Oswald Bayer

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Oswald Bayer (* 30. September 1939 in Nagold) ist lutherischer Theologe und lehrte zuletzt als Professor für Systematische Theologie an der Evangelisch-theologischen Fakultät der Eberhard Karls Universität Tübingen.

Leben[Bearbeiten]

Oswald Bayer studierte Evangelische Theologie und Philosophie in Tübingen, Bonn und Rom, wurde 1968 promoviert und habilitierte sich 1970 über den Begriff der promissio (Verheißung) in der Theologie des jungen Luther. Promotion und Habilitation wurden unter dem Titel Promissio. Geschichte der reformatorischen Wende in Luthers Theologie veröffentlicht und gelten heute positionenübergreifend als Meilenstein der Lutherforschung des 20. Jahrhunderts.

Oswald Bayer lehrte von 1974 bis 1979 als ordentlicher Professor für Systematische Theologie an der Ruhr-Universität Bochum. 1979 wurde er zum Leiter des Instituts für christliche Gesellschaftslehre an der Universität Tübingen berufen. 1995 wechselte er auf den Lehrstuhl für systematische Theologie. Seit 2005 ist Oswald Bayer Emeritus.

Werk[Bearbeiten]

Die Theologie Oswald Bayers orientiert sich an Luthers Wort- und Verheißungstheologie und will diese in kritischer Auseinandersetzung mit der Moderne profilieren. Zu diesem Zweck knüpft Bayer an die Aufklärungs- und Kantkritik Johann Georg Hamanns an, bezieht aber auch die sprachphilosophischen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts mit ein (z.B. Paul Ricoeur, Ludwig Wittgenstein). Er publizierte zahlreiche Interpretationen zu Luther und Hamann.

Im Zentrum der Theologie steht die Verheißung Gottes an den Menschen, auf die der Mensch im Glauben antwortet. Glaube ist daher bei Oswald Bayer immer Sprachgeschehen, Wechselrede zwischen Gott und Mensch. Das exemplarische Zentrum dieser Rede ist der christliche Gottesdienst, Ausgangs- und Zielpunkt aller Theologie. Christliche Theologie gilt somit als Auslegung dieses Sprachgeschehens zwischen dem rechtfertigenden Gott und dem gerechtfertigten Sünder. Dies ist für Bayer - in Anlehnung an Martin Luther - der Gegenstand der Theologie (das subiectum theologiae). Theologie, die dieses Wortgeschehen auslegt, ist selber immer auch Hörerin des Gotteswortes. Diesen systematischen Grundansatz entfaltet Oswald Bayer sowohl in den Bereichen der Hermeneutik, Wissenschaftstheorie, Gesellschaftslehre und Ethik, als auch in seinen Predigten. Letztere machte Bayer als Autor der Göttinger Predigten im Internet einer breiten Öffentlichkeit auch nach seiner Emeritierung zugänglich.

Seinen worttheologischen Ansatz wendet er pointiert gegen die moderne Subjektivitätstheologie in der Tradition Friedrich Daniel Ernst Schleiermachers, wie sie gegenwärtig z.B. in modifizierter Form Bayers Tübinger Kollege Eilert Herms vertritt. Darüber hinaus setzte sich Bayer auch mit anderen zeitgenössischen theologischen und philosophischen Strömungen (z.B. dem Marxismus) ausführlich auseinander.

Auswahlbibliographie[Bearbeiten]

  • Promissio. Geschichte der reformatorischen Wende in Luthers Theologie (2. Aufl. 1989)
  • Schöpfung als Anrede. Zu einer Hermeneutik der Schöpfung (2. Aufl. 1990)
  • Autorität und Kritik. Zu Hermeneutik und Wissenschaftstheorie (1991)
  • Leibliches Wort. Reformation und Neuzeit im Konflikt (1992)
  • Freiheit als Antwort. Zur theologischen Ethik (1995)
  • Zeitgenosse im Widerspruch. Johann Georg Hamann als radikaler Aufklärer (1988)
  • Theologie. Handbuch Systematischer Theologie 1 (1994)
  • Gott als Autor. Zu einer poietologischen Theologie (1999)
  • Vernunft ist Sprache. Hamanns Metakritik Kants (2002)
  • Martin Luthers Theologie. Eine Vergegenwärtigung (3. Aufl. 2007)
  • Bayer, Oswald u. Gleede, Benjamin (Hrsgg.): Creator est creatura. Luthers Christologie als Lehre von der Idiomenkommunikation, Berlin 2007

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]