Osage

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Osage (Begriffsklärung) aufgeführt.
Oklahoma um 1890
US-Präsident Calvin Coolidge mit vier Osage-Indianern nach der Unterzeichnung des Indian Citizenship Act (1924)

Die Osage sind ein nordamerikanischer Indianerstamm aus dem Dhegiha-Zweig der Sioux-Sprachfamilie. Die Osage selbst nannten sich ursprünglich Ni-U-Kon-Ska („Kinder oder Volk des mittleren Wassers“), ab dem späten 17. Jahrhundert bezeichneten sie sich als Wah-zha-zhe oder Wa-sha-she („Volk des Wassers“), dem Namen ihres in ihrer Mythologie und Stammesgeschichte dominanten Originalstammes. Später schlossen sich weitere sprachlich und kulturell verwandte Stämme den Wah-zha-zhe an und entwickelten sich zu den Osage.

Die heute allgemein gebräuchliche Stammesbezeichnung als Osage entwickelte sich sowohl durch fehlerhafte Aussprache als auch Orthographie der französischen Siedler sowie ebenfalls falschen Transkription der Briten. Die Franzosen nannten sie Wa-Sa-gee, um jedoch den Laut des Buchstabens W wiederzugeben, nutzten sie die Buchstaben Ou, so dass sie schließlich den Namen als Ouasages schrieben; die Briten und Amerikaner wiederum - ohne Rücksichtnahme auf den W-Laut - sprachen dies als Osages aus.[1]

Wohngebiet und Geschichte[Bearbeiten]

Die Osage Maria Tallchief

Wie auch die anderen Mitglieder dieser Untergruppe (Omaha, Ponca, Kansa und Quapaw) wanderten die Osage westwärts von der Atlantikküste, nachdem sie zuvor auf dem Piedmont-Plateau zwischen James und Savannah River in Virginia, North und South Carolina gelebt hatten. Später zogen sie den Ohio River hinab, über den Mississippi bis auf das Ozark-Plateau und in die Prärien des heutigen westlichen Missouri. Zu diesem Zeitpunkt trennten sich die fünf Stämme; die Osage blieben in Dörfern am Osage River, wo sie Jacques Marquette zufolge 1673 wohnten. 1802 lebten sie laut Lewis und Clark am Osage River, am Little Osage River flussaufwärts und am Vermilion River, einem Nebenfluss des Arkansas River. Das Ausmaß ihres Stammesgebiets war gewaltig, es erstreckte sich über große Teile von vier heutigen Bundesstaaten: Missouri, Kansas, Oklahoma und Arkansas. Die Fläche betrug etwa 200.000 km², das ist mehr als die Hälfte der Fläche von Deutschland (etwa 380.000 km²). Die Osage nannten ihr Land wegen dessen zentraler Lage und Fruchtbarkeit ‘das Zentrum der Erde’ und verstanden sich als Bewahrer dieses Landes im Namen von Wa-kon-ta-ke (The Mysterious Being of the Universe). Der Stamm zählte zu dieser Zeit 5.500 Angehörige. Sie lebten dort bis ins frühe 19. Jahrhundert, als sie ihr Land in Missouri an die Vereinigten Staaten abtraten und nach Westen in das Neosho River Valley in Kansas zogen. Hier wurden die Osage für ihre Ablehnung der weißen Kultur bekannt; sie kleideten sich weiterhin in Tierhäute und lehnten angeblich den Genuss von Alkohol ab.

Nach Ende des amerikanischen Bürgerkriegs (1861–1865) führte der zunehmende Druck auf die US-Regierung, alles Indianerland für die weiße Besiedlung zu öffnen, zum Verkauf des Kansas-Reservats. Den Erlös verwendete man 1870 zum Kauf von Land für die Osage im Indianer-Territorium. Die Entdeckung von Erdöl in dem Osage-Reservat im späten 19. Jahrhundert und ein Abkommen mit der Regierung der Vereinigten Staaten, dass alle Schürfrechte in dem Reservat dem Stamm zukommen sollten (die Pachtgelder wurden pro Kopf verteilt), machten die Osage zu einem bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts sehr wohlhabenden Indianerstamm. Heute zählen sie etwa 10.000 Stammesmitglieder und leben auf einem Reservat im nördlichen Oklahoma, Osage County.

Die von den beiden international bekannten Primaballerinen Maria und Marjorie Tallchief begründete Ballettradition[2] hat nach wie vor große Bedeutung bei den Osage.[3]

Kultur[Bearbeiten]

Die Osage hatten eine Prärie-Kultur mit der charakteristischen Kombination aus dörflichem Ackerbau und Büffeljagd. Andere wichtige Jagdtiere waren Hirsch, Bär und Biber. Ihre Dörfer bestanden aus mit Matten und Häuten bedeckten Langhäusern, unregelmäßig um einen freien Platz errichtet, der für Tänze und Ratsversammlungen genutzt wurde. Während der Jagdsaison wohnten die Osage meistens in Gras- und Strauchhütten (sog. Wickiups) und nur wenn sie auf Büffeljagd in den Plains gingen, in Tipis. Die Osage unternahmen jährlich drei große straff organisierte Jagden – im Frühjahr und Herbst die Büffeljagd, sowie im Winter die Wildtierjagd (Hirsche, Antilopen, Biber). Der Mittelpunkt des Stammeslebens der Osage waren religiöse Zeremonien, bei denen Clans in symbolische Himmels- und Erdgruppen eingeteilt wurden, wobei man die zuletzt genannten nochmals in trockenes Land und Wasser unterteilte. Die Osage waren bekannt für ihre poetischen Rituale. Es gab den Brauch bei ihnen, jedem neugeborenen Kind die Legende von der Schöpfung des Universums vorzutragen.

Soziale und politische Organisation[Bearbeiten]

Soziale Organisation in Moieties, Phratrien und Clans[Bearbeiten]

Ursprünglich gab es nur die Wa-sha-she, die in der Mythologie und der Stammesgeschichte der Osage stets eine dominante Gruppe bildeten. Zu den Wa-sha-she gesellten sich später die Hun-ka (Hon-ga), die Isolated Hun-ka (Isolated Hon-ga), die Tsi-shu (Tsi-zhu) und zuletzt die Tsi-ha-she (Tsi-hai-shi).

Laut Überlieferung der Osage gruppierten die Ne-ke-a-Shin-ka (Little Old Men) die Clans in zwei große Moieties (französisch „Hälfte“ oder Grand Divisions) – den Tsi-shu („Himmels-Volk“) und den Hun-ka („Erd-Volk“, auch „Heiliges Volk“). Hierbei symbolisierten die beiden Moieties die Dualität von Himmel und Erde (Land und Wasser) – der Himmel symbolisierte den Frieden und die Erde den Krieg. Die Moieties waren zudem in vier Phratrien (Clan-Verbände oder subdivisons) unterteilt – den Wa-sha-she („Wasser-Volk“), Hun-ka („Erd-Volk“), Tsi-shu („Himmels-Volk“) sowie den Tsi-ha-she („Jene, die zuletzt kamen“).[4]

Hun-ka oder Hon-ga Grand Division („Volk des trockenen Landes, Erd-Volk“, repräsentierten den Krieg):

