Otalgie

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Klassifikation nach ICD-10
H92.0 Otalgie
ICD-10 online (WHO-Version 2013)
Anatomie des Ohres
1 - Schädel
2 - Äußerer Gehörgang
3 - Ohrmuschel
4 - Trommelfell
5 - Fenestra ovalis
6 - Hammer
7 - Amboss
8 - Steigbügel
9 - Labyrinth
10 - Schnecke (Cochlea)
11 - Hörnerv
12 - Eustachi-Röhre

Als Otalgie (griech. οὦς (oōs), Gen. ὠτός (ōtos), Ohr und griech. ἄλγος (álgos) Schmerz) bezeichnet man in der Medizin Ohrenschmerzen verschiedener – auch unbekannter − Ursache. Die Otalgie ist das Leitsymptom aller entzündlichen Erkrankungen des Mittelohrs und des äußeren Ohres. Man unterscheidet zwischen primärer und sekundärer Otalgie. Ohrenschmerzen werden durch den Plexus tympanicus über den Nervus glossopharyngeus vermittelt. Auch der Nervus vagus ist in Trommelfellnähe beteiligt.[1]

Primäre Otalgie[Bearbeiten]

Primäre Otalgien entstehen durch Erkrankungen oder Verletzungen des Ohres.

Otitis media[Bearbeiten]

Unter einer Otitis media versteht man die Mittelohrentzündung, die wiederum in die Akute Mittelohrentzündung und die Chronische Mittelohrentzündung unterteilt wird.

Otitis media acuta[Bearbeiten]

Die akute Mittelohrentzündung kann serös oder eitrig verlaufen. Es handelt sich um eine schmerzhafte, in der Regel durch virale oder bakterielle Infektion verursachte Entzündung der Schleimhäute des Mittelohrs.

Klinisch wird die akute Mittelohrentzündung mit den Sonderformen Scharlach-Otitis, Masern-Otitis und Grippe-Otitis von der chronischen Mittelohrentzündung (Otitis media chronica) unterschieden.

Hauptartikel: Akute Mittelohrentzündung

Mastoiditis[Bearbeiten]

Die Mastoiditis ist eine Komplikation der akuten Mittelohrentzündung, die ebenfalls Otalgien hervorruft. Unter einer Mastoiditis versteht man eine akute Entzündung im Warzenfortsatz (Processus mastoideus) des Schläfenbeines mit Knocheneinschmelzung.

Hauptartikel: Mastoiditis

Gradenigo-Syndrom[Bearbeiten]

Hauptartikel: Gradenigo-Syndrom

Das Gradenigo-Syndrom (Syn. Lannois-Gradenigo-Syndrom, Pyramidenspitzensyndrom, englisch Gradenigo's triad) ist Folge einer infektiösen Entzündung der Zellen der Felsenbeinpyramide (Petrositis). Das Syndrom ist eine seltene Komplikation der akuten Mittelohrentzündung.

Chronische eitrige Otitis media[Bearbeiten]

Otitis externa[Bearbeiten]

Die Otitis externa (lat. „Außenohrentzündung“) ist eine Entzündung des äußeren Ohres, vor allem des äußeren Gehörganges, in weiterem Sinne auch der Ohrmuschel. Einer Phlegmone, bzw. dem Gehörgangsekzem des Gehörganges (Otitis externa diffusa) wird der Gehörgangsfurunkel (Otitis externa circumscripta) gegenübergestellt. Eine besonders schwere Form der Gehörgangsentzündung ist die Otitis externa maligna (progredient nekrotisierende Otitis).

Hauptartikel: Otitis externa

Seromukotympanon[Bearbeiten]

Das Seromukotympanon entsteht aus einer Ansammlung nicht eitriger Flüssigkeit unterschiedlicher Viskosität in den Mittelohrräumen infolge einer Tubenfunktionsstörung, beispielsweise durch den Verschluss der Tube durch ein Adenoid.[2]

Hauptartikel: Paukenerguss

Sekundäre Otalgie[Bearbeiten]

Bei einer sekundären Otalgie kann es sich um Schmerzen handeln, die über sensorische Fasern des Nervus trigeminus, Nervus facialis, Nervus glossopharyngeus, Nervus vagus sowie der zweiten und dritten Zervikalwurzel (C2, C3 der Halswirbelsäule) in die Ohrregion fortgeleitet werden.[2]

Perichondritis[Bearbeiten]

Als Ohrmuschelperichondritis wird eine Entzündung der Knorpelhaut der Ohrmuschel bezeichnet, die Ohrenschmerzen verursacht.

