Ottenbach ZH

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ZH ist das Kürzel für den Kanton Zürich in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Ottenbachf zu vermeiden.
Ottenbach
Wappen von Ottenbach
Staat: Schweiz
Kanton: Zürich (ZH)
Bezirk: Affolternw
BFS-Nr.: 0011i1f3f4
Postleitzahl: 8913
Koordinaten: 673048 / 23720147.2816598.404164409Koordinaten: 47° 16′ 54″ N, 8° 24′ 15″ O; CH1903: 673048 / 237201
Höhe: 409 m ü. M.
Fläche: 4.98 km²
Einwohner: 2483 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 499 Einw. pro km²
Website: www.ottenbach.ch
Reformierte Kirche, 1234 erwähnt

Reformierte Kirche, 1234 erwähnt

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Ottenbach ist eine politische Gemeinde im Bezirk Affoltern des Kantons Zürich in der Schweiz.

Wappen[Bearbeiten]

Wappen von Ottenbach ZH
Blasonierung:

„In Silber ein stehender schwarzer Hahn mit rotem Kamm, roten Halslappen und Füssen.“

Beschreibung:

Das Wappen stammt vermutlich von einem gleichnamigen Adelsgeschlecht und wurde erstmals 1493 in der Chronik von Gerold Edlibach erwähnt. Das Wappen ist auf einem Glasgemälde eines Kirchenfensters von 1551 festgehalten, das sich seit 1897 im Schweizerischen Landesmuseum in Zürich befindet. Seit 1928 ist der Ottenbacher Güggel das offizielle Gemeindewappen.

Geografie[Bearbeiten]

Ottenbach liegt im Reusstal. Die Reuss bildet sowohl die westliche Gemeindegrenze als auch die Grenze zum Kanton Aargau. Die Gemeinde ist je 15 Kilometer (Luftdistanz) von Zürich und Zug entfernt. Die Nachbargemeinden sind Obfelden, Affoltern am Albis, Jonen und Aristau.

Das Dorf zieht sich in West-Ost-Richtung vom Reussufer mit 388 m ü. M. zum Isenberg auf 533 m ü. M. hinauf. Das Gemeindegebiet ist 498 Hektar gross, davon sind 21 % bewaldet. Das unter Naturschutz stehende Flussufer wird als Naherholungsgebiet genutzt. Zum Gemeindegebiet gehört ausserdem der Weiler Rickenbach bei Ottenbach.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Ottenbachs Einwohnerzahl betrug 2320 Personen im Dezember 2008. Der Ausländeranteil lag im Jahr 2000 bei 6,98 %. Im selben Jahr bezeichneten sich 1202 Personen als reformiert, 610 als katholisch, 80 hatten eine andere Konfession, und 272 waren konfessionslos.

Zwischen 1900 und 1980 stieg die Einwohnerzahl lediglich von 1107 auf 1389 Personen, während sie im nachfolgenden Jahrzehnt auf 2038 (1990) anwuchs. Das starke Bevölkerungswachstum in den 1980er Jahren ging mit dem Bau vieler neuer Einfamilienhaussiedlungen vor allem im oberen Dorfteil einher. Ab 1990 stagnierte die Zahl bei gut 2000 Einwohnern. Seit 2005 steigt sie infolge erneut erhöhter Bautätigkeit wieder etwas an.

Geschichte[Bearbeiten]

Ein bronzezeitlicher Grabhügel im Lanzen, ein römischer Gutshof am Isenberg und ein Gräberfeld aus der Völkerwanderungszeit in der Steinern deuten auf einzelne prähistorische Siedlungen. Eine dichtere Besiedlung auf dem Gebiet des späteren Ottenbach entstand vermutlich bereits während der Völkerwanderungszeit mit drei Fronhöfen. Jede Familie in Ottenbach gehörte zu einem der Fronhöfe.

Ottenbach wurde in einer Urkunde des Klosters St. Gallen vom 18. August 831 erstmals als Marcha Hotumbacharia (bedeutet: Ottenbacher March) erwähnt. Im Karolingerreich war es Grenzposten zwischen dem Thurgau (inklusive St. Gallen) und dem Aargau. Die lautliche Gestalt der Erstnennung deutet darauf hin, dass der zu Grunde liegende Personenname kein männlicher Otto/Hotto oder Ottun/Hottun war (das hätte über althochdeutsch Ottin bah ein umgelautetes Öttenbach bzw. über althochdeutsch Ottunes bah ein modernes Ottensbach oder Ottesbach ergeben müssen), sondern eine weibliche Hotta oder Otta (althochdeutsch Hottun bah), was in einer sonst sehr maskulinen Ortsnamenlandschaft eine bemerkenswerte Ausnahme darstellt.[2]

Hochmittelalter[Bearbeiten]

1027/1028 schenkte Gräfin Ida von Habsburg dem Kloster Muri Besitzungen in Ottenbach. Im Jahr 1169 tauchte der Name Arnoldus de Ottonbac auf, 1255 Hottenbach und 1278 schliesslich Ottenbach. 1226 wurde der erste Pfarrer, 1234 die erste Kirche in Ottenbach erwähnt Zwei Fronhöfe gelangen aus dem Besitz des Ritters Walther von Liela 1242 und des Edlen Johannes von Schnabelburg 1267 in den Besitz des Klosters Kappel.

