Ortenberg (Hessen)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Ortenberg
Ortenberg (Hessen)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Ortenberg hervorgehoben
50.3558333333339.0552777777778136Koordinaten: 50° 21′ N, 9° 3′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Landkreis: Wetteraukreis
Höhe: 136 m ü. NHN
Fläche: 54,7 km²
Einwohner: 8885 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 162 Einwohner je km²
Postleitzahl: 63683
Vorwahlen: 06046, 06041 (Bleichenbach, Effolderbach), 06049 (Gelnhaar)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: FB, BÜD
Gemeindeschlüssel: 06 4 40 019
Stadtgliederung: 10 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Lauterbacher Str. 2
63683 Ortenberg
Webpräsenz: www.ortenberg.net
Bürgermeisterin: Ulrike Pfeiffer-Pantring (SPD)
Lage der Stadt Ortenberg im Wetteraukreis
Butzbach Münzenberg Rockenberg Ober-Mörlen Bad Nauheim Friedberg (Hessen) Rosbach v.d. Höhe Wöllstadt Karben Bad Vilbel Wölfersheim Reichelsheim (Wetterau) Niddatal Florstadt Echzell Reichelsheim (Wetterau) Nidda Hirzenhain Gedern Ranstadt Glauburg Altenstadt (Hessen) Limeshain Ortenberg (Hessen) Kefenrod Büdingen Lahn-Dill-Kreis Landkreis Gießen Vogelsbergkreis Hochtaunuskreis Frankfurt am Main Main-Kinzig-KreisKarte
Über dieses Bild

Ortenberg ist eine Stadt im Wetteraukreis in Hessen.

Geografie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Ortenberg liegt an den südlichen Ausläufern des Vogelsbergs im Tal der Nidder auf einer Höhe von 141 m über NN, etwa 8 km nordwestlich von Büdingen.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Ortenberg grenzt im Norden an die Stadt Nidda, im Nordosten an die Gemeinde Hirzenhain, im Osten an die Stadt Gedern und die Gemeinde Kefenrod, im Süden an die Stadt Büdingen, im Südwesten an die Gemeinde Glauburg, sowie im Westen an die Gemeinde Ranstadt.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Ortenberg besteht aus den Stadtteilen Bergheim, Bleichenbach, Eckartsborn, Effolderbach, Gelnhaar, Lißberg, Ortenberg, Selters (mit Konradsdorf), Usenborn und Wippenbach

Geschichte[Bearbeiten]

Urgeschichte[Bearbeiten]

Archäologisch nachweisbar ist eine Besiedlung im Gebiet von Ortenberg seit der Steinzeit. In der Eisenzeit siedelten Kelten in der Region, es folgten die Römer und später ließen sich Franken hier nieder.

Mittelalter[Bearbeiten]

Obertor
Altes Rathaus

Aus der alten Mark Glauburg entwickelte sich das Landgericht Ortenberg. Die ältesten erhaltenen Erwähnungen von Ortenberg stammen aus den Jahren 1166 als Ortenberch und 1176. Dabei werden ein Werner und ein Heinrich von Ortenberg genannt, was darauf schließen lässt, dass eine Burg Ortenberg bereits zu diesem Zeitpunkt bestand. Markt- und Stadtrechte erlangte Ortenberg offenbar in der Mitte des 13. Jahrhunderts: In Grundstücksverträgen aus dem Jahr 1266 wurden Zeugen aus Ortenberg erstmals als Bürger bezeichnet und gleichfalls auf diese Zeit datiert die Stadtmauer. Beides lässt auf Stadtrecht schließen. Ortenberg wurde zum zentralen Punkt für Zehntgericht, Messen und Märkte für die Umgebung. Von der Stadtmauer zeugt heute unter anderem noch der Oberpfortenturm (Obertor), erbaut in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts.

Die Stadt gehörte im Mittelalter und in der frühen Neuzeit zum Amt Ortenberg, einem Kondominat, das von drei Landesherren aus dem Kreis der Mitglieder des Wetterauer Grafenvereins gebildet wurde.

1422 erschien der Ortenberger „Kalte Markt" erstmals in Stadtrechnungen. Aus dieser Zeit stammt auch das gotische Kaufhaus (Rathaus). Nach einer Zerstörung wurde es 1605–1608 neu erbaut und 1980 restauriert.

