Osmium(VIII)-oxid

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Osmiumtetroxid)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Strukturformel
Struktur von Osmiumtetroxid
Allgemeines
Name Osmium(VIII)-oxid
Andere Namen
  • Osmiumtetroxid
  • Osmiumsäure
Summenformel OsO4
CAS-Nummer 20816-12-0
PubChem 30318
Kurzbeschreibung

farblose, monokline Nadeln[1]

Eigenschaften
Molare Masse 254,23 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

4,91 g·cm−3[2]

Schmelzpunkt

40 °C[2]

Siedepunkt

130 °C[2]

Dampfdruck

10 hPa (20 °C)[2]

Löslichkeit
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus EU-Verordnung (EG) 1272/2008 (CLP) [4]
06 – Giftig oder sehr giftig 05 – Ätzend

Gefahr

H- und P-Sätze H: 330​‐​310​‐​300​‐​314
P: 280​‐​301+330+331​‐​302+352​‐​304+340​‐​305+351+338​‐​309+310Vorlage:P-Sätze/Wartung/mehr als 5 Sätze [3]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [5] aus EU-Verordnung (EG) 1272/2008 (CLP) [4]
Sehr giftig
Sehr giftig
(T+)
R- und S-Sätze R: 26/27/28​‐​34
S: (1/2)​‐​7/9​‐​26​‐​45
Toxikologische Daten

15 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)[2]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Osmium(VIII)-oxid (auch: Osmiumsäure) ist das Oxid des Elementes Osmium in seinem höchsten Oxidationszustand (+8).

Darstellung und Gewinnung[Bearbeiten]

Osmium(VIII)-oxid wird aus Osmiummetall durch Oxidation von Osmiumlösungen mit Salpetersäure oder Natriumperoxodisulfat in Schwefelsäure hergestellt. Wegen der Flüchtigkeit und Giftigkeit kommt es in Ampullen eingeschmolzen in den Handel.

1 g Osmiumtetroxid in einer Ampulle

Eigenschaften[Bearbeiten]

Physikalische Eigenschaften[Bearbeiten]

Osmium(VIII)-oxid bildet blassgelbe Kristalle mit einem sehr niedrigen Schmelzpunkt von 40 °C und einem Siedepunkt von 130 °C. Osmium(VIII)-oxid ist sehr flüchtig und sehr toxisch. Diese Verbindung besitzt einen durchdringenden ozonähnlichen Geruch (griechisch: osmos = Gestank), was die Namensgebung für das Metall Osmium erklärt. Osmium(VIII)-oxid besitzt eine monokline Kristallstruktur mit der Raumgruppe C2 (a = 866 pm, b = 452 pm, c = 475 pm, β = 117°54').[6] Es löst sich nur zu einem geringen Teil in Wasser, aber sehr gut in Tetrachlorkohlenstoff CCl4.

Chemische Eigenschaften[Bearbeiten]

Osmium(VIII)-oxid ist ein starkes Oxidationsmittel und reagiert mit reduzierenden und brennbaren Stoffen. Es wird leicht durch organische Verbindungen zu einem schwarzen Osmium(IV)-oxid reduziert.

Verwendung[Bearbeiten]

In der organischen Synthese kann es verwendet werden, um Alkene zu Diolen zu oxidieren (Dihydroxylierung). Dabei entsteht stereoselektiv ein Diol mit cis-ständigen OH-Gruppen. Da das Reagens sehr teuer und giftig ist, wurden die Reaktionsbedingungen inzwischen so verbessert, dass Osmium(VIII)-oxid nur in kleinen Mengen als Katalysator erforderlich ist, während Wasserstoffperoxid oder N-Methylmorpholin-N-oxid als Oxidationsmittel wirken.[7]

Osmolyse.svg

In der Transmissionselektronenmikroskopie wird es als Kontrastmittel zum Anfärben von biologischem Material verwendet.

Sonstiges[Bearbeiten]

Am 6. April 2004 berichtete die amerikanische Nachrichtenagentur ABC News, dass der britische Geheimdienst glaubte, einen Bombenanschlag unter Verwendung dieser Substanz vereitelt zu haben. Andere Quellen bezweifeln diese Darstellung, da Osmium(VIII)-oxid trotz seines hohen Schadenspotenzials für die Verwendung als Giftgas zu teuer sei.

Am 27. Mai 2011 ereignete sich ein Unfall an der Universitätsklinik Magdeburg, bei dem einer Mitarbeiterin eine Flasche mit Osmium(VIII)-oxid herunter fiel. Das gesamte Haus 1 musste evakuiert werden. Es wurden aber keine Personen verletzt.[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Osmiumtetroxid. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 18. Juli 2011.
  2. a b c d e f Datenblatt Osmium(VIII)-oxid (PDF) bei Merck, abgerufen am 19. Januar 2011.
  3. a b Eintrag zu CAS-Nr. 20816-12-0 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 16. April 2011 (JavaScript erforderlich).
  4. a b Eintrag aus der CLP-Verordnung zu CAS-Nr. 20816-12-0 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA (JavaScript erforderlich).
  5. Seit dem 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Gemischen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse.
  6.  Georg Brauer: Handbuch der präparativen anorganischen Chemie. 3., umgearb. Auflage. Band III, Enke, Stuttgart 1981, ISBN 3-432-87823-0, S. 1634.
  7. V. VanRheenen, D.Y. Cha, W.M. Hartley: Catalytic Osmium Tetroxide Oxidation of Olefins: cis-1,2-Cyclohexanediol. In: Organic Syntheses, 1978, 58, S. 43, doi:10.15227/orgsyn.058.0043; Coll. Vol. 6 (1988), S. 342 (PDF).
  8. Uni Magdeburg: UMMD intern - 5. Oktober 2011, abgerufen am 5. Mai 2014.