Orient Steam Navigation Company

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Die Oriana, das zuletzt in Dienst gestellte Schiff der Reederei

Die Orient Steam Navigation Company, auch als Orient Line bekannt, war eine britische Linienreederei. Die Wurzeln des Unternehmens reichten bis ins späte 18. Jahrhundert zurück. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann eine Zusammenarbeit mit der Peninsular and Oriental Steam Navigation Company (P&O), welche das Unternehmen in den 1960er Jahren komplett übernahm.

Geschichte[Bearbeiten]

1797 – 1900[Bearbeiten]

Die Ursprünge des Unternehmens liegen im 1797 von James Thomson gegründeten Geschäft als Schiffsbroker. 1828 trat James Anderson mit in das Geschäft ein. Das Unternehmen unterhielt eine Flotte kleinerer Segelschiffe, deren Betrieb sich bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem weltweiten Liniengeschäft ausgedehnt hatte. Ab 1863 firmierte das Unternehmen als Anderson, Thomson and Company, was sich 1866 mit der Einführung des Liniendienstes nach Australien zu Orient Line of Packets, meist Orient Line genannt, änderte. Der Umstieg auf Dampfschiffe brachte im Jahr 1878 eine weitere Umbenennung des Unternehmens, in Orient Steam Navigation Company.

1900 – 1939[Bearbeiten]

Die Zusammenarbeit mit der Peninsular and Oriental Steam Navigation Company (P&O) begann um 1900, als beide Reedereien mit der australischen Regierung einen gemeinsamen Vertrag über einen Postliniendienst abschlossen. Beide Unternehmen unterhielten jeweils vierzehntägliche Abfahrten von Großbritannien nach Australien, woraus sich wöchentliche Schiffsverbindungen mit schnellen Postschiffen ergaben. In dieser Zeit ließ die Orient Line in rascher Folge immer größere Schiffe bauen, deren Namen ausschließlich mit O begannen. So wurde beispielsweise 1909 mit den Schiffen Otway, Osterley, Orsova, Otranto und Orvieto ein Quintett von 12.000-Tonnern in Dienst gestellt. Im Ersten Weltkrieg wurden die Schiffe zum Kriegsdienst herangezogen, wobei einige verlorengingen. Im letzten Kriegsjahr übernahm P&O die Anteilsmehrheit an der Orient Line, ließ diese aber bis in die 1960er Jahre eigenständig agieren. Nach dem Kriegsende wurde der England-Australien-Dienst ab 1919 wiederaufgenommen und die eigene Flotte mit dem Kauf einiger ehemals deutscher Schiffe aus dem Reparationsbestand der britischen Regierung verstärkt. Später, in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre kamen etliche neue Schiffe, meist von der Vickers Armstrongs Werft aus Barrow-in-Furness hinzu. Eine weitere Reihe von Schiffen bestellte man ab Mitte der 1930er Jahre, nachdem die Reederei zum Ende der Weltwirtschaftskrise wieder profitabel betrieben werden konnte.

1940 – 1960[Bearbeiten]

Orient Line-Bürogebäude in Sydney

Auch im Zweiten Weltkrieg wurden alle Schiffe der Orient Line wieder von der britischen Regierung eingesetzt. Von den acht eingesetzten Schiffen gingen vier während des Krieges verloren, die verbleibenden vier nahmen ab 1947 wieder den unterbrochenen Postdienst zwischen Großbritannien und Australien auf. Aufgrund der erst langsam einsetzenden wirtschaftlichen Erholung konnte erst in den Jahren 1948 bis 1954 durch die Indienststellung der drei neuen 28.000 Tonnen großen Schiffe Oronsay, Orcades und Orsova wieder zu alter Stärke aufgeschlossen werden.

Die höhere Geschwindigkeit der Neubauten machte eine Verringerung der Reisezeit um acht Tage auf 28 Tage Reisedauer möglich. Das in den 1950er Jahren einsetzende Zeitalter der Flugreisen begann aber zunehmend den Marktanteil der klassischen Linienpassagierschiffahrt zu dezimieren, weshalb man die Schiffe immer öfter für Teile des Jahres auf Kreuzfahrten einsetzte, oder anderweitige Beschäftigung für sie suchte. So begann die Oronsay ab 1954 einen Transpazifikdienst. Trotz allem bestellten sowohl die P&O, als auch die Orient Line noch je ein letztes größeres Schiff. Die P&O erhielt ihre Canberra, die Orient Line stellte die Oriana in Dienst. Es waren die größten und schnellsten je auf der England-Australien-Route eingesetzten Passagierliner. Die Oriana erreichte Geschwindigkeiten bis zu 30 Knoten und verminderte so die Reisedauer noch einmal von 28 auf 21 Tage. Trotzdem konnten sie den Niedergang der Linienpassagierdienste nicht stoppen und wurden ab 1974 als reine Kreuzfahrtschiffe eingesetzt.

