Osogna

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Osogna
Wappen von Osogna
Staat: Schweiz
Kanton: Tessin (TI)
Bezirk: Bezirk Rivieraw
Kreis: Kreis Riviera
BFS-Nr.: 5286i1f3f4
Postleitzahl: 6703
Koordinaten: 719264 / 13025646.313128.98701279Koordinaten: 46° 18′ 47″ N, 8° 59′ 13″ O; CH1903: 719264 / 130256
Höhe: 279 m ü. M.
Fläche: 18.97 km²
Einwohner: 1044 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 55 Einw. pro km²
Website: www.osogna.ch
Osogna

Osogna

Karte
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Osogna (dt. veraltet: Ulonia) ist eine politische Gemeinde am Tessin im Kreis Riviera, im Bezirk Riviera im Kanton Tessin in der Schweiz.

Nachbargemeinden Osognas sind Cresciano, Lodrino TI, Iragna und Biasca im Kanton Tessin sowie Arvigo im Kanton Graubünden.

Geschichte[Bearbeiten]

Osogna ist zum ersten Mal in einer Urkunde von 1299 erwähnt. Römische Gräber wurden in der Nähe des Flusses Nala gefunden. Eine Verordnung der Bürgergemeinde von 1410 besagt, dass wenn eine Familie mehr als 10 Ziegen hat, muss sie einen Zehnten (ein gesundes Zicklein) bezahlen. Interessant ist auch der Bericht der Bürgergemeinde vom 3. August 1448. Sie beschlossen den Standort eines Gebäudes für ein Sägewerk. Die Teilnehmer wurden nur mit dem Vornamen (Joseph von Cornon oder Jacob von Roncasc) genannt.

Osogna war der Hauptort der Vogtei von 1573 bis 1798 und ist der Hauptort des Bezirks Riviera seit 1803. Die Landvogte vertraten die Macht der drei souveränen Kantone (Uri, Schwyz und Unterwalden) und sprachen Recht. Die Hinrichtungen fanden in der "Giustizia" zwischen Biasca und Osogna statt. Die Landwirtschaft war für Jahrhunderte die Haupttätigkeit der Bevölkerung. Die Kastanien waren wichtig als Lebensmittel während der Wintermonate. Auch die Rebe wurde an den sonnigsten Stellen kultiviert.

Im Tal Osogna gab es viele wilde Tiere. Der letzte Bär wurde von Francesco Antonio Mattei im Jahr 1837 getötet.[2] Zwischen 1808 und 1837 wurden in Osogna 15 Bären erlegt. Der Kanton bezahlte eine Belohnung von 50 Pfund von Mailand für jeden erlegten Bären (Man musste die rechte Pfote als Beweis vorlegen).

Das Dorf war eine Zwischenstation auf der Gotthard-Route. Einige Tavernen sorgten für die Passagiere und Pferde, die während der Nacht blieben. Der Fluss Ticino überflutete oft Felder und Wiesen. Auch heute kommt es vor, dass manchmal trotz der Dämme einige Bereiche überschwemmt werden.

Die Granit-Industrie hat mit der Eröffnung der Gotthardbahn zugenommen. Im Jahr 1899 arbeiteten etwa 1500 Männer in den Steinbrüchen von Osogna. Zu dieser Zeit war Gesteinsabbau einer der wichtigsten Wirtschaftszweige im Tessin. Diese Industrie war sehr abhängig von der Bautätigkeit. Im Jahr 1908 war die Produktion um die Hälfte gesunken. Die Konkurrenz aus Stahlbeton war sehr stark. Die Arbeiter kamen aus Italien. Die Silikose war eine weit verbreitete Krankheit unter den Maurern. Streiks für bessere Arbeitsbedingungen und Löhne waren häufig. Der letzte Steinbruch wurde in den sechziger Jahren geschlossen. Heute sind Steinbrüche noch in Cresciano in Betrieb.

Die Eröffnung der Gotthardbahn erlaubte mehreren Einwohnern im Gleisbau, in den Werkstätten von Biasca und Bellinzona oder auf dem Bahnhof und in den Zügen zu arbeiten. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Schule Osogna in der Schweiz bekannt, weil die Lehrerin Giovannina Mattei-Alberti eine der ersten war, die die Montessori-Methode anwandte. Die Emigration in die Vereinigten Staaten und Lateinamerika war im neunzehnten Jahrhundert und zu Beginn des Zweiten Weltkriegs hoch.

Geographie[Bearbeiten]

Osogna liegt 15 km nördlich von Bellinzona und 5 km südlich von Biasca, am linken Ufer des Flusses Ticino. Der höchste Berggipfel ist der Torrone d’Orza (2952 M.ü.M.). Die Felsen der Region sind meist aus Gneis und Granit. Die Vegetation besteht aus Laubbäumen (Buche, Kastanie), bis zu 900 m und oberhalb Nadelholz (Fichte, Lärche). Der Fluss Nala teilt das Dorf in zwei Teile. Der Fluss Boggera markiert die Grenze mit Cresciano.

Ortsbürgergemeinde[Bearbeiten]

Die Bürgergemeinde ist älter als die politische Gemeinde. Die Bürgerfamilien von Osogna sind Teil dieser öffentlichen Institution aus der Nachbarschaft des Mittelalters. Das ganze Berg- und Weideland gehören der Bürgergemeinde.

Die Nutzniessung der Weiden im Sommer war auf die Bürgerfamilien aufgeteilt (Boggia von Casnedo für die Familie Pellanda, Boggia Orz für die Familie Jemetti, Boggia Otri für die Familie Mattei). Diese für die Alpinenregionen typische landwirtschaftliche Tätigkeit (statische Transhumanz: Man ändert im Sommer den Wohnort zuerst zum Maiensäss und später zu den höchsten Weiden) wurde 1950 aufgegeben.

Die alten Bürgerfamilien von Osogna sind[3]:Guidi, Jemetti, Malaguerra, Mattei, Negrini, Pellanda.

Vorstand[Bearbeiten]

  • Präsident: Franca Malaguerra
  • Vizepräsident: Luca Pellanda
  • Mitglieder: Mauro Guidi, Demis Mattei, Amos Pellanda[4].

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Gabriele Genini (* 1981), Maler, Zeichner, Druckgraphiker[5]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Die Pfarrkirche Santi Felino und Gratiniano[6] wurde 1498 gebaut,[7]
  • Es gibt auch zwei andere Kirchen: die Kirche Santa Maria del Castello[8] im Mittelalter auf den Fundamenten eines alten Schlosses (mit einer gotischen Ikone von Ivo Strigel) gebaut[7] und
  • die Kirche Santa Pietà (1729)[9],[7]
  • Kreuzweg mit Fresken[7]
  • Die Betkapelle San Rocco mit Fresken (17. jahrhundert)[7]
  • Andere six Betkapellen mit Fresken[7]
  • Ehemaliges Oratorium San Nicolao heute Kindergarten (1913), Architekt: Andrea Ghiringhelli[7]
  • Zwei Steinbrücken.[7].

Sport[Bearbeiten]

  • Associazione Calcistica Osogna[10]

Literatur[Bearbeiten]

  • Johann Rudolf Rahn: I monumenti artistici del medio evo nel Cantone Ticino. Tipo-Litografia di Carlo Salvioni, Bellinzona 1894, S. 245-246.
  • Eligio Pometta: Il Comune libero di Osogna nel 1400. In: Bollettino storico della Svizzera Italiana. 1935, S. 82-85.
  • Diego Malaguerra: Associazioni padronali e sindacati operai nell’industria del granito ticinese. Pedrazzini, Locarno 1958.
  • Virgilio Gilardoni: Il Romanico. Catalogo dei monumenti nella Repubblica e Cantone del Ticino. La Vesconta, Casagrande S.A., Bellinzona 1967, S. 42, 301, 323, 471-472.
  • Aldo Pedraita: Gli ultimi animali feroci del Cantone Ticino. In: Il Nostro Paese. März 1969.
  • Agostino Robertini u. a.: Osogna. In: Il Comune. Edizioni Giornale del Popolo, Lugano 1978, S. 282-292.
  • Bernhard Anderes, Guida d’Arte della Svizzera Italiana. Edizioni Trelingue, Porza-Lugano 1980, S. 37-39.
  • Giorgio Cheda: L’emigrazione ticinese in California. Armando Dadò, Locarno 1981.
  • Vittorio F. Raschèr (Hrsg.): Materiali e documenti ticinesi. 2. Serie (Riviera), Casagrande, Bellinzona 1993.
  • Luciano Moroni Stampa, Giuseppe Chiesi: Ticino ducale. Bellinzona, 1994.
  • Flavio Maggi: Patriziati e patrizi ticinesi. Pramo Edizioni, Viganello 1997.
  • Marzio Barelli: Lupi, orsi, linci e aquile. JAM Edizioni, Prosito, 2005.
  • Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, S. 28, 65, 69-70.
  • Harold Baumann: Hundert Jahre Montessori-Pädagogik 1907-2007 Eine Chronik der Montessori-Pädagogik in der Schweiz. Haupt, Bern, Stuttgart, Wien 2007.
  • Marina Bernasconi Reusser: Monumenti storici e documenti d’archivio. I «Materiali e Documenti Ticinesi» (MDT) quali fonti per la storia e le ricerche sull’architettura e l’arte medievale delle Tre Valli. In: Archivio Storico Ticinese. 2. Serie, Nummer 148, Casagrande, Bellinzona 2010, S. 207, 220, 241.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Barelli Marzio, Lupi, orsi, linci e aquile, JAM Edizioni, Prosito, 2005, p. 127
  3. Familiennamenbuch in Historisches Lexikon der Schweiz ([1])
  4. Ortsbürgergemeinde Osogna
  5. Gabriele Genini
  6. [2] Pfarrkirche Santi Felino und Gratiniano
  7. a b c d e f g h Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 69–70.l
  8. [3] Kirche Santa Maria
  9. [4] Kirche Santa Pietà
  10. Associazione Calcistica Osogna