Osterdatum

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Das Osterdatum ist das Datum des Osterfestes im Kirchenjahr. Ostern ist als Feier der Auferstehung Jesu Christi von den Toten das wichtigste und älteste Fest der Christen. Nach neutestamentlicher Überlieferung ereignete sich die Auferstehung Christi in den Tagen des jüdischen Pessachfests, das im Frühling stattfindet. Auf dem Konzil von Nicäa im Jahre 325 wurde das Datum des Osterfestes daher auf den ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond festgelegt. Vereinbartes Datum für den dem Frühlingsvollmond vorangehenden Frühlingsanfang ist der 21. März, sodass der früheste Ostersonntag auf den 22. März fällt. Spätestes Osterdatum ist der 25. April. Nach dem Datum des Osterfestes richten sich fast alle anderen beweglichen Feiertage im Kirchenjahr.

Ostersonntage
von 2000 bis 2030
Jahr West-
kirche
Ost-
kirche
2000 23. April 30. April
2001 15. April
2002 31. März 5. Mai
2003 20. April 27. April
2004 11. April
2005 27. März 1. Mai
2006 16. April 23. April
2007 8. April
2008 23. März 27. April
2009 12. April 19. April
2010 4. April
2011 24. April
2012 8. April 15. April
2013 31. März 5. Mai
2014 20. April
2015 5. April 12. April
2016 27. März 1. Mai
2017 16. April
2018 1. April 8. April
2019 21. April 28. April
2020 12. April 19. April
2021 4. April 2. Mai
2022 17. April 24. April
2023 9. April 16. April
2024 31. März 5. Mai
2025 20. April
2026 5. April 12. April
2027 28. März 2. Mai
2028 16. April
2029 1. April 8. April
2030 21. April 28. April

Geschichte[Bearbeiten]

Der Kalendertag der Auferstehung Jesu Christi[Bearbeiten]

Ostern wird im Gedenken an die Auferstehung Jesu Christi gefeiert. Zur Zeit seiner Kreuzigung und Auferstehung in Jerusalem galt im Judentum ein lunisolarer Festkalender nach biblisch fundierten Regeln, der auch für die Christen hinsichtlich des Osterfestes maßgeblich blieb. Später übernahm das Christentum das solare System des julianischen Kalenders, während die Regeln des jüdischen Kalenders im 4. Jhdt. unter dem Patriarchen Hillel II. systematisch festgelegt wurden.

Die Bibel als Quelle für den Kalendertag der Auferstehung Jesu Christi[Bearbeiten]

Anhaltspunkt für die Datumsübertragung aus dem jüdischen lunisolaren Kalendersystem in den solaren julianischen bzw. gregorianischen Kalender ist das jüdische Pessachfest, in dessen zeitlicher Nähe nach neutestamentlichem Zeugnis die Kreuzigung Jesu stattfand. Pessach dauert stets vom 15. bis zum 22. Tag im Monat Nisan. Der 14. Nisan wird im Judentum hebräisch Erev Pessach oder Rüsttag zu Pessach genannt und dient zur Vorbereitung des Festes.

Die biblische Überlieferung ist hinsichtlich der letzten Lebenstage Jesu nicht eindeutig. Maßgeblich sind die Passions- und Osterberichte der Evangelien, wobei das Johannesevangelium die historisch glaubwürdigste Darstellung bietet. Einstimmig berichten die vier Evangelien, dass die Kreuzigung am Rüsttag zum Sabbat stattgefunden habe (Mk 15,42 EU). Nach dem Johannesevangelium war der Todestag Jesu sowohl der Rüsttag zu einem Sabbat (Joh 19,31 EU) als auch der Rüsttag zu Pessach (Joh 19,14 EU), der auf den 14. Nisan fällt. Die synoptischen Evangelien hingegen identifizieren das Letzte Abendmahl mit dem Sedermahl zum Auftakt des Pessach, woraus folgt, dass die Kreuzigung am Nachmittag des Hauptfeiertags des Pessachfestes, also am 15. Nisan stattgefunden habe (Mk 14,12 EU). Nach allen Evangelien wurde der Leichnam Jesu vor Beginn des Sabbats bestattet (Joh 19,31–42 EU). Am Sabbat herrschte Grabesruhe. Die Auferstehung ereignete sich „am dritten Tage“ (1 Kor 15,4 EU) von der Kreuzigung an gerechnet. Unabhängig von der widersprüchlichen Datumsangabe wird also die Reihenfolge der Ereignisse einheitlich dargestellt: letztes Mahl an einem Donnerstag (Gründonnerstag), Kreuzigung und Tod an einem Freitag (Karfreitag), Grabesruhe am folgenden Samstag (Sabbat, Karsamstag) und Auferstehung am folgenden Sonntag (Ostersonntag).

Die Christenheit rechnete schon früh mit dem 14. Nisan als Tag der Kreuzigung und mit dem 16. Nisan als Tag der Auferstehung Christi. Moderne Historiker halten diese Daten auch für die wahrscheinlichsten, weil die von den Synoptikern berichteten Aktivitäten der jüdischen Autoritäten an einem 15. Nisan als hohen Feiertag nicht plausibel sind.

Im lunisolaren jüdischen Kalender handelt es sich demnach um fixe Daten im Kalenderjahr. Im solaren julianischen Kalender werden daraus in einem Zeitraum von mehr als vier Wochen liegende variable Daten, deren Bestimmung als sogenannte Osterrechnung einigen Aufwand erfordert.

Vom jüdischen Pessachfest zum Frühlingsvollmond[Bearbeiten]

Neben der Jerusalemer Urgemeinde existierten durch die Missionstätigkeit bald auch größere christliche Gemeinden außerhalb Jerusalems und Palästinas, die von der Ausrufung des Beginns der Monate durch den jüdischen Hohen Rat abgeschnitten waren. Nach der Zerstörung des zweiten Tempels begann die Zerstreuung der Juden, so dass bald alle Christen selbst auf die Einhaltung des Kalenders achten mussten. Man erinnerte sich an die Konstruktion des lunisolaren jüdischen Festkalenders, im Besonderen daran, dass der 14. Nisan (in Jahren mit Schaltmonat der 14. Adar II) mit dem Tag des ersten Vollmondes seit Frühlingsanfang identisch ist und beobachtete und verwertete diese beiden Tage zur Bestimmung des Osterdatums. Heute ist der historische und bezüglich des Mondes indirekte Bezug auf den entsprechenden Tag im jüdischen Kalender allgemein in Vergessenheit geraten.

Osterdatum in den ersten Jahrhunderten[Bearbeiten]

Die Findung des 14. Nisan durch Feststellen des Mond-Neulichtes als 1. Nisan funktionierte während der ersten Jahrhunderte recht und schlecht. Es fehlte nicht nur eine für alle Juden – und damit auch für die ersten Christen – zuständige Autorität zur Definition des Kalenders, es herrschte vielmehr auch innerchristlich keine einheitliche Auffassung darüber, welchen Ereignisses in den letzten Erdentagen Jesu zu gedenken sei. So nahmen die Quartodezimaner (vorwiegend in Kleinasien lebend) den Tag der Kreuzigung als Anlass und feierten Ostern parallel zu Pessach immer am 14. Nisan, ungeachtet des Wochentages. Die Protopaschisten (in Syrien, Mesopotamien und einem Teil Kilikiens ansässig) feierten den Sonntag nach Pessach. Da die jüdische Kalenderberechnung das Frühlings-Äquinoktium jedoch nicht streng beachtet, setzten die Protopaschisten das Osterfest häufig einen Monat früher an als die übrigen Christen.[1]

Das Konzil von Nicäa[Bearbeiten]

Eine einheitliche Regelung ging vom Ersten Konzil von Nicäa im Jahre 325 aus. Der genaue Wortlaut des Beschlusses ist nicht erhalten, doch lässt sich aus einem Schreiben Kaiser Konstantins entnehmen, dass das Osterfest gemäß Konzil zu feiern sei:

  • nach Frühlingsanfang, der im inzwischen benutzten Julianischen Kalender auf den 21. März fixiert wurde,
  • an einem Sonntag nach dem jüdischen Pessach-Fest.

Damit gab das Konzil von Nicäa im Prinzip den Protopaschisten Recht und verwarf die Praxis der Quartodezimaner.

Die zyklische alexandrinische Osterrechnung[Bearbeiten]

Eine Vorschrift, wie das Datum für das Osterfest zu bestimmen sei, wurde nicht beschlossen, auch ist nicht sicher, ob und in welcher Art ein Auftrag an die Astronomen und Mathematiker von Alexandria vergeben wurde. Alexandria war aber in dieser Zeit das wissenschaftliche Zentrum der Welt, und dort war eine relativ einfache und genaue zyklische Osterrechnung bereits entwickelt worden. Zyklisches Vorgehen ist in die Zukunft gerichtet. Man muss nicht bis zum letzten Moment warten, um anhand gegenwärtiger Beobachtungen das Osterdatum angeben zu können. Auf Grund astronomischer Kenntnisse werden die Kalendertage des Frühlingsanfangs und des folgenden ersten Vollmonds in einem Solarkalender (julianischer, später auch gregorianischer Kalender) für viele Jahre im Voraus angegeben.