  • Wa-sha-she oder Wa-zha-zhe Subdivision („Wasser-Volk“, Originalstamm und Namensgeber der Osage)
    • Wa-zha-zhe cha (White Wa-zha-zhe cha)
    • Ke-k'in (Carrier of the Turtle People)
    • Mi-ke-the-stse-dse (Cattail People)
    • Pon-ka Wa-shta-ge (Gentle Ponca) oder Wa-tse-tsi (Star That Came to Earth People)
    • O-cu-ga-xe (They Who Make Clear the Way)
    • Ta-tha-xin (Deer's Lungs People)
    • Ho I-ni-ka-shi-ga (Fish People)
  • Hun-ka oder Hon-ga Subdivision („Volk des trockenen Landes, Erd-Volk“)
    • Wa-ca-be-ton (They Who Own the Black Bear)
    • In-gthon-ga (Puma People)
    • O-pxon (Elk People)
    • Mon-in-ka-ga-xe (Maker of the Earth People)
    • Hon-ga Gthe-zhe (The Mottled Earth People)
    • Hon-ga Zhin-ga (The Little Earth People)
    • Xu-tha (Eagle People)
  • Isolated Hun-ka oder Hon-ga U-ta-non-dsi („Isoliertes Erd-Volk“, bildeten nur einen Clan und keine eigene Subdivision und gehörten direkt der Hun-ka Grand Division an).

Tsi-shu oder Tsi-zhu Grand Division („Himmels-Volk“, repräsentierten den Frieden):

  • Tsi-shu oder Tsi-zhu Subdivision
    • Tsi-zhu Wa-non (Elder Tsi-zhu) oder Wa-kon-da Non-pa-bi (The God Who is Feard by All)
    • Tsi-zhu Wa-shta-ge (Gentle Tsi-zhu) oder Pe-ton Ton-ga Zho-i-ga-the (Great Crane People)
    • Tsi-zhu U-thu-ha-ge (The Last Tsi-zhu)
    • Cin-dse-A-gthe (Wearers of the Symbolic Locks)
    • Tse-do-ga In-dse (Buffalo Bull Face People)
    • Mi-kin Wa-non (Carriers of the Sun and Moon)
    • Hon Zho-i-ga-the (Night People)
  • Tsi-ha-she oder Tsi-hai-shi Subdivision („Jene, die zuletzt kamen“)
    • Ni-ka Wa-kon-da-gi (Men of Mystery)
    • Tho-xe (Buffalo Bull People)

Bei den Osage gab es einst nur 14 Clans, die je zur Hälfte den Wa-sha-she und den Hun-ka angehörten und die ersten 14 Feuerplätze bildeten. Durch den Beitritt der Tsi-shu erhöhte sich die Zahl der Clans auf 21. Während dieser Zeit organisierten die Osage die Clans in drei Phratien (Verbände) mit je sieben Clans – den Wa-sha-she, Hun-ka und den Tsi-shu. Später gesellten sich noch die Isolated Hun-ka (die keiner Phratrie angehörten) sowie zwei Clans, die der Tsi-ha-she-Phratrie angehörten, an. Jeder Clan hatte zudem mindestens zwei Subclans (manche hatten bis zu fünf), von denen einer immer als Sho-ka (zeremonielle Clan-Boten) diente – so dass es mindestens 55 Clans gab. Jeder Subclan hatte zudem einen eigenen Namen und besaß ein Totem – und hatte jeweils spezielle zeremonielle Aufgaben zu vollziehen.

Alle Mitglieder einer Moiety (und deren zugehörige Clans) stammten von einem gemeinsamen mythischen Urahnen (oder einem heiligen Tier) ab, und bildeten daher eine Erblinie (Lineage). Jeder Osage gehörte einer der beiden Moieties an, deren Mitgliedschaft erblich und unveränderlich war (sie konnte auch durch Heirat nicht geändert werden) – wobei sich die Moiety-Zugehörigkeit aus der Moiety des Vaters (patrilinear) herleitete. Da die Osage kein Mitglied der eigenen Moiety heiraten durften (Exogamie), mussten sie ihre potenziellen Heiratspartner jeweils von der anderen Moiety wählen, so dass Tsi-shu nur Hun-ka heiraten konnten und Hun-ka mussten unter den Tsi-shu wählen. Dieses exogame System verstärkte die Einheit (trotz der vielen Clans) innerhalb der Osage, da beide Moities (Hälften) des Stammes jeweils durch Heiraten miteinander verbunden waren.

