Osterburken

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Osterburken
Osterburken
Deutschlandkarte, Position der Stadt Osterburken hervorgehoben
49.4308333333339.4261111111111247Koordinaten: 49° 26′ N, 9° 26′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Neckar-Odenwald-Kreis
Höhe: 247 m ü. NHN
Fläche: 47,32 km²
Einwohner: 6441 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 136 Einwohner je km²
Postleitzahl: 74706
Vorwahlen: 06291, 06292, 06295
Kfz-Kennzeichen: MOS, BCH
Gemeindeschlüssel: 08 2 25 075
Stadtgliederung: 4 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Marktplatz 3
74706 Osterburken
Webpräsenz: www.osterburken.de
Bürgermeister: Jürgen Galm (CDU)
Lage der Stadt Osterburken im Neckar-Odenwald-Kreis
Hessen Bayern Hohenlohekreis Landkreis Heilbronn Main-Tauber-Kreis Rhein-Neckar-Kreis Rhein-Neckar-Kreis Adelsheim Aglasterhausen Billigheim Binau Buchen (Odenwald) Elztal (Odenwald) Fahrenbach Hardheim Haßmersheim Höpfingen Hüffenhardt Limbach (Baden) Mosbach Mudau Neckargerach Neckarzimmern Neunkirchen (Baden) Obrigheim (Baden) Osterburken Ravenstein Rosenberg (Baden) Schefflenz Schwarzach (Odenwald) Seckach Waldbrunn (Odenwald) Walldürn Zwingenberg (Baden)Karte
Über dieses Bild

Osterburken ist eine Stadt des Neckar-Odenwald-Kreises in Baden-Württemberg. Wegen ihrer Lage am Obergermanisch-Rätischen Limes und der damit zusammenhängenden zahlreichen archäologischen Funde aus römischer Zeit wird sie auch als Römerstadt bezeichnet. Sie wird vom Fluss Kirnau durchquert.

Geografie[Bearbeiten]

Die Gemarkung liegt an der Kirnau im Bauland zwischen dem Odenwald und dem Jagsttal in einer Höhe zwischen 240 m bis 392 m ü. NN.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Zur Stadt Osterburken gehören die ehemaligen Gemeinden Bofsheim, Hemsbach und Schlierstadt. Zu den ehemaligen Gemeinden Bofsheim und Hemsbach gehören jeweils nur die gleichnamigen Dörfer. Zur Stadt Osterburken in den Grenzen von 1970 gehören die Stadt Osterburken, der Ort Siedlung „Neue Heimat“ und das Gehöft Marienhöhe (vorm. Haide). Zur ehemaligen Gemeinde Schlierstadt gehören das Dorf Schlierstadt und das Gehöft Seligental (Selgental).
Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Hemsbach liegt die nicht mit Sicherheit lokalisierte Wüstung Vustenhemsbach, in der Stadt Osterburken im Gebietsstand von 1970 liegen die Wüstungen Gieß und Hügelsdorf oder Huchelsdorf und im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Schlierstadt liegt die Wüstung Heristatt.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Erste archäologische Nachweise einer Besiedlung im Raum der heutigen Stadt stammen aus der Jungsteinzeit um 4000 v. Chr. Die Römer richteten um 155/159 n. Chr. einen Stützpunkt am äußeren obergermanischen Limes ein. Nach dem Fall des Limes um 260 n Chr. wird von einer kontinuierlichen Besiedlung durch die Alemannen ausgegangen. Die älteste erhaltene schriftliche Erwähnung von Osterburken als „Burchaim“ im Gau Wingarteiba findet sich in der Bestätigung aus dem Jahr 822 für eine Schenkungsurkunde mit der rund 80 Jahre zuvor eine Martinsbasilika durch Karlmann an das Bistum Würzburg gegeben worden war.[3]

Zisterzienserinnen gründeten 1236 das Kloster Seligental. Nach dem Tod des letzten Grafen der Linie Rieneck-Rothenfels 1333 erbte dessen Neffe, Ulrich II. von Hanau, unter anderem „Burgheim“ (Osterburken). Kaiser Karl IV. bewilligte am 9. Januar 1356 – am gleichen Tag, an dem auch die Goldene Bulle bestätigt wurde – auf dem Reichstag zu Nürnberg Marktrechte für Osterburken. Ulrich IV. von Hanau verkaufte das weit von seinen Kernlanden entfernt gelegene Osterburken 1376 an Erzbischof Ludwig von Mainz. Im Rahmen der Mainzer Stiftsfehde wurde Osterburken 1463 vergeblich belagert. Seit dem 16. Jahrhundert wurde der Ort Osterburken (das östliche Burken) genannt zur Unterscheidung von Neckarburken (Burken am Neckar).[4] Im Markgräflerkrieg von 1552 wurde das Zisterzienserinnenkloster verwüstet. Gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges wurde auch Osterburken Kriegsschauplatz, die Pest brach aus.

Im Rahmen des Reichsdeputationshauptschlusses wurde Osterburken Bestandteil und Amtssitz des Fürstentums Leiningen. Nach dessen Auflösung durch die Rheinbundakte drei Jahre später, fiel die Stadt an das Großherzogtum Baden. Zunächst war Osterburken auch dort Sitz eines Amtes, das jedoch 1828 nach Adelsheim verlegt wurde. Osterburken war fortan Teil des Amtes Adelsheim. Während der Märzrevolution 1848 gab es auch in Osterburken revolutionäre Unruhen mit Brandschatzung des Fürstlich-Leiningschen Hofgutes Marienhöhe.

1866 wurde Osterburken die Bahnlinie Mannheim-Würzburg und 1868 an Stuttgart-Würzburg angeschlossen. 1909 bekam der Ort eine öffentlichen Wasserversorgung und 1923 ein Elektrizitätsnetz.

Ende März 1945 wurde ein „Evakuierungs“-Zug mit KZ-Häftlingen aus dem KZ Neckarelz drei Tage lang vor dem Ort abgestellt. Dabei starben neun Personen, die in einem Sammelgrab auf dem jetzigen alten Friedhof begraben wurden, ein Gedenkstein befindet sich dort.[5]

Religionen[Bearbeiten]

In Osterburken gibt es drei römisch-katholische (Osterburken und Schlierstadt) und zwei evangelische (Osterburken und Bofsheim) Gemeinden. Der Stadtteil Hemsbach gehört zur katholischen Kirchengemeinde Adelsheim.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

  • Wappen 1. Januar 1971: Hemsbach
  • Wappen 1. Januar 1974: Bofsheim
  • Wappen 1. Januar 1975: Schlierstadt

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat von Osterburken hat seit der letzten Kommunalwahl vom 25. Mai 2014[6] insgesamt 16 Mitglieder (keine Ausgleichsmandate). Die Wahlbeteiligung sank im Vergleich zu 2009 auf 43,7% (2009: 48%, 2004: 52%). Die Mitglieder stammen von folgenden Wahlvorschlägen:

Liste Stimmenanteil Sitze
CDU 39,6% (-1,9) 6 Sitze (-2)
FWV 40,0% (+4,0) 7 Sitze (+1)
SPD 20,4% (+4,6) 3 Sitze (=)

Die bisher mit einem Mandat vertretene Bürgerinitiative Osterburken (BIO) war nicht erneut angetreten.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Silber ein sechsspeichiges rotes Rad.“

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Osterburken unterhält eine Partnerschaft mit der Gemeinde Hondschoote im Norden Frankreichs.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Fundamentreste des Römerkastells

Kastell und Römermuseum[Bearbeiten]

Römermuseum Osterburken

Bei Osterburken befindet sich die archäologische Ausgrabungszone um das ehemalige römische Kastell Osterburken, das Bestandteil des 2005 zum UNESCO-Weltkulturerbe erhobenen Obergermanisch-Raetischen Limes ist. Das Kohortenkastell nebst Annexkastell, Badegebäuden und Weihebezirk ist einer der ergiebigsten provinzialrömischen Fundplätze Südwestdeutschlands.

Das Kastellbad wurde nach seiner Freilegung in ein Museum integriert. Dort befindet sich auch die Kopie des bedeutendsten archäologischen Fundes aus Osterburken, eines Mithrasreliefs, das die mythologische Tötung des Urstieres durch den Gott Mithras darstellt. Das Original ist heute im Besitz des Badischen Landesmuseums Karlsruhe.

Das Römermuseum Osterburken wurde nach Umbau und Erweiterung 2006 als überregionales Limes-Informationszentrum wiedereröffnet. Es ist ein Zweigmuseum des Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg.

Kilianskirche
St.-Mauritius-Kirche in Hemsbach

Histotainmentpark Adventon auf Marienhöhe[Bearbeiten]

Auf dem ehemaligen Hofgut Marienhöhe des Fürsten zu Leiningen entsteht seit 2004 der Histotainmentpark Adventon. Hier wird mit den Mitteln der experimentellen Archäologie auf über 40 Hektar ein historischer Park errichtet.

Theater[Bearbeiten]

Die Badische Landesbühne gibt in der Baulandhalle regelmäßige Gastspiele.

Bauwerke[Bearbeiten]

In der Ortsmitte von Osterburken befindet sich die katholische Kilianskirche. Der freistehende historische Glockenturm stammt noch von einem Vorgängerbauwerk, das Kirchengebäude wurde 1970 bis 1974 als vielfach gegliederter Betonbau mit zahlreichen Reliefplastiken von Emil Wachter neu errichtet. Unweit der Kirche bildet der historische Stadtturm mit einem Sockel aus dem 15. Jahrhundert eine weitere Landmarke des Ortes. Sonstige historische Gebäude in Osterburken sind die oktogonale Kilianskapelle, die 1748 auf dem Gelände des damaligen Armenfriedhofs errichtet wurde, nebenan der 1956 zum 600. Stadtjubiläum aus dem Brunnenviertel versetzte Städtlebrunnen aus dem Jahre 1601, sowie unweit davon die seit dem Mittelalter bezeugte Stadtmühle. Auf der Gemarkung Schlierstadt befindet sich das ehem. Zisterzienserinnenkloster "Seligental" (1236 - 1568). Die Klosteranlage ist auf dem heute landwirtschaftlich genutzten Hof nur noch teilweise erhalten. Einige Grabsteine von Äbtissinnen und Nonnen finden sich an der Außenseite der Kirche St. Gangolf in Schlierstadt.

Zu den bedeutenden Bauwerken in der Gesamtgemeinde Osterburken zählt auch die Mauritiuskirche im Ortsteil Hemsbach, die bereits 1281 erstmals urkundlich erwähnt wurde und bis ins 19. Jahrhundert Ziel von Wallfahrten war.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Zug im Bahnhof Osterburken (April 1984)

Verkehr[Bearbeiten]

Öffentlicher Verkehr[Bearbeiten]

Osterburken ist ein Eisenbahnknotenpunkt: Die Frankenbahn Stuttgart–Würzburg und die Bahnstrecke Neckarelz–Osterburken, ein Teil der Badischen Odenwaldbahn, stoßen hier aufeinander. Auf letzterer Strecke ist die Stadt Endstation der Linie S1 der S-Bahn RheinNeckar.

Individualverkehr[Bearbeiten]

Osterburken ist über die gleichnamige Autobahnanschlussstelle an der A 81 Stuttgart–Heilbronn–Würzburg (4 km) gut zu erreichen. Außerdem führt die B 292 Bad SchönbornMosbachAdelsheimKönigshofen am Ort vorbei.

Radfernwege[Bearbeiten]

Durch das Stadtgebiet verläuft der Deutscher Limes-Radweg. Er führt von Bad Hönningen durch Westerwald, Taunus und Odenwald zum 818 Kilometer entfernten Regensburg und orientiert sich dabei am historischen Verlauf des Obergermanisch-Raetischen Limes. Weiterhin ist Osterburken Start- bzw. Endpunkt des Fernradweges Kurpfalzachse nach Lamprecht/Pfalz. Dieser Radweg verläuft ca.220 km in Ost-West Richtung durch die Metropolregion Rhein-Neckar.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Bedeutendster Arbeitgeber ist die Firma AZO GmbH + Co. KG, eine (Maschinenfabrik). Der Fruchtsafthersteller Erwin Dietz GmbH (Marke: Dietz Fruchtsäfte), der heute ein Tochterunternehmen der Karlsberg Brauerei ist, ist in Osterburken ansässig. Die Sparkasse Neckartal-Odenwald hat in Ostburken eine Hauptstelle.

Das Sport- und Abenteuerzentrum für Fallschirmspringen und Tauchen Southsidebase GmbH befindet sich im Ortsteil Schlierstadt auf einem der ältesten Sprungplätze Deutschlands.

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

In Osterburken gibt es ein Gymnasium in Trägerschaft des Neckar-Odenwald-Kreises, eine Realschule und eine Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule (Schule am Limes). Alle sind als Ganztagsschulen ausgebaut. Daneben besteht mit der Astrid-Lindgren-Schule eine Förderschule für Lernbehinderte. Daneben gibt es drei römisch-katholische und zwei evangelische Kindergärten.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • Schwester Amalberga (Krankenschwester), verstorben 11. Februar 2013
  • Adolf Zimmermann (Unternehmer), verstorben 15. März 2013
  • Klemens Brümmer (Bürgermeister 1963–1991), verstorben 20. März 2007
  • Ernst Robert Ellwanger (Bauunternehmer), verstorben 15. Februar 1982

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Helmut Maisch und Herbert Walz: Osterburken ... wie es einmal war. Geiger, Horb am Neckar 1998. ISBN 3-89570-503-9
  • Walter Koupil: Seligental, Schlierstadt-Bauland. Chronik eines Vergessenen Klosters. 1990.
  • Helmut Neumaier: Osterburken Stationen seiner Geschichte. Milte, Heidelberg 1973.
  • Britta Rabold, Egon Schallmayer, Andreas Thiel (Hrsg.): Der Limes. Die Deutsche Limes-Straße vom Rhein zur Donau. Theiss, Stuttgart 2000. ISBN 3-8062-1461-1
  • Egon Schallmayer: Der Limes. Geschichte einer Grenze. C.H.Beck, München 2006. ISBN 3-406-48018-7 (Knappe, aktuelle Einführung.)
  • Elmar Weiss: Das Kloster Seligental bei Osterburken. Veröffentlichung des Historischen Vereins Bauland. 1986.
  • Elmar Weiss, Helmut Neumaier: Geschichte der Stadt Osterburken. Stadt Osterburken, Osterburken 1986.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 310–313
  3. Text und Übertragung der Urkunde Kaiser Ludwigs des Frommen von 822
  4. Josef Durm; Franz Xaver Kraus: „Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden“, 1901, S. 179
  5. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Bd.I, Bonn 1995, S. 68, ISBN 3-89331-208-0
  6. http://osterburken.de/servlet/PB/menu/1581667/index.html

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Osterburken – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien