Ortler-Alpen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ortler-Alpen
Höchster Gipfel Ortler (3905 m s.l.m.)
Lage Italien (Südtirol, Trentino und Provinz Sondrio) und Schweiz (Graubünden)
Teil der Zentralalpen/Südalpen
Einteilung nach AVE 48a
Koordinaten 46° 31′ N, 10° 33′ O46.51055555555610.5419444444443905Koordinaten: 46° 31′ N, 10° 33′ O
Gestein Kalkgestein und Quarzphyllit
f1
p1

Die Ortler-Alpen, auch Ortlergruppe, italienisch Gruppo Ortles-Cevedale, sind eine Gebirgsgruppe der Ostalpen in Norditalien und der angrenzenden Schweiz. Anteil an den Ortler-Alpen haben die italienischen Provinzen Südtirol, Trentino, die zur Lombardei gehörende Provinz Sondrio und ein wenig der Schweizer Kanton Graubünden. Der Großteil der Gruppe liegt in Südtirol – so auch der höchste Gipfel, der Ortler, der mit einer Höhe von 3905 m s.l.m. auch der höchste Berg der Region Tirol ist und die Gruppe zur zweithöchsten in den Ostalpen nach der Berninagruppe macht.

Lage[Bearbeiten]

Die Ortler-Alpen werden den Zentralalpen zugeordnet, da sie nördlich der geologischen Störung der Tonalelinie liegen, im allgemein regionalgeographischen Sinne aber zu den südlichen Ostalpen (Südalpen) gezählt, weil sie sich südlich der Längstalfurche Veltlin (Adda) – Vinschgau (Etsch) befinden. Von Gestein zählt der Ortler-Hauptkamm zu den südlichen Kalkalpen.[1] Nach der Alpenvereinseinteilung der Ostalpen (AVE) wird die Gruppe wie folgt begrenzt:[2]

Nach der AVE sind die Umbrailgruppe, die ganz, und der Fallaschkamm, der teilweise auf Schweizer Boden liegt, Teil der Ortler-Alpen. In der Schweiz ist es üblich, diese beiden Gruppen den Bündner Alpen zuzuordnen. Mit Ausnahme dieser beiden Gruppen liegen die Ortler-Alpen auf italienischem Staatsgebiet.

Die AVE führt die südwestlich anschließende Sobretta-Gavia-Gruppe als eigenständige Gebirgsgruppe, in anderen Einteilungen wird sie aber durchaus den Ortler-Alpen zugerechnet, etwa in der älteren Literatur unter dem Namen Ortlergruppe einschließlich der östlichen Livigno-Alpen nach AVE.[3] Nach der Suddivisione orografica internazionale unificata del Sistema Alpino (SOIUSA) der französisch-italienischen Literatur zählt die gesamte Ortlergruppe mit ihren westlichen, südlichen und nördlichen Nachbarn zu den Rätischen Alpen (Sezione 28 Alpi Retiche Meridionali).[4]

Gliederung[Bearbeiten]

Umbrailgruppe[Bearbeiten]

Die Umbrailgruppe liegt nordwestlich des Umbrailpasses. Die Gruppe wird selten besucht, öfter bestiegen wird nur der Piz Umbrail (3'033 m) in der Nähe des Passes. Diese Gruppe wird nur nach der AVE zum Ortlergebiet gezählt, in der Schweiz ist es üblich, sie zu den Münstertaler Alpen zu rechnen.

Fallaschkamm (Costainas-, Chavalatschkamm)[Bearbeiten]

Karte aus dem Jahre 1878
Luftaufnahme der Ortler-Alpen, mit Ortler (oben mittig), Monte Cevedale (rechts mittig) und Punta San Matteo (links, untere Mitte)

Der Fallaschkamm (auch Costainas- oder Chavalatschkamm genannt[1]) trennt das Val Müstair im Westen vom Trafoital im Osten. Entlang des Kamms, vom Stilfser Joch ausgehend, verläuft die Grenze zwischen dem Kanton Graubünden und Südtirol. Öfter bestiegene Gipfel sind das Glurnser Köpfl, mit einer Höhe von 2401 m s.l.m. der nördliche Abschluss gegen Glurns und den Vinschgau hin, sowie der Piz Chavalatsch und die Dreisprachenspitze.

Ortler-Hauptkamm[Bearbeiten]

Der Hauptkamm[5] der Gruppe (im westlichen Teil auch Kristallkamm genannt[1]) führt in einem weiten, nach Westen geöffneten Bogen von Bormio und dem Stilfser Joch zunächst nach Osten und biegt später (ab diesem Punkt auch Cevedale-Vioz-Kamm genannt) nach Süden und Südwesten ab, wo er am Gaviapass und Tonalepass ausläuft. Von diesem Kamm zweigen mehrere Seitenkämme ab, die durch tiefe Täler voneinander getrennt sind. Bedeutende Gipfel direkt im Hauptkamm bzw. etwas vorgelagert sind die Hohe Schneide, der Monte Scorluzzo, der Monte Livrio, die Tuckettspitze, die Trafoier Eiswand, die Thurwieserspitze, der Monte Zebrù, die Königspitze, die Suldenspitze, die Zufallspitzen, der Cevedale, der Monte Pasquale, der Palòn de la Mare, der Monte Vioz, die Punta San Matteo, der Pizzo Tresero und der Corno dei Tre Signori.

Der Ortler selbst und die Tabarettaspitze befinden sich auf einem kurzen, am Monte Zebrù nach Norden abzweigenden Seitenkamm, der das Trafoital und das Suldental voneinander trennt. Auf einem an der Königspitze nach Süden abzweigenden und später nach Westen führenden Seitenkamm liegt der Monte Confinale.

Laaser Berge[Bearbeiten]

Die Laaser Berge[5] (in Teilen auch Laas-Marteller Kamm genannt) zweigen bei der Suldenspitze am Ortler-Hauptkamm Richtung Nordosten ab und bilden eine bedeutende, in sich wiederum untergliederte Gruppe. Zunächst führt ein nur schwach vergletscherter Kamm, auf dem sich die Hintere Schöntaufspitze befindet, zur Schildspitze. Dort teilt sich der Kamm in zwei Äste, die das Laaser Tal, ein Seitental des Vinschgaus, umschließen. Die bedeutendsten Erhebungen des direkt nach Norden führenden Asts sind die Vertainspitze, der Hohe Angelus und die Tschenglser Hochwand, während sich im nach Nordosten führenden, das Martelltal begrenzenden Ast die Laaser Spitze und die Jennwand befinden.

Zufrittkamm[Bearbeiten]

Der Zufrittkamm[5] ist nach der Zufrittspitze benannt und zweigt an den Zufallspitzen vom Ortler-Hauptkamm Richtung Nordosten ab. Auf einer Strecke von 45 km trennt er zunächst das Martelltal vom Val di Peio und Val di Rabbi, später das Martelltal vom Ultental und zuletzt den Vinschgau vom Ultental, bis er in der Gegend von Meran ausläuft. Nach seinen Begrenzungstäler wird er daher streckenweise als Marteller-Ultener Kamm oder Vinschgau-Ultener Kamm benannt, der Abschnitt zwischen der der Fürkelescharte im Westen und dem Hasenöhrl im Osten wird auch als Marteller Hauptkamm bezeichnet. Bedeutende Gipfel im Zufrittkamm sind neben der Zufrittspitze die Köllkuppe, die Veneziaspitze, die Hintere Rotspitze, die Lorchenspitze, das Hasenöhrl, der Hohe Dieb und die Naturnser Hochwart.

