Organisation Ukrainischer Nationalisten

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Wappen der OUN-M
Wappen der OUN-B

Die Organisation Ukrainischer Nationalisten (ukrainisch Організація Українських Націоналістів; deutsche Abkürzung: OUN) war eine ukrainische politische Organisation, deren Ursprung auf das Jahr 1929 zurückgeht. Ihr Ziel war die Unabhängigkeit der Ukraine. Sie entstand durch den Zusammenschluss der Ukrainischen Militärischen Organisation (UVO) mit verschiedenen kleineren rechtsgerichteten Gruppen sowie ukrainischen Nationalisten wie etwa Dmytro Donzow (1883 – 1973) [1], Jewhen Konowalez (1891 – 1938) [2] und Mykola Sziborskyj (1897 – 1941). [3].

Bei der UVO [4] handelte es sich um eine militante Untergrundorganisation, in der sich im Jahre 1920 in Prag unter der Führung von Jewhen Konowalez überwiegend Mitglieder der ehemaligen ukrainisch-galizischen Armee zusammengeschlossen hatten. Nachdem sich die Vorstellungen einer unabhängigen West-Ukrainische Volksrepublik (Ost-Galizien, Nord-Bukowina und Transkarpatien) nicht hatten durchsetzen lassen – im Frieden von Riga 1921 (Beendigung des Polnisch-Sowjetischen Kriegs) fiel das Gebiet der Westukraine an Polen, Rumänien und die Tschechoslowakei - versuchte die UVO den Kampf um eine unabhängige Ukraine fortzusetzen.

Der Gründungskongress fand vom 28. Januar bis 3. Februar 1929 in Wien statt.

Vorläufer[Bearbeiten]

Im Ersten Weltkrieg stellte die österreichisch-ungarische Armee Verbände von Freiwilligen aus Ruthenen, in der Habsburgermonarchie lebenden Ukrainern, auf, die Sitscher Schützen genannt wurden. Darunter befand sich auch, vielleicht zum ersten Mal im 20. Jahrhundert, eine Frauenkompanie. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs bildeten diese Einheiten den Kern der Streitkräfte der westukrainischen Volksrepublik. Deren Territorium, hauptsächlich der östliche Teil Galiziens, wurde jedoch auch von Polen beansprucht und 1919 militärisch besetzt. 1923 wurde es vom Völkerbund endgültig Polen zugesprochen. Aus demobilisierten Soldaten der westukrainischen Volksrepublik bildete Oberst Jewhen Konowalez, im Ersten Weltkrieg Kommandant der Sič-Schützen aus der Bukowina, 1920 die „Ukrainische Verteidigungsorganisation“ („Ukrains'ka Vijs'kova Orhanizacija“), die im Untergrund gegen den polnischen Staat in Ostgalizien kämpfte.

Die südöstlichen Gebiete Polens: In Ostgalizien und Wolhynien lebten mehrheitlich Ukrainer

