Ostfildern

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Ostfildern
Ostfildern
Deutschlandkarte, Position der Stadt Ostfildern hervorgehoben
48.7061111111119.2772222222222312Koordinaten: 48° 42′ N, 9° 17′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Esslingen
Höhe: 312 m ü. NHN
Fläche: 22,81 km²
Einwohner: 36.573 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 1603 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 73744–73760
Vorwahlen: 0711, 07158
Kfz-Kennzeichen: ES
Gemeindeschlüssel: 08 1 16 080
Stadtgliederung: 6 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Klosterhof 10
73760 Ostfildern
Webpräsenz: www.ostfildern.de
Oberbürgermeister: Christof Bolay (SPD)
Lage der Stadt Ostfildern im Landkreis Esslingen
Alb-Donau-Kreis Landkreis Böblingen Landkreis Göppingen Landkreis Ludwigsburg Landkreis Reutlingen Landkreis Tübingen Rems-Murr-Kreis Stuttgart Aichtal Aichwald Altbach Altdorf (Landkreis Esslingen) Altenriet Altenriet Baltmannsweiler Bempflingen Beuren (bei Nürtingen) Bissingen an der Teck Deizisau Denkendorf (Württemberg) Dettingen unter Teck Erkenbrechtsweiler Esslingen am Neckar Filderstadt Frickenhausen (Württemberg) Großbettlingen Hochdorf (bei Plochingen) Holzmaden Kirchheim unter Teck Köngen Kohlberg (Württemberg) Kohlberg (Württemberg) Leinfelden-Echterdingen Lenningen Lichtenwald Neckartailfingen Neckartenzlingen Neidlingen Neuffen Neuhausen auf den Fildern Notzingen Nürtingen Oberboihingen Ohmden Ostfildern Owen Plochingen Reichenbach an der Fils Schlaitdorf Unterensingen Weilheim an der Teck Wendlingen am Neckar Wernau (Neckar) WolfschlugenKarte
Über dieses Bild
Blick auf Ostfildern vom Flugzeug

Ostfildern ist eine Stadt in Baden-Württemberg, direkt südöstlich der Landeshauptstadt Stuttgart. Die erst 1975 im Rahmen der Gebietsreform entstandene Stadt hatte bei ihrer Gründung mehr als 20.000 Einwohner. Daher wurde sie zum 1. Juli 1976 zur Großen Kreisstadt erklärt. Heute ist sie nach Esslingen am Neckar, Filderstadt, Nürtingen, Kirchheim unter Teck und Leinfelden-Echterdingen die sechstgrößte Stadt des Landkreises Esslingen und gehört zum Mittelbereich Esslingen innerhalb des Oberzentrums Stuttgart.

Geografie[Bearbeiten]

Ostfildern liegt im Osten der Landschaft Filder, einer fruchtbaren Hochebene südlich von Stuttgart. Diese Lage gab der Stadt ihren Namen, der wortverwandt mit Gefilde ist. Im Süden der Gemarkung fließt die Körsch mit ihren nördlichen Nebenbächen dem Neckar entgegen.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Folgende Gemeinden grenzen an die Stadt Ostfildern. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Nordosten genannt: Esslingen am Neckar, Denkendorf, Neuhausen auf den Fildern (alle Landkreis Esslingen) sowie die kreisfreie Stadt Stuttgart.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Das Stadtgebiet Ostfildern besteht aus den vier Gemarkungen Kemnat, Nellingen, Ruit sowie Scharnhausen. Im Stadtgebiet gibt es die sechs Stadtteile Kemnat, Nellingen, Parksiedlung, Ruit, Scharnhausen und Scharnhauser Park.

Der Stadtteil Scharnhauser Park entstand erst in den 1990er Jahren. Bis März 2006 gab es nur vier Stadtteile, die Parksiedlung und der Scharnhauser Park gehörten zu Nellingen. Darüber hinaus gibt es weitere räumlich getrennte Wohnplätze mit eigenem Namen, die aber nur sehr wenige Einwohner haben. Hierzu gehören Stockhausen, die Neumühle und der Kemnater Hof in Kemnat sowie die Wörnitzhäuser Mühle in Nellingen.

