Ostheim (Nidderau)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

50.2251919645038.9106202125549135Koordinaten: 50° 13′ 31″ N, 8° 54′ 38″ O

Ostheim
Stadt Nidderau
Wappen der Gemeinde Ostheim von 1964 bis 1974
Höhe: 135 m ü. NN
Einwohner: 2967 (1970)
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 61130
Vorwahl: 06187
Fachwerkhäuser in Ostheim

Ostheim ist ein Stadtteil von Nidderau im Main-Kinzig-Kreis in Hessen.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Ostheim liegt am Südrand der Wetterau und am Fuß des Ronneburger Hügellandes, einem Ausläufer des Vogelsbergs, auf einer Höhe von 135 Metern über NN, etwa 10 km nördlich von Hanau.

Geschichte[Bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten]

Um 850 wurde der Ort als Ostheim erstmals in einem Verzeichnis als Schenkung an das Kloster Fulda erwähnt, 1016 als „in pago Wedereiba“(Gau Wetterau) liegend beschrieben.

Reinhard I. von Hanau erhielt es 1260 als Pfand und 1262 als Lehen zusammen mit dem benachbarten Windecken (Tezelnheim) vom Bistum Bamberg. Im späten Mittelalter gehörte Ostheim zum Amt Windecken der Herrschaft und ab 1429 Grafschaft Hanau, nach der Landesteilung von 1458 zur Grafschaft Hanau-Münzenberg.

1245 wird ein Priester genannt. Damals bestand also eine Kirche im Ort. Sie gehörte zum Erzbistum Mainz. Kirchliche Mittelbehörde war das Landkapitel Roßdorf. Bis 1488 gehörte auch Windecken zur Pfarrei Ostheim. Das Kirchenpatronat lag beim Bischof von Bamberg.

Der Ort war von einer Ringmauer umgeben und die Eingänge durch Tore gesichert. Daran erinnert heute noch der Straßenname „Eicher Tor“.

Historische Namensformen[Bearbeiten]

  • Ostheim (um 850)
  • Ostheim (1016)
  • Hostheim (1245)
  • Oestheim (1356)
  • Oystheim (1366)

Frühe Neuzeit[Bearbeiten]

In der Grafschaft Hanau-Münzenberg wurde Mitte des 16. Jahrhunderts nach und nach die Reformation eingeführt, zunächst im lutherischen Sinn. In einer „zweiten Reformation“ wurde die Konfession der Grafschaft erneut gewechselt: Graf Philipp Ludwig II. verfolgte ab 1597 eine entschieden reformierte Kirchenpolitik. Er machte vom Jus reformandi, seinem Recht als Landesherr Gebrauch, die Konfession seiner Untertanen zu bestimmen, und setzte die reformierte Variante der Reformation für seine Grafschaft weitgehend als verbindlich durch. Die Kirchengemeinde gehörte nun zum Dekanat Windecken.

Ostheim wurde im Dreißigjährigen Krieg stark zerstört. Die Chronik berichtet: „Ostheimb, alsda seint gewesen 1 Kirch 1 Rathhauß und ein Schulhauß neben 2 gemeinen Backheuser und 104 anderen Hofreiten und Wohnungen sampt zugehörigen Schewern und Stallungen. Davon seint im Brant verdorben durch Cardinals Infant Volck 83 Heuser und 80 Schewern“. Dies bezieht sich auf Ereignisse in der Zeit zwischen November 1634 und Januar 1635. Was danach noch stand, wurde im Mai 1635 von Kroaten niedergebrannt.

Mit dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., 1736, fiel Ostheim – zusammen mit der ganzen Grafschaft Hanau-Münzenberg – an die Landgrafschaft Hessen-Kassel, aus der 1803 das Kurfürstentum Hessen hervorging.

Am westlichen Ortsrand lag eine Mühle, auch „Mühle auf der Weide genannt“, am so genannten Mühlbach.

