Oswald Sigg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Oswald Sigg

Oswald Sigg (* 18. März 1944 in Zürich) war vom 1. August 2005 bis zum 31. März 2009 Vizekanzler und Bundesratssprecher (Regierungssprecher) der Schweizerischen Eidgenossenschaft.

Als Vizekanzler unterstützte Oswald Sigg die Bundeskanzlerin Corina Casanova. Innerhalb der Bundeskanzlei war er verantwortlich für den Bereich Information und Kommunikation, welcher die Sektionen Information und Kommunikation, Elektronischer Behördenverkehr und Eidgenössische Parlaments- und Zentralbibliothek umfasst. Sein Nachfolger ist seit dem 1. April 2009 André Simonazzi.[1]

Leben[Bearbeiten]

Oswald Sigg besuchte die Primar- und Sekundarschule in Zürich sowie die Handelsschule am Collège St-Michel in Freiburg. Es folgte das Studium der Soziologie, Volks- und Betriebswirtschaft an den Universitäten St. Gallen, Paris und Bern. Er promovierte 1978 am Forschungszentrum für schweizerische Politik an der Universität Bern mit einer Doktorarbeit über die Wirkungsweise der Volksinitiative.

Während des Studiums lancierte Sigg zusammen mit Felix Matthys, Marc-Roland Peter und Markus Rohr die eidgenössische Volksinitiative für Schulkoordination. Sie wurde 1969 eingereicht und 1972 vom Parlament in die Abstimmungsvorlage über die Bildungsartikel aufgenommen. Diese wurde 1973 mit dem Ständemehr verworfen.

Sigg begann seine berufliche Laufbahn als Stellvertretender Informationschef der Bundeskanzlei (1975–1980). Danach war er Informationschef des Eidgenössischen Finanzdepartements (1980–1984 unter Willi Ritschard, 1984–1988 unter Otto Stich).

In den Jahren 1988–1990 war Sigg Chefredaktor und Geschäftsleitungsmitglied der Schweizerischen Depeschenagentur, danach Unternehmenssprecher der Generaldirektion SRG (1991–1997).

1998 kehrte Sigg in den Bundesdienst zurück und arbeitete zunächst als Informationschef des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (1998–2000 unter Adolf Ogi, 2001–2004 unter Samuel Schmid), dann als Stabschef des Vorstehers des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (2004–2005 unter Moritz Leuenberger), bevor er schliesslich 2005 zum Vizekanzler und Bundesratssprecher (Regierungssprecher) ernannt wurde.

Am 31. März 2009 wurde Sigg pensioniert. Seither arbeitet er in der Redaktion des 1996 von Paul Ignaz Vogel begründeten sozialpolitischen Mediendienstes «Hälfte/Moitié» mit und amtiert gleichzeitig als Präsident des Vereins für soziale Gerechtigkeit, der den Mediendienst herausgibt. Als Mitglied des Stiftungsrats «Öffentlichkeit und Gesellschaft» ist Oswald Sigg auch im medienpolitischen Bereich tätig. Die Stiftung unterstützt die Finanzierung und Herausgabe der Jahrbücher «Qualität der Medien Schweiz Suisse Svizzera», die unter der Leitung von Prof. Kurt Imhof vom Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft an der Universität Zürich erarbeitet werden.

Oswald Sigg ist seit 1973 Mitglied der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz und der Gewerkschaft Comedia und seit 2009 Mitglied des Zentralvorstands der Helvetas sowie Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Oswald Sigg ist Mitglied des Initiativkomitees der Eidgenössischen Volksinitiative «Für ein bedingungsloses Grundeinkommen».

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten]

  • Die eidgenössischen Volksinitiativen 1892 – 1939, Francke Verlag Bern 1978
  • Die politischen Institutionen der Schweiz, Pro Helvetia Zürich 1982 (Ausgaben in französischer, italienischer und englischer Sprache)
  • Die politische Schweiz, Pro Helvetia Zürich 1996 (Ausgaben in französischer, italienischer, englischer, polnischer, arabischer und chinesischer Sprache)
  • Kochbuch für alle Fälle, Edition Wasserwerk Bern-Matte 2010
  • Die käufliche Schweiz, Nagel & Kimche Zürich 2011 (mit Viktor Parma) ISBN 978-3-312-00484-3
  • Koch- und Lesebuch für alle Fälle, Edition Wasserwerk Bern-Matte 2014 ISBN 978-3-033-04309-1

Herausgeber[Bearbeiten]

  • Christian Fehr, Willi Ritschard Arbeiter – Gewerkschafter – Sozialdemokrat – Bundesrat, Edition Gutenberg Hägendorf 1983 (mit Peter Hablützel, Walo Landolf, Bruno Muralt, Ferdinand Troxler)
  • Georges Wüthrich und André Häfliger, Dölf Ogi So wa(h)r es!, Schweizer Illustrierte/Weltbild Olten 2012 (mit Jürg Stüssi-Lauterburg)

Buchbeiträge[Bearbeiten]

  • Die andere Kultur, in: Die Schweiz, Jahrbuch der NHG 1972
  • Die Parteien in der Schweiz – Habenichtse im Machtkonzert, in: Christian Fehr, Heil Dir Helvetia, Edition Gutenberg Hägendorf 1984
  • Öffentliche Gunst, veröffentlichte Ungunst, in: Peter Graf und Jean-Noël Rey, Otto Stich und die Kunst des Möglichen, Zytglogge-Verlag Gümligen 1987
  • Politischer Kult oder politische Kultur? Ein Plädoyer für die Volksinitiative, in: Die Schweiz - Aufbruch aus der Verspätung, Weltwoche-Verlag Zürich 1991
  • Bilder einer Bundesrätin. Zur öffentlichen Wahrnehmung von Ruth Dreifuss, in: Isabella Maria Fischli, „Dreifuss ist unser Name“ Eine Politikerin, eine Familie, ein Land, Pendo Verlag Zürich München 2002
  • Der sechste Bundesrat, Geleitwort in: Otto Stich Ich blieb einfach einfach, Autobiografie, Schwabe Verlag Johannes Petri Basel 2011
  • Der schweizerische Stimmbürger im Bundesratszimmer, in: Abstimmungskampagnen, Politikvermittlung in der Referendumsdemokratie, hgg. von Heike Scholten und Klaus Kamps, Springer Fachmedien Wiesbaden 2014

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Schweizerische Bundeskanzlei