Orgeln von St. Lorenz (Nürnberg)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Orgeln von St. Lorenz (Nürnberg)
Nürnberg Lorenz Orgel (2).jpg
Allgemeines
Ort St. Lorenz (Nürnberg)
Orgelerbauer Steinmeyer, Klais
Baujahr 1862, 1937, 2005
Letzte(r) Umbau/Restaurierung 2002
Epoche 20./21. Jahrhundert
Orgellandschaft Franken
Technische Daten
Anzahl der Pfeifen über 12.000
Anzahl der Register 162
Anzahl der Pfeifenreihen 239
Anzahl der Manuale 5+3+2
Tontraktur Elektrisch/Mechanisch
Registertraktur Elektrisch
Anzahl der 32′-Register 3
Anzahl der 64′-Register 1
Sonstiges
Bedeutende Organisten

Matthias Ank

Zentraler Spieltisch

Die drei Orgeln von St. Lorenz in Nürnberg bilden eine Orgelanlage, die zu den größten der Welt gehört. Sie besteht aus der Hauptorgel (auf der Hauptempore unter der Rosette), der Laurentiusorgel (die Schwalbennestorgel im Langschiff) und der Stephanusorgel (Chororgel im oberen Hallenchorumgang). Mit 162 Registern und insgesamt über 12.000 Pfeifen beherbergt die Lorenzkirche damit die zweitgrößte Orgelanlage in Deutschland nach der größten Orgel Deutschlands in Passau und die größte Orgelanlage einer evangelischen Kirche in Deutschland. Alle drei Orgeln lassen sich über zwei elektronische Zentralspieltische im Kirchenschiff und auf der Westempore spielen. Die Laurentiusorgel sowie die Stephanusorgel verfügen über separate, mechanische Spieltische.

Die Hauptorgel[Bearbeiten]

Hauptorgel

Die Hauptorgel ist das älteste für die Lorenzkirche erbaute Instrument und stammt aus der Werkstatt von G. F. Steinmeyer & Co. aus dem Jahr 1937, kombiniert mit Bestandteilen, z.B. Kegelladen der Steinmeyer-Vorgängerorgel von 1879. Ihr äußerer Aufbau wurde nach Kriegsschäden bei der Wiederherstellung 1950 bis 1952 so gewählt, dass die Rosette der Westwand vom Kirchenraum aus zu sehen ist. Johannes Klais Orgelbau restaurierte das Instrument im Jahr 2002 und fügte ein Hochdruckwerk hinzu. Insgesamt verfügt die Hauptorgel über 106 klingende Register auf fünf Manualen und Pedal. 2003 wurde die Orgel eingeweiht.

Disposition Hauptorgel seit 2002[Bearbeiten]

Erbaut 1937 von Steinmeyer mit elektrischen Taschenladen (liegende und stehende), elektrischen Kegelladen und elektrischer Registertraktur. 2002 restauriert und erweitert durch Klais.

