Osowo (Kępice)

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Osowo
Osowo führt kein Wappen
Osowo (Polen)
Osowo
Osowo
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Pommern
Landkreis: Słupsk
Gmina: Kępice
Geographische Lage: 54° 13′ N, 16° 48′ O54.21666666666716.8Koordinaten: 54° 13′ 0″ N, 16° 48′ 0″ O
Einwohner: 270
Postleitzahl: 77-230 Kępice
Telefonvorwahl: (+48) 59
Kfz-Kennzeichen: GSL
Wirtschaft und Verkehr
Straße: (Sławno–) Nowy ŻytnikDretyń (– Miastko)
Schienenweg: Bahnstrecke Piła–Ustka
Bahnstation: Kępice (6 km)
Nächster int. Flughafen: Danzig

Osowo (deutsch Wussow, Kr. Rummelsburg in Pommern) ist ein Dorf in der polnischen Landgemeinde Kępice im Powiat Słupski in der Woiwodschaft Pommern. Osowo liegt zehn Kilometer südwestlich von Kępice (Hammermühle) entfernt an einer Nebenstraßenverbindung zwischen Sławno (Schlawe) und Miastko (Rummelsburg).

Geschichte[Bearbeiten]

Das Dorf Wussow war alter Besitz der Familie von Lettow sowie kirchlicher Mittelpunkt des Kolonialgebietes westlich der Wipper (Wieprza). Hatte der Ort einst 20 Hufen, 20 Bauern und 1 Kossäten, so verringerte sich die Zahl – vor allem bedingt durch den Dreißigjährigen Krieg – auf nur 7 Höfe im Jahre 1685. Im Jahre 1823 werden nur noch 6 Bauern gezählt.

Am 28. März 1878 wurde der Ort aus dem Kreis Schlawe in den Kreis Rummelsburg eingegliedert. Im Jahre 1939 lebten in Wussow 822 Einwohner.

Bahnstation von Wussow war von 1921 bis 1945 (Wendisch) Puddiger (Podgóry) an der Reichsbahnstrecke Nr. 111m Schivelbein (Świdwin)–Gramenz (Grzmiąca)–Zollbrück i. Pom. (Korzybie). Heute besteht Bahnanschluss über Kępice (Hammermühle) an der Bahnlinie von Piła (Schneidemühl) nach Ustka (Stolpmünde).

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Dorf am 3. und 4. März 1945 angesichts der nahenden Front von den Bewohnern zunächst geräumt. Die Rote Armee nahm das Dorf um den 5. und 6. März 1945. Die Flüchtlingstrecks des Dorfes wurden am 9. März 1945 von der Roten Armee überrollt und aufgelöst. Die Sowjets verschleppten 13 Männer und 18 Frauen und Mädchen nach Graudenz (Grudziądz), davon 5 Männer und 5 Frauen und Mädchen weiter in die Sowjetunion. Die übrigen geflüchteten Bewohner kehrten in das Dorf zurück.

Das Dorf wurde im September 1945 von den Sowjets unter polnische Verwaltung gestellt, mit Ausnahme des Gutsbetriebs, der bis zum Frühjahr 1951 unter sowjetischer Verwaltung blieb und erst dann an Polen übergegeben wurde. Die angestammte deutsche Bevölkerung wurde durch den polnischen Staat in den Jahren 1946 und 1947 ausgewiesen, mit Ausnahme der auf dem Gut beschäftigten Deutschen. Diese siedelten, nachdem die sowjetische Verwaltung des Gutsbetriebs beendet war, in den 1950er Jahren allmählich nach Westdeutschland aus.

Das Dorf wurde mit polnische Bürgern neu besiedelt. Es bildet heute einen Teil der Landgemeinde Kępice im Powiat Słupski.

Kirchspiel Wussow[Bearbeiten]

Das Kirchspiel Wussow gehörte bis 1945 zum Kirchenkreis Schlawe in der Kirchenprovinz Pommern der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union. Eingepfarrt waren die Dörfer Varzin (heute: Warcino), Hammermühle (Kępice), Beßwitz (Biesowice), Techlipp (Ciecholub), Misdow (Mzdówo) und (Wendisch) Puddiger (Podgóry). Bestrebungen, die Kapellen Techlipp und Plötzig (Plocko) wegen der abgelegenen Lage von Wussow zu trennen, wurden 1595 noch vom Herzog abgewiesen. Im Jahre 1631 dann kam Plötzig zur Parochie Pritzig (Przytocko), und später wurde Techlipp eine selbständige Filialgemeinde von Wussow.

Im Jahre 1913 trennte man Beßwitz von Wussow ab und erhob es zu einer selbständigen Kirchengemeinde, der dann aber auch Techlipp als Tochtergemeinde zugeordnet wurde. Das Kirchenpatronat hatte Graf von Bismarck-Varzin (allein wahlberechtigt) inne. Im Jahre 1940 zählte das Kirchspiel Wussow 4380 Gemeindeglieder.

Heutige evangelische Einwohner im Gebiet des vormaligen Kirchspiels Wussow gehören zur Diözese Pommern-Großpolen mit Sitz in Sopot (Zoppot) der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen. Das zuständige Pfarramt befindet sich in Słupsk (Stolp).

