Ottmar Edenhofer

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Ottmar Edenhofer

Ottmar Georg Edenhofer (* 8. Juli 1961 in Gangkofen, Niederbayern) ist ein deutscher Ökonom und beschäftigt sich mit klima- und energiewirtschaftlichen Fragen. Derzeit ist er Professor für die Ökonomie des Klimawandels an der Technischen Universität Berlin, Vorsitzender der Arbeitsgruppe III des Weltklimarates (IPCC), stellvertretender Direktor und Chefökonom am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), Direktor des „Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change“ (MCC). Er ist Mitglied der Themengruppe Klima, Energie und Umwelt der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina sowie der Akademie der Wissenschaften in Hamburg.

Leben[Bearbeiten]

Ottmar Edenhofer studierte in München und legte dort an der Ludwig-Maximilians-Universität 1987 sein Diplom in Wirtschaftswissenschaften (Prädikatsexamen) ab. Bis 1991 absolvierte er seinen Bachelor of Arts in Philosophie an der Hochschule für Philosophie München (summa cum laude). Während seiner Studienzeit gründete er ein Unternehmen im öffentlichen Gesundheitswesen und leitete von 1991 bis 1993 eine humanitäre Hilfsorganisation in Kroatien und Bosnien. Von 1994 bis 2000 arbeitete er als wissenschaftlicher Assistent an der Technischen Universität Darmstadt und schrieb dort im Jahr 1999 seine Doktorarbeit im Bereich Wirtschaftswissenschaften (summa cum laude).

Tätigkeiten[Bearbeiten]

Seit 2007 ist Ottmar Edenhofer stellvertretender Direktor und Chefökonom am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und leitet dort gegenwärtig den Forschungsbereich III („Nachhaltige Lösungsstrategien“). Zusammen mit den Mitarbeitern des Forschungsbereichs formulierte er den „Global Deal“ für den Klimaschutz und entwickelte das Konzept für den transatlantischen Kohlenstoffmarkt. Am PIK betreut er außerdem Promovierende und Studierende aus unterschiedlichen Fachbereichen und leitet und koordiniert mehrere durch Drittmittel finanzierte Forschungsprojekte. Neben Beiträgen in Wissenschaftsmagazinen wie Science, Nature Climate Change, Climatic Change Energy Journal, Energy Economics und Energy Policy war Ottmar Edenhofer an einer Reihe von weiteren Publikationen beteiligt, z.B. zusammen mit Nick Stern, „The Economics of Climate Change in China: Towards a Low Carbon Economy“ oder am Bericht „Global, aber Gerecht. Klimawandel bekämpfen, Entwicklung ermöglichen“. Unter seiner Leitung entstand der IPCC Sonderbericht zu Erneuerbaren Energien und der Vermeidung des Klimawandels (Special Report on Renewable Energy Sources and Climate Change Mitigation, SRREN).

Seit August 2008 ist Ottmar Edenhofer Lehrstuhlinhaber für die Ökonomie des Klimawandels (gemeinsame Berufung mit der Michael Otto Stiftung für Umweltschutz an der Technischen Universität Berlin). Anfang September desselben Jahres wurde er zu einem der Vorsitzenden des Weltklimarates gewählt und leitet dort zusammen mit Youba Sokona und Ramón Pichs Madruga für die kommenden sieben Jahre die Arbeitsgruppe III („Mitigation of Climate Change“). Er ist Direktor des 2012 gegründeten „Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change“ (MCC) und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates des ifo-Institutes für Wirtschaftsforschung in München, Mitglied der Themengruppe „Klima, Energie und Umwelt“ der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina Halle (Saale) und Mitglied im Beirat „Green Growth Knowledge Platform“ der Weltbank.

Wirken in der öffentlichen Klimaschutzdebatte[Bearbeiten]

Zusätzlich zu seiner Forschungs- und Lehrtätigkeit ist Ottmar Edenhofer an der öffentlichen und politischen Klimaschutz-Debatte in Deutschland und der EU beteiligt. Bis September 2009 beriet er außerdem Bundesaußenminister und Vize-Kanzler Frank-Walter Steinmeier in Fragen der globalen Klimapolitik.

Im Jahr 2010 trat er als Co-Chair des Arbeitsgruppe öffentlich dafür ein, dass das Management und die Prozeduren des IPCC reformiert werden. In einem Aufsatz in der FAZ forderte er, dass ein unabhängiges Expertengremium den IPCC begutachten sollte.[1] Diese Forderung fand eine breite Unterstützung auch innerhalb des IPCC, was dazu führte, dass der Vorsitzende des IPCC R. Pachauri und der Uno-Generalsekretär gemeinsam den Interacedemy Council (IAC) beauftragten, den IPCC zu begutachten. Dieses Gutachten leitete den Reformprozess für den IPCC, der im Jahr 2012 erfolgreich abgeschlossen wurde.[2]