I Brustwerk C–c4
1. Barem 8′
2. Principal 4′
3. Gedacktflöte 4′
4. Principal 2′
5. Rohrflöte 2′
6. Flachflöte 1′
7. Grossmixtur XII–XVI 2′
8. Mixtur III–IV 1/2
9. Helle Cymbel III–IV 1/4
10. Trompetenregal 16′
11. Krummhorn 8′
12. Klarinette 8′
Tremulant
II Hauptwerk C–c4
13. Praestant 16′
14. Quintade 16′
15. Octave 8′
16. Gambe 8′
17. Gedackt 8′
18. Rohrflöte 8′
19. Quinte 51/3
20. Superoctave 4′
21. Flaut 4′
22. Quinte 22/3
23. Octave 2′
24. Spitzflöte 2′
25. Octävlein 1′
26. Cornet V
27. Mixtur VI 2′
28. Kleinmixtur III–IV 2/3
29. Trompete 16′
30. Trompete 8′
31. Clarine 4′
III Schwellwerk C–c4
32. Hohlpfeife 16′
33. Principal 8′
34. Quintviola 8′
35. Aeoline 8′
36. Vox coelestis (ab c0) 8′
37. Bordun 8′
38. Holzflöte 8′
39. Octave 4′
40. Russisch Horn 4′
41. Zartgeige 4′
42. Nasat 22/3
43. Koppelflöte 2′
44. Violine 2′
45. Terzflöte 13/5
46. Nachthorn 1′
47. Grobmixtur VII–X 22/3
48. Kling. Cymbel IV–V 1/4
49. Bombarde 16′
50. Schweizer Trompete 8′
51. Oboe 8′
52. Schweizer Trompete 4′
Tremulant
IV Oberwerk C–c4
53. Geigend Principal 8′
54. Viola da Gamba 8′
55. Rohrgedackt 8′
56. Gemshorn 8′
57. Kupferprincipal 4′
58. Quintade 4′
59. Blockflöte 4′
60. Quinte 22/3
61. Schweizer Pfeife 2′
62. Waldflöte 2′
63. Terz 13/5
64. Superquinte 11/3
65. Septime 11/7
66. Jauchzend Pfeife II 1′
67. Mixtur V–VII 11/3
68. Scharf IV–VI 1/2
69. Rankett 16′
70. Helle Trompete 8′
71. Vox humana 8′
72. Singend Regal 4′
73. Meerflaut 4′
74. Vox angelica (B) 2′
75. Gambetta (D) 2′
Tremulant
V Hochdruckwerk C–c4
76. Principal 8′
77. Konzertflöte 8′
78. Stentorgambe 8′
79. Tuba magna 16′
80. Tuba mirabilis 8′
81. Fanfare 8′
82. Clarine 4′
Pedal C–g1
83. Tromba 64′ (211/3′)
84. Praestant (Ext. Nr. 85) 32
85. Octavbass 16′
86. Violonbass 16′
87. Theorbe 16′
88. Subbass 16′
89. Quintbass 102/3
90. Superoctavbass 8′
91. Cellobass 8′
(Fortsetzung Pedal)
92. Bassflöte 8′
93. Quintbass 51/3
94. Choralbass 4′
95. Pommerbass 4′
96. Octavbass 2′
97. Nachthornbass 2′
98. Sifflötenbass 1′
99. Rauschbass V 4′
100. Basszink VII 2′
(Fortsetzung Pedal)
101. Cymbelbass IV–V (= Nr. 48) 1/4
102. Posaunenbass (Ext. Nr. 104) 32'
103. Sordunbass (Ext. Nr. 69) 32′
104. Posaunenbass 16′
105. Trompetenbass (= Nr. 49) 16′
106. Fagottbass 8′
107. Lurenbass 4′
108. Cornettbass 2′
  • Koppeln: Koppeln, Sub- und Superkoppeln für alle Manualwerke.
  • Spielhilfen: Setzer mit 5120 Kombinationen, Tutti I – IV, Zungen ab, Walze mit Registerschweller (für Hauptorgel und für Stephanus- und Laurentiusorgel), Werktrenner für alle drei Orgeln.
  • Cymbelstern G und C.

Die Laurentiusorgel[Bearbeiten]

St. Lorenz, Laurentiusorgel

Das jüngste Instrument der Lorenzkirche ist die im Jahre 2005 erbaute Laurentiusorgel an der Obergadenwand an der Nordseite des Langhauses. An diesem Standort befand sich bereits im 12. Jahrhundert eine Orgel. Im Krieg ging die 1937 von Steinmeyer gebaute Laurentiusorgel verloren und wurde von dieser Firma 1962 ersetzt, war aber akustisch zu schwach dimensioniert. Der derzeitige Neubau von Klais bildet das Bindeglied zwischen der Hauptorgel im Westen und der Stephanusorgel im Osten. 33 Register verteilen sich auf drei Manuale und Pedal. Mit einem Konzert am 13. März 2010 wurde das sogenannte „Hans-Sachs-Spiel“ in der Laurentiusorgel eingeweiht. In einem Kasten im Bodenbereich der Orgel befindet sich eine Holzfigur des Meistersingers Hans Sachs, die auf Knopfdruck des Organisten aus einer sich öffnenden Klappe heraus in Richtung der Kanzel der Kirche blickt. Dabei ertönt ein Zimbelstern.[1]

Disposition Laurentiusorgel seit 2005[Bearbeiten]

Erbaut 2005 durch Klais mit 32 Registern auf drei Manualen und Pedal, elektrischer Registertraktur, mechanischer Tontraktur.[2]