Careser-Kamm[Bearbeiten]

An der Hinteren Rotspitze zweigt der Careser-Kamm[5] vom Zufrittkamm Richtung Süden ab, der zum Val di Sole hin abfällt. Auf dieser Strecke trennt er das Val di Peio vom Val di Rabbi. Als bedeutendster Gipfel erhebt sich die Cima Careser.

Ilmenkamm[Bearbeiten]

Der Ilmenkamm[5] ist nach der im mittleren Verlauf aufragenden Ilmenspitze benannt und zweigt bei der Lorchenspitze vom Zufrittkamm ab. Der Verlauf führt zunächst Richtung Südosten, später nach Osten und zuletzt gegen Nordosten. Nordseitig begrenzt der Ilmenkamm das Ultental, südseitig zweigen kurze Seitenkämme zum Val di Sole und Nonstal hin ab. Höchster Gipfel des Kamms ist die Hintere Eggenspitze im Ultner Talschluss, in der Folge verliert er zunehmend an Höhe und fällt nach der Ultner Hochwart über die letzten Erhebungen der Schöngrubspitze, des Großen und des Kleinen Kornigl zum Hofmahdjoch ab.

Gipfel[Bearbeiten]

Der Hauptkamm trägt die mit Abstand höchsten und bekanntesten Gipfel der Gruppe, die das Suldental dominierenden Ortler und Königspitze, und den Monte Cevedale. Insgesamt gibt es in den Ortler-Alpen etwa 25 Gipfel über 3500 m und mehr als 100 Dreitausender. Die meisten Gipfel werden im Alpenvereinsführer[1] mit zwei verschiedenen Höhenangaben angeführt, eine nach der alten deutsch-österreichischen Vermessung (zumindest teilweise noch von 1854[1]) und eine nach der neueren italienischen. Die beiden Höhenangaben unterscheiden sich um wenige Meter, die sich rein aus den unterschiedlichen Bezugssystemen nicht erklären lassen.

Corno dei Tre Signori (3.360 m) vom Lago di Ercavallo
Zufrittspitze (3.439 m) aus dem Vinschgau
Madritschspitze (3.265 m) von der Zufállhütte
Gipfel
(abweichende ital. Bezeichnung)
italienische
Vermessung
deutsch-österreichische
Vermessung
Ortler (Ortles) 3905 m s.l.m. 3899 m ü. A.
Königspitze (Gran Zebrù) 3851 m s.l.m. 3859 m ü. A.
Monte Cevedale 3769 m s.l.m. 3778 m ü. A.
Monte Zebrù 3735 m s.l.m. 3740 m ü. A.
Palòn de la Mare 3703 m s.l.m. 3708 m ü. A.
Punta San Matteo 3678 m s.l.m.  
Thurwieserspitze (Punta Thurwieser) 3652 m s.l.m.  
Monte Vioz 3645 m s.l.m.  
Pizzo Tresero 3594 m s.l.m. 3602 m ü. A.
Trafoier Eiswand 3565 m s.l.m. 3563 m ü. A.
Monte Pasquale 3553 m s.l.m.  
Vertainspitze (Cima Vertana) 3545 m s.l.m. 3541 m ü. A.
Hoher Angelus 3521 m s.l.m. 3536 m ü. A.
Schildspitze 3461 m s.l.m. 3468 m ü. A.
Tuckettspitze (Cima Tuckett) 3462 m s.l.m. 3466 m ü. A.
Hintere Eggenspitze (Cima Sternai) 3443 m s.l.m.  
Zufrittspitze (Gioveretto) 3439 m s.l.m. 3438 m ü. A.
Veneziaspitze (Cima Venezia) 3386 m s.l.m.  
Tschenglser Hochwand (Croda di Cengles) 3375 m s.l.m. 3373 m ü. A.
Monte Confinale 3370 m s.l.m.  
Corno dei Tre Signori 3360 m s.l.m.  
Hintere Rotspitze (Cima Rossa di Saent) 3347 m s.l.m.  
Köllkuppe (Cima Marmotta) 3330 m s.l.m. 3327 m ü. A.
Hintere Schöntaufspitze 3325 m s.l.m. 3324 m ü. A.
Laaser Spitze (auch Orgelspitze) 3305 m s.l.m. 3304 m ü. A.
Hasenöhrl (l'Orecchia di Lepre) 3257 m s.l.m. 3256 m ü. A.
Piz Umbrail   3'033 m ü. M.
Jennwand 2962 m s.l.m. 2958 m ü. A.
Dreisprachenspitze   2'843 m ü. M.
Piz Chavalatsch   2'763 m ü. M.
Glurnser Köpfl 2401 m s.l.m.  

Gletscher und Gewässer[Bearbeiten]

Gletscher[Bearbeiten]

Zufallspitzen und Monte Cevedale (v.l.n.r.)
Veneziaspitze mit Schranferner, Ultenmarktferner und Hohenferner (v.l.n.r)

Die Ortler-Alpen sind eine stark vergletscherte Alpengruppe, die stärksten Vergletscherungen weisen dabei der Kristallkamm nach Norden zum Stilfser Joch, der Monte Cevedale mit seinem Plateau und den Gletschern Richtung Martelltal sowie der Fornokessel Richtung Nordwesten auf. Insgesamt weist die Gruppe rund 100 Gletscher auf.

Der Fornokessel[6], der sich in einem weiten Bogen über beinahe 20 km vom Pizzo Tresero zum Palòn de la Mare (und weiter zum Monte Cevedale) zieht und das Valle dei Forni in seinem Norden umschließt, wird im Wesentlichen von einem einzigen Gletscher, dem Forni-Gletscher (Ghiacciaio dei Forni) gefüllt. Der Forni-Gletscher ist der größte Gletscher der Ortler-Alpen und einer der größten Gletscher der Ostalpen überhaupt. Auch er ist vom allgemeinen Rückgang der Gletscher seit der Mitte des 19. Jahrhunderts betroffen.

Das Gletscherskigebiet südlich des Stilfser Jochs benutzt den Ebenferner (Vedretta Piana) und die Vedretta del Cristallo. Auf der Nordseite des Kristallkamms fließen noch folgende größere Gletscher:

  • Madatschferner (Vedretta del Madaccio)
  • Nasenhornferner (Vedretta del Naso)
  • Niederer und Oberer Ortlerferner (Vedretta Bassa und Vedretta Alta dell' Ortles)
  • Suldenferner (Vedretta di Solda) auf der Ostseite von Ortler, Zebrù und Königspitze bis zum Eisseepass

Der Eispanzer des Cevedale und der Zufallspitzen wird durch die folgenden Gletscher gebildet:

  • Vedretta di Cedec nach Nordwesten
  • Langenferner (Vedretta Lunga)
  • Zufallferner (Vedretta del Cevedale)
  • Fürkelferner (Vedretta del Forcola)
  • Vedretta de la Mare nach Südosten

Etwas isoliert von diesen großflächig vergletscherten Gebieten liegen die flache Vedretta di Careser (Moosferner) südlich der Veneziaspitze und der Hinteren Rotspitze. An der Nordseite des hier ansetzenden Marteller-Hauptkamms gibt es noch einige kleinere Gletscher.

Der Laaser Ferner (Vedretta di Laas) liegt weitab in den Laaser Bergen.

Flüsse[Bearbeiten]

Die Ortler-Alpen werden durch die Flüsse Adda und Oglio im Westen und Süden, sowie durch die Etsch und ihren Nebenfluss Nonsbach im Norden, Osten und Südosten entwässert. Die Adda und der Oglio fließen in den Po, die Etsch mündet direkt in die Adria. Somit bilden die Ortler-Alpen vom Stilfser Joch über den Kamm des Fornokessels bis zum Tonalepass die Wasserscheide zwischen Po und Etsch. Trafoier und Suldenbach, der Laaser Bach, im Martelltal die Plima und im Ultental der Falschauer entwässern die nordseitig gelegenen Täler in die Etsch.

Die Flüsse werden teilweise gestaut und für die Elektrizitätsgewinnung verwendet.

Seen[Bearbeiten]

Im kristallinen Teil der Ortler-Alpen gibt es immer wieder vereinzelt kleinere Seen. Allein im Ultental werden neben den oben erwähnten Stauseen noch etwa 10 weitere natürliche Seen als Wanderziele erwähnt.[7] Im oberen Saenttal unterhalb der Hinteren Eggenspitze liegen mehrere kleine, Laghetti di Sternai genannte Seen. Lago Marmotta und Lago Lungo liegen im Val di Mare über der Cevedalehütte, die beiden Laghi del Confinale im Confinalekamm auf über 2.900 Meter, am Gaviapass schließlich der Lago Bianco.

Stauseen[Bearbeiten]

Der Zufrittsee ist ein Stausee im Martelltal auf einer Höhe von 1.850 m. Der Stausee wurde von 1950 bis 1956 errichtet und wird von der Plima gespeist und durchflossen. Das zugehörige Wasserkraftwerk steht in Laas.[8]

Zoggler-Stausee

Im Ultental gibt es eine Reihe von Stauseen mit kleineren Kraftwerken (siehe Wasserkraftwerke im Ultental). Am Talende auf einer Höhe von 2.529 m liegt der Grünsee, der Reihe nach talauswärts auf 1.872 m der Weißbrunnsee, auf 1.137 m der Zoggler-Stausee und auf 804 m der Pankrazer See. Hoch über dem Ultental und östlich unterhalb des Hasenöhrls liegt noch der Arzkarsee auf einer Höhe von 1.906 m.

Im Süden der Gruppe speisen die beiden Stauseen Lago del Careser auf 2.603 m und Lago Pian Palù auf 1.800 m das Wasserkraftwerk in Cogolo im Peiotal.

Geologie[Bearbeiten]

Die Hauptgipfel der Ortler-Alpen, Ortler, Zebrù und Königspitze bestehen aus Dolomit- und Kalkgestein, das hier als 1000 Meter dicke Sedimentschicht des zentralalpinen Mesozoikums auf dem Veltliner Basiskristallin aufgelagert ist. Dieses entspricht dem Ötztal- und Silvrettakristallin und gehört zum Altkristallin der Ostalpen. Dieses tritt großflächig als Quarzphyllit zutage, in der Angelusgruppe auch als Orthogneise. Unter diesen Gneisen und Quarzphylliten kommen auf der Laaser Seite Phyllitgneise mit Einschaltungen von Amphiboliten und vor allem Marmorzügen ans Tageslicht. Diese liefern den berühmten Laaser Marmor, der in mehreren Brüchen abgebaut wird. In der Jennwand bildet der Marmor, der im Tal flach liegt, eindrucksvolle Faltenstrukturen.[9][10]

Biogeographie[Bearbeiten]

Fauna[Bearbeiten]

Neben dem üblichen jagdbaren Hochwild wie Reh, Gämse und Rothirsch wurden im Nationalpark Steinböcke ausgesetzt. Murmeltiere findet man recht häufig auf der Südseite des Confinalekamms und im Rabbital, sonst jedoch eher selten. Der Name des Sees Lago Marmotta (ital. marmotta: Murmeltier) auf einer Höhe von 2.704 m im hinteren Peiotal weist ebenfalls auf signifikante Vorkommen hin. Bis hinauf zu den Almen ist der Feldhase anzutreffen, in größeren Höhen gelegentlich der Schneehase. Das Verbreitungsgebiet der Schneemaus reicht bis an den Rand der Gletscher. An fleischfressenden Säugetieren findet sich gelegentlich der Rotfuchs in den unteren Lagen und bis hoch hinauf das Wiesel.

Die Ortler-Alpen weisen geringe Bestände an Steinadlern, Uhus, Kolkraben und Auerhühnern auf, etwas öfter sind Haselhuhn und Alpensteinhuhn und noch häufiger das Alpenschneehuhn anzutreffen. Alpensegler, Wasseramseln, Bachstelzen, Schneefinken und Alpenbraunellen sind in stark wechselnden Häufigkeiten zu beobachten. In den Bächen tummeln sich Äschen, Bach- und Marmorierte Forellen. An wirbellosen Tieren seien noch der Deutsche Skorpion und der Gletscherfloh erwähnt, der auf den Gletschern der Ortler-Alpen seinen Lebensraum findet.

Flora[Bearbeiten]

einer der Sternai-Seen, Scheuchzers Wollgras

Die Bewaldung ist auf der Nordseite des Gebirges dichter und reicht höher hinauf, als an der spärlicher bewaldeten Süd- und Westseite. Im Martelltal liegt die obere Baumgrenze auf über 2000 m, Zirben und Tannen erreichen hier die größten Höhen. Trotz der spärlichen Bewaldung weist die Südseite nicht jene inneralpine Trockenvegetation auf, wie sie für die nach Süden gerichteten Hänge des Vinschgaus (Sonnenberg) typisch sind. Auf Hängen mit kristallinem Untergrund gedeiht die Grünerle, bis zur Baumgrenze ersetzt sie oft die in den Ortler-Alpen nicht so häufig vorkommende Latsche. Mehrere Arten des Eisenhuts bevorzugen den kristallinen Untergrund, wo sie oft mit den Grünerlen vergesellschaftet sind.

Ab der Baumgrenze dominieren Enzian und Alpenrose, auffällig sind die Gelbe Alpen-Kuhschelle (Schwefelanemone), der Gletscher-Hahnenfuß und die rote Primel. Das Edelweiß kommt dagegen selten vor. Scheuchzers Wollgras dominiert den Bereich der Hochmoore.

Die nivale Stufe ist geprägt von Flechten und Moosen, gelegentlich wachsen Mannsschild- und Steinbrecharten, der Gletscher-Hahnenfuß und einige Enzianarten.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Ortler-Alpen bildeten jahrhundertelang die deutsch-italienische Sprachgrenze. Diese verläuft zwischen dem italienischsprachigen Trentino im Süden und dem bis 1918 fast vollständig deutschsprachigen Südtirol im Osten und Norden. In den Gemeinden Proveis, Laurein und Unsere Liebe Frau im Walde-St. Felix im Nonstal im Südosten der Gruppe gab es ebenfalls eine überwiegend deutsch sprechende Bevölkerungsmehrheit, während das Val di Sole schon italienisch besiedelt war.

Das Trentino geriet schon früh unter starken Einfluss der Grafen von Tirol und wurde 1803 offiziell dem Fürstenhaus der Habsburger unterstellt. Die Kammlinie der Ortlergruppe vom Stilfser Joch zum Tonalepass nach Westen hin war hingegen viele Jahrhunderte die politische Grenze zwischen Österreich-Ungarn und der Lombardei. Die Lombardei kam mit dem Wiener Kongress 1815 unter österreichische Herrschaft. Diese dauerte bis zur Niederlage der Österreicher 1859 bei Solferino.

In diese Zeit fällt der militärisch motivierte Bau der Stilfser-Joch-Straße, die bereits 1825 fertiggestellt wurde.

Die bergsteigerische Erschließung der Ortler-Alpen begann 1804 mit der Erstbesteigung des Ortlers durch Josef Pichler, vulgo „Pseirer-Josele”. Von 1865 bis 1868 führte Julius Payer kartographische Aufnahmen des Ortlergebietes durch, er bestieg dabei mit Johann Pinggera 50 Gipfel, darunter zahlreiche zum ersten Mal (Monte Cevedale). Die Payerhütte wurde ihm zu Ehren 1875 gebaut, im gleichen Jahr auch die Schaubachhütte. 1922 wurde mit der hochliegenden Casatihütte die letzte Hütte neu errichtet.