Pfarrer von der Reformation 1545 bis 1945[Bearbeiten]

Seit Einführung der Reformation in Pommern waren folgende Geistliche in der Pfarre Wussow tätig:

  • 1. Michael Suse
  • 2. Titus Büsstrow, 1573–1592, auch Gatzke genannt
  • 3. Johann Schipper oder Schiffer, 1593–1620
  • 4. Johann Schipper oder Naukleus, 1621–1664 (Sohn von 3.)
  • 5. Andreas Pohlemann, 1665–1682
  • 6. Carl Köslitz, 1683 (?)–1697
  • 7. Georg Pontanus, 1698 (?)–1714
  • 8. Johann Jeremias Heidenreich, 1714–1728
  • 9. Jakob Bartholomäus Schütz, 1729–1745
  • 10. Martin Friedrich Schmidt, 1746–1754
  • 11. David Christlieb Frese, 1756–1761
  • 12. Johann Gottlieb Vangerow, 1762–1794
  • 13. Johann Christian Gotthilf Marche, 1794–1842
  • 14. Franz Albin Christoph Mulert, 1843–1890
  • 15. Friedrich Otto Schumann, 1890–1905
  • 16. Friedrich Jäckel, 1905–1913
  • 17. Johannes Rathke, 1913–1918 (während seines Einsatzes als Felddivisionspfarrer in Russland 1914–1918 übernahm sein Vater Reinhold Rathke, emeritierter Pfarrer, auf Bitten der Kirchenpatronin Gräfin von Bismarck-Varzin die Amtsgeschäfte)
  • 18. NN., 1918–1921
  • 19. Eugen Vogel, 1921–?
  • 20. NN. Schlagowsky, 1931–?
  • 21. Rudolf Knieß, 1939–1945

Im Jahre 1894 wurde in Beßwitz ein Pfarrvikariat errichtet, das aber nicht lange bestand. Amtsinhaber waren:

  • 1. Malte Leo Franz Karitzky, 1894–1896
  • 2. Gerhard Rudolf Wilhelm Robert Friedemann, 1896

Kirchen[Bearbeiten]

  • Wussow: Die Findlingskirche, gebaut um 1500, wird bereits im Jahre 1580 als unansehnlich und baufällig beschrieben. 1637 vermacht Herzogin Anna von Croy der Kirche einen Kronleuchter aus Messingguss. 1711 erfolgt ein durchgreifender Umbau, und 1734 stiftet der Patron Oberstwachtmeister von Podewils der Kirche einen neuen Altar, eine Kanzel und eine Taufe. Gleichzeitig wird das Gotteshaus neu ausgemalt. – Das an der Kirche liegende Pfarrhaus wurde 1798 neu erbaut.
  • Beßwitz: Die Dorfkirche wurde im Jahre 1891 aus dem Privatbesitz der Frau Oberst Nelly von Zitzewitz erbaut.

Schule[Bearbeiten]

Schule 1707 bis 1945[Bearbeiten]

Die Wussower Dorfschule wurde 1707 eingerichtet. Im Jahre 1937 waren bei einer Schülerzahl von 84 Kindern zwei Lehrerstellen vorhanden.

Als Lehrer waren in Wussow tätig:

  • Martin Selke, um 1707
  • Christian Gottlieb Selke, bis 9. März 1757
  • Johann Friedrich Nemitz, 1757–1771
  • Adam Joachim Nemitz, 1771–1802
  • Johann Gottlieb Nemitz, 1802–1839
  • Karl Friedrich Witte, 1839–1887
  • Karl Rhode, 1887–1920
  • Hermann Kalies, 1920–1932
  • Wilhelm Petsch, 1923-1934
  • Otto Räuber, 1934-1937
  • Willi Schmidt, 1932–1945
  • Martha Schulz, 1937-1938
  • Werner Barkow, 1938-?
  • Traute Zedler, ?-1945

Deutschsprachige Schule 1952 bis 1958[Bearbeiten]

Die deutschen Kinder, deren Eltern nach 1945 in Wussow verblieben waren, hatten bis 1952 keinen Schulunterricht. Erst 1952 richtete der polnische Staat für sie eine deutschsprachige Schule ein. Auf dieser wurden deutsche Kinder aus Wussow sowie aus Varzin und Puddiger unterrichtet. Da in den 1950er Jahren immer mehr zunächst noch verbliebene Deutsche aussiedelten, sank die Schülerzahl, bis die Schule schließlich 1958 geschlossen wurde.

Als Lehrer waren in Wussow tätig:

  • Gertrud Strehlow, 1952-1958.
  • Christel Janke, 1952-1958.

Persönlichkeit des Ortes[Bearbeiten]

  • Theodor Jäckel (* 16. September 1908 in Wussow), deutscher evangelischer Theologe und Japan-Missionar, Sohn des Wussower Pfarrers Friedrich Jäckel

Literatur[Bearbeiten]

  • Norbert Buske: Pommersche Kirchengeschichte in Daten. Helms Verlag, Schwerin 2003, ISBN 3-935749-17-1.
  • Hans Glaeser-Swantow: Das Evangelische Pommern. 2. Teil: Behörden, Kirchen, Pfarrstellen, Geistliche, Anstalten und Vereine. Stettin 1940.
  • Emil Gohrbrandt: Ortsgeschichte. In: Der Kreis Rummelsburg. Ein Heimatbuch. Pommerscher Buchversand, Hamburg 1979, S. 225-226.
  • Johanns Hinz: Pommern. Wegweiser durch ein unvergessenes Land. Bechtermünz Verlag, Augsburg 1996, ISBN 3-86047-181-3.
  • Hans-Ulrich Kuchenbäcker: Der Kreis Rummelsburg. Ein Schicksalsbuch. Pommerscher Zentralverband, Lübeck 1985, S. 284-288.
  • Ernst Müller: Die Evangelischen Geistlichen Pommerns von der Reformation bis zur Gegenwart. 2. Teil: Der Regierungsbezirk Köslin. Stettin 1912.
  • Friedrich Tribbensee: Schulwesen. In: Der Kreis Rummelsburg. Ein Heimatbuch. Pommerscher Buchversand, Hamburg 1979, S. 523–553.