem Thüringer Wald und dem Altpaläozoikum von Prag, dem Barrandium. Am Nordrand von Gondwana lagen nämlich einige „exotische Terranes“, die heute zu Europa bzw. zum Osten Nordamerikas gehören (z. B. Florida). Diese „Perigondwana-Terranes“ waren ebenfalls von der ordovizischen Vereisung betroffen.
[Bearbeiten] Ozeane
Alle Kontinente waren weitgehend von Flachmeeren bedeckt, die einer vielfältigen Fauna den Lebensraum gab.
Die großen Ozeane waren Panthalassa, der Japetus zwischen Laurentia und Baltica und die Paläo-Tethys zwischen Laurentia, Sibiria und Gondwana.
[Bearbeiten] Klima
Zu Beginn war es zumindest in Nähe des Äquators sehr warm, am Ende des Ordoviziums kam es jedoch zu einer der größten Vereisungen innerhalb des gesamten Äons des Phanerozoikums. Diese Vereisung könnte mit ein Auslöser für das Massenaussterben im Oberordovizium gewesen sein.
[Bearbeiten] Biosphäre
[Bearbeiten] Faunenentwicklung
Am Ende des Kambriums kam es zu einem Wechsel in der marinen Fauna, viele Arten starben aus. Im Ordovizium entstanden einfache Landpflanzen. Erst im nachfolgenden Silur eroberten auch die Tiere das Land. Es gab jedoch nach dem Massenaussterben am Ende des Kambriums im Ordovizium wieder eine reiche Entfaltung der Lebewesen im Wasser und Radiationen verschiedener Tier- und Pflanzengruppen. Durch das anfangs sehr warme Klima war der Meeresspiegel hoch; zahlreiche Transgressionen auf den Kontinenten bildeten ausgedehnte Flachwassermeere. Diese stellten für die wasserbewohnenden Lebewesen einen zusätzlichen Lebensraum dar. Besonders auf dem Grund der seichten, warmen Gewässer konnten sich die benthisch lebenden Organismen entfalten, unter ihnen die Trilobiten, Brachiopoden, Korallen, Moostierchen, Schwämme, Muscheln und Schnecken.
[Bearbeiten] Leitfossilien
Eine weitere Zoneneinteilung basiert hauptsächlich auf den vorkommenden Leitfossilien. Zu nennen sind: Graptolithen, Trilobiten, Ostracoden, Gastropoden, Nautiloiden, Conodonten, Brachiopoden. Von den aufgezählten Fossilien sind vor allem die Graptolithen von großer Bedeutung.
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Literatur
- Ernst Probst: Deutschland in der Urzeit, C. Bertelsmann, München 1986, ISBN 3-570-01066-X
- B. D. Webby, F. Paris, M. L. Droser und I. G. Percival (Herausgeber): The Great Ordovician Biodiversification Event, S.41-47, Columbia University Press, New York 2004 ISBN 0-231-12678-6.
- Roger A. Cooper, Godfrey S. Nowlan und S. Henry Williams: Global Stratotype Section and Point for base of the Ordovician System. Episodes, 24(1): 19-28, Beijing 2001 ISSN 0705-3797
[Bearbeiten] Weblinks
- Perioden der Erdgeschichte
- Allgemeiner Beitrag zur Evolution, u. a. auch zum Ordovizium
- Beispiele für Ordovizium-Fossilien
- Karte der Erde im Ordovizium - in englisch
- http://www.stratigraphy.org/gssp.htm Global Boundary Stratotype Sections and Points von Jim Ogg] (in Englisch)

