Oskar-Hubert Dennhardt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Oskar-Hubert Dennhardt (* 30. Juni 1915 in Markranstädt, Sachsen) war Major der Wehrmacht, Abgeordneter der CDU im Kieler Landtag und Brigadegeneral in der Bundeswehr.

Leben[Bearbeiten]

Am 28. Mai 1934 trat Dennhardt als Berufssoldat der Reichswehr und späteren Wehrmacht bei. Im Zweiten Weltkrieg wurde er mehrfach verwundet und verbrachte während mehrerer Aufenthalte insgesamt etwa ein Jahr und neun Monate im Lazarett, wo er auch das Kriegsende erlebte. Am 12. Februar 1943 erhielt er das Deutsche Kreuz in Gold und am 17. März 1944 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Auf eine, in der Literatur häufig behauptete, Verleihung des Eichenlaubs zum Ritterkreuz oder etwaige Verleihungsgründe gibt es keinerlei Hinweise. Die Verleihungsnummer „870. EL“ und das angebliche Verleihungsdatum 9. Mai 1945 wurden von der „Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger“ (OdR) vergeben, deren Mitglied Dennhardt war.[1][2]

Nach der Kapitulation diente Dennhardt kurzzeitig im Stab des XXVII. Armeekorps in Flensburg. Zum Zeitpunkt seiner Entlassung aus der Wehrmacht am 12. Januar 1946, durch den Kommandeur der 8. britischen Infanteriedivision, hatte Dennhardt den Rang eines Majors inne. Er engagierte sich in verschiedenen Soldatenverbänden und in der CDU. 1948 war er Gründungsmitglied des CDU-Kreisverbandes Stormarn und kurzzeitig dessen Kreisgeschäftsführer. Von 1950 bis 1954 war er Abgeordneter im Landtag Schleswig-Holstein und zwischen 1951 und 1955 Geschäftsführer des Landesverbandes der CDU Schleswig-Holstein. Gemeinsam mit Generalleutnant a. D. Rudolf Melzer und Generaloberst a. D. Hans-Jürgen Stumpff bildete er die mit der Landes-CDU eng verflochtene Verbandsführung des Bundes versorgungsberechtigter Wehrmachtsangehöriger (BvW), der später im Verband deutscher Soldaten (VdS) aufging.[2][3][4]

Dennhardt wirkte im Ausschuss für Arbeit, im Ausschuss für Verfassung und Geschäftsordnung, im Ausschuss für Jugendfragen, im Ausschuss für Gesundheitswesen, sowie im Verkehrsausschuss mit, und war Mitglied der 2. Bundesversammlung, die am 17. Juli 1954 Theodor Heuss als Bundespräsidenten wiederwählte.[5]

Im September 1950 wurde das ehemalige NSDAP-Mitglied Dennhardt vom Kabinett Bartram in das Amt des „Sonderbeauftragten für die Entnazifizierung“ des Landes Schleswig-Holstein berufen, von dem er 1952 im Zusammenhang mit der Affäre um die Pension von Hinrich Lohse zurücktrat. Unter seiner Ägide wurde Franz Schlegelberger, der 1947 im Nürnberger Juristenprozess wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu lebenslänglicher Haft verurteilt, doch schon im Januar 1951 als haftunfähig entlassen wurde, in die Kategorie V (Entlastete) eingereiht, ebenso Hinrich Lohse und Wilhelm Hamkens. Der Witwe Reinhard Heydrichs versuchte Dennhardt zu einer Villa in Burg Tiefe auf Fehmarn zu verhelfen, die zum Erbe ihres Mannes gehörte und daher der Vermögenssperre unterlag.[6][7]

Bereits am 24. November 1950 setzte die Koalition aus CDU, FDP und DP, die sich für die Wahl zum „Deutschen Wahlblock“ zusammengeschlossen hatten, und BHE die Entnazifizierung aus. Am 17. März 1951 beschloss sie ein in der Bundesrepublik einmaliges Gesetz zur Beendigung der Entnazifizierung, durch das alle bislang den Kategorien III (Belastet) und IV (Mitläufer) zugeordneten Personen pauschal mit denen der Kategorie V (Entlastet) gleichgestellt wurden. Da von den insgesamt 406.317 überprüften Personen keine den Kategorien I (Hauptschuldige) und II (Schuldige) zugeordnet wurde, war Schleswig-Holstein de jure entnazifiziert. Durch diese Regelung erhielten beinahe alle aufgrund der vormaligen Einstufung aus dem öffentlichen Dienst Entfernten das Recht auf Wiedereinstellung und Beseitigung aller Gehalts- und Pensionskürzungen. Darüber hinaus bestimmte §15 des Gesetzes, dass weder Behörden noch Privatpersonen Einsicht in die Entnazifizierungs-Verfahrensakten gewährt oder Auskunft daraus erteilt werden darf und erlaubte Akten nach Weisung des Innenministers in Verwahrung zu nehmen oder sogar zu vernichten, wodurch Forschung und Strafverfolgung nachhaltig behindert wurden.[8]

Der „Sonderbeauftragte für die Entnazifizierung“, Dennhardt, begrüßte diesen von Kritikern als „Renazifizierung“[9] bezeichneten Gesetzentwurf, weil damit „das traurigste Kapitel der Nachkriegsgeschichte endgültig beendet" sei. Es sei „notwendig, alles das, was im Rahmen der Entnazifizierung an die Oberfläche gespült worden ist, zu beseitigen“ Bedauerlich sei, „daß eine Rückzahlung der Kosten an die einzelnen Verurteilten oder eine Wiedergutmachung der Nachteile der Entnazifizierung natürlich finanziell nicht möglich ist, obwohl wir auf dem Standpunkt stehen, daß es sich bei diesem Abschluss nicht um einen Gnadenakt, sondern um die Aufhebung einer Maßnahme handelt, die uns von den Besatzungsmächten auferlegt worden ist, und die, wenn wir als Deutsche uns damit hätten befassen müssen, gänzlich anders geregelt worden wäre."[10][11][12]