In diesem Zusammenhang äußerte er sich 2010 und 2011 ebenfalls zum Verhältnis von Politik und Wissenschaft, in der er ein pragmatisches Modell wissenschaftlicher Politikberatung forderte. Seine Vorschläge sind bei IPCC-Autoren auf Zustimmung gestoßen.[3]

Auch in der deutschen Energiewende bezog er zugunsten des Ausstiegs aus der Kernenergie Stellung. Bereits vor Fukushima forderte er eine Energiewende; die Verlängerung der Laufzeiten der Kernkraftwerke würden den Betreibern der Kraftwerke zusätzliche Gewinne bringen, aber die entscheidenden Fragen der Energiewende blieben ungelöst.[4]

Mit den Mitarbeitern des PIK hat er in der Publikation „Global, aber gerecht“ realistische Lösungswege charakterisiert, die sowohl die Vermeidung des Klimawandels umfassen als auch die Anpassung an den unvermeidbaren Klimawandel. In diesem Buch wurden das Klimaproblem auch umfassend als ein Problem internationaler Gerechtigkeit diskutiert. Darauf aufbauend wurde ein "Global Deal" für die Klima- und Entwicklungspolitik entwickelt.[5][6]

Er hat mehrere internationale Modellvergleichsstudien geleitet, in denen die Kosten und Strategien der Emissionsvermeidung ausführlich diskutiert wurden. Diese Ansätze haben ebenso Eingang in den IPCC Sonderbericht zu Erneuerbaren Energie und der Vermeidung des Klimawandels gefunden wie in der internationalen wissenschaftliche Debatte.[7][8]

Forschungsschwerpunkte[Bearbeiten]

Ottmar Edenhofer beschäftigt sich mit dem Einfluss von technischem Wandel auf die Kosten und Strategien des Klimaschutzes sowie dem Design von Politikinstrumenten im Kontext von Klima- und Energiepolitik. Weitere Forschungsschwerpunkte sind die Ökonomie der Klimastabilisierung, soziale Kosten-Nutzen-Analysen, Nachhaltigkeitstheorie, die Theorie des Wirtschaftswachstums, Umweltökonomie, Wohlfahrtstheorie und Intertemporale Gleichgewichtstheorie.

Mitgliedschaften[Bearbeiten]

  • seit 2007: Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Hamburg
  • seit 2008: Mitglied im Verein für Socialpolitik, Ausschuss für Umwelt- und Ressourcenökonomie
  • seit 2009: Mitglied der „International Association of Energy Economics“ (IAEE)
  • seit 2009: Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates des ifo-Institutes für Wirtschaftsforschung in München
  • seit 2009: Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates des „EUREF-Institutes“ in Berlin
  • seit 2010: Mitglied der Themengruppe „Klima, Energie & Umwelt“ der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina
  • seit 2010: Mitglied der Promotorengruppe Klima/Energie der Forschungsunion[9]
  • seit 2012: Mitglied des „Advisory Committee of the Green Growth Knowledge Platform“ (gemeinsame Initiative des Global Green Growth Institute, der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und der Weltbank)

Wissenschaftliche Auszeichnungen[Bearbeiten]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aufsatz in der FAZ
  2. http://www.de-ipcc.de/
  3. Vorschläge für ein pragmatisches Modell wissenschaftlicher Politikberatung
  4. http://www.ftd.de/politik/deutschland/:energieversorgung-der-zukunft-vergesst-den-atomkompromiss/50166486.html (Version vom 10. September 2010 im Internet Archive)Vorlage:Webarchiv/Wartung/Linktext_fehlt
  5. Edenhofer, O., Lotze-Campen, H., Wallacher, J., Reder, M. (Hrsg.) (2010): Global, aber gerecht: Klimawandel bekämpfen, Entwicklung ermöglichen. Beck Verlag.
  6. http://www.klima-und-gerechtigkeit.de/Inhalt.135.0.html?&L=%271
  7. Edenhofer, O., Knopf, B., Barker, T., Baumstark, L., Bellevrat, E., Chateau, B., Criqui, P., Isaac, M., Kitous, A., Kypreos, S., Leimbach, M., Lessmann, K., Magné, B., Scrieciu, S., Turton, H., van Vuuren, D.P. (2010): The Economics of Low Stabilisation: Model Comparison of Mitigation Strategies and Costs. The Energy Journal, Volume 31 (Special Issue 1). The Economics of Low Stabilization, S. 11–48, IAEE.
  8. IPCC [O. Edenhofer, R. Pichs-Madruga, Y. Sokona, K. Seyboth, P. Matschoss, S. Kadner, T. Zwickel, P. Eickemeier, G. Hansen, S. Schlömer, C. von Stechow (eds)], 2011: IPCC Special Report on Renewable Energy Sources and Climate Change Mitigation. Prepared by Working Group III of the Intergovernmental Panel on Climate Change. Cambridge University Press, Cambridge, United Kingdom and New York, NY, USA, 1075 S.
  9. http://www.forschungsunion.de/mitglieder/edenhofer/index.html

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ottmar Edenhofer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien