Orthoptik

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Orthoptik (gr. ορθοπτική orthoptiké „Geradesehen“) gehört zum Fachgebiet der Schielheilkunde (Strabologie), einer recht jungen Spezialdisziplin der Augenheilkunde. Sie beschäftigt sich präventiv, diagnostisch und therapeutisch mit allen motorischen und sensorischen Aspekten der Pathologie und Physiologie des beidäugigen Sehens (Binokularsehens). Ihren Ursprung fand die Orthoptik um 1930 in Großbritannien durch Mary Maddox[1], Tochter des englischen Augenarztes Ernest E. Maddox. Von dort nahm sie in den 1950er Jahren ihren Weg auch nach Deutschland.

Inhaltliche Schwerpunkte[Bearbeiten]

Das wesentliche Aufgabengebiet der Orthoptik stellt die Diagnostik und Therapie aller Formen von gestörtem Binokularsehen, wie Schielerkrankungen, Blicklähmungen und Nystagmus, aber auch okulär bedingten Kopfzwangshaltungen dar. Insbesondere die umfangreiche, häufig apparative, Diagnostik besitzt hierbei einen hohen Stellenwert, unterstützt sie doch in entscheidendem Maße die Indikationsstellung bei Schiel- und Nystagmusoperationen. Therapeutische Maßnahmen finden sich in Übungsbehandlungen zur Verbesserung des Binokularsehens, Augenmuskeloperationen, sowie spezielle Brillenanpassungen - häufig unter Verwendung von Prismengläsern.

Seit einigen Jahren entwickelt sich der Tätigkeitsschwerpunkt der Neuroorthoptik als interdisziplinärer Bereich zwischen Augenheilkunde, Strabologie und Neurologie mit speziellen Krankheitsbildern des afferenten und efferenten okulomotorischen System und daraus resultierenden besonderen Untersuchungs- und Behandlungsverfahren. Die Neuroorthoptik kann als Teilbereich der Neuroophthalmologie gesehen werden.

Organisation[Bearbeiten]

Orthoptische Abteilungen findet man in Augen- und Rehakliniken, Frühförderstellen für Sehbehinderte, sowie in vielen Augenarztpraxen. Sie werden im Volksmund auch als Sehschulen bezeichnet. Das Fachgebiet hat ein eigenes Berufsbild hervorgebracht, welches in Deutschland zu den Gesundheitsfachberufen zählt: den Orthoptist. Da jedoch die überwiegende Mehrzahl der tätigen Personen weiblichen Geschlechts ist, spricht man im beruflichen Alltag und in der Literatur in der Regel von der Orthoptistin.

Die internationale Standesvertretung International Orthoptic Association ruft seit 2013 an jedem ersten Montag im Juni zum Internationalen World-Orthoptic-Day auf.

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfram Aust: Pleoptik und Orthoptik. Eine praktische Anleitung zur konservativen Therapie des Begleitschielens. 2., neu bearbeitete Auflage. Karger, Basel u. a. 1973, ISBN 3-8055-1576-6.
  • Herbert Kaufmann (Hrsg.): Strabismus. 3., grundlegend überarbeitete und erweiterte Auflage. Thieme, Stuttgart u. a. 2004, ISBN 3-13-129723-9.
  • Martin Klett, Ellen Kraus-Mackiw (Hrsg.): Visuelle Orientierung. Thieme, Stuttgart u. a. 1989, ISBN 3-13-727301-3.
  • Joachim Otto: Lehrbuch und Atlas der Orthoptik. Huber, Bern u. a. 1975, ISBN 3-456-80133-5.
  • Christine Paul: Reha-Sehtraining. Therapieleitfaden für Orthoptistinnen. Diagnostik und Therapie zerebraler Sehstörungen nach erworbenen Hirnschäden. Praefcke, Ravensburg 1995, ISBN 3-9801412-1-7.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. David Stidwill: Orthoptic Assessment and Management. Blackwell Scientific Publications, Oxford u. a. 1990, ISBN 0-632-02776-2.
Gesundheitshinweis Bitte den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!