Otniël

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Othniel bei Guillaume Rouillé, Promptuarii Iconum Insigniorum (16. Jahrhundert)
Die Richter Israels
Buch der Richter

1. Buch Samuel

Otniël, Otniel oder Othniel (hebräisch ‏עתניאל‎) gehört zu den Richtergestalten des Tanach bzw. des Alten Testaments.

Biblischer Kontext[Bearbeiten]

Die Erzählung um Otniël findet sich in Ri 3,7-11 LUT, und somit ist Otniël die erste Richtergestalt des Alten Testamentes. Daneben findet sich eine Erwähnung Otniëls auch in Jos 15,17 LUT und Ri 1,13 LUT im Zusammenhang mit Eroberungszügen. Im Zusammenhang mit einer Genealogie findet sich Otniël in 1 Chr 4,13 LUT und 1 Chr 27,15 LUT. In allen Fällen wird der Bezug zu seinem Vater Kenan und dessen Bruder Kaleb hergestellt.

Im Zusammenhang des Berichts von der Landnahme Kanaans (Jos. 15,16-19 = Ri. 1,12-15) wird erzählt, wie Kaleb dem Eroberer der Stadt Kirjat-Sefer seine Tochter Achsa verspricht. Otniël erobert die Stadt und erhält Achsa zur Frau. Da ihm jedoch nur "dürres Südland" zugeteilt ist, verlangt sie von ihrem Vater ein fruchtbareres Landstück als Mitgift.[1] Im Richterbuch wird Otniël in diesem Zusammenhang als Judäer bezeichnet. Damit ist er der einzige aus dem späteren Südreich Juda stammende Richter.

Als Richter fungiert Otniël in einem spezifischen Schema, welches das gesamte Buch der Richter durchzieht. Dem Abfall von JHWH (Jahwe) an die Fremdgötter folgen die Strafe JHWHs in Form einer Bedrohung durch ein feindliches Nachbarvolk, der Hilferuf des unterdrückten Volkes zu JHWH und die Erwählung eines Retters (genannt Richter) durch JHWH, der das Volk Israel retten soll. Im Falle Otniëls handelt es sich bei dem Feind um Kuschan-Rischatajim. Nach achtjährigem Frondienst erwählt JHWH Otniël zum Retter, der schließlich die Fremdmacht besiegen kann. Entsprechend dem Schema des Richterbuches folgt jetzt eine Friedenszeit, die hier vierzig Jahre lang andauert, in der das Volk die Treue zu seinem Gott JHWH wahrt. Die Erzählung von Otniël endet schlicht mit der Notiz seines Todes.

Historische Einordnung[Bearbeiten]

Otniëls Feind in Ri 3,7-11 LUT Kuschan-Rischatajim (‏כושן רשעתים‎ = "Kuschan der doppelten Bosheit"), ein König im Euphratgebiet (‏ארם נהרים‎),[2] lässt sich mit keiner bekannten historischen Herrscherfigur verbinden. Zusammen mit der schematischen Darstellung der Richtererzählung lässt sich annehmen, dass diese im Rahmen des Deuteronomistischen Geschichtswerks entstand. Die aus dem Landnahmebericht entnommene Figur des Otniël wird darin den Berichten über die aus dem Nordreich Israel stammenden übrigen Richtern vorangestellt.[3]

Wirkungsgeschichte[Bearbeiten]

Erwähnt wird Otniël im 3. Jahrhundert bei Rabbi Abbahu, der ihn für seine Aufrichtung der Halacha lobt.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nach dem hebräischen Text ist die handelnde Person Achsa. Martin Luthers Übersetzung folgt der Septuaginta.
  2. Martin Luther übersetzte hier Mesopotamien und folgt damit der Übersetzung der Septuaginta.
  3. Heinz-Dieter Neef: Otniel. In: Michaela Bauks, Klaus Koenen, Stefan Alkier (Hrsg.): Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet (WiBiLex), Stuttgart 2006 ff.
Vorgänger Amt Nachfolger
Josua Richter Ehud