Politische Organisation in Bands[Bearbeiten]

Neben der auf den Clans und den Moieties aufbauenden sozialen Struktur gab es bei den Osage noch eine politische Organisation: die einzelnen bands (englischStammesgruppen“).

Nach der Überlieferung der Osage wurden sie einst von einer Flut (vermutlich des Ohio River) östlich des Mississippi River überrascht und auf der Suche nach Sicherheit wurden die Clans versprengt. Diejenigen, die auf kleinen flachen Hügeln im Überschwemmungsgebiet blieben und überlebten, wurden Heart Stays People genannt. Einige Clans erklommen Bäume um sich zu retten und wurden daher Tree Sitters (Jene, die auf Bäumen sitzen) genannt. Eine dritte Gruppe fand Schutz in einer Senke eines nahen Hügels und wurde Down Under People genannt. Die ersten beiden Gruppen und ca. die Hälfte der dritten Gruppe verließen die übrigen Osage und wurden bald Utsehta (Little Bone Osage) genannt. Eine fünfte Gruppe von Clans flüchtete sich in ein dornenreiches, und mit viel Dickicht bewachsenes, Seitental und wurden Thorny Bush People genannt. Die sechste und letzte Gruppe schaffte es, einen bewaldeten Hügel zu erklimmen – diese wurden Upland Forest People genannt. Die Thorny Bush People, Upland Forest People und der Rest der Down Under People waren allgemein auch als Big Hills People oder Pahatsi (Big Bone Osage) bekannt.

Später ließ man ‘Bone’ weg, so dass die allgemein bekannten Bezeichnungen Little Osage und Big Osage üblich wurden. Die Little Osage (lebten entlang des Missouri River und dessen Nebenflüssen), hatten eine engere Beziehung zu den Missouri und den Illinois als die anderen Gruppen, die Big Osage (lebten entlang des Osage River, des Little Osage River und deren Nebenflüssen) wiederum unterhielten enge Verbindungen mit den Quapaw. Die Population der Big Osage betrug zu dieser Zeit ungefähr mehr als das Doppelte als die der Little Osage. Da fast alle Kon za-Clanmitglieder Big Osage waren, ist es möglich, dass der Großteil der Kon za der Little Osage sich von diesen lösten und ab nun als Kansa (Kon za, Kaw) ein eigenständiges Volk bildeten. Gegen 1802 entstand eine dritte Gruppe, die Santsukhdhi (meistens Arkansas Band genannt) als Tracks Far Away II (Ka-she-Se-gra), der Grand Hun-ka Chief zu dieser Zeit, knapp die Hälfte der Big Osage an den Arkansas River führte. Diese Gruppe siedelte zudem entlang des Vermilion River, Neosho River, Grand River, sowie Verdigris River.

So gab es Ende des 18. Jahrhunderts drei große geographische Zusammenschlüsse von Gruppen – die Little Osage, die Big Osage sowie die Arkansas Band. Jede dieser Gruppen hatte wiederum eigenständige Führungen entwickelt – für die Little Osage ist ein Oberhäuptling belegt. In jeder dieser drei Gruppierungen waren wiederum alle 24 Clans (und deren Subclans) vertreten und jede band (Gruppe) bestand aus zwei oder mehreren Clans.[4]

Militärische Organisation[Bearbeiten]

Grand Hun-ka und Grand Tsi-shu Chief[Bearbeiten]