Wappen Wappen Kemnat Wappen Nellingen Parksiedlung führt kein Wappen Wappen Ruit Wappen Scharnhausen Scharnhauser Park führt kein Wappen
Stadtteil Kemnat Nellingen Parksiedlung Ruit Scharnhausen Scharnhauser Park

Geschichte[Bearbeiten]

Die Stadt Ostfildern entstand am 1. Januar 1975 durch Zusammenschluss der ehemals selbständigen Gemeinden des Landkreises Esslingen Nellingen auf den Fildern, Ruit auf den Fildern, Kemnat und Scharnhausen zunächst unter dem Namen Gemeinde Ostfildern.

Mit Wirkung vom 1. Januar 1976 erhielt die neue Gemeinde das Stadtrecht und ein halbes Jahr später, zum 1. Juli 1976 wurde sie von der baden-württembergischen Landesregierung zur Großen Kreisstadt erklärt. Inzwischen wurde die ehemals von der US-Armee genutzte Kaserne Nellingen Barracks im Zentrum der Stadt neu besiedelt. Dadurch entstand der neue Stadtteil Scharnhauser Park.

  • Kemnat wurde 1229 als Kemnaten erstmals erwähnt. Der Name kommt von Keminaton, was so viel wie beheizbarer Wohnraum bedeutet. Der Ort war im Besitz der Klöster Bebenhausen und Denkendorf. Da Württemberg die Vogtei über beide Klöster ausübte, hatte Württemberg 1451 alle obrigkeitlichen Rechte über den Ort. 1449 wurde Kemnat im Städtekrieg niedergebrannt, doch danach wieder aufgebaut. Die Gemeinde gehörte zum Amt bzw. Amtsoberamt Stuttgart und kam 1938 zum Landkreis Esslingen.
  • Nellingen auf den Fildern wurde 1120 als Nallingen erstmals erwähnt. Der Ortsadel, die Edelfreien von Nellingen, legten durch eine Stiftung an das Kloster St. Blasien den Grundstein für die spätere Propstei, die durch das Kloster St. Blasien schließlich um 1250 gegründet wurde. Vermutlich übte bereits damals Württemberg die Vogtei über die Propstei aus, doch tauschte Württemberg erst 1649 die Vogtei gegen anderen Rechte St. Blasiens ein. Die Gemeinde gehörte zum Amt bzw. Amtsoberamt Stuttgart und kam 1810 zum Oberamt Esslingen, aus dem 1938 der Landkreis Esslingen hervorging.
  • Ruit auf den Fildern (seit 12. April 1967, vorher „Ruit“, davor „Ruith“) wurde 1173 als Rutte erstmals erwähnt. Der Name bedeutet so viel wie Rodung und wurde wohl von Nellingen aus angelegt. Mit Nellingen kam Ruit schon im 13. Jahrhundert an Württemberg und gehörte ab 1382 zur Vogtei Nellingen. Das Kloster St. Blasien hatte jedoch einige Güter in Ruit. 1519 wurde der Ort durch die Reichsstadt Esslingen eingeäschert, danach aber wieder aufgebaut. Die Gemeinde gehörte zum Amt bzw. Amtsoberamt Stuttgart und kam 1938 zum Landkreis Esslingen. Den Zusatz „auf den Fildern“ erhielt der Gemeindename am 12. April 1967.
  • Scharnhausen wurde 1242 als Husen erstmals erwähnt. Der spätere Zusatz Scharn kam wohl durch einen adligen Besitzer Scharre zur Unterscheidung von anderen Orten hinzu. Das Kloster St. Blasien hatte Güter im Ort. Nach den Scharre kamen die Melzener, dann Rüdiger von Staige. Württemberg hatte spätestens seit dem Erwerb der Vogtei Nellingen auch über Scharnhausen alle obrigkeitlichen Rechte. Ein Teil der Güter wurden jedoch zu Lehen ausgegeben. Die Gemeinde gehörte zum Amt beziehungsweise Amtsoberamt Stuttgart und kam 1938 zum Landkreis Esslingen.
  • Die Parksiedlung entstand ab 1956 auf dem Gelände des ehemaligen Königlichen Gestüts Weil. Sie ist seit 2006 ein eigenständiger Stadtteil.
  • Scharnhauser Park ist der jüngste Ostfilderner Stadtteil, ein 140 Hektar umfassendes Neubaugebiet auf einem ehemaligen Kasernengelände, Wohnort für 9.000 Menschen und Arbeitsstätte für 2.500 Menschen. Angelegt ist die seit den 90er Jahren entstehende Siedlung als Gartenstadt, bei der die Hälfte der Gesamtfläche bebaut wird. Kernelement ist eine 1,5 Kilometer lange und 40 Meter breite Landschaftstreppe, die in gerader Linie in Stufen nach Süden mit offenem Blick auf die Schwäbische Alb abfällt. Zu beiden Seiten gruppieren sich Wohnquartiere mit jeweils eigenem Gestaltungscharakter, durchzogen von Baumalleen, offen angelegt zur umgebenden Landschaft

