Ostbevern

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Ostbevern
Ostbevern
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Ostbevern hervorgehoben
52.17.616666666666754Koordinaten: 52° 6′ N, 7° 37′ O
Basisdaten
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Münster
Kreis: Warendorf
Höhe: 54 m ü. NHN
Fläche: 89,65 km²
Einwohner: 10.587 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 118 Einwohner je km²
Postleitzahl: 48346
Vorwahl: 02532
Kfz-Kennzeichen: WAF, BE
Gemeindeschlüssel: 05 5 70 032
Gemeindegliederung: Ortskern, Ortsteil Brock und Bauerschaften
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 24
48346 Ostbevern
Webpräsenz: www.ostbevern.de
Bürgermeister: Wolfgang Annen (CDU)
Lage der Gemeinde Ostbevern im Kreis Warendorf
Niedersachsen Bielefeld Hamm Kreis Coesfeld Kreis Gütersloh Kreis Soest Kreis Steinfurt Kreis Unna Münster (Westfalen) Ahlen Beckum Beelen Drensteinfurt Ennigerloh Everswinkel Oelde Ostbevern Sassenberg Sendenhorst Telgte Wadersloh WarendorfKarte
Über dieses Bild

Ostbevern [ostˈbevern] (plattdeutsch Austbiäwern) ist eine kreisangehörige Gemeinde im Kreis Warendorf.

Geographie[Bearbeiten]

Ostbevern liegt im Nordosten des Münsterlandes, etwa 20 km nordöstlich von Münster und 15 km nordwestlich von Warendorf an der Bever. Die nord-östliche Grenze bildet die Landesgrenze von Nordrhein-Westfalen zu Niedersachsen. Flüsse sind die Bever, die Aa. Bäche sind Wöstengosse, Langfortsbach, Breddewiesenbach, Frankenbach, Bockhorner Bach, Riedenbach. Der Gellenbach bildet eine fünf Kilometer lange Grenze zu Telgte; die Lütke Beeke die drei Kilometer lange Grenze zu Ladbergen. Wälder sind der Kattmanns Kamp, Loburger Park, Schirlheide, Hülsheide, Hülshorst. Flure sind: Schultenheide, Philippsheide, Schlichtenfeld, Schlangenbrink, Lilienvenn, Witthagen, Stoltebeensvenn, Rottwinkeler Heide, Brüskenheide, Pottheide, Wurzliche Heide.

Naturschutz[Bearbeiten]

Die Feuchtwiesen bei Ostbevern und die Brüskenheide sind Naturschutzgebiete. Die Fleiergosse soll im Landschaftsplan Ostbevern zu einem Biotop erklärt werden.

Ortsteil[Bearbeiten]

Der einzige Ortsteil ist Brock, welcher nicht mit der gleichnamigen umliegenden Bauernschaft verwechselt werden darf.

Bauerschaften[Bearbeiten]

  • An der Aa
  • Brock (sprich „Brook“): Bezeichnet die nördlichste Bauerschaft. Sie umschließt auch den Ort Brock. Brock kommt von Bruch.
  • Deppengau
  • Dorfbauerschaft: Bezeichnet die am Dorf liegende Bauerschaft. Sie liegt zwischen Lehmbrock und Brock. Im Zweiten Weltkrieg wurde hier eine Flakbatterie installiert, deren Unterstände und Unterkünfte noch sichtbar sind.
  • Haselheide
  • Kattmannskamp
  • Lehmbrock (sprich „Lehmbrook“): Brock kommt von Bruch und bezeichnet eine lehmhaltigen Bruch.
  • Loburg: Die Bezeichnung Lo-Hus oder Lo-Hof (mundartl. „lo“, wie das eng. „low“) besagt so viel wie niedrig, sumpfig, feucht. Dennoch besitzt die Bauerschaft, als Produkt einer Endmoräne, den höchsten Punkt Ostbeverns mit 64 m ü. NN. Dort findet man das Schloss Loburg sowie den Loburger Park.
  • Ploogsvenn
  • Schirl: Es ist die östliche Bauerschaft. „Schier loh“ setzt sich zusammen aus „schier“ im Sinne von „nur“ oder „ausschließlich“ und „loh“, wie niedrig, sumpfig, feucht. Durch die Entwässerung ist das Gebiet heute eine trockene Heidelandschaft.
  • Schlichtenfelde
  • Überwasser: Sie ist vom Ortskern aus gesehen die südlichste Bauerschaft. Ihr Name stammt wahrscheinlich daher, dass sie trotz des jährlichen Hochwassers der Bever immer über Wasser war.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Ostbevern wurde erstmals um 1088 urkundlich unter dem Namen Beverne erwähnt. Ein in Bevern gelegener Hof (curtem in Beverne) wurde an das Kloster Iburg übertragen. Das Kirchspiel gehörte zum Fürstbistum Münster, vertreten durch die Herren von Bevern. 1608 stiftete Hermann Schenking aus dem Haus Bevern ein Armenhaus. Seit 1611 ist auf dem Kirchhof ein Schulgebäude belegt. Der Dreißigjährige Krieg traf auch Ostbevern schwer.