Frühe Neuzeit[Bearbeiten]

Ortenberg – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian 1655

1601 kam es zu einer Realteilung des Kondominats. Dabei wurde die Stadt Ortenberg allerdings selbst ideell geteilt und aus ihr ein Kondominat gebildet: 2/3 fielen an die Grafschaft Stolberg-Roßla und gehörten zum dortigen Amt Ortenberg, 1/3 an die Grafschaft Hanau-Münzenberg, ab 1642: Grafschaft Hanau. Die Grafschaft Hanau wiederum fiel 1736 beim Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., aufgrund eines Erbvertrages an die Landgrafschaft Hessen-Kassel.

1624 bis 1627 fanden größere Umbauarbeiten in der nordöstlich der Stadt gelegenen Burg statt, die zum Schloss umgestaltet wurde. Zuletzt wurde es um 1775 im klassizistischen Stil umgebaut. 1634 wurden Stadt und Schloss im Dreißigjährigen Krieg durch Kroaten zerstört. Ebenfalls 1634 zeichnete und beschrieb Matthäus Merian die Stadt.

Neuzeit[Bearbeiten]

Das Hanauer, später hessische „Amt Ortenberg“ bildete ab 1810 einen Teil des großherzoglich-hessischen Dominialamtes Ortenberg, der stolbergische Teil gehörte zum standesherrlichen Gräflich-Stollbergischen Amt Ortenberg. 1821 bildete das Großherzogtum den Landratsbezirk Nidda, der ab 1832 Kreis Nidda hieß. 1842 wurden die inzwischen militärisch überflüssigen und verkehrstechnisch hinderlichen Tore und Brücken abgebrochen. Mit der Revolution von 1848 wurde kurzzeitig der Regierungsbezirk Nidda gebildet, 1852 aber der Kreis Nidda wiederbelebt. 1874 kam Ortenberg zum Landkreis Büdingen, der mit der Gebietsreform in Hessen 1972 im Wetteraukreis aufging.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Anlässlich der Gebietsreform konnte Ortenberg auch eine Reihe umliegender Dörfer eingemeinden: Bergheim, Bleichenbach, Eckartsborn, Lißberg, Usenborn und Wippenbach am 1. Juli 1971, Effolderbach und Selters am 31. Dezember 1971 sowie Gelnhaar am 1. April 1972.[2]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1939: 1.013 Einwohner
  • 1961: 1.645 Einwohner
  • 1970: 1.810 Einwohner
  • 2010: 9.016 Einwohner (nach Eingemeindungen)

Politik[Bearbeiten]

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte folgendes Ergebnis:[3]

Kommunalwahl 2011
 %
50
40
30
20
10
0
41,4 %
29,0 %
16,3 %
13,3 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
   2
   0
  -2
  -4
+1,2 %p
-0,8 %p
-1,1 %p
+0,7 %p
Parteien und Wählergemeinschaften %
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 41,4 13 40,2 13
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 29,0 9 29,8 9
BiO Bürgerverein in Ortenberg 16,3 5 17,4 5
FWG Freie Wähler 13,3 4 12,6 4
Gesamt 100,0 31 100,0 31
Wahlbeteiligung in % 47,5 58,9

Bürgermeister[Bearbeiten]

Seit 2000 ist Ulrike Pfeiffer-Pantring (SPD) Ortenbergs Bürgermeisterin. Als Amtsinhaberin setzte sie sich in der Stichwahl am 9. April 2006 mit 58,4 % der Stimmen gegen Tobias Greilich (CDU) durch. Die Wahlbeteiligung betrug 53,0 %.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Ortenberg unterhält Partnerschaften mit dem baden-württembergischen Ortenberg (Baden) und mit dem sachsen-anhaltischen Roßla.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Bundesstraße 275 führt durch das Gemeindegebiet. Der nächstgelegene Autobahnanschluss (A 45) ist Florstadt-Nieder-Mockstadt.

Am 1. Oktober 1888 erhielt der Ort durch die Großherzoglich Hessische Staatseisenbahnen und die Oberwaldbahn Anschluss an die Eisenbahn. 1975 wurde dort der Personenverkehr, 1984 dann auch der Güterverkehr eingestellt und die Oberwaldbahn daraufhin bald abgerissen. Auf deren ehemaliger Trasse verläuft heute der Vulkanradweg.

In den Stadtteilen Effolderbach und Bleichenbach befinden sich heute noch Haltepunkte an der Lahn-Kinzig-Bahn.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Musik[Bearbeiten]

Ortenberg hat einen aktiven und über die Region hinaus bekannten Musikclub. Der Jazzclub Ortenberg veranstaltet Jazzkonzerte aller Stilrichtungen, der Schwerpunkt liegt im traditionellen Bereich. Seit 1982 präsentierte er viele prominente Jazzmusiker und -bands, u. a. Barrelhouse Jazzband, Trevor Richards, Clark Terry, Kreisjazzwerkerschaft & Rose Nabinger, Herb Ellis und Red Norvo.

Bauwerke[Bearbeiten]

Marienkirche
Anbetung der Könige; Ausschnitt aus dem Ortenberger Altar (Briefmarke Berlin 1986)

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Ortenberg (Hessen)

Neben den bereits genannten mittelalterlichen Bauwerken sind bemerkenswert:

  • Die dreischiffige Marienkirche, eine gotischen Hallenkirche. Ihr Kirchenturm, der einen der ältesten noch original erhaltenen Turmdachstühle Deutschlands von 1368 trägt, soll 1325 erbaut worden sein, der Chor und das Chorgestühl, eines der ältesten Hessens, werden auf die Jahre 1383 bis 1385 datiert und das Langhaus wurde zwischen 1385 und 1450 errichtet. Die floralen Deckengemälde zeigen den Kräutergarten der Maria. In der Kirche befindet sich eine Kopie des bedeutenden dreiteiligen „Ortenberger Altars“, der im ersten Drittel des 15. Jahrhunderts entstand und der ein außergewöhnliches Werk mittelrheinischer Malkunst darstellt. Das Original ist im Hessischen Landesmuseum Darmstadt ausgestellt. Der Maler des Werks, der Meister des Ortenberger Altars, ist nach ihm benannt.
  • Das Nidderkraftwerk bei Lißberg ist ein kulturgeschichtliches Denkmal.
  • Das Lißberger Krautfass, der Bergfried einer Burganlage aus dem 12./13. Jahrhundert, siehe: Burg Lißberg.
  • Im ehemaligen Schulgebäude unmittelbar vor der Schildmauer der Burg Lißberg befindet sich ein sehenswertes Musikinstrumentenmuseum.
  • Ebenfalls in Lißberg liegt die 1722 erbaute Neumühle, die als Wasserkraftwerk noch heute in Betrieb ist.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Der überregional bedeutende Ortenberger „Kalte Markt“ (orig.: Kaale Määrt). Er findet jährlich am letzten Oktoberwochenende statt.
  • Jeden Samstag findet ein Flohmarkt auf dem Marktplatz statt.

Freizeit- und Sportanlagen[Bearbeiten]

  • Der Vulkanradweg verläuft auf der Trasse der ehemaligen Oberwaldbahn von Stockheim nach Lauterbach. durch Ortenberg. Heute ist der Vulkanradweg Teil des BahnRadweg Hessen, der auf ehemaligen Bahntrassen ca. 250  km durch den Vogelsberg und die Rhön führt.
  • In der Kernstadt befindet sich das Ortenberger Freibad mit anschließender Mini-Golf Anlage. Im Freibad selbst befindet sich ein FKK Bereich.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen: 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. 3. Aufl. Wartberg-Verlag. Gudensberg-Gleichen 2000. ISBN 3-86134-228-6, S. 358f.
  • Peter Nieß: Ortenberg. Beiträge zur Geschichte und Baugeschichte. Ortenberg 1989
  • Hans Philippi: Territorialgeschichte der Grafschaft Büdingen. = Schriften des hessischen Amts für geschichtliche Landeskunde 23. Marburg 1954, S. 134-144.
  • Hans Georg Ruppel (Bearb.): Historisches Ortsverzeichnis für das Gebiet des ehem. Großherzogtums und Volksstaats Hessen mit Nachweis der Kreis- und Gerichtszugehörigkeit von 1820 bis zu den Veränderungen im Zuge der kommunalen Gebietsreform = Darmstädter Archivschriften 2. 1976, S. 169.
  • Michael Schroeder: Schloß Ortenberg. Ein Führer zu Burg und Schloß Ortenberg sowie zur Familiengeschichte des Fürstlichen Hauses Stolberg-Roßla. Ortenberg 2010.
  • Michael Schroeder: Ortenberg in Hessen. Ein Altstadt-Rundgang. Hrsg. v. Kulturkreis Altes Rathaus u. d. Stadt Ortenberg. 96 S., 80 Abb. fb. Königstein i. Ts. 2012 Verlag Langewiesche ISBN 978-3-7845-1105-4
  • Heinz Wionski: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Hessen. Wetteraukreis I. Stuttgart 1999, S. 358-378.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ortenberg (Hessen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Ortenberg – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 352 und 353.
  3. Hessisches Statistisches Landesamt: Endgültiges Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011