Orestiada

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Gemeinde Orestiada
Δήμος Ορεστιάδος (Ορεστιάδα)
Orestiada (Griechenland)
Bluedot.svg
Basisdaten
Staat: Griechenland
Region: Ostmakedonien und Thrakien
Regionalbezirk: Evros
Geographische Koordinaten: 41° 30′ N, 26° 32′ O41.526.533333333333Koordinaten: 41° 30′ N, 26° 32′ O
Fläche: 967,5 km²
Einwohner: 37.695 (2011[1])
Bevölkerungsdichte: 39 Ew./km²
Gemeindelogo:
Gemeindelogo von Gemeinde Orestiada
Sitz: Orestiada
LAU-1-Code-Nr.: f11
Gemeindebezirke: 4 Gemeindebezirke
Lokale Selbstverwaltung: f122 Stadtbezirke
27 Ortsgemeinschaften
Website: www.orestiada.gr
Lage in der Region Ostmakedonien und Thrakien
Datei:2011 Dimos Orestiados.svg

f9f8

Orestiada (griechisch Ορεστιάδα [ɔrɛˈstjaða] (f. sg.), älter auch Orestias Ὀρεστιάς, türkisch Kumçiftliği) ist die nördlichste Gemeinde Griechenlands. Sie wurde 2010 durch Eingemeindung der zuvor selbständigen Gemeinden Kyprinos, Trigono und Vyssa in ihrer heutigen Form geschaffen. Ihr Gebiet entspricht exakt dem der Provinz Orestiada, die bis 1997 bestand. Sitz der Gemeinde ist die Kleinstadt Orestiada mit rund 18.500 Einwohnern, weitere Siedlungen auf dem Gemeindegebiet sind die Kleinstadt Nea Vyssa (2.805 Ew.) und die Dörfer Dikea (561 Ew.), Fylaki (595 Ew.) und Kyprinos (806 Ew.).[1]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Orestiada ist die nördlichste Stadt Griechenlands. Die Stadt liegt zwei Kilometer westlich des Evros, der hier die Grenze zur Türkei bildet. Oriestiada liegt 23 km südlich von Edirne etwa 64 km südwestlich vom griechisch-türkisch-bulgarischen Dreiländereck, 110 km nördlich von Alexandroupoli, etwa 20 km nördlich von Didymoticho und 460 km entfernt von Thessaloniki. Orestiada liegt an der GR-51/E85, die früher durch die Stadt führte, heute aber einen Kilometer westlich verläuft.

Geschichte[Bearbeiten]

Orestiada ist eine moderne und junge Stadt. Sie wurde erst 1923 anlässlich des Bevölkerungsaustausches zwischen Griechenland und der Türkei nach Plänen des Architekten Spyros Dasios gegründet. An der gleichen Stelle gab es bereits zuvor seit der Antike eine kleine Siedlung. Die Stadt erhielt ihren Namen in Anlehnung an das antike Orestiada, dem späteren Adrianopel, das in osmanischer Zeit Edirne genannt wurde.

Seit etwa 1360 gehörte Edirne ununterbrochen zum Osmanischen Reich zunächst bis 1912, ehe es während des Ersten Balkankrieges von bulgarischen Truppen besetzt und zunächst an Bulgarien abgetreten wurde. Im Ergebnis des Zweiten Balkankrieges erhielten die Osmanen 1913 die Stadt zwar noch einmal zurück, traten sie aber 1915 endgültig an Bulgarien ab, um Bulgarien an der Seite der Mittelmächte zum Eintritt in den Ersten Weltkrieg zu bewegen. Nach der Niederlage der Mittelmächte musste Bulgarien 1919 schließlich West-Thrakien samt Orestiada an Griechenland abtreten.

Orestiada und die Präfektur Evros blieben als Enklave auch griechisch während des Zweiten Weltkriegs, obwohl die westlich des Evros gelegenen Gebiete Thrakiens 1941-44 wieder von Bulgarien annektiert worden waren, da es im Gegensatz zum bulgarisch besetzten West-Thrakien und Ostmakedonien unter deutscher Militärverwaltung stand.

