Ostre Bardo (Sępopol)

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Ostre Bardo
Ostre Bardo führt kein Wappen
Ostre Bardo (Polen)
Ostre Bardo
Ostre Bardo
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Landkreis: Bartoszyce
Gmina: Sępopol
Geographische Lage: 54° 21′ N, 20° 59′ O54.34520.987222222222Koordinaten: 54° 20′ 42″ N, 20° 59′ 14″ O
Einwohner:
Telefonvorwahl: (+48) 89
Kfz-Kennzeichen: NBA
Wirtschaft und Verkehr
Straße: SępopolStopki → Ostre Bardo
Schienenweg: kein Bahnanschluss
Nächster int. Flughafen: Danzig
Kaliningrad

Ostre Bardo (deutsch Klingenberg, Kreis Bartenstein) ist ein kleiner Ort in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren und gehört zur Stadt- und Landgemeinde Sępopol (Schippenbeil) im Powiat Bartoszycki (Kreis Bartenstein).

Geographische Lage[Bearbeiten]

Ostre Bardo liegt 16 Kilometer nordöstlich der Kreisstadt Bartoszyce (Bartenstein) und ist auf einer Nebenstraße von Sępopol (Schippenbeil) über Stopki (Stolzenfeld) zu erreichen. Die Straße endet in Ostre Bardo, zwei Kilometer vor der polnisch-russischen Staatsgrenze. Vor 1945 verlief sie weiter über das jetzt russische Rjabinino (Korwlack) und Tjomkino (Mertensdorf) bis nach Prawdinsk (Friedland (Ostpr.)). Eine Bahnanbindung gibt es nicht.

Geschichte[Bearbeiten]

Am 11. Juni 1874 wurde der damals Klingenberg genannte Ort Sitz und namensgebender Ort des neu errichteten Amtsbezirks Klingenberg[1], der bis 1927 zum Landkreis Friedland, danach bis 1945 zum Landkreis Bartenstein im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte. Am 30. Juni 1874 wurde aus dem zu Klingenberg gehörenden Vorwerk Neu Klingenberg nebst Amalienberg der neue Gutsbezirk Neu Klingenberg herausgegliedert.

Im Jahre 1910 zählte die Landgemeinde Klingenberg 71 und der Gutsbezirk Klingenberg 132 Einwohner[2]. Am 30. September 1928 schlossen sich die Landgemeinde Klingenberg und die Gutsbezirke Gostkow (russisch: Raskowo), Klingenberg und Neu Klingenberg zur neuen Landgemeinde Klingenberg zusammen, in der 1933 336 und 1939 bereits 495 Einwohner[3] registriert wurden. Kurz vor der letzten Zählung war auch die inzwischen neu formierte Gemeinde Pohiebels (sie läge heute auf russischem Staatsgebiet, ist jedoch nicht mehr existent) in die Gemeinde Klingenberg eingemeindet worden.

Infolge des Zweiten Weltkrieges kam Ostre Bardo mit dem südlich gelegenen Teil Ostpreußens zu Polen und erhielt die polnische Ortsbezeichnung „Ostre Bardo“. Der Ort gehört heute zur Stadt- und Landgemeinde (Gmina) Sępopol (Schippenbeil) im Powiat Bartoszycki in der Woiwodschaft Ermland-Masuren (1975 bis 1998 Woiwodschaft Allenstein) und ist Sitz eines Schulzenamtes.

Amtsbezirk Klingenberg[Bearbeiten]

Zwischen 1874 und 1945 war Klingenberg Amtsdorf des Amtsbezirkes Klingenberg, der anfangs von zwei Landgemeinden und drei Gutsbezirken gebildet wurde[4] und dessen Gebiet sich heute auf polnisches sowie russisches Gebiet erstreckt:

Name (bis 1945) Heutiger Name/Land Bemerkungen
Landgemeinden:
Klingenberg Ostre Bardo/Polen
Korwlack Rjabinino/Russland 1928 in die Landgemeinde Klingenberg eingegliedert
Gutsbezirke:
Gostkow Raskowo/Rusland 1928 in die Landgemeinde Klingenberg eingegliedert
Klingenberg Ostre Bardo/Polen 1928 in die Landgemeinde Klingenberg eingegliedert
Pohiebels --/Russland 1928 in eine Landgemeinde umgewandelt, 1939 in die
Gemeinde Klingenberg eingegliedert

Kirche[Bearbeiten]

Kirchengebäude[Bearbeiten]

Die Klingenberger Kirche stammt aus dem 16. Jahrhundert und wurde im 17. Jahrhundert umfassend renoviert. Bis 1945 war sie ein evangelisches Gotteshaus, wurde dann enteignet und dient heute der Griechisch-Katholischen Kirche als Gottesdienststätte.

Kirchengemeinde[Bearbeiten]

Klingenberg ist ein altes Kirchdorf und war seit der Reformation eine selbständige Kirchengemeinde. Allerdings war hier keine Pfarrstelle eingerichtet, sondern das Kirchspiel Klingenberg[5] war pfarramtlich mit Deutsch Wilten (heute russisch: Jermakowo) verbunden und gehörte zum Kirchenkreis Friedland (russisch: Prawdinsk), ab 1927 Kirchenkreis Bartenstein (polnisch: Bartoszyce) innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Zum Kirchspiel Klingenberg gehörten die - heute sowohl auf polnischem als auch auf russischem Staatsgebiet gelegenen - Orte: Amalienberg (PL), Gostkow, jetzt Raskowo (RUS), Klingenberg, jetzt: Ostre Bardo (PL), Korwlack, jetzt Rjabinino (RUS), Neu Klingenberg (PL) und Pohiebels (RUS).

Nach 1945 gab es aufgrund von Flucht und Vertreibung in Ostre Bardo kaum noch evangelische Kirchenglieder. Hier errichtete die Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche, die hier auf eine größere Zahl Gemeindeglieder ukrainischer Abstammung blicken kann, eine eigene Pfarrei, die zur Erzeparchie Przemyśl-Warschau gehört. In Ostre Bardo lebende evangelische Kirchenglieder sind heute der Kirchengemeinde in Bartoszyce (Bartenstein) zugeordnet, die eine Filialgemeinde der Pfarrei in Kętrzyn (Rastenburg) in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen ist.

Kirchenbücher[Bearbeiten]

Die noch vorhandenen Kirchenbuchunterlagen des Kirchspiels Klingenberg werden heute im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg aufbewahrt:[6]:

  • Taufen : 1712–1934
  • Trauungen : 1717–1944
  • Beerdigungen : 1717–1944
  • Konfirmationen : 1838–1943
  • Abendmahlsteilnehmer : 1767–1811 und 1892–1944.

Persönlichkeit des Ortes[Bearbeiten]

  • Miron Sycz (*3. Januar 1960 in Ostre Bardo), polnischer Politiker ukrainischer Nationalität

Verweise[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Rolf Jehke, Amtsbezirk Klingenberg
  2. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Friedland
  3. Michael Rademacher, Deutsch-österreichisches Ortsbuch, Landkreis Bartenstein
  4. Rolf Jehke, Amtsbezirk Klingenberg (wie oben)
  5. Ortsverzeichnis/Kirchspiele Bartenstein (wo allerdings fälschlicherweise "Preußisch Wilten" als Muttergemeinde genannt wird)
  6. Christa Stache, Verzeichnis der Kirchenbücher im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin, Teil 1: Die östlichen Kirchenprovinzen der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union, Berlin 1992³, Seite 33

Weblink[Bearbeiten]