Osterath

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51.2691666666676.620277777777841Koordinaten: 51° 16′ 9″ N, 6° 37′ 13″ O

Osterath
Stadt Meerbusch
Wappen von Osterath
Höhe: 41 m
Fläche: 12,02 km²
Einwohner: 12.645 (31. Dez. 2010)
Eingemeindung: 1. Januar 1970
Postleitzahl: 40670
Vorwahl: 02159
Nierst Lank-Latum Ossum-Bösinghoven Osterath Ilverich Langst-Kierst Strümp BüderichKarte
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Lage von Osterath in Meerbusch

St. Nikolaus

Osterath ist einer von acht Stadtteilen der aufgrund der Gemeindegebietsreform gegründeten Stadt Meerbusch. Er liegt im westlichen Bereich der Stadt Meerbusch. In Osterath leben auf einer Fläche von 1202 ha (entspricht 18 % der Stadt Meerbusch) 12.645 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2010). Osterath ist der zweitgrößte Ortsteil nach Büderich mit über 21.500 Einwohnern (23 % der Stadt).

Geographie[Bearbeiten]

Osterath liegt am linken Niederrhein und grenzt im Nordwesten an die Stadt Krefeld.

Geschichte[Bearbeiten]

Archäologische Funde deuten auf eine Besiedlung in römischer Zeit, nachweisbar sind erste Ansiedlungen zwischen dem 9. und 12. Jahrhundert. Der Name des heutigen Ortsteils wandelte sich von Ostradoe und Oistraide (13. Jahrhundert) über Oysterroede, Oesterraid, Oisterraids, Osterraidt, Osterath, Osteradt (17. Jahrhundert).

Das Osterather Kirchspiel bestand im 13. Jahrhundert aus 3,5 Honschaften. Der Dorfkern bestand aus zwei sich gegenüberliegenden Höfen, dem Ploeneshof und dem Gumpertzhof, die 1364 erstmals erwähnt wurden. Im 16. Jahrhundert existierten 27 kurmudspflichtige Höfe mit jeweils 50 bis 100 Morgen Ackerland. Hierzu gehörte zum Beispiel der direkt im Osterather Ortskern liegende Huysmannshof.

Auf Osterather Gebiet gab es zwei Mühlen, eine lag am Mühlbach in Bovert, die seit Ende des 12. Jahrhunderts Abgaben an das Kloster Meer zahlte, aber im 16. Jahrhundert untergegangen sein muss. Die zweite Mühle lag auf dem Weg zwischen Osterath und Willich. Sie wurde in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erbaut. Durch weitere Ansiedlungen wurde Osterath im 15. Jahrhundert zum Straßendorf, im 18. Jahrhundert wuchs der Ort durch zahlreiche Baumaßnahmen.

Die Ortsteile Dorf, Giesenend, Schweinum, Görgesheide, Hoterheide, Ivangsheide und Bovert bildeten Mitte des 19. Jahrhunderts die Gemeinde Osterath. Industrie und Gewerbe entwickelten sich rasch, nachdem die Eisenbahnstrecke Köln–Krefeld 1855 und die K-Bahn-Strecke Düsseldorf–Krefeld 1899 eröffnet wurden. Neben der Brauerei Bacher, die bis in die 1930er Jahre Altbier braute, wurden eine Mosaikfabrik, eine Sauerkrautfabrik, eine Schuhfabrik und eine Drahtseilfabrik gegründet.

Zwischen 1918 und 1953 amtierten abwechselnd Rudolf Bartels und Hugo Recken als Bürgermeister bzw. Gemeindedirektor von Osterath.

Bis zur Gebietsreform 1970 gehörte Osterath als Gemeinde zum Kreis Kempen-Krefeld. Mit der Neugliederung wurde der Hauptteil Osteraths am 1. Januar 1970 in die neu gegründete Stadt Meerbusch eingegliedert. Ein kleinerer Teil kam zur Stadt Willich.[1]

Der Landtag von Nordrhein-Westfalen beschloss 1974 die Auflösung der Stadt Meerbusch und die Eingliederung von Osterath in die Landeshauptstadt Düsseldorf.[2] Die Stadt Meerbusch erwirkte jedoch beim Verfassungsgericht in Münster die Aussetzung des Auflösungsbeschlusses. Der Landtag von Nordrhein-Westfalen bestätigte daraufhin 1976 die Existenz der Stadt Meerbusch.

Politik[Bearbeiten]

Historisches Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Blau eine im Schildfuß aufgehende und den umlaufenden Schildrand mit 14 Strahlen berührende goldene Sonne, bedeckt mit zwei silbernen gekreuzten Hacken.“

Natur[Bearbeiten]

Im Norden Osteraths gibt es insgesamt vier ehemalige Baggerseen, davon eine ehem. Lockergesteinsabgrabung (ca. 4 ha) nördlich vom Meyersweg (Objektkennung im LANUV-Biotop-Kataster: BK-4705-0016) und ein kleinerer an der Krefelder Straße. Zwei Seen (links ca. 2 ha, rechts ca. 2,5 ha) im Besitz der Kiesgrube Schmitz nordwestlich der Reha-Klinik (BK-4705-0018), die lediglich durch einen Fahrwegdamm voneinander getrennt sind, wird seit 1962 vom örtlichen Angelsportverein „Anglergilde“ gepachtet[3]. Diese Seen, zusammen mit nördlichen Seen in Krefeld, stellen ein wichtiges Brut- und Nahrungshabitat für Eisvogel und Uferschwalbe dar und bieten zudem Lebensraum für weitere Wasservögel. Die Röhrichtbestände haben durch Nutria-Fraß Verluste erfahren.[4]

Östlich von Bovert schließt sich das Naturschutzgebiet Der Meerbusch an, welches aber formal auf dem Gebiet des Nachbarstadtteils Büderich und der Nachbarstadt Kaarst liegt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Bahnhof

Osterather Bahnhof, Ansicht der Gleisseite

Der Osterather Bahnhof nahe der Ortsmitte wurde 1856 durch die Köln-Krefelder Eisenbahn-Gesellschaft gebaut. Das Gebäude, das außen mit Holzpaneelen verkleidet ist, steht unter Denkmalschutz.

Kirche St. Nikolaus
Die römisch-katholische Kirche wurde vermutlich im 13. Jahrhundert gebaut. Ihr musste eine bereits bestehende Kapelle weichen. Die Kirche wurde 1855 erweitert, an den vierstöckigen Turm aus Tuffstein aus dem 12. Jahrhundert wurde ein neues Langhaus gebaut. Dabei wurde die Ausrichtung verändert, das ehemalige Kirchenschiff stand auf dem heutigen Kirchplatz. Seit 1972 beherbergt die Kirche die Reliquien von Hildegundis von Meer. Seit Januar 2010 ist St. Nikolaus Filialkirche der Pfarrgemeinde Hildegundis von Meer. Pfarrkirche ist die St.-Stephanus-Kirche in Lank-Latum. siehe auch: Liste der Kirchen in Meerbusch

Alte Vikarie
Das alte Vikariegebäude aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ist das, unter Denkmalschutz stehende, Fachwerkgebäude an der Hochstr. 20/Ecke Bommershöferweg. Es war Bestandteil eines Fonds, aus dem sich die Vikarstelle finanzierte und stand dem Osterather Vikar zur freien Verfügung. Zum Gebäude gehörten auch Stall, Schuppen und ein kleiner Garten. Zur Mitte des 20. Jahrhunderts war das Haus, hauptsächlich durch Feuchtigkeit, soweit geschädigt und auch nicht mehr standesgemäß, dass es dem Kirchenvorstand unökonomisch erschien an diesem Gebäude festzuhalten. Es wurde mit Planungen zur Finanzierung eines neuen Vikariegebäudes begonnen.[5] Das ehemalige Gartengrundstück wird heute von der benachbarten Gastronomie genutzt. Der vom derzeitigen Eigentümer beantragte Abriss wurde vom Verwaltungsgericht Düsseldorf abgelehnt.[6]

Alte Brauerei
Die alte Brauerei entstand als Produktionsstätte der 1874 gegründeten Brauerei Bacher. 1931 wurde der Braubetrieb zu Gunsten eines reinen Bierverlags aufgegeben. Seit 1980 stellte die Stadt Meerbusch als neue Eigentümerin die Immobilie für kommunale Aufgaben und für den Vereinssport zur Verfügung. 2008 erwarb die Alte Brauerei Projektgesellschaft mbH das Gebäude und führte eine umfassende Kernsanierung und verschiedene Umbaumaßnahmen durch, bei denen die markante Fassade und die inneren Strukturen des Gewerbebaues bewusst erhalten wurden. 2010 wurde dort unter dem Namen „Forum für Bürokultur - Alte Brauerei“ eine Büromöbel-Ausstellung eröffnet.

Kunst[Bearbeiten]

Skulpturen von Will Brüll
Will Brüll, ein Osterather Bildhauer, erstellt Plastiken aus Edelstahl.

Großer Raumwirbel, Stahlplastik aus dem Jahr 1965
  • Großer Raumwirbel – 1965 im Kreisverkehr an der Willicher Straße in der unmittelbaren Nähe der Mühle, in der Brüll lebt und arbeitet, der Stadt als Dauerleihgabe übergeben im Februar 2004[7]
  • Die Gebeugten auf dem Friedhof am Bommershöfer Weg

Museen[Bearbeiten]

Auf dem Gelände der Umspannanlage Osterath befindet sich seit 1981 die Elektrothek Osterath. Das Museum dokumentiert die Geschichte der Elektrotechnik.

Verkehr[Bearbeiten]

Straßen[Bearbeiten]

Osterath verfügt über drei Autobahnanschlüsse, nördlich an die A 44 (Abfahrt Fischeln/Osterath), südlich an die A 52 (Abfahrt Kaarst-Nord/Osterath) und westlich an die A 57 (Anschlussstelle Bovert).

Bahn[Bearbeiten]

Wie oben erwähnt verfügt Osterath über einen Anschluss an die Linksniederrheinische Strecke der Deutschen Bahn AG mit Verbindungen nach Düsseldorf, Krefeld, Köln. Der Bahnhof wird von den Regionalexpress-Linien RE 7 (Krefeld–Rheine) und RE 10 (Kleve–Düsseldorf) im Stunden- bzw. Halbstundentakt angefahren.

Linie Linienbezeichnung Linienverlauf
RE 7 Rhein-Münsterland-Express
Netz: k.A.
RheineMünsterHammHagenWuppertalSolingenKölnNeuss – Meerbusch-Osterath – Krefeld
RE 10 Niers-Express
Niers-Rhein-Emscher-Netz
DüsseldorfMeerbusch-OsterathKrefeldGeldernKleve (nur Mo-Fr, Sa/So im Stundentakt)

kursiv: Takt > 60 Min.; fett: Takt < 60 Min.

Neben dem DB-Bahnhof verfügt Osterath über vier[8] Haltestellen der Düsseldorfer Bahngesellschaft Rheinbahn (ursprünglich zur K-Bahn gehörend).

Wirtschaft[Bearbeiten]

In den Gewerbegebieten[9] Mollsfeld, Mollsfeld-Nord, Breite Straße und Rudolf-Diesel-Straße haben sich unterschiedliche Firmen angesiedelt. Mollsfeld wurde seit 2005 mit dem Bau des Berufsbildungszentrums der Deutschen Vermögensberatung nach Norden erweitert. Der in der Karte erkennbare Garten (ein quadratischer Spazierweg mit Bepflanzung) wurde unter der Initiative Green Way[10] von EPSON errichtet, die ebenfalls in diesem Gewerbegebiet ihren deutschen Sitz hat. Dagegen dient die Breite Straße hauptsächlich als Logistikstandort. So liegt hier z.B. das Speditionszentrum von Galeria Kaufhof für Direktlieferung.[11] 1999 wurde in Osterath die St.-Mauritius-Therapieklinik, eine Reha-Klinik eingeweiht. Die medicoreha Welsink Akademie führt mit ihren staatlich anerkannten Fachschulen für Physiotherapie und Ergotherapie für ihre Auszubildenden die praktische Ausbildung in der St.-Mauritius-Therapieklinik durch.[12]

Konverter[Bearbeiten]

Der Stromnetzbetreiber Amprion plant südlich von Osterath eine so genannte doppelte Konverterstation als Erweiterung der bestehenden Umspannanlage Osterath. Gegen diese Ausbaupläne gibt es massiven Widerstand seitens vieler Meerbuscher Bürger, die sich in einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen haben, des Meerbuscher Stadtrates, der den Bau in einer Resolution einstimmig ablehnte, sowie verschiedener weiterer Gruppen und Einzelpersonen.

Ehemaliges Ostara-Gelände[Bearbeiten]

Die ehemalige Stein- und Mosaik-Fabrik Ostara direkt neben dem Bahnhof war bis 2001[13] in Betrieb. Seitdem bis 2006 wurden die Gebäude nicht genutzt (von Feuerwehrübungen abgesehen). Seit 1996[14] steht dies als Eigentum der Carat-Gruppe aus Oberhausen, die das Gebäude für den Bau eines Frischemarkts abreißen ließ. Dabei wurde im Juli 2007 eine 250 kg schwere Fliegerbombe gefunden, bei deren Entschärfung alle Bewohner im Umkreis von 250 Metern ihre Wohnungen verlassen sowie im Bereich zwischen 250 und 500 Metern ihre Fenster und Türen geschlossen halten mussten.[15]

Der Bau des Frischemarkts wurde zuerst wegen der Befürchtung, der Osterather Einzelhandel könne die großen Verluste nicht ertragen, vor allem von der SPD abgelehnt. Aufgrund eines positiven Untersuchungsergebnisses der Hamburger Gfk GeoMarketing genehmigte ihn die CDU-Fraktion.[16] Die Verluste des Einzelhandels sollen 500.000 bis 600.000 Euro betragen, daher seien Leerstände nicht zu erwarten.

Quellen[Bearbeiten]

  • Peter Dohms (Hrsg.): Meerbusch. Die Geschichte der Stadt und der Altgemeinden. Meerbusch 1991.
  • Norbert Schöndeling: Meerbusch. In: Rheinische Kunststätten. Heft 389. Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Köln 1993.

Literatur[Bearbeiten]

  • Theodor Holzschneider: Special-Chronik über die Pfarre und Gemeinde Osterath. Osterath 1870, neu herausgegeben durch die Stadt Meerbusch 1974.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 114.
  2.  Martin Bünermann, Heinz Köstering: Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X, S. 39.
  3. Webauftritt des Anglersportvereins „Anglergilde“ über die ehemaligen Baggerseen
  4. Beschreibung im Eintrag zum Objekt BK-4705-0016 des LANUV-Biotopkatasters
  5. Norbert Schöndeling: Die neue Vikarie von St. Nikolaus in Osterath. In: Meerbuscher Geschichtshefte. Geschichtsverein Meerbusch e.V., Meerbusch. 1986:3:68. ISSN 0930-3391
  6. Norbert Stirken: Alte Vikarie: Gericht verbietet Abriss. rp-online, 30. Januar 2012, abgerufen am 13. Juni 2012.
  7. Ein Bericht von Neuß-Grevenbroicher Zeitung: Skulptur als Dauerleihgabe: Raumwirbel im Kreisel aufgestellt
  8. Aus der Düsseldorfer Richtung: Bovert, Kamperweg, Hoterheide, Görgesheide; Siehe: K-Bahn
  9. Bei WikiMapia sind einige Firmen in diesen Gebieten zu sehen: Osterath bei Wikimapia
  10. Eine Pressemitteilung von 15. Oktober 2007: Ein Unternehmen macht sich auf „den grünen Weg“
  11. Auf der Webseite von Galeria Kaufhof über Lieferkonditionen: Wer liefert die Ware an?
  12. medicoreha Welsink Akademie
  13. Ein Artikel der Rheinischen Post: Meerbusch: Willich gegen Frischemarkt (siehe unter „Ostara-Gelände“)
  14. Ein Artikel aus den Meerbuscher Rathaus-Nachrichten: Frischemarkt-Bau auf dem Ostara-Gelände am Bahnhof Osterath
  15. Ein Bericht von Neuß-Grevenbroicher Zeitung: Meerbusch: Fliegerbombe entschärft
  16. RP Meerbusch: Gutachter pro Frischemarkt