Über den Grenzfluss, auch im Gebiet von Orestiada, gab es in den letzten Jahren beträchtliche illegale Migration. 2009 gab es 4.000 Grenzübertritte, 2010 bereits 50.000. Dabei kam es mehrfach zu Todesfällen. Seit 2009 findet ein Einsatz der europäischen Grenzschutzagentur Frontex statt. 2011 wurde der Bau eines Wassergrabens begonnen, der den Flüchtlingsstrom eindämmen soll.[2] Im Dezember 2012 wurde ein Grenzzaun am Evros fertiggestellt. Die Mittel hierfür brachte der griechische Staat selbst auf. Seit der Fertigstellung des Zauns ist die Rate der illegalen Grenzüberschreitungen am Evros-Gebiet auf beinahe 0 gesunken.[3]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das jährlich stattfindende Jugend, Kultur und Musikfestival Ardas findet am gleichnamigen Fluss statt und ist landesweit bekannt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Das Gebiet um Orestiada ist eines der fruchtbarsten und landwirtschaftlich produktivsten Gebiete Griechenlands. Außerhalb der Stadt lag eine Zuckerfabrik, die Zuckerrüben aus der Umgebung verarbeitet hat.Im Zuge der Finanzkrise wurde der Betrieb 2014 eingestellt. In der Umgebung werden Mais, Kartoffeln und Wassermelonen angebaut. Hauptverkehrsweg soll die Nationalstraße 51 werden, welche am Abschnitt Thourio - Orestiada noch nicht fertiggestellt ist. Der Ort besitzt einen Bahnhof, der den Ort mit dem Rest der griechischen Republik verbindet.

Heute ist die moderne Stadt mit ihren breiten Einkaufspassagen und vielen Cafes und Bars, Anziehungspunkt vieler Jugendliche der umliegenden Peripherie. Die griechische Diaspora belebt zu den Sommermonaten das Geschäft der Kaufleute von Orestiada und leistet somit einen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt. In der Stadt gibt es eine zweispurigen Boulevard sowie einen geräumigen baumbestandenen Platz. Zum Freizeitangebot gehört die Wellness-Oase Cataract mit einem Bad und Wellnessangeboten. Eines der Wahrzeichen der Stadt ist der alte Bahnhof. Im Jahr 2014 wurde der Platz im Zentrum der Stadt zu einer großen Fußgängerzone erweitert und umgebaut, an dessen Rand Cafés, Schnellrestaurants, Bars und Bäckereien liegen. Damit erstreckt sich das Zentrum bis zum Bahnhof am östlichsten Punkt der Stadt und mündet dort in weite Parkanlagen. Um dieses neue Zentrum herum wurden Bäume gepflanzt und ein Boden-Springbrunnen verbaut, der abends erleuchtet wird.

Orestiada besitzt einen eigenen lokalen TV Sender, der über lokale Nachrichtenmagazine bis hin zur Organisation und Ausstrahlung kultureller Veranstaltungen bietet. In Orestiada befindet sich auch der nördlichste Radiosender Griechenlands, Radio Evros.

Dörfer die zur Gemeinde von Orestiada gehören sind Thourio, Neo Chimonio, Valtos, Ambelakia, Neochori und Sakkos. Orestiada führt eine Städtepartnerschaft mit der deutschen Stadt Siegburg.

Bildung[Bearbeiten]

Im Jahre 1999 wurde eine Fakultät für Ländliche Entwicklung sowie eine Fakultät für Forstwissenschaften, Umweltmanagement und natürliche Ressourcen der Demokrit-Universität Thrakien angesiedelt. Die Stadt wurde damit der vierte Standort der Universität.

Sport[Bearbeiten]

Die Stadt hat eine Volleyballmannschaft: die A.O. Orestiada. Die Region und die Mannschaft brachten in den 1980er und 1990er Jahren große Talente und Nationalspieler hervor, welche später in den großen Klubs in Athen und Thessaloniki spielten. Die Mannschaft gewann in diesen Jahrzehnten viele Jugend-Meisterschaften in Griechenland, und brachte damit eines der größten Talente des griechischen Volleyballsports heraus: Nikos Samaras. Nach seinem plötzlichen Tod im Januar 2013 wurden sowohl die Volleyballarena der Stadt als auch ein Turnier des griechischen Volleyballverbandes nach ihm benannt.[4] A.O. Orestiada hat auch eine Fußballabteilung, welche Jugendliche und Kinder organisiert, aus denen auch schon Nationalspieler hervorgegangen sind, wie der Europameister von 2004, Stylianos Venetidis.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Orestiada ist der Geburtsort von Georgios Papas, des Führers einer Rebellengruppe im Fürstentum Moldau. Die politisch sehr aktive Familie Chatzinikolaou, die durch den Journalisten und Nachrichtensprecher Nikos Chatzinikolaou berühmt wurde, stammt aus der Stadt.

Ein Ehrenbürger der Stadt ist der Präsident der EU-Kommission Jean-Claude Juncker.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Ergebnisse der Volkszählung 2011 beim Nationalen Statistischen Dienst Griechenlands (ΕΛ.ΣΤΑΤ) (Excel-Dokument, 2,6 MB)
  2. Ann Löwin: "Graben an der Grenze", Jungle World, Nr. 33, 18. August 2011
  3. Video Ein Grenzzaun am Evros steht in der ZDFmediathek, abgerufen am 5. Februar 2014 (offline)
  4. Vorstellung des Gebäudes