Orgelpunkt

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Ein Orgelpunkt ist in der Musik die Bezeichnung für einen lang ausgehaltenen oder in bestimmtem Rhythmus wiederholten gleichen Ton, zu dem sich andere Stimmen harmonisch frei bewegen.

Der Begriff hat seinen Ursprung beim Organum, bei dem sich die vox organalis frei über einem längeren Halteton bewegt. Der Orgelpunkt kann in verschiedenen Stimmen oder an verschiedenen Stellen eines Stückes vorkommen. Oft findet man ihn auch im Bass am Ende eines Stückes als Basston der Dominante, die dann in die abschließende Tonika aufgelöst wird, oder als Grundton der Tonika. Die Tatsache, dass der Begriff „Orgelpunkt“ oft mit der Orgel assoziiert wird, liegt nicht nur am Begriff selbst, sondern auch in der Tatsache begründet, dass in Kompositionen für Orgel häufig auffällige Orgelpunkte vorkommen.

Auf dem Klavier, und noch mehr auf dem Cembalo, muss auf Grund der kurzen Abklingzeit dieser Instrumente ein lang ausgehaltener Ton durch Rhythmisierung aufgelöst werden. Bei lang ausgehaltenen Akkorden geschieht das in der Regel durch Arpeggien („gebrochene“ Akkorde).

Beispiele[Bearbeiten]

Orgelpunkte finden sich in frühbarocker Schlachtenmusik „alla battaglia“ (besonders ausgedehnt bei Heinrich Schütz, Es steh Gott auf, SWV 356, und Claudio Monteverdi, Altri canti di Marte, SV 155).[1]

Der Orgelpunkt kann auch am Beginn eines Stückes stehen, wie zum Beispiel im Eingangschor der Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach, BWV 244. Hier ist für den Basso continuo von Beginn an ein Orgelpunkt über fünf Takte komponiert, der im Laufe des Satzes immer wieder auf unterschiedlichen Stufen wiederholt wird. Auf Grund der Instrumententechnik von Violone und Orgel wäre es kein Problem, einen ausgehaltenen Ton zu spielen. Bach komponierte aber Tonrepetitionen im 12/8-Rhythmus.

In der Arie Schlafe, mein Liebster, die J. S. Bach zunächst in der weltlichen Kantate Herkules am Scheidewege sowie später im Weihnachtsoratorium vertont hat, werden beide Möglichkeiten eines Orgelpunktes gegenübergestellt. Der Orgelpunkt mit Tonrepetitionen in Oktav-Sprüngen symbolisiert das Wiegen des Kindes, der ausgehaltene Orgelpunkt die Ruhe des Schlafes.

Auch die Fantasie & Fuge a-Moll BWV 561 beginnt mit einem langen Orgelpunkt über viele Takte.

Weitere interessante Beispiele aus der neueren Musikgeschichte sind die langen Orgelpunkte am Beginn von Richard Wagners Bühnendrama Das Rheingold oder Richard Strauss’ Tondichtung Also sprach Zarathustra (op. 30, 1896) und in der Intrada von Witold Lutosławskis Konzert für Orchester (1954).

Es gibt auch Beispiele für Orgelpunkte in der Rockmusik. Zum Beispiel das Stück Starless auf dem Album Red der britischen Progressive-Rock-Band King Crimson oder das Intro des Stücks Highway to Hell der australischen Hard-Rock-Band AC/DC (Orgelton auf der leeren H-Saite).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gerald Drebes: Schütz, Monteverdi und die „Vollkommenheit der Musik“ – „Es steh Gott auf“ aus den „Symphoniae sacrae“ II (1647)‘‘. In: ‘‘Schütz-Jahrbuch‘‘, Jg. 14, 1992, S. 25-55, hier S. 37-40, Aufsatz komplett online: [1]

Siehe auch[Bearbeiten]