Nach dem Reichsdeputationshauptschluss fiel die Gemeinde zunächst an Preußen, dann an das Großherzogtum Berg und gehörte der Kanton Ostbevern ab 1811 als ein Teil des Département de l'Ems-Supérieur dem französischen Kaiserreich an. 1811 entstand unter dem Maire Friedrich Clemens von Beverförde mit Hilfe von 300 Mann und 15 zweispännigen Wagen[2] die Hauptstraße und Teile der heutigen Bundesstraße 51 gebaut. Sie war Teil der "routes impériales" N 3: ParisLüttichWeselHamburg, einer Haupttrasse im französischen Kaiserreich. 1812 erhielt Ostbevern eine Poststation, die Sachsenrast.

Infolge des Wiener Kongresses kam Ostbevern endgültig zu Preußen. Verwaltungsmäßig wurde es 1816 in den Kreis Warendorf im Regierungsbezirk Münster eingegliedert. 1841 erhielt Ostbevern durch die Westfälische Landgemeindeordnung eine Amtsverwaltung (Amt Ostbevern).[3] Zwischen 1906 und 1908 wurden die Chaussee von Ostbevern zum Bahnhof Brock und die Wege nach Lienen und Warendorf ausgebaut. Am 9. August 1936 wurde Ostbevern Musterdorf des Gau Westfalen-Nord.[4] Während des Zweiten Weltkrieges gab es aufgrund des nahegelegenen Flugplatz Münster-Handorf umfangreiche Luftverteidigungseinrichtungen, wie Scheinwerfer- und Flugabwehrkanonen der 22. Flak-Division in der Brandheide der Dorfbauerschaft. Auch waren etwa 200 Kriegsgefangene oder Zwangsarbeiter im Ort ansässig. Viele arbeiteten in der Landwirtschaft und in dem Kasein-Werk am Bahnhof. Beim Tagesangriff auf Münster am 10. Oktober 1943 wurden drei Boeing B-17 über Ostbevern abgeschossen, wobei zehn amerikanische Soldaten starben. Am Abend des 12. September 1944 wurde ein Bomber der Royal Air Force zum Absturz gebracht. Am 19. Februar 1945 schlug eine V-1, die das Ziel verfehlt hatte, in die Beverwiesen vor der Volksschule ein. Am 4. April 1945 wurde Ostbevern nach mehrtägigem Kampf von amerikanischen Streitkräften eingenommen. Die Toten ruhen in der Kriegsgräberstätte Ostbevern.

Nach dem Zweiten Weltkrieg siedelte man die Neuankömmlinge in der so genannten Eichendorff-Siedlung, etwa 2 km entfernt, an. 1946 wurde Ostbevern ein Ort im Land Nordrhein-Westfalen. Am 1. Januar 1975 gelangte der Ortsteil Brock, der bisher der Gemeinde Westbevern angehörte, im Rahmen der Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen zu Ostbevern.[5] Aus der Amtsverwaltung wurde eine Gemeindeverwaltung.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung von 1841 bis 1998[6]
Jahr Zahl der Einwohner Jahr Zahl der Einwohner
1841 2383 1954 4154
1849 2323 – 408 Haushalte 1961 4378
1861 2334 1970 5108
1871 2230 1974 5307
1885 2410 1975 6450 – im Brock 1147
1900 2432 – 383 Hausstätten 1980 6767
1919 2704 1985 6847 – im Brock 1128
1932 2814 1990 7341
1939 3027 1992 7929
1944 3135 1994 8450
1945 4158 – 490 Hausstätten 1996 8919 – ca. 800 Aussiedler
1946 4051 – 975 Flüchtlinge 1998 9569 – im Brock 1232
1950 4324 2011 10.625

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2014
Wahlbeteiligung: 66,6 %
 %
50
40
30
20
10
0
49,3 %
14,8 %
19,3 %
16,7 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
+2,3 %p
-9,6 %p
+4,3 %p
+3,1 %p

Bei der Kommunalwahl im August 2014 gewann die CDU alle 13 Wahlbezirke und konnte im Verhältnis zur letzten Wahl 2009 ihr Ergebnis wieder auf 49,3 % der Stimmen steigern. Zweitstärkste Kraft wurde die SPD mit 19,3 %. Das Bündnis 90/Die Grünen verbesserte ihr Ergebnis auf 16,7 % der Stimmen, während die FDP mit 14,8 % der Stimmen einen deutlichen Stimmenverlust hinnehmen musste, gleichwohl sie dennoch das beste Wahlerergebnis münsterlandweit erzielte.

Der Gemeinderat Ostbevern besteht seit der Kommunalwahl 2014 aus 26 Mitgliedern mit folgender Sitzverteilung:

  • CDU: 13
  • SPD: 5
  • FDP: 4
  • Bündnis 90/Die Grünen: 4

Wolfgang Annen wurde als Kandidat von CDU und FDP mit 62,5% der Stimmen zum Bürgermeister der Gemeinde Ostbevern gewählt. Auf seine beiden Mitbewerber um das Amt, Willy Ludwig, nominiert von der SPD, entfielen 19,3 %, auf Dr. Wilhelm Stratmann, Kandidat vom Bündnis 90/Die Grünen, 18,2 % der Stimmen.

Wolfgang Annen wurde 1969 in Trier geboren. Er ist verheiratet und hat 3 Kinder.

Zuvor war Annen beretis 15 Jahre lang ehrenbeamteter Bürgermeister der Gemeinde Pluwig in Rheinland-Pfalz. Annen ist seit Mai 1994 Mitglied der CDU und seit dieser Zeit auch als Kommunalpolitiker in verschiedenen Funktionen aktiv. Nach einer handwerklichen Ausbildung besuchte Wolfgang Annen das Wirtschaftsgymnasium und erhielt das Abitur. Von 1991 bis 1994 war Annen in verschiedenen Auslandsmissionen in Katastrophengebieten für den UNHCR (Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen) und das THW (Bundesanstalt Technisches Hilfswerk) im Iran, Sudan, Russland, Zaire und Ruanda tätig. Am 1. August 1995 wurde Wolfgang Annen Beamter beim Bundesgrenzschutz/Bundespolizei und absolvierte dort das Studium zum Diplom-Verwaltungswirt.

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Partnerstadt Ostbeverns ist die ehemalige Stadt Loburg in Sachsen-Anhalt, die seit dem 1. Januar 2009 Stadtteil von Möckern ist.

Wappen und Namen[Bearbeiten]

Blasonierung: „Auf goldenem Untergrund ziehen zwei rote Zickzackbalken, darüber ein steigender Biber mit roter Zunge.“

Die Zickzackbalken sind dem Familienwappen der Herren von Bevern entlehnt. Der Biber ist der Namensgeber der Bever gewesen (der Biber heißt auf Niederdeutsch 'bever'). Die beiden am Fluss gelegenen Siedlungen erhielten daher ihre Namen: Die östliche „Ostbevern“, die westliche „Westbevern“. Auch enthält das Wappen der Elverfeldt genannt von Beverfoerde zu Werries (Adelsgeschlecht) den Biber. Das Wappen wurde dem Amt am 21. September 1936 verliehen und von der Gemeinde Ostbevern am 7. April 1975 neu genehmigt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Ostbevern zeichnet sich durch eine interessante Mixtur aus kleinen bis mittelständischen Unternehmen aus. Vom Industriebetrieb über Dienstleistungsunternehmen, vom Handel bis zum Handwerk, von Elektrotechnik bis zu landwirtschaftlichen Unternehmen – das Spektrum ist groß. In Ostbevern herrscht ein gutes Wirtschaftsklima. Die hier vorhandene Branchenvielfalt sowie rd. 2.500 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze (Quelle: IT NRW, Stand: 30. Juni 2012) vor Ort sind ein beweiskräftiger Indikator dafür. Größere Arbeitgeber sind unter anderem der Fleischverarbeiter Vossko und der Elektrotechnikhersteller Friwo Gerätebau.

Verkehr[Bearbeiten]

Etwa 4 km nordwestlich der Kerngemeinde liegt der Bahnhof Ostbevern[7] an der 1871 eröffneten Bahnlinie Münster-Osnabrück. Zwischen 1906 und 1908 wurde eine Chaussee vom Kirchdorf Ostbeverns zum Bahnhof gebaut.[8]

Ostbevern liegt an der B 51 Münster-Osnabrück, die am südlichen Ortsrand von Ostbevern vorbeiführt. Kreisstraßen verbinden den Ort mit Greven und Warendorf. Ostbevern verfügt außerdem über einen eigenen Autobahnanschluss an die A1. Der Flughafen Münster Osnabrück (FMO) ist ca. 15 km entfernt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Frühjahrskirmes
  • Leprabasar
  • Hagelprozession
  • Kastaniensonntag (veranstaltet Wirtschaft Ostbevern e. V.)
  • Bauen und Leben (Gewerbeschau zweijährlich)
  • Maibaum richten mit anschließendem Tanz in den Mai mit Live-Musik (veranstaltet von der Freiwilligen Feuerwehr Ostbevern)

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Siegfried Schmieder: Ostbevern – Beiträge zur Geschichte und Kultur, Geschichte der Loburg. Warendorf 1988.
  • Vikar Gr. Vorspohl in Verbindung mit der Pfarrgemeinde St. Ambrosius Ostbevern (Hrsg.): Wegkreuze und Bildstöcke im Pfarrbezirk St. Ambrosius Ostbevern. Krimphoff, Füchtorf 1978, ISBN 3-921787-03-9 (formal falsche ISBN) (Verfasser: Josef Gr. Vorspohl, Reinhard Drees, Norbert Reher).
  • Eugen Kotte, Ostbevern in alten Ansichten, Zaltbommel 2010 ISBN 9028823859.
  • Geschichte der Gemeinde Ostbevern, Band 2 Wirtschafts- und Sozialgeschichte, bearbeitet von Siegfried Schmieder, Ostbevern 2002, ISBN 3000096159.
  • Franz Meyer: Geschichte der Gemeinde Ostbevern, Ostbevern 2000, ISBN 3 00 006943 7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ostbevern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungszahlen auf Basis des Zensus vom 9. Mai 2011. Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), abgerufen am 3. September 2014. (Hilfe dazu)
  2. Franz Meyer: Geschichte der Gemeinde Ostbevern, Ostbevern 2000, ISBN 3 00 006943 7, S. 129.
  3. Vortrag von Prof. Dr. Peter Burg zum Amt Ostbevern
  4. Eugen Kotte: Ostbevern, Aufsätze zur Dorfgeschichte, Ostbevern 1987 S. 50.
  5.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 315.
  6. Franz Meyer: Geschichte der Gemeinde Ostbevern, Ostbevern 2000, ISBN 3 00 006943 7, S. 139.
  7. 52° 4′ 11″ N, 7° 48′ 34″ O52.0698083333337.8093305555556
  8. Heimatverein Ostbevern.