Hans Ertl gelang zu Beginn der 1930er Jahre die Erstbegehung der Nordwände von Königspitze (1930) und Ortler (1931 mit Franz Schmid).

Im Gebirgskrieg 1915–1918 des Ersten Weltkrieges verlief die Italienfront über die Berge der Ortler-Alpen, wo sie mit der Ortlerstellung ihre höchstgelegene Stellung erreichte.

Mit dem Vertrag von Saint-Germain fielen Südtirol und das Trentino und damit die Ortler-Alpen an Italien.

Nationalparks[Bearbeiten]

Auf dem Gebiet der Ortler-Alpen liegen der Nationalpark Stilfser Joch und der Schweizerische Nationalpark. Der 1935 gegründete Nationalpark Stilfser Joch umfasst beinahe den gesamten italienischen Teil der Ortler-Alpen mit Ausnahme des Ultentals von St. Gertraud talauswärts einschließlich der das Tal einfassenden Kämme. Der im Kanton Graubünden direkt anschließende Schweizerische Nationalpark umfasst den westlichen Teil der Umbrailgruppe.

Tourismus[Bearbeiten]

Schutzhütten[Bearbeiten]

Wintersport[Bearbeiten]

Bekannte Wintersportorte rund um die Ortler-Alpen sind Bormio, Santa Caterina Valfurva, Sulden und im Süden das Peiotal. Auf dem Stilfser Joch gibt es ein Gletscherskigebiet, das tatsächlich, wegen der Wintersperre der Passstraße, nur im Sommer in Betrieb ist. Die Ortler-Alpen sind ein beliebtes Skitourengebiet, viele der Hütten sind daher auch im Frühjahr bewirtschaftet.

Literatur und Karte[Bearbeiten]

  • Peter Holl: Alpenvereinsführer Ortleralpen. Bergverlag Rudolf Rother, München 1990. ISBN 3-7633-1313-3
  •  Julius Payer: Die Centralen Ortler-alpen(gebiete: Martell, Laas und Saent): Nebst einem Anhange zu den Adamello-presanella-alpen des Ergänzungsheftes no. 17. J. Perthes, 1872.
  • Casa Editrice Tabacco, carta topografica 1:25.000, Blatt 08, Ortles-Cevedale / Ortlergebiet. Ausgabe 1988

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ortler Alps – Sammlung von Bildern, Videos und AudiodateienVorlage:Commonscat/Wartung/P 2 fehlt, P 1 ungleich Lemma

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Peter Holl: Alpenvereinsführer Ortleralpen
  2. Alpenvereinseinteilung der Ostalpen
  3. Internationaler Hüttenatlas '79/80. Geobuch, München 1979, ISBN 3-920397-00-2
  4. Sergio Marazzi: La “Suddivisione orografica internazionale unificata del Sistema Alpino” (SOIUSA), Club Alpino Italiano - BiblioCai (Webdokument, pdf 1,6 MB)
  5. a b c d e Darstellung nach Hanspaul Menara und Josef Rampold: Südtiroler Bergtouren. Athesia, Bozen 1976, S. 114–125
  6. Fornokessel auf www.alpen-panoramen.de
  7. http://www.ultental-valdultimo.com/seen/index.html
  8. Kraftwerk Laas auf Technikmuseum tecneum
  9. Dr. Ernst Ott: Zur Geologie der Ortleralpen, in Peter Holl: Alpenvereinsführer Ortleralpen
  10. Geologische Übersichtskarte der Republik Österreich 1:1500000 (PDF; 1,6 MB), abgerufen am 14. Jänner 2008