Unter österreichischer Herrschaft war in Ostgalizien ein ruthenisches Bildungswesen entstanden. Ruthenisch/ukrainische Volksbildungsgesellschaften (Proswita), Pfadfindervereine (Sič, Plast) und bäuerliche Wirtschaftsgenossenschaften konnten sich frei entfalten. Die Ruthenen Ostgaliziens, die nach der Volkszählung von 1910 knapp zwei Drittel der Bevölkerung stellten, fühlten sich überwiegend als Teil der ukrainischen Nation und empfanden die polnische Herrschaft als Okkupation. Die polnische Republik verabschiedete zwar im Jahr 1922 ein Gesetz über die Teilautonomie Ostgaliziens, es wurde jedoch nie umgesetzt. Das Bildungswesen wurde weitgehend polonisiert, in ukrainisch bewohnten Gebieten wurden polnische Bauern angesiedelt. Die ukrainischen Parteien reagierten zunächst mit einem Wahlboykott, im Untergrund wurde eine ukrainische Universität eingerichtet. Die UVO begann einen Guerillakrieg gegen den polnischen Staat. Sie verübte Sabotageakte und Überfälle auf Post und Eisenbahn und Angriffe auf polnische Landgüter. Ein 1921 versuchtes Attentat auf Jozef Pilsudski scheiterte. Der polnische Staat reagierte mit „Pazifizierungsaktionen“: Angriffe der Armee auf ukrainische Dörfer und Verhaftungen ukrainischer Politiker und vermeintlicher UVO-Anhänger. Die 24-jährige Olha Basarab, ein früheres Mitglied der Sič-Frauenkompanie, wurde 1924 bei einem Polizeiverhör getötet. Sie wurde zur „Märtyrerin“ der UVO. Der UVO gelang es, den Pfadfinderverband „Plast“ zu beeinflussen und durch ihn Nachwuchs zu rekrutieren. Trotzdem war ihr Guerillakrieg nicht überall populär. Weil Kultur- und Wirtschaftsorganisationen der Ukrainer anders als in der Sowjetunion weiterbestehen durften, gewannen politische Kräfte an Boden, die für eine Zusammenarbeit mit der polnischen Republik plädierten. Die Unierte Kirche unter dem populären Metropoliten Andrej Scheptyzkyj ging zur UVO auf Distanz. Deren Führung hatte über geflüchtete Offiziere jedoch Kontakte in die Tschechoslowakei, nach Litauen und Deutschland aufgebaut. Die deutsche Reichswehr führte bereits 1923 geheime Ausbildungskurse für die UVO in München durch. Viele UVO-Aktivisten flohen ins Ausland. In Wien entstand schließlich am 3. Februar 1929 aus einem Zusammenschluss der UVO mit dem seit 1926 in Galizien aktiven „Bund der Ukrainischen Nationalistischen Jugend“ die Organisation Ukrainischer Nationalisten: OUN. Ihr Vorsitzender wurde Jewhen Konowalez.

Die OUN bis zum Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Nach dem Ende des ersten ukrainischen Staats, der Ukrajinska Narodna Respublika (Ukrainische Volksrepublik), hatten sich verschiedene Emigrationszentren gebildet, unter anderem um Ataman Petljura in Paris und Warschau und um Hetman Skoropadskyj in Berlin. Nach der Ermordung Petljuras (Grund war seine vermutete Schuld an antisemitischen Pogromen) vollzog die ursprünglich eher liberal oder links eingestellte Emigration zunehmend eine Wende nach rechts. Zum wichtigsten Ideengeber der OUN wurde Dmytro Donzow, der bis 1939 im heutigen Lwiw (Lemberg) die renommierte Zeitschrift „Vistnyk“ herausgab. Ursprünglich ein aus der Ostukraine stammender Sozialist, wurde er zum Befürworter eines „integralen Nationalismus“: Der Einheit (sobornist) und Unabhängigkeit der Ukraine sollten alle übrigen politischen Ziele untergeordnet werden. Erreicht werden sollte dieses Ziel mit „amoralnist“ (Unmoralität), d. h. durch Bündnisse mit ausnahmslos jedem Gegner Großrusslands. „Anstelle von Pazifismus...die Idee von Kampf, Expansion, Gewalt ... ein fanatischer Glaube an die eigene Wahrheit, Exklusivität, Härte. Anstelle von Partikularismus, Anarchismus und Demo-Liberalimus – die Interessen der Nation über allem“, forderte er in seinem 1926 erschienenen Buch „Nacionalizm“. OUN-Mitglied wurde er jedoch nicht. Die OUN forderte in ihren „Zehn Geboten des ukrainischen Nationalisten“ unter anderem:[5]
„1. Du wirst einen ukrainischen Staat erreichen oder im Kampf dafür sterben, [...]
8. Behandle die Feinde Deiner Nation mit Haß und ohne Rücksicht, [...]
10. Strebe danach, die Macht, den Reichtum und den Ruhm des ukrainischen Staats zu mehren.“

Bereits im Jahr der Gründung begann die OUN mit dem bewaffneten Kampf gegen den polnischen Staat. Es wurden Anschläge auf staatliche Funktionäre, Brandschatzungen und Gleisdemontagen durchgeführt. Erst im Herbst 1930 kam es zu massivem militärischen Eingreifen des Staates.[6] Dies führte zu einer weiteren Verhärtung der Positionen, so dass die OUN Zulauf von jungen Ukrainern erhielt. Im August 1931 wurde Tadeusz Hołówko, ein Politiker und Vertreter eines liberalen Kurses gegenüber der ukrainischen Minderheit, von der OUN erschossen.[6]