Neben der Organisation der Osage in Moities (Grand Divisions) und Phratrien (Verbände oder subdivisions) etablierten die Ne-ke-a-shin-ka (Society of Little Old Men oder Society of Little Ancient Men) eine erbliche Linie aus dem jeweiligen Peacemaker-Clan (des Clans, der für die Erhaltung des Friedens nach außen und nach innen zuständig war) der beiden Grand Divisions – so dass es einen Grand Tsi-shu Chief und einen Grand Hun-ka Chief gab. Da der Grand Tsi-shu Chief von der Tsi-shu (Himmels-Volk) Grand Division war und für den Frieden verantwortlich war, so war für den Krieg und für die Jagd (in beiden Fällen wurde ja getötet) der Grand Hun-ka Chief der Hun-ka (Erd-Volk) Grand Division zuständig. Obwohl die beiden Grand Chiefs theoretisch gleich viel Macht besaßen (oder besser verantworten mussten), dominierte doch im Alltag der Grand Tsi-shu Chief, da er als Sprecher der Ne-ke-a-shin-ka gegenüber benachbarten Völkern und später den Spaniern, Franzosen und Amerikanern auftrat. Zusätzlich zu der erblichen Linie (Lineage) der Grand Chiefs, die in gewissem Sinne die Exekutive und Judikative der Osage-Gesellschaft darstellten (stark limitiert und begrenzt in ihrer Macht durch die Legislative, die Society of Old Men – die die Zeremonien, Legenden, religiöse und schamanische Rituale der Osage beherrschten) gab es auch noch die Führer der einzelnen bands (Stammesgruppen). Diese verdankten ihre Autorität und Macht nur dem Einvernehmen und dem Vertrauen der Mitglieder ihrer Gruppe in ihre Führungsqualitäten und waren diesen auch verantwortlich. An Autorität und der daraus abgeleiteten Macht reichten aber die einzelnen band chiefs (Häuptlinge) nicht an die Grand Tsi-shu oder Grand Hun-ka chiefs heran.

Ah-ki-ta (auch Ah-ke-ta)[Bearbeiten]

Neben den Ki-he-ka (Häuptlingen) gab es zudem noch verschiedene Klassen von Ah-ki-ta („Beschützer-Bewahrer“, engl. Protectors, oft auch Soldiers). Um den beiden Grand Chiefs bei der Umsetzung ihrer Aufgaben und Pflichten zu helfen, war jeder Grand Chief ermächtigt, fünf Helfer, die sog. Ki-he-ka Ah-ke-ta (Chief Protectors), zu benennen. Diese Ah-ki-ta mussten von allen zehn Clans gewählt werden, wobei die Grand Chiefs nicht verpflichtet waren, unbedingt Ah-ke-ta aus den Clans ihrer eigenen Grand Division zu wählen.

Die Ah-ke-ta mussten aus folgenden Clans gewählt werden:

  • Hun-ka Grand Division: Wa-sop-pe Black Bear/Panther oder In-gthon-ga (Puma People), Little Male Deer, O-pxon (Elk People), Hun-ka Ah-hu-tun (Hun-ka Having Wings), Hon-ga U-ta-non-dsi (Isolated Hun-ka-Isolated Earth People)
  • Tsi-shu Grand Division: Ni-ka Wa-kon-da-gi (Men of Mystery), Tho-xe (Buffalo Bull People), Tsi-zhu Wa-non (Elder Tzi-shu), Mi-kin Wa-non (Carriers of the Sun and Moon oder Elder Sun Carriers), Tse-do-ga In-dse (Buffalo Bull Face People)

Die jeweiligen fünf Ki-he-ka Ah-ke-ta einer Grand Division bildeten einen Rat, wenn ein Grand Chief gestorben war, oder nicht mehr fähig war sein Amt zu versehen, um einen neuen Grand Chief zu wählen, unter Berücksichtigung seiner Herkunft sowie seiner Qualifikation.

