Orthodoxe Rabbinerkonferenz

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Das Logo der ORD

Die Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland (ORD) ist ein Zusammenschluss orthodoxer Rabbiner innerhalb der Deutschen Rabbinerkonferenz. Ihr Vorstand bestand seit November 2012 aus den Rabbinern Avichai Apel, (Dortmund), Zsolt Balla, (Leipzig) und Aharon Ran Vernikovsky, (Düsseldorf). Vernikovsky ist seit 2013 nicht mehr Mitglied des Vorstandes. Im Juni 2014 wurde Rabbiner Yehuda Pushkin, (Esslingen), für den ausgeschiedenen Vernikovsky in den Vorstand gewählt.

Gründung und Ziele[Bearbeiten]

Die ORD wurde am 27. April 2003 (= 25. Nissan 5763) von elf Rabbinern in Frankfurt am Main gegründet. Ihr Ziel ist es, den Erhalt und die Weiterentwicklung jüdischer Tradition und Halacha in Deutschland zu gewährleisten. Insbesondere soll den zugewanderten Juden aus den ehemaligen GUS-Staaten eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Darüber hinaus versteht sich die ORD als Kontaktstelle zu weiteren internationalen Rabbinerkonferenzen und nimmt national wie international am interreligiösen Dialog, insbesondere mit Christentum und Islam, teil.

Struktur[Bearbeiten]

Die ORD ist ein eigenständiges Organ innerhalb des Zentralrats der Juden in Deutschland. Sie wählt aus ihrer Mitte einen Vorstand und einen Beirat, die die Tagesgeschäfte leiten. Ihre verschiedenen Kommissionen sind für spezifische Aufgabenbereiche zuständig. Innerhalb der ORD wurden mehrere Kommissionen sowie ein Beth Din ins Leben gerufen.

Vorstand und Mitglieder[Bearbeiten]

Den Vorsitz des dreiköpfigen Vorstandes führte bis November 2012 Rabbiner Yitshak Ehrenberg, dann wurden die Rabbinern Avichai Apel (Dortmund), Zsolt Balla (Leipzig) und Aharon Ran Vernikovsky (Düsseldorf) als gleichberechtigte Vorstände gewählt. Dem Vorstand steht ein inzwischen vierköpfiger Beirat zur Seite.

Dachverband[Bearbeiten]

Zusammen mit der Allgemeinen Rabbinerkonferenz Deutschland (ARK), in welcher insbesondere männliche bzw. weibliche konservative und liberale Reformrabbiner vertreten sind, wurde 2004 die Deutsche Rabbinerkonferenz mit Sitz beim Zentralrat der Juden in Deutschland gegründet.[1] Die ORD hat derzeit 45 Mitglieder, die ARK 25. Die chassidischen Rabbiner von Chabad in Deutschland unterhalten eine eigene Rabbinerkonferenz, den Deutschen Rabbinerrat,[2] und gehören nicht der ORD an, können aber als Gäste an ihren Tagungen teilnehmen. Seit 2011 besteht das ständige Chabad Beth Din ("Haus des Gerichtes", hebräisch: Gerichtshof) "Machsikei Hadat" in Berlin.[3]

Beth Din[Bearbeiten]

In Zusammenarbeit mit dem israelischen Oberrabbinat wurde in Deutschland im Jahr 2004 ein zentraler Beit Din gegründet. Er besteht aus drei Dajanim, wobei zwei der drei Dajanim jeweils vom Oberrabbinat in Israel gestellt werden und der dritte Dajan Mitglied der ORD ist.

Die Aufgaben des Beth Din sind vielfältig, wobei einer der Schwerpunkte heute in der Durchführung von Gittin, jüdischen Scheidungen, liegt, da in den vergangenen Jahren in Deutschland keine religiösen Scheidungen durchgeführt werden konnten mit schwerwiegenden Folgen insbesondere für die davon betroffenen Frauen („Agunot“).

Weiter ist der Beth Din zuständig für Übertritte (Gijurim), jüdische Rechtsfälle (Dinei Tora) und Klärung des jüdischen Status (Berurej Jahadut).

Bisher (Dezember 2010) wurden ca. 200 Fälle behandelt, 35 Gittin und 60 Gijurim durchgeführt.

Kommission für Kaschrut und Mikwaot[Bearbeiten]

Seit Gründung der ORD hat die Kaschrut-Kommission durch ihre Tätigkeit den Einkauf von Lebensmitteln für Menschen, die sich an die Kaschrutgesetze halten, um ein Vielfaches vereinfacht.

Unter der Federführung von Rabbiner Tuvia Hod (Hochwald) wurde der Madrich Kaschrut geschaffen, der darlegt, welche in Deutschland erhältlichen Lebensmittel koscher sind. Insbesondere sind nicht nur Produkte und ihre Hersteller aufgelistet, sondern auch mögliche Bezugsquellen. Die Kaschrut-Kommission plant außerdem Gespräche mit Herstellern, um eine einheitliche Kennzeichnung von Lebensmittel herbeizuführen.

Eine weitere Aufgabe der Kommission ist die Überwachung von neu zu bauenden bzw. umzubauenden Mikwaot. Hierbei bedient sich die Kommission bei ihren Besuchen in den jeweiligen Gemeinden der Unterstützung von Rabbiner Posen (London), der ein Experte auf diesem Gebiet ist.

Kommission für Britot[Bearbeiten]

Durch die Zuwanderung von jüdischen Menschen aus den GUS Staaten stellt sich die Problematik, dass viele jüdische Männer nicht beschnitten worden sind. Da diese Problematik nicht nur eine religiöse, sondern auch eine sehr persönliche Angelegenheit ist, versucht die Kommission durch Referenten in den jüdischen Gemeinden mit diesem Thema präsent zu sein. Entsprechende Vorträge überzeugten bisher eine größere Anzahl von Juden, die Mitzwa der Brit Mila nachzuholen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zentralrat der Juden in Deutschland: Deutsche Rabbinerkonferenz
  2. Detlef David Kauschke: Ärger und Unverständnis, Jüdische Allgemeine vom 7. März 2013, abgerufen am 22. Dezember 2013
  3. Bet Din Berlin. Bet Din "Machsikei Hadat" Berlin. Abgerufen am 10. September 2013.