2002 war Ostfildern Gastgeber der Landesgartenschau Baden-Württemberg, die im neuen Stadtteil Scharnhauser Park stattfand.

Religionen[Bearbeiten]

Die Bevölkerung der vier ehemaligen Gemeinden der heutigen Stadt Ostfildern gehörten ursprünglich zum Bistum Konstanz. Da die Orte politisch schon früh zu Württemberg gehörten, wurde auch hier ab 1535 durch Herzog Ulrich die Reformation eingeführt, daher waren sie über Jahrhunderte überwiegend protestantisch. In den vier Orten gibt es daher auch jeweils eine evangelische Kirchengemeinde mit einer Kirche. In Nellingen wurde infolge der Besiedelung in den 1950er Jahren im Stadtteil Parksiedlung eine eigene Pfarrei errichtet. 1968 wurde dort die Dietrich-Bonhoeffer-Kirche erbaut. Heute gehört zur Dietrich-Bonhoeffer-Kirche eine eigene Gemeinde, zu der auch die Protestanten des neuen Stadtteils Scharnhauser Park gehören. Die Kirchengemeinden in Nellingen und Scharnhausen gehörten früher zum Kirchenbezirk Esslingen, die beiden anderen (Ruit und Kemnat) zum Kirchenbezirk Degerloch. 1981 wurden alle fünf Kirchengemeinden im Stadtgebiet Ostfilderns dem neu gegründeten Kirchenbezirk Bernhausen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg zugeordnet.

Katholiken gibt es in Ostfildern erst wieder seit dem 20. Jahrhundert. In allen Stadtteilen wurden katholische Kirchen erbaut. In Kemnat entstand 1956 die Kirche St. Maria Königin. In Ruit wurde 1959/60 die katholische Kirche zur Hl. Monika gebaut, die 1972 zur Pfarrei erhoben wurde. Beide Gemeinden gehören zum Dekanat Stuttgart-Filder des Bistums Rottenburg-Stuttgart.

In Nellingen wurde 1959 die Kirche zur Heiligsten Dreifaltigkeit erbaut, die 1961 zur Pfarrei erhoben wurde. Zur Gemeinde gehören auch die Stadtteile Scharnhausen und Scharnhauser Park, doch gibt es in Scharnhausen seit 1965/65 eine eigene Kirche, die zunächst zur Pfarrei der Nachbargemeinde Neuhausen auf den Fildern gehörte. Die Kirchengemeinde Nellingen gehört zum Dekanat Esslingen-Nürtingen des Bistums Rottenburg-Stuttgart.

Die vatikanische Zeitung L’Osservatore Romano erscheint in ihrer deutschen Ausgabe im Schwabenverlag in Ostfildern.

Neben den beiden großen Kirchen gibt es in Ostfildern auch Freikirchen und Gemeinden, darunter die Evangelisch-methodistische Kirche (Versöhnungskirche) und die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, deren Süddeutscher Verband hier seinen Sitz hat. Auch die Neuapostolische Kirche ist in Ostfildern mit einer sehr modernen Kirche vertreten.