Endgültiges allgemeinverbindliches Osterdatum[Bearbeiten]

Die beabsichtigte Einheit in der Osterfeier erreichte das Konzil noch nicht. Es dauerte noch Jahrhunderte, bis sich die Berechnung der alexandrinischen Astronomen allgemein durchsetzte. Um 530 erstellte Dionysius Exiguus seine Ostertafeln, die auf den alexandrinischen Rechenregeln beruhen, und die später von Beda Venerabilis (672–735) als allgemeinverbindlich durchgesetzt wurden. Ab der Mitte des 8. Jahrhunderts war somit die Forderung des Konzils erfüllt, dass alle Christen Ostern zu gleicher Zeit feiern sollen.[1]

Durch die in Nicäa vereinbarte Fixierung des Frühlingsanfangs auf den 21. März, dem spätesten Tag der astronomisch möglichen Daten (zwischen 19. und 21. März) und durch den zyklisch bestimmten Vollmondtermin kommt es immer wieder zu Osterparadoxien, an denen der Ostertermin nicht exakt auf das astronomische Datum fällt.

Die Osterrechnung im julianischen und im gregorianischen Kalender[Bearbeiten]

Für die zyklische Bestimmung des Frühlingsvollmondes wurde in Rom die Rechnung auf einen 84-Jahre-Zyklus aufgebaut, während in Alexandria von Anfang an der 19-jährige Mondzirkel herangezogen wurde. Die Rechenmethode der Alexandriner setzte sich wegen der größeren erreichbaren Genauigkeit durch. 19 Jahre entsprechen 235 Mondmonaten, und es gibt nur 19 verschiedene Daten für den Frühlingsvollmond, nämlich zwischen dem 21. März und dem 18. April den

5. April, 25. März, 13. April, 2. April, 22. März, 10. April, 30. März, 18. April, 7. April, 27. März, 15. April, 4. April, 24. März, 12. April, 1. April, 21. März, 9. April, 29. März und den 17. April (Reihenfolge chronologisch über 19 Jahre mit Goldener Zahl = 1 bis 19).

Am darauffolgenden Sonntag ist Ostern. Fällt der Frühlingsvollmond auf einen Sonntag, ist Ostern erst eine Woche später. Der erste mögliche Termin für Ostersonntag ist der 22. März (ein Tag nach dem 21. März), das letzte mögliche Datum der 25. April (sieben Tage nach dem 18. April).

Im julianischen Kalender hat ein Osterzyklus eine Periodendauer von 532 Jahren. Danach beginnt die Reihe von 532 Oster-Terminen wieder von vorn. Diese Zahl ist das kleinste gemeinsame Vielfache aus der Periode des Mondzirkels (19 Vollmond-Daten), der 7-Tage-Woche (reguläre jährliche Verschiebung der Wochentage um einen Tag) und der Schaltperiode (Verschiebung der Wochentage um zwei Tage alle vier Jahre): 19 × 7 × 4 = 532.

Die ersten alexandrinisch bestimmten Oster-Tabellen stammen von Bischof Eusebius von Caesarea, die mit dem ersten Jahr in der Ära des Diokletian (Märtyrer-Ära) beginnen, dem Jahre 285.[2] Dionysius Exiguus setzte die Tafeln des Eusebius bis zum Jahr 531 fort und begann 532 einen neuen Osterzyklus. Seine Dionysianischen Tafeln enthalten Osterdaten für 95 Jahre (532 bis 627). Beda verlängerte sie später (725) auf die gesamte Länge dieses Osterzyklus (532 bis 1063).[2]

Dionysius stellte fest, dass der 21. März 1 v. Chr. ein Sonntag war. Das ungefähre Zusammentreffen des Beginns der christlichen Zeitrechnung mit dem Beginn des von Dionysius bis zum Jahr 531 n. Chr. fortgesetzten Zyklus werden später als günstige Umstände für die allgemeine Annahme der Alexandrinischen Methode gedeutet.

Ein früher Kritiker der seit Beda etablierten Osterrechnung war Reinher von Paderborn in seinem Werk Computus emendatus von 1171. Er kritisierte, dass man sich nicht genau an den jüdischen Kalender („das Gesetz“) hielte und folglich gelegentlich ein nicht zutreffendes Datum ermittele. Er erinnerte daran, dass der jüdische Kalender weder bezüglich des Frühlingsanfangs noch bezüglich des ersten Frühlings-Mondmonats zyklisch starr gehandhabt werde. Auf diese Weise entstehe zum Beispiel ein Kalenderjahr mit durchschnittlicher Länge von 365,2468 Tagen. Im Computus wird mit 365,2500 Tagen gerechnet, was zum Beispiel einen Tag Abweichung in etwa 314 Jahren ausmache.[3] Reinher gab ein verbessertes –  “dem Gesetz gehorchendes”, aber dennoch zyklisches Verfahren − an, das aber nicht offiziell angewendet wurde.

Bei der gregorianischen Kalenderreform im Jahre 1582 wurde nicht nur der Kalender besser an das Sonnenjahr angepasst (365,2425 Tage, nicht die weniger genauen 365,2468 Tage aus dem jüdischen Kalender), sondern auch der kleine Fehler in der dem Mondzirkel zugrunde liegenden Gleichung (235 Mondmonate = 6939,75 Tage) korrigiert. Der danach berechnete Vollmond verspätet sich gegenüber dem tatsächlichen über lange Zeit etwas. Die inzwischen aufgelaufene Verspätung von einigen Tagen wurde kompensiert und festgelegt, dass künftig gelegentlich ein Schalttag ausfallen (Sonnengleichung) soll und auch das Vollmonddatum gelegentlich um einen Tag früher anzusetzen ist (Mondgleichung).

Russische Auferstehungsikone, 16. Jh.

Durch diese Maßnahmen kann die reformierte Oster-Rechnung auch zum 26. April als spätesten Ostersonntag führen, denn für den Vollmond gibt es jetzt nicht mehr nur 19 Daten, sondern alle 30 Tage eines vollen Monates. Der letzte dieser Tage ist der 19. April (der 30. Tag nach dem 21. März). Um die Tradition aus julianischer Zeit (Ostern nicht später als am 25. April) nicht aufgeben zu müssen, wurden zwei Regeln hinzugefügt:

  • Ist der zyklische Vollmond am 19. April, und dieser ist ein Sonntag, so wird er auf den 18. April zurückverlegt.
  • Ist der zyklische Vollmond in derselben Periode des Mondzirkels am 18. April, und dieser ist ein Sonntag, so wird er auf den 17. April zurückverlegt.

Mit der zweiten Regel wurde sichergestellt, dass Ostern innerhalb einer Periode des Mondzirkels nicht zweimal auf den gleichen Kalendertag nach dem 18. April fällt, was traditionell auch nicht möglich war. Der Osterzyklus ist im gregorianischen Kalender auf 5.700.000 Jahre angewachsen, was jedoch nur theoretische Bedeutung hat, denn nach so langer Zeit werden sich auch die mit den genaueren Regeln des gregorianischen Kalenders ermittelten Osterdaten vollkommen von den astronomischen Realitäten entfernt haben.[4][5]

Mit Ausnahme der finnischen orthodoxen Kirche wird in allen orthodoxen Kirchen – auch bei den sogenannten Neukalendariern, die für die festen Feiertage heute den westlichen Kalender verwenden – bei der Berechnung des Osterdatums am unreformierten julianischen Kalender und an der damaligen Osterrechnung festgehalten. In allen orthodoxen Kirchen gilt die Regel, dass das Osterfest nicht vor dem jüdischen Pessach-Fest liegen darf, was allerdings wegen der allmählichen Verschiebung des julianischen Kalenders im Verhältnis zum jüdischen Kalender ohnehin seit Jahrhunderten nicht mehr möglich ist und daher bei der Berechnung heute nicht mehr gesondert berücksichtigt werden muss.[6] Das Festhalten am julianischen Kalender kann dazu führen, dass das orthodoxe Osterfest im Extremfall fünf Wochen später stattfindet als das der lateinischen Kirche.

Hilfsmittel der Osterrechnung[Bearbeiten]

Die Aufgabe lässt sich einfach und kurz formulieren:
Man bestimme den ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling.
Der Vorgang ihrer Lösung ist anspruchsvoll und nicht einfach überschaubar.

Computus[Bearbeiten]

Hauptartikel: Computus (Osterrechnung)

Die Osterrechnung hieß im Mittelalter computus paschalis. Die Computisten arbeiteten mit verschiedenen Hilfs-Parametern und mit Tabellen. Die Kalendererstellung galt als Hauptproblem der wissenschaftlichen Berechnung, als die zentrale „Kunst“, so dass der Computus im Mittelalter zeitweise das einzige Kapitel Mathematik der Universitätsausbildung war.[7]

Gaußsche Osterformel[Bearbeiten]

Hauptartikel: Gaußsche Osterformel

Carl Friedrich Gauß formulierte den Oster-Algorithmus als einen Satz algebraischer Formeln. Er schuf ein praktisches Hilfsmittel, das ohne die Kenntnis des in den Formeln komprimiert und verschleiert enthaltenen Computus von jedermann angewandt werden kann.[8]

Die Formeln von Gauß sind sowohl für die Zeit des julianischen als auch für die des gregorianischen Kalenders anwendbar. Sie enthalten aber nicht die beiden gregorianischen Ausnahmeregeln. Diese Ergänzung wurde erst am Ende des 20. Jahrhunderts von Lichtenberg eingearbeitet.[9]

Osterformel von Spencer Jones[Bearbeiten]

Gauß war der erste und der bekannteste, aber wohl nicht der einzige Entwickler einer Osterformel. Eine andere Formel soll nach Jean Meeus von Harold Spencer Jones stammen.[10] Laut Meeus wurde diese Formel in Spencer Jones’ Buch General Astronomy[11] veröffentlicht. Erneut wurde diese Formel im Journal of the British Astronomical Association 1977[12] veröffentlicht. Dort wird gesagt, dass diese Formel 1876 entwickelt und in Butchers Ecclesiastical Calender veröffentlicht worden sei. Mit Hilfe dieser Formel lässt sich im gregorianischen Kalender das korrekte Osterdatum berechnen, ohne eine Ausnahmeregelung zu bemühen.[13][14]

Frühe und späte Osterdaten in der Westkirche[Bearbeiten]

Der 22. März ist der frühestmögliche und der 25. April infolge der gregorianischen Ausnahmeregelung der spätestmögliche Ostertermin.

Seit der gregorianischen Reform von 1582 ist der früheste Termin 22. März nur in den Jahren 1598, 1693, 1761 und 1818 vorgekommen, das nächste Mal wird erst im Jahre 2285 sein. Statistisch kommt dieses Datum in 0,5 % aller Fälle (also etwa alle 200 Jahre einmal) vor. 2008 fiel Ostern auf den 23. März, also auf den zweitfrühesten Termin. Diesen Ostertermin gab es zuletzt 1913, das nächste Mal wird 2160 sein (statistische Häufigkeit 0,7 %).

Der späteste Termin 25. April kam nach der Kalenderreform in den Jahren 1666, 1734, 1886 und 1943 vor, das nächste Mal wird im Jahre 2038 sein. Statistisch kommt das in einem Prozent aller Fälle (also etwa alle 100 Jahre einmal) vor.[4] 2011 fiel Ostern auf den zweitspätesten Termin am 24. April.

Das Osterdatum in den Ostkirchen[Bearbeiten]

In fast allen Ostkirchen – mit Ausnahme der finnischen orthodoxen Kirche und einem Teil der unierten Kirchen – werden weiterhin der nicht-reformierte julianische Kalender und die nicht-reformierte Datierung des Osterfestes verwendet. Einige orthodoxen Kirchen (in Griechenland und Bulgarien) verwenden zwar heute für die feststehenden Feiertage (wie Weihnachten und Verkündigung des Herrn) den sogenannten neo-julianischen Kalender, der bis zum Jahr 2799 dem gregorianischen Kalender entsprechen wird, halten für die beweglichen Feiertage wie Ostern aber dennoch am julianischen Kalender fest, um ein gemeinsames Osterfest für alle orthodoxen Christen zu ermöglichen. Unabhängig vom verwendeten Kalender gilt in allen Ostkirchen die Regel, dass das Osterfest nicht vor dem jüdischen Pessachfest liegen darf. [6] Übereinstimmungen des Osterdatums in West- und Ostkirchen sind zufällig und entstehen dann, wenn das nach nicht-reformierter julianischer Methode bestimmte Osterdatum 13 Tage (gegenwärtig, bis 2099) früher liegt als das nach gregorianischer Methode bestimmte Osterdatum. Beispiele:

  • 2010: Ostern in den Ostkirchen am 22. März julianisch, in den Westkirchen am 4. April gregorianisch, 13 Tage Differenz,
  • 2014: Ostern in den Ostkirchen am 7. April julianisch, in den Westkirchen am 20. April gregorianisch, 13 Tage Differenz.

Bestrebungen für gemeinsames Osterdatum in West- und Ostkirche[Bearbeiten]

Nachdem nahezu alle Staaten mit orthodoxer Bevölkerung – in Russland seit der Gründung der Sowjetunion – im säkularen Bereich den reformierten Kalender eingeführt hatten, sahen sich auch die Ostkirchen vor die Notwendigkeit gestellt, ihren Kalender zu reformieren. Im Mai 1923 tagte in Konstantinopel unter dem Vorsitz des ökumenischen Patriarchen Meletios IV. ein Kongress der orthodoxen Kirchen, worunter in erster Linie die russische, die griechische, die serbische und die rumänische Kirche zu verstehen sind, um über diese Fragen zu diskutieren. Man beschloss, im Wesentlichen den gregorianischen Kalender zu übernehmen.[15] Die bestimmenden Daten Frühlingsanfang und erster Vollmond im Frühling sollten nicht vorausgesagt werden (zyklisch angegeben), sondern durch Beobachtung ermittelt werden (Beobachtungsort und Ortszeit: Jerusalem).

Der Beschluss wurde nicht verwirklicht, so kam es 1997 zu einem weiteren Versuch auf der Konferenz in Aleppo (Syrien), Ostern weltweit am gleichen Tage zu feiern. Die Umstellung sollte ab 2001 gelten, da in diesem Jahr die Osterfeste der West- und Ostkirchen zusammenfielen (15. April gregorianisch / 2. April julianisch). Eine Einigung scheiterte im Wesentlichen an Bedenken der Ostkirchen, denn ihr Osterdatum hätte sich sofort und teils erheblich verändert, wogegen in der Westkirche die neue Berechnung erst ab 2019 gegriffen und nur in wenigen Jahren zu einem neuen Ostertermin geführt hätte. Auch die in den Ostkirchen geltende Zusatzregel, dass Ostern immer nach dem jüdischen Pessach stattfinden muss, hätte aufgegeben werden müssen, da das westliche Osterfest wegen der auch im jüdischen Kalender vorhandenen Ungenauigkeiten heute öfters vor das jüdische Pessach fällt.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Nikolaus Bär: Das Datum des Osterfestes.
  2. a b Joseph Bach: Die Osterfest-Berechnung in alter und neuer Zeit.
  3. C. Philipp E. Nothaft: Dating the Passion. The Life of Jesus and the Emergence of Scientific Chronology (200-1600). Brill, Leiden 2012, S. 128-142, ISBN 978-90-04-21219-0. Digitalisat in der Google-Buchsuche
  4. a b Nikolaus Bär: Statistik der Osterdaten, Abschnitt: Ostern nach dem neuen Stil
  5. Marcus Gossler: Begriffswörterbuch der Chronologie und ihrer astronomischen Grundlagen. Graz 1985, S. 70; Nachum Dershowitz, Edward M. Reingold: Calendrical Calculations, Cambridge University Press 2008, S. 117: eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche-USA
  6. a b M.J. Montes. The Orthodox Ecclesiastical Calendar, Notes on the Orthodox Easter. [1]
  7. Heinz Zemanek: Kalender und Chronologie, Oldenbourg, 1990, ISBN 3-486-20927-2, S. 35 und S. 45.
  8. Grassl A.: Die Gauß’sche Osterregel und ihre Grundlagen. Sterne und Weltraum 4 (1993)
  9. Lichtenberg H.: Zur Interpretation der Gauß’schen Osterformel und ihrer Ausnahmeregeln. Historia Mathematica 24 (1997), S. 441–444.
  10. Jean Meeus: Astronomische Algorithmen; Verlag Johann Ambrosius Barth, Leipzig/Berlin/Heidelberg 1992; ISBN 3-335-00318-7; S. 81–83
  11. Harold Spencer Jones: General Astronomy; 1922; S. 73–74
  12. British Astronomical Association 88 (1977), S. 91;
  13. Siehe Wikibooks
  14. Bei Meeus S. 81–83 ist ein Druckfehler auf der Seite 81. Bei der Berechnung der Variablen „c“ fehlt in der Spalte Quotient die Variable „i“.
  15. Nikolaus Bär: Die Kalenderreform der Ostkirchen unter Das Datum des Osterfestes [2]