Zusätzlich zu den Ki-he-ka Ah-ke-ta gab es noch zwei weitere Klassen von Ah-ke-ta. Im Krieg und auf der Jagd trug die Verantwortung für den Angriff oder für den Aufbruch zur Jagd der Wa-na-she (Director of the Attack) und seine Helfer, die Wa-na-she Shin-ka (Little Protectors-Little Soldiers). Die andere Klasse von Ah-ke-ta war besonders wichtig im Verhältnis der Osage zu benachbarten Stämmen und später den europäischen Soldaten und Siedlern, denn diese hatten die Aufgabe, das Stammesgebiet vor feindlichen Übergriffen oder Einfällen zu schützen. Diese Moh-shon Ah-ke-ta (Protectors of the Land) mussten einen Angehörigen eines feindlichen Volkes, der im Osage-Land auf die Jagd ging oder in feindlicher Absicht unterwegs war, entweder töten oder wieder aus dem Land jagen. Hatten die Mo-shon Ah-ke-ta die Feinde getötet, enthaupteten sie diese und steckten die Köpfe auf Stangen – als abschreckende Warnung für weitere Eindringlinge. Spanische Berichte schätzen die durch die Osage getöteten indianischen und weißen Feinde auf über ein Tausend. Allein während der amerikanischen Periode, als die Cherokee aus dem Osten vertrieben wurden, starben fast 1.000 dieser Cherokee durch die Osage, als sie sich in Teilen von deren Stammesgebieten niederlassen wollten.

Waren aber benachbarte Stämme oder Weiße von Hunger bedroht und hatten um Erlaubnis gefragt, im Stammesgebiet der Osage zu jagen, erlaubten dies die Osage fast immer – und niemand wurde verletzt oder misshandelt. So baten die Wichita, traditionelle Feinde, die unter einer großen Hungersnot während des amerikanischen Civil War litten, die Osage um Erlaubnis, in deren Gebieten auf die Jagd gehen zu dürfen. Die Wichita durften solange im Osage-Gebiet jagen bis die Hungersnot überstanden war und mussten daraufhin wieder in ihre eigenen Jagdgebiete zurückkehren – danach begannen die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Wichita und Osage von neuem.

Grand War Party und Small Party[Bearbeiten]

Laut den Überlieferungen der Osage bildeten die Wa-sha-she, Hun-ka, Isolated Hun-ka sowie die Tsi-shu die sog. Grand War Party (auch: War Party in Great Numbers), die zwingend aus Kriegern von allen drei Phratrien (Verbänden) bestehen musste – und daher mit langwierigen Zeremonien - zwischen sieben und bis zu vierzehn Tagen - und Zusammenkünften verbunden war, um diese für den Krieg organisieren zu können. Die Tsi-ha-she brachten den Osage die Organisation der sog. Small War Party, die den Osage ermöglichten schneller in den Kampf zu ziehen, die sich wiederum in drei Klassen unterteilen lassen:

  • Small Parties – der ersten Klasse: bestanden aus Kriegern aus je einer Moity oder Grand Division
  • Small Parties – der zweiten Klasse: bestanden aus mindestens zwei Clans einer Grand Division
  • Small Parties – der dritten Klasse: bestanden aus Kriegern, die einem Clan angehörten

Kriegsführung[Bearbeiten]

Die drei bands der Osage – die Utsehta (Little Osage), die Pahatsi (Big Osage oder Great Osage) und die Santsukhdhi (Arkansas Band) – hatten unterschiedliche Arten und Wege, Kriege und Auseindandersetzungen zu führen:

Die Little Osage besaßen drei Kriegs-Clans: Mottled Eagle, Men of Mystery und Buffalo Bull People. Diese waren Kriegs-Clans der zweiten Klasse, daher favorisierten die Little Osage die Psychologische Kriegsführung, indem sie systematisch, Angst einflösende Überfälle gegenüber feindlichen Stämmen und europäischen Siedlungen ausführten und diese so oft wie möglich schikanierten. Die Big Osage hatten auch meist Kriegs-Clans der zweiten Klasse sowie zusätzlich zwei Division Chiefs, deren Pflicht es war, den Frieden zu erhalten, so dass sie meist ebenfalls wie die Little Osage die Methode der kleinen zermürbenden Nadelstiche wählten.

Die Arkansas Band hatte zwar auch manche Kriegs-Clans zweiter Klasse, die Mehrheit waren aber Mitglieder der verwandten (manchmal als ein Clan betrachteten) Black Bear und Panther (Puma People)-Clans, der führenden Kriegs-Clans unter den Osage. Daher traten diese gegenüber Feinden besonders aggressiv auf und bevorzugten meist die Tötung als die immerwährende Belästigung des Feindes in kriegerischen Auseinandersetzungen. Innerhalb der Arkansas Band waren die besonders flexiblen und schnell zu organisierenden (da deren Krieger ja nur einem Clan angehören mussten) Small Parties der dritten Klasse in den Auseinandersetzungen mit den Stämmen der Südlichen Plains, Spaniern und später Amerikanern dominierend.

Die Osage hatten zudem zwei Arten der Kriegsführung gegenüber ihren indianischen Feinden (und später den Europäern) – abhängig vom Gegner und vom Ziel der Unternehmung.

Es gab auf der einen Seite die sog. Bluff Wars (in etwa „vorgetäuschte Kriege“), die meist gegen die halbsesshaften Ackerbau treibenden Prärie-Stämme der Caddo-sprachigen Pawnee, Caddo und Wichita geführt wurden. Hierbei mussten die meist hinter ihren Palisaden-Dörfern gut geschützten Caddo erst durch Gesten, Schmähungen, Übergriffe auf Jagdtrupps oder Pferdediebstahl soweit aufgehetzt werden, so dass diese ihre Dörfer verließen und kämpften. Im dann sich ergebenen Kampf siegten meist die Osage, enthaupteten die getöteten Feinde und verkauften die gefangenen Krieger, Frauen und Kinder an die Muskogee und andere Stämme im Südosten. Üblich war es hierbei die obere Gesichtshälfte entweder schwarz oder rot zu bemalen (abhängig von der Grand Division ab) und die untere Hälfte gelb.

An ihrer westlichen, südwestlichen und südlichen Flanke hatten die Osage meist kriegerische Auseinandersetzungen mit den nomadischen als Jäger und Sammler lebenden Plains-Stämmen der Comanche, Kiowa, Plains Apache (Kiowa Apache), Lipan Apache, Tonkawa, Südlichen Cheyenne und Südlichen Arapaho zu bestehen. Dies waren Völker, die genauso wie die Osage, eine kriegerische Tradition hatten und dem Gegner im Kampf keine Gnade gewährten (besonders Comanche, Kiowa und Apache). In Kämpfen gegen die genannten Stämme bemalten die Osage ihren ganzen Körper schwarz – als Zeichen, dass es keine Chance auf Milde und es ein totalen Krieg geben werde. Meist war in diesen Kämpfen die Arkansas Band führend.

Symbolik des Krieges[Bearbeiten]

Die vier symbolischen Messer[Bearbeiten]

Der Black Bear Clan war ursprünglich der Hüter der vier Messer, der Moh-he-Se-e-pa-blo-ka (Round Handled Knife): Moh-he-Sop-pe (Black Knife), Moh-he-Hun-ka (Sacred Knife) und Moh-he-Shu-tsy (Red Knife). Diese Messer wurden zuerst den Wa-sha-she, Hun-ka, Isolated Hun-ka und Tsi-shu. Nachdem die Tsi-ha-she mit den Osage verschmolzen, wurden die Messer neu verteilt: Für die ersten zwei Messer wurden der Hun-ka Subdivision die Verantwortung übertragen, für die letzten zwei Messer jeweils die Wa-sha-she Subdivision und die Tsi-shu Grand Division (Tsi-shu und Tsi-ha-she).

Trennte nun ein Osage-Krieger mit einem Messer einem Feind den Kopf ab, so wandelte es sich in diesem Moment in eines der vier symbolischen Messer um (basierend auf der Subdivision, die der Krieger angehörte), so dass der Krieger dies als ehrenhafte Kriegstat zählen durfte.

