Oscar Schuster

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Oscar Schuster
Gedenktafel für Oscar Schuster auf dem Trinitatisfriedhof
Schusterplakette im Schusterweg am Falkenstein

Oscar Schuster (* 1. Oktober 1873 in Markneukirchen; † 2. Juni 1917 in Astrachan) war ein deutscher Alpinist. Er war einer der Pioniere in der Erschließung des Klettergebiets Sächsische Schweiz, ebenso absolvierte er bedeutende Erstbegehungen und Erstbesteigungen in den Alpen und im Kaukasus.

Leben[Bearbeiten]

Christian Friedrich Oscar Schuster wurde in Markneukirchen am 1. Oktober 1873 als Sohn des Kaufmanns Ernst Oscar Schuster und dessen Ehefrau Christine Marie Schuster, geborene Prenner, geboren. Sein Vater, der aus einer Markneukirchener Instrumentenbauerfamilie stammte, betrieb in Markneukirchen einen erfolgreichen Musikinstrumentenhandel. Schuster hatte eine ältere und eine jüngere Schwester sowie einen jüngeren Bruder.

Einige Jahre nach seiner Geburt zog die Familie nach Dresden, woher seine Mutter stammte. Zunächst erhielt Schuster Unterricht durch Hauslehrer, bevor er 1886 an das Dresdner Wettiner Gymnasium wechselte. Nach zwei Unterrichtsjahren wechselte der als eher schwächlich geltende Schuster an das Fridericianum Davos, ein Gymnasium speziell für lungenkranke und schwächliche Jungen. In dieser Zeit entdeckte er die Berge und absolvierte im Juni 1889 seine erste Bergtour zur Diavolezza.

Im Jahr 1890 wechselte Schuster zurück nach Dresden, diesmal an die Kreuzschule, Ende 1891 ging er allerdings wieder zurück ans Fridericianum, um ein Jahr später erneut an die Kreuzschule zu wechseln. An dieser legte er im Frühjahr 1894 das Abitur ab. Schuster hatte zunächst ein Jurastudium ins Auge gefasst, schrieb sich dann jedoch im April 1894 an der Universität Jena für das Studium der Medizin ein. Dies unterbrach er bereits im Oktober des gleichen Jahres zur Absolvierung der ersten Hälfte seines Dienstes als Einjährig-Freiwilliger beim Königlich Sächsischen Fußartillerie-Regiment Nr. 12. Danach wechselte er für das im April 1895 beginnende Sommersemester an die medizinische Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München, für das folgende Wintersemester dann an die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. In Freiburg blieb Schuster bis zum Sommer 1898. Sein Studium schloss Schuster schließlich in Kiel ab. An der dortigen Christian-Albrechts-Universität absolvierte er am 18. März 1901 sein medizinisches Staatsexamen, gefolgt von der Promotion am 29. Juni des gleichen Jahres. Seine Doktorarbeit mit dem Titel „Ueber die Tuberkulose bei Handwerksburschen, Gelegenheitsarbeitern und Landstreichern“ wurde mit Cum laude bewertet. Die zweite Hälfte seines Militärdienstes leistete er als Assistenzarzt in Straßburg ab.

Schuster übte den Medizinierberuf jedoch nie praktisch aus. Das väterliche Vermögen, sein Vater war bereits 1891 verstorben, ermöglichte ihm ein Leben als Privatgelehrter, der seinen vielfältigen Neigungen und Interessen nachging, vor allem aber alpinen Expeditionen und Unternehmungen, sowohl in der Sächsischen Schweiz als auch den Alpen und dem Kaukasus.

Im Kaukasus wurde er 1914 vom ausbrechenden Ersten Weltkrieg überrascht. Er geriet in russische Internierung, nach verschiedenen Stationen wurde er in einem Internierungslager in Astrachan inhaftiert, wo er an Typhus erkrankte und schließlich seiner Krankheit am 2. Juni 1917 erlag. Zur Erinnerung wurde am Familiengrab auf dem Trinitatisfriedhof in Dresden eine Gedenktafel angebracht.

Bergsteigerische Bedeutung[Bearbeiten]

Schuster nutzte die sächsischen Felsgebiete als Übungsterrain und zog mit seinen Seilgefährten durch die Sächsische Schweiz, um dort die höchsten Gipfel zu erschließen. Schuster war es auch, der den in den Alpen benutzten Kletterschuh mit Hanfsohle zum Klettern an den Felsen der Sächsischen Schweiz einführte. Mit ihm begann die offene Abkehr vom Gipfelsieg um jeden Preis, vom Schlagen von Felsstufen und Eisendübeln in der Frühzeit des Kletterns.

Ab 1904 beschrieb Schuster als erster Autor für die Sächsische Schweiz Gipfel und Anstiege in einer Reihe von Artikeln, die unter der Rubrik Felsklettern in der Sächsischen Schweiz in der Zeitschrift Berg und Thal publiziert wurden.[1] Skizzen und Zusammenstellungen daraus fanden sich später in Rudolf Fehrmanns erstem Kletterführer wieder. Er wollte auch selbst einen Führer herausbringen, doch kurz vor der Druckreife entschied er sich dagegen.

Später ging er von Dresden nach München und erklomm seine Ziele nur noch in den Alpen und im Kaukasus.

Ehrungen[Bearbeiten]

Zu seinem Gedenken wurde am 17. Oktober 1919 die Schusterplakette auf halber Höhe im von ihm erstbegangenen Schusterweg am Falkenstein durch persönliche Freunde Oscar Schusters und der Akademischen Abteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins eingeweiht. Außerdem wurde der Oskar-Schuster-Steig am Plattkofel in den Dolomiten und der Kletterfelsen Schusterturm im Bielatal nach ihm benannt.

2013 gab die Interessengemeinschaft Sächsische Bergsteigergeschichte eine Sonderbriefmarke bei PostModern mit dem Bildnis von Oscar Schuster heraus.[2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Joachim Schindler, unter Mitarbeit von Bernd Arnold und Frank Richter: Oscar Schuster (1873-1917) - Bergsteiger, Alpinist, Erschließer, Arzt, Publizist. In der Reihe: Monografien Sächsisches Bergsteigen. Herausgeber: Sächsischer Bergsteigerbund, Dresden 2013
  • Michael Bellmann: Oscar Schuster - Pionier des Bergsports im Elbsandsteingebirge. Bellmann, Dresden 2004. ISBN 3-937-53701-5
  • Walther Fischer: Oskar Schuster und sein Geist. Dressel, Dresden 1926.
  • Joachim Schindler: Dr. Oscar Schuster – ein Pionier des sächsischen Kletterns. In: Der Bergsteiger. München 1991, Heft 9, S. 34-40

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Oscar Schuster – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. gipfelbuch.de: Die Entwicklung der Kletterführer (http://www.gipfelbuch.de/historisch_kletterfuehrer.htm) Zugriff: 16. Januar 2008
  2. Der Neue Sächsische Bergsteiger, Mitteilungsblatt des SBB, Heft 2 Juni 2013 (PDF; 2,6 MB), S. 41, abgerufen am 17. September 2013