Neuzeit[Bearbeiten]

Während der napoleonischen Zeit stand Ostheim ab 1806 unter französischer Militärverwaltung, gehörte 1807-1810 zum Fürstentum Hanau und dann von 1810 bis 1813 zum Großherzogtum Frankfurt, Departement Hanau. Anschließend fiel es wieder an das Kurfürstentum Hessen zurück. In der Verwaltungsreform des Kurfürstentums Hessen von 1821, im Rahmen derer Kurhessen in vier Provinzen und 22 Kreise eingeteilt wurde, kam Ostheim zum neu gebildeten Landkreis Hanau. 1866 wurde das Kurfürstentum – und damit auch Ostheim – nach dem Deutsch-Österreichischen Krieg von Preußen annektiert. Es gehörte fortan zum Regierungsbezirk Kassel, bei dem es bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges blieb. Mit der Gründung des Landes Hessen wurde Ostheim mit den Kreisen Hanau, Gelnhausen und Schlüchtern dem Regierungsbezirk Wiesbaden angegliedert. Heute gehört Ostheim zum Regierungsbezirk Darmstadt, nachdem das Regierungspräsidium Wiesbaden aufgelöst worden war. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte Ostheim zum Land Hessen. Am 1. Juli 1974 wurde es im Zuge der Gebietsreform in Hessen durch Gesetz als letzte Gemeinde in die Stadt Nidderau eingemeindet.[1] Gleichzeitig entstand der neue Main-Kinzig-Kreis, dem die Stadt Nidderau seitdem angehört.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1632: 0091 Familien[2]
  • 1663: ca. 35 Familien[3]
  • 1707: ca. 82 Familien
  • 1753: 0127 Haushaltungen und eine jüdische mit zusammen 559 Personen
  • 1754: 0128 Familien, davon eine jüdischen Glaubens = 559 Einwohner
  • 1834: 1074 Einwohner[4]
  • 1840: 1181 Einwohner
  • 1846: 1190 Einwohner
  • 1852: 1132 Einwohner
  • 1858: 1103 Einwohner
  • 1864: 1066 Einwohner
  • 1871: 1052 Einwohner
  • 1875: 1052 Einwohner
  • 1885: 1137 Einwohner
  • 1895: 1138 Einwohner
  • 1905: 1306 Einwohner
  • 1910: 1393 Einwohner
  • 1925: 1482 Einwohner
  • 1939: 1617 Einwohner
  • 1946: 2291 Einwohner
  • 1950: 2222 Einwohner
  • 1956: 2245 Einwohner
  • 1961: 2481 Einwohner
  • 1967: 2922 Einwohner
  • 1970: 2967 Einwohner

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Wappens der früheren Gemeinde Ostheim lautet: In Gold drei rote Sparren, belegt mit einer silbernen Rose mit grünen Kelchblättern und roten Butzen

Die drei roten Sparren in Gold kennzeichnen die Zugehörigkeit von Ostheim zum Amt Windecken. Die Rose auf den Sparren ist sechsblättrig als Symbol der Himmelskönigin Maria. In dieser Form erscheint sie erstmals auf einem Ostheimer Gerichtssiegel des 17. Jahrhunderts. Die Genehmigung zur Führung des Wappens wurde der Gemeinde Ostheim am 19. Oktober 1964 von der Hessischen Landesregierung erteilt. [5]

Verkehr[Bearbeiten]

Durch die Stadt verläuft die Bahnstrecke Friedberg-Hanau, die hier den Haltepunkt Ostheim (Kr. Hanau) aufweist.

Teilweise drehen die Flugzeuge bei West-Wetterlage über Ostheim bei, um auf dem Flughafen Frankfurt am Main zu landen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilhelm Figge u.a.: Chronik der Gemeinde Ostheim. Ortenberg 1974.
  • Willi Klein: Zur Geschichte des Mühlenwesens im Main-Kinzig-Kreis = Hanauer Geschichtsblätter 40. Hanau 2003, S. 378f.
  • Heinrich Reimer: Historisches Ortslexikon für Kurhessen. Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 14, 1926 S. 363.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 367.
  2. In den Jahren 1632, 1707 und 1754 wurde in der Grafschaft Hanau die Zahl der Einwohner ermittelt. Die Zahlen sind hier wiedergegeben nach Erhard Bus: Die Folgen des großen Krieges – der Westen der Grafschaft Hanau-Münzenberg nach dem Westfälischen Frieden. In: Hanauer Geschichtsverein: Der Dreißigjährige Krieg in Hanau und Umgebung = Hanauer Geschichtsblätter 45 (2011), ISBN 978-3-935395-15-9 (formal falsche ISBN), S. 277–320 (289 ff.)
  3. Figge, S. 30.
  4. Hessisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen 1 = Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967. Wiesbaden 1968.
  5. Stadt Nidderau: Wappen