Die sieben mystischen Pfeile[Bearbeiten]

Laut einer Überlieferung des Black Bear Clan waren die Tsi-shu anfangs nicht in der Lage, Krieg zu führen, da sie nicht genügend Waffen besaßen. Hingegen besaßen die Wa-sha-she einen guten Vorrat an Waffen, besonders an Pfeilen, die sie nun den Tsi-shu übergaben. Nun konnten diese gegen die fremden (= feindlichen) Menschen (wahrscheinlich waren sie Cherokee) Krieg führen und diese mit Hilfe der mystischen sieben Pfeile besiegen. Eine andere Version berichtet, dass der Elder Wa-sha-she Clan der Wa-sha-she Subdivision die Autorität und die Macht für die Organisation von Kriegstrupps auf den Hun-ka Clan der Hun-ka Subdivision übertrug. Ein Subclan des Hun-ka Clan fand den Gegner, und der ganze Stamm der Osage begann seine kriegerische Tradition. Zu dieser Zeit baten die Elder Wa-sha-she zudem den Hun-ka ihre sieben mystischen Pfeile an, die es den Osage ermöglichten, ihre Feinde an Gegenwehr zu hindern. In diesen beiden Versionen erhalten entweder die Tsi-shu oder die Hun-ka die sieben mystischen Pfeile von den Wa-sha-she – abhängig von dem Clan, der die Geschichte erzählte (jeder der 24 Clans hatte seine eigene Version, in der dieser im besten Licht dastand).

In allen frühen Legenden (egal welcher Clan sie erzählte) stellen stets die Wa-sha-she die Mutter-Gruppe oder den Originalstamm dar und oft die letzte Lösung für ein Problem. In späteren Erzählungen wurden die Tsi-shu zur dominierenden Gruppe. Die Wa-sha-she, Tsi-shu sowie die Tsi-ha-she tendierten mehr zum Frieden als die Hun-ka und Isolated Hun-ka. Dies bedeutet nicht, dass sie keinen Krieg führten – sie zogen nur die diplomatische Lösung der kriegerischen vor. Die Hun-ka und Isolated Hun-ka wählten zur Lösung ihrer Probleme jedoch meist den Krieg.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Raymond J. DeMallie (Hrsg.): Handbook of North American Indians. Vol.13 Plains, Smithsonian Institution Press, Washington D.C. 2001 ISBN 0-16-050400-7
  • Willard Hughes Rollings: Unaffected by the Gospel: Osage Resistance to the Christian Invasion 1673–1906: A Cultural Victory, University of New Mexico Press 2004, ISBN 978-0-8263-3557-9
  • Willard Hughes Rollings: The Osage: An Ethnohistorical Study of Hegemony on the Prairie-Plains, University of Missouri Press 1995, ISBN 978-0-8262-1006-7
  • Louis F. Burns: A History of The Osage People, University of Alabama Press, Tuscaloosa, 2004, ISBN 978-0-8173-5018-5
  • Louis F. Burns: Osage Indian Customs and Myths, Fire Ant Books, 1 Auflage 2005, ISBN 978-0-8173-5181-6
  • Gene Weltfish: The Lost Universe: Pawnee Life and Culture, University of Nebraska Press 1990, ISBN 978-0-8032-5871-6

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Osage – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The Osage -- A Historical Sketch By The Editors
  2. Jack Anderson: Maria Tallchief, a Dazzling Ballerina and Muse for Balanchine, Dies at 88, New York Times. April 12, 2013. Abgerufen am April 13, 2013. 
  3. Eintrag bei der Osage County Webseite
  4. a b Willard H. Rollings: The Osage. An Ethnohistorical Study of Hegemony on the Prairie-Plains. University of Missouri Press, 1992, S. 23: Osage Lifeways.