Ostafrikanischer Sklavenhandel

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Ostafrikanischer Sklavenhandel bezeichnet den Sklavenhandel, in dessen Rahmen Menschen aus Ostafrika größtenteils in die arabisch-islamische Welt, daneben auch in andere Teile Asiens, auf Inseln im Indischen Ozean sowie nach Brasilien als Sklaven verkauft wurden.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

Sklaven in Ostafrika
Sklaven in Ostafrika

[Bearbeiten] Plantagensklaverei und Zandsch-Revolte

Einen ersten Höhepunkt erreichte der ostafrikanische Sklavenhandel mit der Erschließung der Sumpfgebiete im Süd-Irak unter den Abbasiden. Dazu wurden große Plantagen angelegt, die fast ausschließlich von schwarzen Sklaven aus Ostafrika – den sogenannten Zandsch oder Zanj – bewirtschaftet wurden. Diese Sklaven lebten unter ähnlich schlechten Bedingungen wie die Sklaven auf den Plantagen in der „Neuen Welt“. Im Jahre 870 kam es zu einem großen Aufstand der Zandsch im Süd-Irak, der erst 885 endgültig niedergeschlagen werden konnte, wobei die meisten Sklaven getötet wurden. Danach gab es kaum mehr größere Plantagen mehr in der islamischen Welt, die von Sklaven bewirtschaftet wurden. Stattdessen wurden männliche Sklaven überwiegend als Eunuchen und Sklavinnen als Konkubinen eingesetzt.

[Bearbeiten] Sultanat Sansibar

Vom 17. bis zum 19. Jahrhundert bildete Sansibar unter der Herrschaft des Sultans von Oman ein Zentrum des ostafrikanischen Sklavenhandels. Dieser Handel erreichte seinen Höhepunkt im 19. Jahrhundert, in dem durch umfangreiche Sklavenjagden ganze Landstriche Ostafrikas entvölkert wurden. Ein bekannter Sklavenhändler war der Sansibarer Tippu-Tip, der bei seinen Expeditionen bis in das zentralafrikanische Kongobecken vordrang.

[Bearbeiten] Abschaffung von Sklaverei und Sklavenhandel

1873 verbot der Sultan von Sansibar auf Druck Großbritanniens den Sklavenhandel in Ostafrika, dieser Handel bestand jedoch illegal bis in das 20. Jahrhundert weiter.

Die Sklaverei selbst wurde im britischen Protektorat Sansibar 1897 abgeschafft, 1907 folgte das Verbot in der Konzession Britisch-Ostafrika (dem späteren Kenia).[1]

In Saudi-Arabien gab es bis in die 1930er Jahre öffentliche Sklavenmärkte. 1956 berichteten Zeugen von einem öffentlichen Sklavenverkauf in Dschibuti, bei dem angeblich aus Tschad stammende Menschen verkauft wurden. 1924 wurde die Sklaverei im Irak offiziell abgeschafft, 1937 in Bahrain, 1949 in Kuwait und 1952 in Katar. Im Jemen wurde die Sklaverei nach dem Sturz der Monarchie 1962 abgeschafft. Im selben Jahr erfolgte die Abschaffung durch Prinz Faisal in Saudi-Arabien, wo aber von den 100.000 bis 200.000 größtenteils afrikanischen Sklaven nur einige Tausend sogleich freigelassen wurden. In Oman schaffte Sultan Qabus ibn Said die Sklaverei im Zuge einer allgemeinen Modernisierung des Landes ab.[2]

[Bearbeiten] Gegenwart

Heute werden auf der arabischen Halbinsel vor allem Dienstboten aus Südostasien bisweilen unter sklavereiähnlichen Bedingungen ausgebeutet. Sklavenjagden wie in früheren Zeiten geschahen im Kontext des Sezessionskrieges in Südsudan.[2]

Relativ wenig ist über die Nachfahren der ostafrikanischen Sklaven bekannt. Mögliche Gründe dafür sind hohe Sterberaten, die Tatsache, dass zahlreiche männliche Sklaven als Eunuchen keine Nachkommen zeugen konnten, oder dass die Sklaven und deren Nachkommen in der Mehrheitsbevölkerung aufgingen.[3]

Im Süden Somalias leben Sklavennachfahren heute als „Somalische Bantu“. In der Türkei sorgte Mustafa Olpak für Aufsehen, als er die Lebensgeschichte seines Großvaters veröffentlichte, der als Sklave aus Kenia auf das osmanische Kreta verkauft worden war.[4]

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Christian Delacampagne: Die Geschichte der Sklaverei, 2004, ISBN 3-538-07183-7 (S. 247)
  2. a b Delacampagne: Geschichte der Sklaverei (S. 283f.)
  3. La traite oubliée des négriers musulmans, in: L' Histoire No 280, La Vérité sur l'Esclavage, Oktober 2003
  4. Deutschlandfunk: Kratzer im türkischen Geschichtsbild – Die schwarzen Sklaven der Osmanen

[Bearbeiten] Weblink

[Bearbeiten] Literatur

  • Ronald Segal: Islam's Black Slaves. The Other Black Diaspora, ISBN 978-0374527976
  • Gwyn Campbell: The Structure of Slavery in Indian Ocean Africa and Asia, Routledge 2004, ISBN 978-0714654867
  • W. G. Clarence-Smith: The economics of the Indian Ocean slave trade in the nineteenth century, Routledge 1989, ISBN 978-0714633596
  • Alexandre Popovic et al.: Revolt of African Slaves in Iraq. Markus Wiener Publishers, 1999. ISBN 1558761624
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