Orso I. Partecipazio

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Orso I. Partecipazio oder auch Participazio († 881) war nach der Tradition der 14. Doge von Venedig. Er regierte von 864 bis 881.

Familie[Bearbeiten]

Die Partezipazio gehörten zu den mächtigsten und einflussreichsten tribunizischen Familien Venedigs. Zusammen mit den Candiano und den Orseolo war es die Familie Partecipazio, die von 810 bis zur Verfassungsreform von 1172 die meisten Dogen Venedigs stellte. Der erste Doge eines von Byzanz unabhängigen Venedig war Angelo Partecipazio (810–827), ihm folgten seine Söhne Giustiniano und Giovanni (829–836). Nach der fast dreißigjährigen Regierung Tradonicos kehrten die Partecipazio mit Orso I. auf den Dogenthron zurück: Ihm folgte sein Sohn Giovanni. Weitere Dogen waren Orso II. (911–932) und dessen Sohn Pietro (939–942) aus einem Seitenzweig der Familie, den Badoer.

Außerdem kamen mehrere Bischöfe und Patriarchen aus den Familien der Partecipazio und der Badoer.

Das Dogenamt[Bearbeiten]

Orso Partecipazio wurde unmittelbar nach dem Mord an seinem Vorgänger Tradonico zum Dogen gewählt, wahrscheinlich durch Akklamation.

Wie schon sein Vorgänger kämpfte auch Orso gegen slawische Piraten und Sarazenen, die den Handel im Adriatischen Meer durch ihre ständigen Überfälle beeinträchtigten. Nachdem der Dogensohn Giovanni die Sarazenen bei Grado erfolgreich schlagen konnte, wurde er als Co-Doge eingesetzt.

Zu einem der ersten von Venedigs zahllosen Konflikten mit dem Papst in Rom kam es, als Orso einen Kastraten zum Bischof von Torcello bestellen wollte. Der zuständige Patriarch von Grado, Petrus, verweigerte die Bischofsweihe, sprach den Bann über den Dogen aus und musste nach Rom unter den Schutz von Johannes VIII. flüchten. Zu einer daraufhin vom Papst einberufenen Synode ließen sich die venezianischen Bischöfe Zeit und trafen erst nach deren Beendigung in Rom ein. Tatsache ist, dass der Doge weiterhin bis ins 11. Jahrhundert die Kandidaten für Bischofs-, Abt- und Äbtissinenämter vorschlug und an der Wahl teilnahm sowie die weltliche Gerichtsbarkeit über den hohen Klerus ausübte.[1]

Um der wachsenden Bevölkerung Venedigs Siedlungsraum zu verschaffen, ließ Orso Sumpfgebiete um den Rialto trockenlegen und förderte die Ansiedlung in Dorsoduro und Poveglia. Was den einträglichen Sklavenhandel der Venezianer betrifft, so gab der Doge ein Edikt heraus, um diesen einzuschränken, hatte aber offenbar ebenso wenig Erfolg damit wie der Papst mit einem entsprechenden Verbot

Vom byzantinischen Kaiser Basilius erhielt Orso den Ehrentitel eines Protospatharios.

Orso war mit einer Nichte des Kaisers verheiratet und hatte mit ihr fünf oder sechs Kinder. Er starb im Jahr 881 und wurde in der Kirche San Zaccaria bestattet.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Heller 1999. S. 663.

Literatur[Bearbeiten]

  • Claudio Rendina: I Dogi. Storia e segreti. 2. ed. Roma 2003. ISBN 88-8289-656-0
  • Kurt Heller. Venedig. Recht, Kultur u. Leben in der Republik. 697-1797. Wien, Köln, Weimar 1999. ISBN 3-205-99042-0
Vorgänger Amt Nachfolger
Pietro Tradonico Doge von Venedig
864–881
Giovanni II. Partecipazio