Nach seinem Ausscheiden aus dem Landtag war Dennhardt zunächst als Referent für Wehrfragen in der Kieler Staatskanzlei tätig.[5] Am 15. Dezember 1955 wurde Dennhardt bei gleichzeitiger Beförderung zum Oberstleutnant in die neu aufgestellte Bundeswehr übernommen, wo er als Verbindungsoffizier und in verschiedenen Stäben Verwendung fand. Bei dieser Tätigkeit erwiesen sich seine Verbindungen in die Politik und zu Veteranenverbänden als äußerst wertvoll für alle Beteiligten. 1961 erfolgte die Beförderung zum Oberst. Im Herbst 1963 avancierte Dennhardt zum Militärattaché der deutschen Botschaft in Ankara, gleichzeitig sagte ihm Karl-Theodor Molinari für die Zeit danach ein Brigadekommando zu. Von November 1965 bis März 1968 war er Kommandeur der Panzergrenadierbrigade 16, im April 1968 wurde er zum Brigadegeneral befördert und stellvertretender Kommandeur der 6. Panzergrenadierdivision.[2][13]

Am 10. Mai 1971 wurde Dennhardt mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet, zum 30. Juni ließ er sich pensionieren um am 2. Juli zur Daimler-Benz AG zu wechseln, wo er bis 1981 im Auslandsvertrieb für Militärfahrzeuge, und anschließend bis 1988 als Freier Mitarbeiter tätig war.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Veit Scherzer: Die Ritterkreuzträger 1939–1945, Scherzers Militaer-Verlag, Ranis/Jena 2005, ISBN 978-3-938845-17-2, S. 101; 247
  2. a b c d Vgl. Dermot Bradley (Hrsg.): Die militärischen Werdegänge der Generale und Admirale der Bundeswehr 1955-1997, Bd. 1, ISBN 3-7648-2492-1, S. 372ff.
  3. Reinhard Schreiner: Namen und Daten aus sechs Jahrzehnten Parteiarbeit. Die Vorsitzenden und Geschäftsführer der CDU-Landes-, Bezirks- und Kreisverbände seit 1945 (PDF-Datei; 1007 kB), Konrad-Adenauer-Stiftung, Sankt Augustin 2011
  4. Bert-Oliver Manig: Die Politik der Ehre. Die Rehabilitierung der Berufssoldaten in der frühen Bundesrepublik, Wallstein Verlag, 2004, ISBN 978-3-89244-658-3; S. 94 Fn. 19 und S. 438f. Fn. 122
  5. a b Oskar-Hubert Dennhardt im Landtagsinformationssystem Schleswig-Holstein
  6. Uwe Danker: Wir subventionieren die Mörder der Demokratie. Das Tauziehen um die Altersversorgung von Gauleiter und Oberpräsident Hinrich Lohse in den Jahren 1951 bis 1958, In: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte, 120 (1995), 173–199.
  7. Das braune Schleswig-Holstein, DIE ZEIT, 26. Januar 1990
  8. Siehe auch Eckardt Opitz, Lauenburgische Akademie für Wissenschaft und Kultur (Hrsg.): Ausgewählte Aspekte der Nachkriegsgeschichte im Kreis Herzogtum Lauenburg und in den Nachbarterritorien, Winkler, 2004, ISBN 978-3-89911-022-7, S. 18f.
  9. Anm. Der Begriff „Renazifizierung“ wurde durch den damaligen Innen- und Kultusminister Schleswig-Holsteins, Paul Pagel, geprägt, dem einzigen Mitglied der Regierung Bartram ohne NS-Vergangenheit. Im März 1951 schrieb dieser in sein Tagebuch: „Bis fast zwei Uhr haben nun die Leute geredet über das Entnazifizierungsgesetz. [...] Die Argumente der Opposition erscheinen mir weit stichhaltiger als die der Regierungsparteien. Man kann mit Recht allmählich von einer Renazifizierung sprechen. Merkwürdig, wie selbstverständlich die alten Nazis auftreten und wie feige sie im Grunde sind, wenn man ihnen hart entgegentritt“; Tagebuch Pagel, zitiert nach Heinz Josef Varain: Parteien und Verbände. Eine Studie über ihren Aufbau, ihre Verflechtung und ihr Wirken in Schleswig-Holstein 1945–1958, Westdt. Verl., 1964; S. 223, Fn. 902
  10. Zitat Dennhardt: Wortprotokoll 4. Landtag, 7. Sitzung (29.–31. Januar 1951), S. 272; Zitiert nach Ulf B. Christen: Die Entnazifizierung im Schleswig-Holsteinischen Landtag 1946 bis 1951, S. 206f. (PDF-Datei; 4,58 MB)
  11. Siehe auch: Alles beseitigen, DER SPIEGEL 21/1969
  12. Zahlenangaben zur Entnazifizierung aus Eckhard Hübner: Schleswig-Holsteins Weg in die Bundesrepublik. Vom Weltkriegschaos zum demokratischen Aufbruch, S. 41
  13. Noch drin, DER SPIEGEL 29/1970