Zunächst versuchte die OUN, den polnischen Staat zu destabilisieren, und intensivierte ihre Guerillatätigkeit in Polen, wobei ihr die Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage zugutekam. 1932 organisierte sie einen Bauernaufstand im Kreis Lesko, der von 4000 Soldaten und Polizisten mithilfe der Luftwaffe niedergeschlagen wurde. Bei den „Pazifizierungsaktionen“ wurden Ukrainer von der Polizei geschlagen und Häuser und Dörfer zerstört, sie vertieften die Feindschaft zwischen Polen und Ukrainern und schädigten das Ansehen Polens im Ausland, ohne jedoch die OUN zerschlagen zu können.

Im Gegenzug ermordete die OUN weitere polnische Politiker, so 1934 den Innenminister Pieracki und auch kooperationswillige Ukrainer. Daraufhin wurde der Druck der polnischen Republik auf die Ukrainer weiter verstärkt und über 90 griechisch-orthodoxe Kirchen zerstört.[6]

Nachdem es 1935 trotzdem zu einer Annäherung zwischen gemäßigten Ukrainern und Piłsudski kam, verschlechterte sich das polnisch-ukrainische Verhältnis 1938/39 erneut: Ukrainer wurden aus dem öffentlichen Dienst entlassen, orthodoxe ukrainische Kirchen katholisiert oder geschlossen.

Die OUN hatte in der Zwischenzeit ihre Kontakte nach Deutschland, vor allem zur Reichswehr und deren Abwehrchef Admiral Canaris ausgebaut. 1933 versuchte sie in Zusammenarbeit mit der Reichswehr, das 1926 in Berlin gegründete „Ukrainische Wissenschaftliche Institut“ (UWI) unter Kontrolle zu bekommen, was aber misslang. Die NSDAP pflegte in der Folgezeit eher ihre Beziehungen zur „Hetman-Organisation“ Skoropadskis, die das UWI kontrollierte. Der OUN-Vorsitzende Konowalez versuchte zwar, ein europaweites Beziehungsnetz aufzubauen, um einseitige Abhängigkeiten zu vermeiden. Nach seiner Ermordung 1938, die sowjetischen Agenten angelastet wurde, steuerte die OUN unter ihrem neuen Vorsitzenden Andrij Melnyk einen ausgesprochen prodeutschen Kurs.

Karpato-Ukraine: Das rot abgetrennte Gebiet wurde nach dem Ersten Wiener Schiedsspruch von Ungarn annektiert

Dass das Dritte Reich aber ein doppeltes Spiel mit den Ukrainern spielte, wurde bei der Zerschlagung der Tschechoslowakei deutlich. Die ukrainischen Nationalisten, die auf die Zusammenarbeit mit Hitler setzten und deutsche Hilfe bei der Erlangung einer Groß-Ukraine erhofften, wurden im März 1939 schwer enttäuscht.[7] Der östlichste Teil der Tschechoslowakei, die Karpato-Ukraine, wurde nach dem Münchener Abkommen autonom. Deutschland unterstützte die autonome Region einerseits mit Handelsabkommen. Andererseits gaben deutsche Stellen Ungarn grünes Licht zur Annexion zunächst von Teilgebieten. Im März 1939 erklärte sich die Karpato-Ukraine unter Ministerpräsident Awgustyn Woloschyn für unabhängig und bat Hitler, die Region unter seinen Schutz zu stellen.[8] Ungarn annektierte daraufhin mit deutscher Zustimmung das gesamte Gebiet. Die schlecht ausgebildete und schlecht ausgerüstete Karpatska Sitsch unter der Führung von zwei OUN-Leuten (Iwan Rohatsch und Stefan Rosocha), die sich selbst zu Oberstleutnanten erklärt hatten, obwohl sie nie Militärdienst geleistet hatten,[9] leistete den einmarschierenden Ungarn kurzzeitig Gegenwehr.