Seit 1994 gibt es in Ostfildern auch eine Moschee für die Bürgerinnen und Bürger muslimischen Glaubens. Im Jahr 2010 wurde die neue Moschee nach zweijähriger Umbauzeit in einem ehemaligen Gewerberaum eröffnet. Bestattungen nach muslimischem Ritus sind auf dem Friedhof Parksiedlung möglich.

Seit August 2009 ist das Bibelseminar Königsfeld in Ostfildern beheimatet[2].

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Diagramm der Einwohnerentwicklung

Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter (nur Hauptwohnsitze).

Jahr Einwohner
31. Dezember 1975 27.995
31. Dezember 1980 28.748
31. Dezember 1985 28.094
27. Mai 1987 ¹ 27.888
Jahr Einwohner
31. Dezember 1990 28.678
31. Dezember 1995 30.102
31. Dezember 2000 30.858
31. Dezember 2005 34.122
31. Dezember 2010 36.163

¹ Volkszählungsergebnis

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten]

An der Spitze der Stadt steht der von der Bevölkerung auf acht Jahre gewählte Oberbürgermeister. Er ist auch Vorsitzender des ebenfalls von der Bevölkerung auf fünf Jahre gewählten Gemeinderats. Er hat als allgemeinen Stellvertreter einen 1. Beigeordneten mit der Amtsbezeichnung Erster Bürgermeister und einen weiteren Beigeordneten mit der Amtsbezeichnung Bürgermeister.

Stadtoberhäupter seit Bildung der Stadt 1975:

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat in Ostfildern hat 26 Mitglieder. Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 führte zu folgendem vorläufigen Ergebnis[3]. Das amtliche Endergebnis wird vom Statistischen Landesamt gegen Ende des Jahres bekannt gegeben. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Oberbürgermeister als Vorsitzendem. Der Oberbürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Parteien und Wählergemeinschaften %
2014
Sitze
2014
%
2009
Sitze
2009
Kommunalwahl 2014
 %
40
30
20
10
0
30,17 %
24,58 %
20,82 %
21,29 %
3,14 %
n. k.
n. k.
n. k.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   4
   2
   0
  -2
  -4
+1,87 %p
+1,88 %p
+1,32 %p
+3,09 %p
-2,16 %p
-3,0 %p
-1,8 %p
-1,3 %p
FW Freie Wähler Ostfildern 30,17 8 28,3 8
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 24,58 6 22,7 6
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 20,82 5 19,5 6
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 21,29 6 18,2 5
FDP Freie Demokratische Partei 3,14 1 5,3 1
LINKE Die Linke 3,0 0
REP Die Republikaner 1,8 0
ÖDP Ökologisch-Demokratische Partei 1,3 0
gesamt 100,0 26 100,0 26
Wahlbeteiligung 48,64 % 52,6 %

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen der Stadt Ostfildern zeigt in von Silber und Rot geviertem Schild ein vierspeichiges, achtschaufliges, in den silbernen Feldern grün und in den roten Feldern golden tingiertes Mühlrad. Die Stadtflagge ist grün-weiß. Wappen und Flagge wurden durch das Regierungspräsidium Stuttgart am 23. November 1976 verliehen.

Der gevierte Schild war das Wappen der Herren von Nellingen, das später auch die gleichnamige Gemeinde führte. Zur Vogtei Nellingen gehörten auch die Orte Ruit und Scharnhausen. Das Mühlrad entstammt dem Kemnater Wappen, und die Farbgebung wurde dem Ruiter Wappen entlehnt. Im Körschtal gab es früher viele Mühlen; das Mühlrad soll die landwirtschaftliche Vergangenheit der heutigen Stadt symbolisieren.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Ostfildern unterhält mit folgenden Städten eine Städtepartnerschaft:

Freundschaften bestehen mit

Scharnhauser Park bei der Landesgartenschau 2002

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Museen[Bearbeiten]