I Rückpositiv C–c4
1. Gedackt 8′
2. Praestant 4′
3. Gedacktflöte 4′
4. Nazard 22/3
5. Flageolett 2′
6. Terz 13/5
7. Mixtur III 1′
8. Bärpfeife 8′
Tremulant
II Hauptwerk C–c4
9. Grossgedackt 16′
10. Principal 8′
11. Viola 8′
12. Bordun 8′
13. Octave 4′
14. Rohrflöte 4′
15. Quinte 22/3
16. Superoctave 2′
17. Mixtur V 2′
18. Trompete 8′
III Oberwerk C–c4
19. Salicional 8′
20. Rohrflöte 8′
21. Spitzflöte 4′
22. Gemshorn 2′
23. Larigot 11/3
24. Cornet II 22/3
25. Cromhorn 8′
Glockenspiel
Tremulant
Pedal C–g1
26. Principal 16′
27. Großgedackt 16′
28. Octave 8′
29. Bordun 8′
30. Octave 4′
31. Posaune 16′
32. Trompete 8′
  • Koppeln: I/II, III/II, III/I, I/P, II/P, III/P, Super III/P.
  • Spielhilfen: 5120 freie Kombinationen, Cymbelstern, Rossignol

Die Stephanusorgel[Bearbeiten]

Stephanusorgel

Die große Orgelanlage 1937 von Steinmeyer umfasste auch eine auf vier Klangkörper verteilte Orgel auf dem Umgang im Ostchor, die jedoch wie die damalige Laurentiusorgel durch Kriegseinwirkung vernichtet wurde. Mit der Stephanusorgel ist damit die Idee der Orgeltrias von 1937 wieder verwirklicht worden.

Die Stephanusorgel ist die älteste Orgel in St. Lorenz. Sie wurde 1862 von der Orgelbaufirma Steinmeyer für die Stadtpfarrkirche von Hersbruck erbaut und ist original erhalten, kam aber erst 2002 nach St. Lorenz. Mit 24 Registern ist sie - abgesehen von den in der Kirche auch vorhandenen Positiven von Beckerath und Friedrich - die kleinste Orgel der Kirche. Da sie sich mit ihrer romantisch angelegten Disposition gut für Literatur von romantischen Komponisten eignet, ist sie eines der Schmuckstücke von St. Lorenz.

Disposition Stephanusorgel seit 1862[Bearbeiten]

Die Orgel besitzt mechanische Kegelladen.[2]

I Hauptwerk C–f3
1. Bourdon 16′
2. Principal 8′
3. Gamba 8′
4. Salicional 8′
5. Tibia 8′
6. Gedeckt 8′
7. Octave 4′
8. Gemshorn 4′
9. Flöte 4′
10. Octave 2′
11. Mixtur IV 2′
II Nebenwerk C–f3
12. Geigenprincipal 8′
13. Dolce 8′
14. Gedeckt 8′
15. Fugara 4′
16. Traversflöte 4′
17. Flautino 2′
18. Fagott & Clarinette 8′
19. Phisharmonika 8′
Pedal C–d1
20. Violon 16′
21. Subbaß 16′
22. Octavbaß 8′
23. Cello 8′
24. Posaune 16′
  • Koppeln:
  • Spielhilfen: Schwellerzug und Tritt für die Phisharmonika.
  • Cymbelstern (Melodie „Alles ist an Gottes Segen“).

Literatur[Bearbeiten]

  •  Hermann Harrasowitz: Geschichte der Kirchenmusik an St. Lorenz. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg. Nürnberg 1973, ISBN 3874320197 (online).
  •  Christian Schmidt und Georg Stolz: Soli deo Gloria – Die Orgeln der Lorenzkirche. In: Verein zur Erhaltung der St.-Lorenzkirche in Nürnberg (Hrsg.): Schriftenreihe des Vereins zur Erhaltung der St.-Lorenzkirche in Nürnberg e.V.. Band III, Mabase, Nürnberg 2005, ISBN 3-9809649-7-3.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Matthias Ank: Artikel über das Hans-Sachs-Spiel im Citykirche-Magazin auch online, abgerufen am 10. Mai 2010
  2. a b Internetpräsenz von St. Lorenz, Nürnberg