Die OUN im Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Wie im Geheimen Zusatzprotokoll zum Hitler-Stalin-Pakt vereinbart, wurden beim deutsch-sowjetischen Überfall auf Polen zu Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 Ostgalizien und Westwolhynien von der Roten Armee besetzt. Gemäßigte ukrainische Politiker solidarisierten sich mit der polnischen Republik. Die OUN dagegen verzichtete auf einen in Galizien geplanten militärischen Aufstand gegen die polnische Herrschaft, um nunmehr gegen die sowjetischen Truppen zu kämpfen. Es folgten 1940/41 vier große Deportationswellen aus den sowjetisch gewordenen Gebieten, denen nach Schätzung der polnischen Exilregierung über 600.000 Menschen zum Opfer fielen.

Westgalizien wurde Teil des deutschen Generalgouvernements mit der Hauptstadt Krakau. Als Vertretung der Ukrainer rief die deutsche Besatzungsmacht einen „Ukrainischen Hauptausschuß“ ins Leben, an dem die OUN jedoch nicht beteiligt wurde. Deren Kader wurden jedoch aus polnischen Gefängnissen freigelassen. Auf einem Kongress 1940 in Krakau spalteten sie sich in „Melnykisten“ (OUN-M), meist ältere Emigranten, und „Banderisten“, meist jüngere Anhänger Stepan Banderas mit Erfahrung im Untergrundkampf, die sich seitdem erbittert bekämpften.

Die stark antipolnischen und antirussischen ukrainischen Nationalisten sahen bereits den Polenfeldzug als Anfang einer Befreiung durch die Deutschen. Die Wehrmacht formierte 1940 aus OUN-B-Angehörigen zwei Bataillone: „Nachtigall“ und „Roland“, die im Deutsch-Sowjetischer Krieg eingesetzt wurden. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion 1941 bildete die OUN-B „Marschgruppen“ (pochidni hrupy OUN), die die Grundlage für die Verwaltung einer selbständigen Ukraine legen sollten. Vor ihrer Flucht ermordeten die Sowjets mehrere tausend Gefangene. Diese Taten wurden durch von der Gestapo ausgestreute Gerüchte den Juden zur Last gelegt. Hierauf kam es in Lemberg und anderen Orten zu Pogromen gegen die jüdische Bevölkerung, an denen sich viele Ukrainer beteiligten. Die OUN rief zu den Pogromen zwar nicht auf, distanzierte sich jedoch auch nicht davon. Ein Zitat aus einem 1942 veröffentlichten Flugblatt der OUN-B belegt, dass antisemitische Äußerungen ihr zumindest nicht fremd waren: „Wir wollen nicht für Moskau, die Juden, die Deutschen und andere Fremde arbeiten, sondern für uns.[10]

Am 30. Juni 1941 proklamierte die OUN-B in Lemberg die Unabhängigkeit der Ukraine und bildete eine Regierung unter Jaroslaw Stezko. Während die Wehrmacht die Aktivitäten der OUN-B zunächst tolerierte, wurden Jaroslaw Stezko und Stepan Bandera bereits eine Woche später von der SS verhaftet und im September 1941 als „Schutzhäftlinge“ in das KZ Sachsenhausen gebracht. Das nationalsozialistische Deutschland hatte andere Pläne mit der Ukraine: Sie wurde in das Generalgouvernement (Polen und Ostgalizien) und das Reichskommissariat Ukraine aufgeteilt.

Der Reichsführer-SS Heinrich Himmler machte in seiner rassischen Verachtung keinen Unterschied zwischen Slawen und Ukrainern und Hitler hielt letztere für „genauso faul, unorganisiert und nihilistisch-asiatisch ... wie die Großrussen[11], während OUN-Theoretiker nachzuweisen versuchten, dass die Ukrainer keine Slawen, sondern Nachkommen einer „autochthonen Urbevölkerung“ seien.