Hauptartikel: Perichondritis

Traumata[Bearbeiten]

Trommelfellverletzung[Bearbeiten]

Mit harten Gegenständen kann eine direkte Verletzung (Perforation) des Trommelfells entstehen, die mit eine Otalgie einher geht. Die Verletzung kann durch einen Schlag aufs Ohr oder eine Explosion entstehen, wodurch eine indirekte Trommelfellzerreißung (Ruptur) resultiert. Auch eine Mittelohrentzündung, ein Barotrauma oder ein Schädelbruch können eine Verletzung des Trommelfells bewirken.

Hauptartikel: Trommelfell

Schädelbasisfraktur[Bearbeiten]

Ein Schädelbasisbruch entsteht durch eine starke Gewalteinwirkung im Kopfbereich und ist eine lebensbedrohliche Verletzung. Eine Otalgie kann vor allem durch die otobasale (Ohr und Schädelbasis) oder laterobasale Fraktur entstehen.

Hauptartikel: Schädelbasisfraktur

Peritonsillarabszess[Bearbeiten]

Bei einem Peritonsillarabszess handelt es sich um eine Abszessbildung zwischen der Gaumenmandel und dem Musculus constrictor pharyngis. Er kann als Komplikation einer Angina lacunaris auftreten. Die Patienten haben eine kloßige Sprache und klagen über stechende Ohrenschmerzen.

Hauptartikel: Peritonsillarabszess

Neuralgien[Bearbeiten]

Zoster oticus[Bearbeiten]

Zoster oticus bezeichnet einen Befall des Gehörgangs und/oder der Ohrmuschel durch das Varizella-Zoster-Virus (VZV), auch als Humanes-Herpes-Virus-3 (HHV-3) bezeichnet („Gürtelrose“), das eine Otalgie auslöst.

Trigeminusneuralgie[Bearbeiten]

Hauptartikel: Trigeminusneuralgie

Die Trigeminusneuralgie ist ein extrem schmerzhafter Reizungszustand des fünften Hirnnerven, des Nervus trigeminus, der das Gesicht und den Kopfbereich mit drei Ästen, dem Augenast, dem Oberkieferast und dem Unterkieferast versorgt und auch eine Otalgie auslösen kann.

Neuralgien des Nervus auriculotemporalis

Psychosomatische Otalgie[Bearbeiten]

Psychogene Otalgien können nach Ausschluss somatischer Ursachen Teil einer Depression und/oder Somatisierungsstörung sein. In einer Untersuchung von Minnigerode beklagen 17% depressiver Patienten Kopf- und Ohrenschmerzen mit Schwindel und Tinnitus.[3]

Tumoren[Bearbeiten]

Hypopharynxkarzinom[Bearbeiten]

Hauptartikel: Hypopharynxkarzinom

Die Symptome eines Hypopharynxkarzinoms sind meist uncharakteristisch. Beispielsweise unklare Schluckbeschwerden, Globussyndrom, übler Mundgeruch oder ein „Kratzen im Hals“. Diese Beschwerden können allerdings auch viele andere Ursachen haben. Spätsymptome sind Schluckunfähigkeit, Spucken von Blut, bis in die Ohren ausstrahlende Schmerzen und Halslymphknotenmetastasen.[4]

Kiefergelenksarthropathie[Bearbeiten]

Kraniomandibuläre Dysfunktion (Craniomandibuläre Dysfunktion, CMD) ist ein Überbegriff für strukturelle, funktionelle, biochemische und psychische Fehlregulationen der Muskel- oder Gelenkfunktion der Kiefergelenke. Diese Fehlregulationen können schmerzhaft sein. Aus diesem Befund resultieren die Diagnosen Okklusopathie, Myopathie und Arthopathie.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. H. Beck et. al., AINS Schmerztherapie, Thieme Verlag; 1., Auflage (2002) ISBN 3-13-114881-0
  2. a b Leitlinie Nr. 7, Ohrenschmerzen (PDF; 984 kB) der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin
  3. F. Ye, X. Li, Q. Lu: [Symptoms of depressive state in otolaryngology]. In: Zhonghua er bi yan hou ke za zhi. Band 32, Nummer 2, April 1997, S. 121–123, ISSN 0412-3948. PMID 10743145.
  4. Uniklinik Heidelberg, Bösartige Erkrankungen des Kopf-Hals-Bereiches
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