  • Städtische Galerie Ostfildern im Stadthaus

Kultur[Bearbeiten]

Ostfildern besitzt vielfältige kulturelle Angebote im Musik- und Theaterbereich. Die bekannteste Theatergruppe der Stadt sind die Kulissenschieber. Im musikalischen Bereich besitzt die Stadt als eine der wenigen dieser Größenordnung ein eigenes Sinfonieorchester, die Filderharmonie. Für Veranstaltungen bietet das Zentrum an der Halle in Nellingen zwei Konzert- und Theatersäle, die 1989 auf dem Gelände des alten Straßenbahndepots in der Ortsmitte errichtet wurden. Sie bieten Platz für 150 bis 300 Zuschauer. Weitere Plätze für Kulturveranstaltungen sind das Kubino in Nellingen, der große Saal des Stadthauses im Scharnhauser Park, die Waldheimhalle und die Räume des Jugendhauses Zinsholz in Ruit sowie die Festhalle in Kemnat.

Bauwerke[Bearbeiten]

Ostfildern hat wenig historische Bauten. Im Stadtteil Nellingen sind noch einige Bauten des Klosterhofs erhalten und zwar die im 16. Jahrhundert erbaute Propstei (eines der Wahrzeichen der Stadt), das Alte Pfarrhaus von 1565 oder der Fruchtkasten mit Staffelgiebel. Die benachbarte evangelische St.-Blasius-Kirche ist die ehemalige Propsteikirche. Erhalten blieb der spätromanische achteckige Turm mit Zeltdach. Das Schiff wurde 1777 neu erbaut. In den anderen Stadtteilen wurden die alten Kirchen in den 1950er und 1960er Jahren abgebrochen und durch Neubauten ersetzt: in Kemnat 1963 (der Vorgängerbau stammte aus dem 13. Jahrhundert), in Ruit ebenfalls 1963 und in Scharnhausen bereits 1952/53. Hier gibt es aber noch ein Schloss, das 1784 im Auftrag von Herzog Carl Eugen von Württemberg als Lustschloss errichtet wurde.

Der seit den 1990er Jahren entstandene Scharnhauser Park wurde für Konzeption und Architektur vielfach ausgezeichnet. Preisgekrönt sind unter anderem die Backsteinschule von Arno Lederer, das Kinderhaus von Janson und Wolfrum sowie die Punkthäuser von Kohlhoff und Kohlhoff. Das Stadthaus des Berliner Architekten Jürgen Mayer Hermann erhielt im Rahmen des Mies-van-der-Rohe-Preises 2003 eine „besondere Anerkennung“. Für das Gesamtkonzept des neuen Stadtteils gewann Ostfildern den Deutschen Städtebaupreis 2006. Das Museum of Modern Art in New York hat die Pläne der Siedlung in seine Sammlung aufgenommen.

An neueren Bauwerken ist zudem das 1995 eingeweihte Körschtalviadukt erwähnenswert, das im Zuge der Ortsumgehung von Nellingen das Tal der Körsch überquert.

Die drei Mauern am Ortsausgang von Ruit in Richtung Kemnat

Der amerikanische Künstler Sol LeWitt errichtete 1992 zwischen den Ostfilderner Teilorten weiße Backsteinmauern: vier Gruppierungen mit einer bis vier Mauern. Sie sollen das Zusammenwachsen der (damals noch) vier Stadtteile symbolisieren. In Ruit finden sich die in der Bevölkerung teilweise umstrittenen Skulpturen an den Ortsausgängen Richtung Kemnat (Koordinaten48.7363589.238516) und Scharnhausen (Koordinaten48.722029.257479). Die anderen beiden stehen in Nellingen (Koordinaten48.7126069.290603) und Scharnhausen (Koordinaten48.7064159.239246).

Vereine[Bearbeiten]

Es gibt in Ostfildern mehrere Sportvereine mit überregionaler Bedeutung, unter anderem den TV Nellingen, den TB Ruit und den TSV Scharnhausen.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Mai: Nellinger Maitreff
  • August: Seit 2003 findet in Ostfildern das internationale Feuerwerksfestival Flammende Sterne statt. Jeweils im August treten die weltweit besten Pyrotechniker mit ihren Musikfeuerwerken gegeneinander an. Das dreitägige Festival bietet ein umfangreiches Rahmenprogramm und zieht jährlich zehntausende Besucher an.
  • Oktober: Ruiter Kirbe, Kemnater Kirbe und Nellinger Kirbe
  • Dezember: Weihnachtsmärkte in Nellingen (seit 1981), Ruit (seit 1985) und Scharnhausen (seit 1996)

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Im Süden des Stadtgebiets führt die Bundesautobahn 8 Stuttgart–Ulm vorbei. Über die Anschlussstelle Esslingen ist die Stadt direkt angebunden.

Südwestlich von Ostfildern befindet sich der Flughafen Stuttgart, dessen Start- und Landebahn im Osten zu einem kleinen Teil auf Scharnhauser Gemarkung liegt.

Seit 2000 hat Ostfildern einen Stadtbahnanschluss nach Stuttgart. Die Linie U7 der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) führt von der Station Mönchfeld über Hauptbahnhof und Fernsehturm durch die Stadtteile Ruit und Scharnhauser Park nach Nellingen. Montags bis Freitags verkehrt dreimal in der Stunde von 6 bis 20 Uhr auch die Linie U8 über Stuttgart-Möhringen bis Vaihingen Bahnhof. Ferner gibt es innerhalb des Stadtgebiets vier Buslinien der END Verkehrsgesellschaft (119, 120, 122, 131) und zwei der SSB (35, 73), die den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) bedienen. Alle Linien sind zu einheitlichen Preisen innerhalb des Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) zu benutzen.

Von 1926 bis 1978 war Nellingen durch die Straßenbahn Esslingen–Nellingen–Denkendorf mit der Kreisstadt per Schiene verbunden.

In Ostfildern gibt es sieben Haltestellen, die von folgenden Linien der Stadtbahn Stuttgart bedient werden:

  • U7 Mönchfeld – Hauptbahnhof – Ruhbank/Fernsehturm – Heumaden – Ostfildern
  • U8 Vaihingen – Möhringen – Degerloch – Ruhbank/Fernsehturm – Heumaden – Ostfildern

Medien[Bearbeiten]

Über das Tagesgeschehen Ostfilderns berichten als Tageszeitungen die Eßlinger Zeitung, die Stuttgarter Zeitung und die Stuttgarter Nachrichten.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Wirtschaftliche Bedeutung hat Ostfildern vor allem als Druck- und Verlagsstadt. Seit den 1960er Jahren hat sich der Wirtschaftsstandort Ostfildern zu einem Schwerpunkt des Druck- und Verlagswesens in der Region entwickelt. Namhafte Unternehmen wie etwa Baedeker-Verlag, Jan-Thorbecke-Verlag, MairDumont-Verlag (mit Falk-Verlag), Schwabenverlag, Verlag Deutscher Drucker, J.Fink Mediengruppe (mit Dr. Cantz'sche Druckerei und Hatje Cantz Verlag), Merkur-Druck Mayer haben ihren Sitz in Ostfildern.

Um die Großunternehmen der Druckindustrie hat sich ein „Cluster“ von innovativen Betrieben der Medienbranche angesiedelt. Viele davon haben sich in der Mediafaktur Filder zusammengeschlossen, dem hier gegründeten Innovations- und Kompetenzzentrum Medien der Region Stuttgart. Der Verband Druck und Medien Baden-Württemberg und das Bildungswerk der Druckindustrie haben ihren Sitz in Ostfildern.