Reichskommissar Koch und seine Unterführer, aber auch Stellen der Wehrmacht betrieben eine brutale Ausbeutungspolitik. Die Kolchosen aus der Sowjetzeit wurden beibehalten und ihre Ablieferungsquoten erhöht, über 1 Million Ukrainer als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt. Vor Kolchosenarbeitszwang und „Fremdarbeiter“-Rekrutierung flohen viele Ukrainer in die Wälder. Aus ihnen formierte die OUN-B die ersten nationalistischen Partisaneneinheiten in Polesien und Wolhynien, die im Februar 1943 zur Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA) vereinigt wurden. Diese errang mit geschätzten 40.000 bis 100.000 Kämpfern die Kontrolle über Teile Wolhyniens und Polesiens, wobei die dortige polnische Bevölkerung gezielten Massakern zum Opfern fiel, was wiederum zu schweren Kämpfen mit der polnischen Heimatarmee führte (siehe Polnisch-Ukrainischer Konflikt in Wolhynien und Ostgalizien). Die OUN-B kämpfte nun nach ihren Verlautbarungen mit gleicher Intensität gegen deutsche wie sowjetisch/russische Besetzer, im August 1943 formulierte sie ein Programm, das versuchte, Nationalismus mit demokratischen Elementen zu verbinden. Kampfhandlungen der UPA gegen deutsche Truppen sind belegt. So fanden im Sommer 1944 heftige Gefechte zwischen Wehrmacht, Roter Armee und OUN/UPA um die Kontrolle der Karpatenpässe statt. Trotzdem kollaborierte die UPA beim Rückzug aus der Ukraine im Herbst 1944 mit der deutschen Wehrmacht. Im Oktober 1944 wurden die meisten ukrainischen Nationalisten aus den deutschen KZs entlassen.

Etwa 40.000 UPA-Angehörige[12] ließen sich im Gebiet der Karpatenukraine von der Roten Armee überrollen und begannen nach 1945 in der Westukraine einen blutigen Guerillakrieg, dem nach Einschätzung der CIA bis 1951 etwa 35.000 Menschen zum Opfer fielen.[13] Die terroristischen Operationen richteten sich nicht nur gegen Polizeikräfte und kommunistische Parteifunktionäre, sondern auch gegen die Zivilbevölkerung, darunter vor allem die überlebenden Juden.[14] Der Guerillakrieg wurde ab 1949 von der CIA unterstützt, die bis 1953 etwa 75 Exilukrainer per Fallschirm in der Ukraine absetzte; auch der britische SIS beteiligte sich im Jahre 1951 an diesen Aktionen. Die Sowjetunion legte 1957 vor der UNO gegen diese Operationen formell Protest ein.[15]

1947 koordinierten die Sowjetunion, Polen und die Tschechoslowakei die Bekämpfung der UPA-Guerillas in ihren Grenzgebieten. Nachdem der UPA-Anführer Roman Schuchewytsch am 5. März 1950 in der Nähe von Lemberg von Polizeieinheiten gestellt und erschossen wurde, verlor der Guerillakrieg an Dynamik und wurde bis 1953 niedergeschlagen.[16]

Die OUN soll auch mit terroristischer Gewalt gegen die Zwangsvereinigung der ukrainischen Katholiken mit der Russisch-Orthodoxen Kirche 1946 vorgegangen sein, so wurde am 28. September 1948 einer der Hauptbefürworter, Protopresbyter Dr. Gabriel Kostelnik, von einem ukrainischen Attentäter erschossen. Die Sowjetbehörden beschuldigten die OUN, das Attentat in Auftrag gegeben zu haben, namentlich die OUN-Anführer Stepan Bandera, Jaroslaw Stezko, Mykola Lebed und Ivan Hrynioch (1941 Feldgeistlicher der berüchtigten Wehrmachtseinheit Nachtigall).[17]

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

In den Lagern der Displaced Persons in Deutschland, meist ehemalige Zwangsarbeiter, organisierten die Ukrainer 1945 eine „Zentralvertretung der Ukrainer in Deutschland“, die von Vertretern der OUN-B geführt wurde. Die genaue Zahl der bei Kriegsende in Deutschland befindlichen Ukrainer ist unbekannt, seit 1948 wurden jedoch nach Zahlen der „International Refugee Organisation“ 114.000 Ukrainer in westliche Länder umgesiedelt. Zahlreiche ehemalige Mitglieder der Organisation Ukrainischer Nationalisten schlossen sich im amerikanischen Exil in der Organisation Ukrainian Congress Committee of America zusammen, welches bis in die Gegenwart politisch aktiv ist.[18] Die Auseinandersetzungen über die Orientierung der OUN auf autoritäre oder demokratische Ziele ging in der Emigration weiter, die OUN spaltete sich hierüber in mehrere Gruppen. Wieweit die OUN antisowjetische Partisanen, die bis Anfang der 50er Jahre in der Ukraine aktiv waren, beeinflusste, ist unbekannt. Zum Zentrum der Nachkriegsemigration wurde zunächst München, wo eine „Ukrainische Freie Universität“ gegründet wurde. Auch die älteste wissenschaftliche Gesellschaft der Ukraine, die „Ševčenko-Gesellschaft“, wurde fortgeführt; heute in Sarcelles/Frankreich. Stepan Bandera wurde 1959 in München von einem sowjetischen Agenten ermordet. Während der Zeit des kalten Kriegs erfolgte wurden die Exilkräfte der OUN durch den amerikanischen CIA unterstützt.[19]