Spätmittelalter und Neuzeit[Bearbeiten]

Gasthof Post und Engel, Weinschenke seit 1422
Bauarbeiten neue Reussbrücke 1955, im Hintergrund Brücke von 1864

Das Dorf löste die Fronhöfe als Organisationseinheit ab und ermöglichte ein einheitliches Recht für alle Dorfbewohner. 1406 erwarb die Stadt Zürich die Vogtei Maschwanden. Ottenbach fiel damit in den Machtbereich der Stadt Zürich. 1485 wurde die heutige Kirche im spätgotischen Stil erweitert. Dabei sollen Steine eines römischen Isistempels auf dem Isenberg verwendet worden sein. Ab 1519 führte Pfarrer Johannes Klinger die Reformation in Ottenbach durch. Er fiel – wie Zwingli – 1531 in der Schlacht bei Kappel. Die erste Schule wurde 1593 von der Stadt Zürich gestiftet, 1661 wurde das erste Ottenbacher Schulhaus gebaut. Das Dorf wurde im 18. Jahrhundert mehrmals von schweren Bränden verwüstet. 1753 gab es einen grossen Dorfbrand, bei dem 22 Häuser und 16 Scheunen nieder brannten.

Im Jahr 1799 – während der Helvetik – wurde in Ottenbach die politische Gemeinde eingeführt. 1847 spalteten sich die fünf Weiler ob dem Feld von Ottenbach ab und gründeten die neue Gemeinde Obfelden. 1864 wurde die erste Brücke über die Reuss gebaut; die heutige Brücke stammt aus dem Jahr 1955.

Anfang des 20. Jahrhunderts wanderten viele Bauern wegen dem Berner Erbrecht (Minorat) ins Säuliamt aus, wo sie Höfe von Bauern kauften, die finanziell vor dem Ruin standen (verlumpet waren). Einige Gondiswiler Bauern zogen nach Ottenbach.[3]

Alte Geschlechter und Zunamen[Bearbeiten]

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts hiessen die Mehrzahl der Ottenbacher Familien Berli, Gut, Häberling, Hegetschweiler, Hofstetter, Leutert, Sidler, Schneebeli. Auch die geläufigen Vornamen wiederholten sich oft. Es gab zwar Flurnamen, aber die meisten Strassen und Wege hatten keine Namen und die Gebäude nur ungeordnete Assekuranznummern. Man half sich deshalb mit Zunamen, um zu wissen, wer gemeint war.

Die Zunamen richteten sich nach dem Wohnort/Flurnamen (Gibel, Grund, Hobacher, Högerli, Lanzen, Marxen, Ölberg, Schüracher, Staubetenbaum, Steinhof, Steinern, Stüdler, Tobel), Berufen (Chüefer, Chuttlemetzger, Deger/Apotheker, Exerzierers, Forschters, Füürhauptme, Sigristen, Gmeindschreiber, Rasierer, Haarschneider, Richters, Sagi, Sattler, Schmids, Schnider, Söihirte, Statthalter, Wirts) oder nach Vornamen/Namen eines Vorfahren (Bönis, Chäpper, Chueris, Fanis, Hans-Chaschpers, Hansuelis, Lieni, Melcher, Othlis, Ruedels, Salomons, Saltes, Sares, Töfels, Uechis, Ursis)[3].

Politik[Bearbeiten]

Parteistärken bei den Nationalratswahlen 2007:

  • SVP: 33,2 % (2003: 33,4 %)
  • SP: 19,72 % (25,7 %)
  • FDP: 15,04 % (19,9 %)
  • Grüne: 8,7 % (7,4 %)
  • CVP: 7,22 % (4 %)
  • glp: 5,64 % (–)
  • EVP: 2,87 % (3,6 %)
  • andere: 7,81 % (6 %)

Gemeindepräsidentin ist seit 2014 Gabriela Noser Fanger (parteilos).

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Ottenbach ist eine typische Wohngemeinde. Von den 891 Wohnungen 2003 waren 53,08 % in Einfamilienhäusern untergebracht. Dies ist der höchste Anteil im Bezirk Affoltern. 76 % der Erwerbstätigen arbeiten ausserhalb der Gemeinde.