1960 – 2005[Bearbeiten]

Die Oriana war der letzte Neubau der Orient Line, und auch das letzte Schiff, welches unter der Orient Line Flagge fuhr. P&O und die Orient Line fusionierten 1960 zu P&O-Orient Lines. 1964 wurde das Orient Line Farbmuster mit dem cremefarbenen Rumpf, zugunsten der weißen Außenfarbe der P&O fallengelassen und auch die Orcades sowie die Oronsay in die P&O-Flotte eingegliedert. Den Namen Orient Line ließ man erst 1966 fallen, als auch die Orsova und die Oriana in die P&O Flotte überführt wurden. Allerdings führte die Oriana, auf ihrer letzten Reise, bevor sie im März 1986 außer Dienst gestellt wurde noch einmal symbolisch die Flagge der Orient Line. Danach überlebte das letzte Relikt der Orient Line weitere neunzehn Jahre als schwimmende Touristenattraktion, bevor sie 2005 schließlich in Japan abgebrochen wurde. Der Name Oriana fand jedoch in Erinnerung an das ehemalige Flaggschiff der Orient Line beim 1995 auf der Meyer Werft gebauten P&O-Kreuzfahrtschiff erneut Verwendung.

Passagierschiffe der Orient Line[Bearbeiten]

Jahr Name Tonnage Werft Status/Schicksal
1877 (1871) Garonne (I) 3876 BRT Robert Napier & Sons, Govan 1871: PSNCo / 1878: Orient Line / 1897 verkauft an F. Waterhouse, Seattle
1877 (1871) Lusitania 3877 BRT Laird Brothers, Birkenhead 1871: PSNCo / 1877: Orient Line / 1900 verkauft an Beaver Line
1878 (1871) Chimborazo 3847 BRT John Elder & Company, Govan 1871: PSNCo / 1878: Orient Line / 1894 an P. Pitcher verkauft Cleopatra
1878 (1871) Cuzco 3898 BRT John Elder & Company, Govan 1871: PSNCo / 1878: Orient Line / 1905 Abbruch in Genua
1879 Orient 5386 BRT John Elder & Company, Govan 1910 Abbruch in Genoa
1882 Austral 5524 BRT John Elder & Company, Govan 1902 Abbruch in Genoa
1887 Ormuz (I) 6031 BRT Fairfield Shipbuilders, Govan 1912 verkauft an Compagnie de Navigation Sud-Atlantique, Divona
1891 Ophir 6910 BRT Robert Napier & Sons, Govan 1918 an Admiralität verkauft (Hospitalschiff) / 1921 Abbruch in Troon
1899 Omrah 8130 BRT Fairfield Shipbuilders, Govan 1918 durch deutsches U-Boot versenkt
1902 Orontes (I) 9023 BRT Fairfield Shipbuilders, Govan 1925 Abbruch in Inverkeithing
1909 Otranto (I) 12.124 BRT Workman, Clark, Belfast 1918 nach Kollision mit der Kashmir gesunken
1909 Orsova (I) 12.036 BRT John Brown & Company, Clydebank 1936 außer Dienst und Abbruch
1909 Otway 12.077 BRT Fairfield Shipbuilders, Govan 1917 durch deutsches U-Boot versenkt
1909 Orvieto 12.133 BRT Worman, Clark, Belfast 1931 Abbruch in Bo’ness
1909 Osterley 12.129 BRT London & Glasgow Shipbuilding Company, Govan 1930 Abbruch in Bo’ness
1911 Orama (I) 12.927 BRT John Brown & Company, Clydebank 1917 durch deutsches U-Boot versenkt
1917 Ormonde 14.853 BRT John Brown & Company, Clydebank 1952 Abbruch in Dalmuir
1919 (1897) Omar 10.566 BRT AG Vulcan Stettin, Bredow 1897: NDL, ex-Königin Luise / 1919: Orient Line, 1921 in Omar umbenannt / 1924 verkauft Edison
1921 (1906) Orcades (I) 9630 BRT AG Vulcan Stettin, Bredow 1906: NDL, ex-Prinz Ludwig / 1921: Orient Line, Orcades / 1924 außer Dienst
1924 Orama (II) 19.777 BRT Vickers, Barrow-in-Furness 1940 in der Nordsee durch deutsche Kriegsschiffe versenkt
1925 Oronsay (I) 20.043 BRT John Brown & Company, Clydebank 1942 durch italienisches U-Boot versenkt
1926 Otranto (II) 20.026 BRT Vickers-Armstrong, Barrow-in-Furness 1957 Abbruch in Schottland
1928 Orford 19.941 BRT Vickers-Armstrong, Barrow-in-Furness 1940 ausgebombt / 1947 Abbruch in Savona
1929 Orontes (II) 20.097 BRT Vickers-Armstrong, Barrow-in-Furness 1962 außer Dienst und Abbruch
1935 Orion 23.371 BRT Vickers-Armstrong, Barrow-in-Furness 1963 außer Dienst und Abbruch
1937 Orcades (II) 23.456 BRT Vickers-Armstrong, Barrow-in-Furness 1942 durch deutsches U-Boot versenkt
1948 Orcades (III) 28.396 BRT Vickers-Armstrong, Barrow-in-Furness 1962 an P&O / 1973 Abbruch in Kaohsiung
1951 Oronsay (II) 27.632 BRT Vickers-Armstrong, Barrow-in-Furness 1962 an P&O / 1975 Abbruch in Kaohsiung
1954 Orsova (II) 28.790 BRT Vickers-Armstrong, Barrow-in-Furness 1965 an P&O / 1974 Abbruch in Kaohsiung
1959 Garonne (II) 24.513 BRT Vickers-Armstrong, High Walker 1965 an P&O / 1973 nach Liberien verkauft, St. Thomas
1960 Oriana 41.923 BRT Vickers-Armstrong, Barrow-in-Furness 1965 an P&O / 1986 an Japan verkauft
1977 Garinda 34.895 BRT Nordseewerke, Emden 1984 an P&O / 1986 an Bermuda verkauft, Hekabe

Weblinks[Bearbeiten]