Die Eigenstaatlichkeit und Demokratisierung der heutigen Ukraine wurde schließlich nicht durch die Tätigkeit der OUN verwirklicht, sondern im Zuge der Zerfalls der Sowjetunion durch Kräfte in der ukrainischen Gesellschaft.

Nachfolger[Bearbeiten]

Als offizielle Nachfolgeorganisation der OUN in der nachsowjetischen Ukraine versteht sich der Kongress Ukrainischer Nationalisten, der dem Block Nascha Ukrajina von Wiktor Juschtschenko angehört. Sie wurde von der OUN-Vorsitzenden Slawa Stezko, Witwe von Jaroslaw Stezko, mitbegründet.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Organisation Ukrainischer Nationalisten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Internet Encyclopedia of Ukraine (Canadian Institute of Ukrainian Studies/University of Toronto): Dmytro Dontsov
  2. Internet Encyclopedia of Ukraine (Canadian Institute of Ukrainian Studies/University of Toronto): Yevhen Konovalets
  3. Internet Encyclopedia of Ukraine (Canadian Institute of Ukrainian Studies/University of Toronto): Mykola Stsiborsky
  4. Internet Encyclopedia of Ukraine (Canadian Institute of Ukrainian Studies/University of Toronto): Ukrainian Military Organization
  5. Zitiert nach Kappeler (2000), S. 211.
  6. a b c Włodzimierz Borodziej, Geschichte Polens im 20. Jahrhundert, München 2010, ISBN 978-3-406-60648-9, S. 168.
  7. Frank Golczewski: Deutsche und Ukrainer 1914-1939. Paderborn 2010, S. 848-910.
  8. Golczewski: Deutsche und Ukrainer, S. 902.
  9. Golczewski: Deutsche und Ukrainer, S. 884.
  10. Zitiert nach Kappeler (2000), S. 222.
  11. Zitiert nach Kappeler (2000), S. 218.
  12. Christopher Simpson: „Blowback“ (Collier Books, New York 1989, Seite 163)
  13. Schriftwechsel Frank Wisner (Chef des CIA-Directorate of Plans) mit der US-Einwanderungsbehörde INS 1951, zitiert in: John Loftus: „The Belarus Secret“ (Knopf, New York 1982, Seiten 102/103)
  14. „Nature and Extent of Disaffection and Anti-Soviet Activity in the Ukraine“ (Bericht des US-Militärattachés der US-Botschaft in Moskau, 17. März 1948), zitiert in: Christopher Simpson: „Blowback“ (Collier Books, New York 1989, Seite 171)
  15. United Nations: „Official Records of the General Assembly“ (11th Session [November 12, 1956 – March 8, 1957], Annexes Volume II – Agenda Item 70, Seiten 1-14)
  16. S.P.: „Taras Chuprynka“, in: ABN Correspondence, München (Vol. XXVI, No.2 March/April 1975, Seiten 23-24)
  17. „The Present Destruction Of Christian Churches“, in: ABN Correspondence, München (Vol. XXVI, No.3/4 May-August 1975, Seiten 61–64)
  18. Is the US backing neo-Nazis in Ukraine? - Salon
  19. Rudling, Per Anders (2013): The Return of the Ukrainian Far Right: The Case of VO Svoboda. In Wodak and Richardson: Analysing Fascist Discourse: European Fascism in Talk and Text. New York: Routledge. ISBN 978-0-415-89919-2