Ottenbach war während Jahrhunderten ein Bauerndorf, das von Viehzucht, Acker- und Obstbau (früher auch Rebbau) lebte. Im 19. Jahrhundert kam die Textilindustrie dazu. 1869–1871 wurde am Reusskanal anstelle der Mühle eine Seidenweberei gebaut. Die Wasserkraftanlage der Mühle wurde für die Textilfabrik gebraucht.

Um 1920 gab es folgende Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe: 2 Metzgereien, 1 Kuttlerei, 3 Bäckereien, 3 Spezereiläden, 3 Schuhmacher, 2 Schmiedmeister, 3 Schlossermeister, 2 Zimmermeister, 3 Schreinermeister, 2 Wagner und Küfer, 2 Herrenschneidereien, 2 vollamtliche Nachtwächter mit Hunden, 3 Coiffeure, 2 Uhrenmacher, 1 Feldmauser[4], 1 Dorfweibel, 1 Briefträger und 1 Hilfsbriefträger, 1 Laden zum Verkauf von Glühbirnen, 1 Laden mit Salzregal, 2 Tuchläden, 1 Betreibungsbeamter im Nebenamt, 1 Sigrist im Nebenamt[3].

Nach dem Zweiten Weltkrieg und mit der aufkommenden Motorisierung verschwanden viele Gewerbebetriebe. In den 1950er und 1960er Jahren existierten noch: 1 Schmied, 1 Sattler, 1 Schreiner, 1 Zimmermann, 1 Wagner, 1 Küfer, 1 Klauenschneider auf Stör[3].

Die heute stillgelegte Seidenweberei Haas beherbergt das Warenhaus Haas Shopping. Insgesamt existieren 113 Arbeitsstätten in Ottenbach. Im Dorf gibt es einen Kindergarten und eine Primarschule; die Oberstufenschule besuchen die Schüler in Obfelden.

Verkehr[Bearbeiten]

Ottenbach liegt an der Kreuzung der Verbindungsstrassen Muri AGAffoltern am Albis und Bremgarten AGMettmenstetten. Die Gemeinde hat keinen direkten Anschluss an die S-Bahn Zürich, ist jedoch mit Busverbindungen zum Bahnhof Affoltern a.A. und bis nach Zürich-Wiedikon erschlossen.

Mit der Eröffnung der Nationalstrasse A4 durchs Knonauer Amt und dem Bau des Uetlibergtunnels dürfte sich die Attraktivität der Gemeinde erhöhen. Da jedoch die durch Ottenbach führenden Strassen als Zubringer zur A4 dienen werden, wird auch der Verkehr im Dorf stark zunehmen. Deshalb war eine Umfahrungsstrasse für Ottenbach und Obfelden geplant. Dabei kam es zu Kontroversen, als der Zürcher Regierungsrat den Bau der Strasse im Mai 2007 aus Gründen des Landschaftsschutzes zuerst nicht bewilligen wollte. Im Dezember 2007 korrigierte dieser seinen Entscheid und es wird voraussichtlich eine Umfahrungsstrasse nur für Ottenbach gebaut.

Sehenswürdigkeiten, Brauchtum und lokale Spezialitäten[Bearbeiten]

Spräggele

Zu den Wahrzeichen von Ottenbach gehört neben der Kirche der markante Riegelbau des Gasthof Engel, der seit 1422 über das Weinschenke- und seit 1626 über das ehafte Tavernenrecht verfügte.

Die Spräggele, ein Fruchtbarkeitsbrauch, der ursprünglich in verschiedenen Ämtler Gemeinden ausgeübt wurde, gibt es nur noch in Ottenbach. Er findet immer am ersten und zweiten Freitag im Dezember statt.

Die Ottenbacher Schellerbirne ist eine ortstypische Birnensorte, die hier im 18. Jahrhundert entdeckt wurde.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Walter Bodmer (1896–1989), Industrieller und Wirtschaftshistoriker
  • Georg Gessler (1924–2012), Künstler, seit 1970 hier arbeitend, auch hier verstorben
  • Erwin Hürlimann (1880–1968), Generaldirektor und Verwaltungsratspräsident der Schweizerischen Rückversicherungsanstalt
  • Hans Oeschger (1927–1998), Physiker und Klimaforscher

Literatur[Bearbeiten]

  • Bernhard Schneider, Ottenbachs Bevölkerung im Wandel der Zeit, Gemeinde Ottenbach, April 1986

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ottenbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2.  Daniel Gut: Lunnern. Londons Zwilling im Reusstal, Eine sprach- und kulturgeschichtliche Verortung von Siedlungsnamen.. BoD, Norderstedt 2010, ISBN 978-3-83708758-1.
  3. a b c d Ottenbacher Geschichte(-n): erzählt von Ottenbacherinnen und Ottenbachern in den Jahren 2009/2010. IG Ottenbacher Geschichten (Hrsg.), Ottenbach 2013, ISBN 978-3-906068-02-2
  4. Schweizer Fernsehen 9. August 1967: Der letzte seines Berufes