Mit dem Softwarehersteller agorum Software GmbH hat auch ein Unternehmen aus der IT-Branche seinen Sitz in Ostfildern. Die Firma entwickelt und vertreibt das Open-Source Dokumentenmanagementsystem Agorum core. [4]

Darüber hinaus ist der Maschinenbau auch in Ostfildern, wie in der gesamten Region, stark vertreten. Als Beispiel ist die Gehring GmbH & Co. KG oder die Schopf Maschinenbau GmbH, ein Hersteller von Spezialfahrzeugen für die Luftfahrt (z. B. Flugzeugschlepper), Berg- und Tunnelbau zu nennen. Aus der Automatisierungstechnik ist die Pilz GmbH & Co. KG ansässig. In Ostfildern war bis 2006 mit Klein und Hummel eines der führenden Unternehmen für gehobenes Studio-Equipment ansässig.

Ebenso ist die Messtechnik-Branche in der Region führend. Novotechnik, mit Firmensitz in Ostfildern, ist wegweisend in der Weiterentwicklung der Messtechnik.

Seit dem Jahr 2003 ist die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) im Stadtteil Scharnhauser Park ansässig.

2014 baut Festo im Ortsteil Scharnhausen für 70 Millionen Euro eine Produktionsstätte mit Lernfabrik.[5]

Sportschule Ruit[Bearbeiten]

Die im Jahr 1948 unter dem Namen Jugend- und Sportleiterschule Ruit gegründete Sportschule, die heute offiziell Sport- und Jugendleiterschule Nellingen/Ruit heißt, ist ein Zentrum für Leistungs- und Spitzensport, für Ausbildung und Talentförderung. Besondere Bedeutung hat sie für den nationalen und internationalen Fußball. Zahlreiche ausländische Nationalmannschaften, die deutschen U15- bis U21-Nationalmannschaften sowie Bundesligavereine führen in der Sportschule Trainingslager durch. Die Schule ist Bundesstützpunkt im Trampolin, Außenstelle des Olympiastützpunktes Stuttgart und Landesleistungszentrum für den Boxsport. Sie dient als Trainingszentrum für Spitzensport im Gewichtheben, Basketball, Volleyball, Beach-Volleyball, American Football, Bogenschießen, Badminton und weiteren Sportarten. Das Angebot umfasst zudem eine Turntalentschule, ein Lehrkräftezentrum sowie Ausbildungskurse zum Erwerb der Fußball-Trainerlizenz.

Auf dem 16,5 Hektar großen, parkähnlichen Gelände befinden sich zahlreiche Sporthallen und Außenanlagen (Rasenplätze, Kunstrasenplatz, Minispielfeld), diverse Seminarräume und vier Unterkunftshäuser mit über 110 Ein- und Zweibettzimmer. Die Sport- und Jugendleiterschule arbeitet unter anderem mit dem Deutschen Olympischen Sportbund, dem Deutschen Fußballbund und dem Auswärtigen Amt zusammen. Mit 43.000 Übernachtungen pro Jahr ist sie eine der größten Sportschulen Deutschlands.

Bildung[Bearbeiten]

In Ostfildern gibt es zwei Gymnasien (Heinrich-Heine- und Otto-Hahn-Gymnasium), eine Realschule (Riegelhofschule Realschule Nellingen), zwei Grund- und Hauptschulen mit Werkrealschule (Erich-Kästner-Schule Nellingen und Schule im Park Scharnhauser Park), eine Förderschule (Lindenschule Parksiedlung) sowie Grundschulen in den Stadtteilen Nellingen (Klosterhofschule und Riegelhofschule Grundschule), Parksiedlung (Lindenschule), Ruit (Schillerschule und Justinus-Kerner-Schule), Kemnat (Pfingstweideschule) und Scharnhausen (Wasenäckerschule).

Mit der GARP hat ein großes überbetriebliches Ausbildungszentrum seinen Stammsitz in Ruit, der Sitz der Technischen Akademie Esslingen ist in Nellingen.

Ver- und Entsorgung[Bearbeiten]

Ostfildern bezieht sein Trinkwasser von den Stadtwerken Esslingen, der Filderwasserversorgung und der EnBW, die ihrerseits von der Bodensee-Wasserversorgung beliefert werden. Zur Reinigung des Abwassers betreibt die Stadt eine Kläranlage im Körschtal bei Nellingen; das Kemnater Abwasser wird der Kläranlage Plieningen zugeführt, die sich auf Kemnater Gemarkung befindet.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

38 Jahre nach ihrer Gründung hat die Stadt Ostfildern im Jahr 2013 zum ersten mal das Ehrenbürgerrecht verliehen. Vor 1975 wurde von zwei Stadtteilen – die damals ja noch selbständige Gemeinden waren – insgesamt drei Mal das Ehrenbürgerrecht verliehen:

  • 1930 Scharnhausen: Rudolf Schnell, Pfarrer (Ehrenbürgerrecht erloschen mit dem Tod 1932)
  • 1933 Scharnhausen: Wilhelm Murr, NSDAP-Gauleiter, 1933 Staatspräsident, dann bis 1945 Reichsstatthalter von Württemberg (erloschen 1945)
  • 1974 Kemnat: Otto Eiding, Bürgermeister (erloschen 1989)
  • 2013 Ostfildern: Herbert Rösch, Oberbürgermeister

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

bis 1975 (Gründung der Stadt/Gemeinde)

Geburts- Jahr, Tag Ort, Stadtteil Name Beruf
1792, 15. Januar Nellingen Gottfried Bossert württembergischer Oberamtmann
1919, 19. Dezember Kemnat Walter Schweizer Oberbürgermeister von Leinfelden-Echterdingen
1739, 25. November Scharnhausen Philipp Matthäus Hahn Pfarrer und Mechaniker
1787, 4. Februar Scharnhausen Karl Christian Wagenmann Chemiker und Fabrikant
1802, 20. Mai Scharnhausen Georg Friedrich Heinrich Rheinwald evangelischer Theologe und Kirchenhistoriker
1832, 23. Juli Scharnhausen Adolf Eduard Löflund württembergischer Oberamtmann
1925, 7. April Nellingen Hermann Kissling Kunsthistoriker
1967, 9. November Nellingen Thilo Rentschler Politiker (SPD) und Betriebswirt
1970, 26. Mai Ruit Ralph Bergmann Volleyball-Nationalspieler
1970, 20. Oktober Ruit Anna Katharina Hahn Schriftstellerin

seit 1975

Geburts- Jahr, Tag Name Beruf
1975, 7. Februar Matthias Landfried Tischtennistrainer
1976 Ivo Hentschel Dirigent und Pianist
1977, 5. September Danny Fresh deutscher Rapper
1980, 9. Februar Cassandra Steen deutsche Soulsängerin
1981, 21. Juli Stefan Schumacher Radrennfahrer
1985, 16. Oktober Manuel Späth deutscher Handball-Nationalspieler

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. http://www.lebendige-gemeinde.de/fileadmin/lg-online/data/zeitschrift/2010/juli2010.pdf Seite 20
  3. Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatOpen Source DMS, ECM, Dokumentenmanagement, Archivieren, Workflow: Impressum. Impressum der agorum Software GmbH, abgerufen am 15. Juni 2010.
  5. Martin-W. Buchenau: "Firmen müssen viel mehr zusammenarbeiten." handelblatt.com, 10. Juli 2014, abgerufen am 10. Juli 2014

Literatur[Bearbeiten]

  • Landesarchivdirektion Baden-Württemberg (Hrsg.): Das Land Baden-Württemberg – Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III Regierungsbezirk Stuttgart, Region Mittlerer Neckar Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2
  • Der Landkreis Esslingen – Hrsg. vom Landesarchiv Baden-Württemberg i. V. mit dem Landkreis Esslingen, Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern 2009, ISBN 978-3-7995-0842-1, Band 2, Seite 339.
  • Jochen Bender: Aus der Geschichte Ostfilderns Hrsg. von der Stadt Ostfildern, Ostfildern 2006, Ill., Kt.; (Schriftenreihe des Stadtarchivs Ostfildern; 7), keine ISBN, im Bestand der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ostfildern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Wikisource-logo.svg Wikisource. bietet die Beschreibungen der Stadtteile Kemnat, Ruit und Scharnhausen in der Beschreibung des Amtsoberamts Stuttgart von 1851